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Bereits ab Mitte 1944 begann die Stadt Norden mit dem Bau von [[Behelfsheime|Behelfsheimen]], um die große Zahl der Flüchtlinge unterbringen zu können.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 10</ref> Mit der sich verschärfenden Versorgungslage wurden die Bürger aufgerufen, bei der Ernte mitzuhelfen. Ende Juli versammelten sich daraufhin über tausend Menschen auf dem [[Torfmarkt]], bestiegen Lastwagen, Omnibusse und Fahrräder und machten sich auf dem Weg zum Ernteeinsatz. Unterstützung gab es von 1.200 Soldaten, die hierzu abkommandiert wurden.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 13</ref> Ab Dezember 1944 stieg die Zahl der Vertriebenen aus den (ehemaligen) deutschen Ostgebieten dann stetig an. Diese wurden zunächst vor allem in Privatwohnungen untergebracht.[[Datei:Sielstraße Gasthof Hinrichs Bombenschaden Zweiter Weltkrieg 17 01 1941 01.jpg|mini|Am 17. Januar 1941 wurde der [[Gasthof Hinrichs]] an der [[Sielstraße]] von einer Fliegerbombe getroffen. Ein junges Mädchen kam dabei ums Leben.]]
Bereits ab Mitte 1944 begann die Stadt Norden mit dem Bau von [[Behelfsheime|Behelfsheimen]], um die große Zahl der Flüchtlinge unterbringen zu können.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 10</ref> Mit der sich verschärfenden Versorgungslage wurden die Bürger aufgerufen, bei der Ernte mitzuhelfen. Ende Juli versammelten sich daraufhin über tausend Menschen auf dem [[Torfmarkt]], bestiegen Lastwagen, Omnibusse und Fahrräder und machten sich auf dem Weg zum Ernteeinsatz. Unterstützung gab es von 1.200 Soldaten, die hierzu abkommandiert wurden.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 13</ref> Ab Dezember 1944 stieg die Zahl der Vertriebenen aus den (ehemaligen) deutschen Ostgebieten dann stetig an. Diese wurden zunächst vor allem in Privatwohnungen untergebracht.[[Datei:Sielstraße Gasthof Hinrichs Bombenschaden Zweiter Weltkrieg 17 01 1941 01.jpg|mini|Am 17. Januar 1941 wurde der [[Gasthof Hinrichs]] an der [[Sielstraße]] von einer Fliegerbombe getroffen. Ein junges Mädchen kam dabei ums Leben.]]
[[Datei:Am Markt Marktplatz Volkssturm 1944.jpg|mini|''Volkssturm''-Männer mit Panzerfäusten bei ihrer Vereidigung auf dem Marktplatz (Oktober 1944).]]
[[Datei:Am Markt Marktplatz Volkssturm 1944.jpg|mini|''Volkssturm''-Männer mit Panzerfäusten bei ihrer Vereidigung auf dem Marktplatz (Oktober 1944).]]
Am 6. Mai 1945 trafen kanadische Truppen von Georgsheil kopmmend in Norden ein, denen bald britische folgten. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger bereits am 4. Mai energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht sowie der Stadtverwaltung vorgesprochen hatten, wurde die Stadt auf Geheiß von [[Friedrich-Wilhelm Fleischer|Landrat Fleischer]] und [[Max Janssen|Vize-Bürgermeister Janssen]] kampflos übergeben. Nachfolgend übernahm die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führte eine ''Entnazifizierung'' der Bevölkerung durch. Mehrere Gebäude in der Stadt wurden von den Besatzern requiriert, so etwa das [[Hitlerjugend-Heim]] und der [[Fräuleinshof]].
Am 6. Mai 1945 trafen kanadische Truppen von Georgsheil kommend in Norden ein, denen bald britische folgten. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger bereits am 4. Mai energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht sowie der Stadtverwaltung vorgesprochen hatten, wurde die Stadt auf Geheiß von [[Friedrich-Wilhelm Fleischer|Landrat Fleischer]] und [[Max Janssen|Vize-Bürgermeister Janssen]] kampflos übergeben. Nachfolgend übernahm die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führte eine ''Entnazifizierung'' der Bevölkerung durch. Mehrere Gebäude in der Stadt wurden von den Besatzern requiriert, so etwa das [[Hitlerjugend-Heim]] und der [[Fräuleinshof]].


Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Norddeicher Hafen]] als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den ''Atlantikwall'' militärisch aufgerüstet wurden, der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]] in [[Tidofeld]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Die Bunker dienten überwiegend dem Schutz der Bevölkerung, nur die beiden [[Bunker (Badestraße)|Bunker am Norddeich]] sollten der Verteidigung dienen und waren mit Flakstellungen ausgerüstet. Zum Einsatz an dieser - euphemistisch so genannten - ''Heimatflak'' wurden vor allem Schüler einberufen, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt starben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird noch heute jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht, in dem sich eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen findet. Zudem gibt es einen [[Soldatenfriedhof]] auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]] (''Parkfriedhof'') in [[Ostlintel]]. Insgesamt kamen über 2.000 Norder, vornehmlich junge Männer, während des Krieges ums Leben.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 72</ref>
Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Norddeicher Hafen]] als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den ''Atlantikwall'' militärisch aufgerüstet wurden, der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]] in [[Tidofeld]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Die Bunker dienten überwiegend dem Schutz der Bevölkerung, nur die beiden [[Bunker (Badestraße)|Bunker am Norddeich]] sollten der Verteidigung dienen und waren mit Flakstellungen ausgerüstet. Zum Einsatz an dieser - euphemistisch so genannten - ''Heimatflak'' wurden vor allem Schüler einberufen, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt starben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird noch heute jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht, in dem sich eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen findet. Zudem gibt es einen [[Soldatenfriedhof]] auf dem [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhof]] (''Parkfriedhof'') in [[Ostlintel]]. Insgesamt kamen über 2.000 Norder, vornehmlich junge Männer, während des Krieges ums Leben.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 72</ref>
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Bei den Kommunalwahlen am 12. September 2021 erreichte [[Heiko Schmelzle|Bürgermeister Schmelzle]] gerade einmal 20,18 % der Stimmen, während [[Florian Eiben]] als einer seiner fünf Herausforderer einen Stimmenanteil von 40,66 % auf sich vereinigen konnte. Da jedoch keiner der Kandidaten einen absoluten Stimmenanteil erringen konnte, kam es zwei Wochen später zu einer Stichwahl, die Eiben mit einem klaren Sieg für sich entscheiden konnte.<ref>[https://www.norden.de/Rathaus-Politik/Politik/Wahlen/ Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 2021 für die Stadt Norden], abgerufen am 14. September 2021</ref> In den sozialen Medien war bereits im Vorfeld der Wahlen erkennbar, dass dem bisherigen Amtsinhaber ein eher kritisches Zeugnis ausgestellt wurde. Vor allem wurde der ''Ausverkauf'' der Stadt an auswärtige Investoren und Neubürger, die dadurch bedingte Zunahme lebloser ''Rollladensiedlungen'' mit pflegeleichten, aber unansehnlichen Kiesgärten sowie die durch den gravierenden Anstieg bei Grundstücks- und Baukosten bedingte Abwanderung steuerzahlender Mitbürger, die die Stadt in Ermangelung an Alternativen verließen. Dennoch war die Amtszeit Schmelzles durchaus von bedeutenden Erfolgen geprägt, wie etwa den Beginn des umfangreichen Ausbaus des [[Norddeicher Strand|Norddeicher Strands]] (''Masterplan Wasserkante'') zu einer noch attraktiveren Umgebung und dem Kauf des ehemaligen [[Doornkaat|Doornkaatgeländes]], wodurch die Stadt nun Eigentümer eines Geländes mit einem vielfältigen und hohen Potential wurde.
Bei den Kommunalwahlen am 12. September 2021 erreichte [[Heiko Schmelzle|Bürgermeister Schmelzle]] gerade einmal 20,18 % der Stimmen, während [[Florian Eiben]] als einer seiner fünf Herausforderer einen Stimmenanteil von 40,66 % auf sich vereinigen konnte. Da jedoch keiner der Kandidaten einen absoluten Stimmenanteil erringen konnte, kam es zwei Wochen später zu einer Stichwahl, die Eiben mit einem klaren Sieg für sich entscheiden konnte.<ref>[https://www.norden.de/Rathaus-Politik/Politik/Wahlen/ Wahlergebnisse der Kommunalwahlen 2021 für die Stadt Norden], abgerufen am 14. September 2021</ref> In den sozialen Medien war bereits im Vorfeld der Wahlen erkennbar, dass dem bisherigen Amtsinhaber ein eher kritisches Zeugnis ausgestellt wurde. Vor allem wurde der ''Ausverkauf'' der Stadt an auswärtige Investoren und Neubürger, die dadurch bedingte Zunahme lebloser ''Rollladensiedlungen'' mit pflegeleichten, aber unansehnlichen Kiesgärten sowie die durch den gravierenden Anstieg bei Grundstücks- und Baukosten bedingte Abwanderung steuerzahlender Mitbürger, die die Stadt in Ermangelung an Alternativen verließen. Dennoch war die Amtszeit Schmelzles durchaus von bedeutenden Erfolgen geprägt, wie etwa den Beginn des umfangreichen Ausbaus des [[Norddeicher Strand|Norddeicher Strands]] (''Masterplan Wasserkante'') zu einer noch attraktiveren Umgebung und dem Kauf des ehemaligen [[Doornkaat|Doornkaatgeländes]], wodurch die Stadt nun Eigentümer eines Geländes mit einem vielfältigen und hohen Potential wurde.


Mitte 2024 wurde bekannt, dass das Baugebiet [[Südlich Wigboldstraße]] aufgegeben werde. Die Preissteigerungen durch die [[COVID 19-Pandemie]] sowie die grassierende Inflation seit 2022 infolge der russisch-ukrainischen Konflikts ließen die Erschließungskosten ebenso steigen, wie immer weitere, kostenintensive Auflagen seitens der Stadtverwaltung. Die Investorin gab das seit 2016 projektierte Baugebiet infolgedessen auf, wodurch die Stadtverwaltung abermals die Chance auf neues Bauland und neuen Wohnraum verspielte. Unabhängig dieser Entwicklungen gab es ohnehin kaum Interessenten für das Bauland, da die Konstellation von hohen Zinsen, hoher Baulandkosten und hoher Neubaukosten auf der einen Seite einer eher mäßigen Lage nördlich des [[Klärwerk|Klärwerks]] und am äußersten Stadtrand auf der anderen Seite von vielen als nicht angemessen gesehen wurde.
Im August 2024 wurde bekannt, dass das Baugebiet [[Südlich Wigboldstraße]] aufgegeben werde.<ref>Bericht im Ostfriesischen Kurier vom 31. August 2024</ref> Die Preissteigerungen durch die [[COVID 19-Pandemie]] sowie die grassierende Inflation seit 2022 infolge der russisch-ukrainischen Konflikts ließen die Erschließungskosten ebenso steigen, wie immer weitere, kostenintensive Auflagen seitens der Stadtverwaltung. Die Investorin gab das seit 2016 projektierte Baugebiet infolgedessen auf, wodurch die Stadtverwaltung abermals die Chance auf neues Bauland und neuen Wohnraum verspielte. Unabhängig dieser Entwicklungen gab es ohnehin kaum Interessenten für das Bauland, da die Konstellation von hohen Zinsen, hoher Baulandkosten und hoher Neubaukosten auf der einen Seite einer eher mäßigen Lage nördlich des [[Klärwerk|Klärwerks]] und am äußersten Stadtrand auf der anderen Seite von vielen als nicht angemessen gesehen wurde.


==Verwaltung und Politik==
==Verwaltung und Politik==