Hexenkolk

Aus Norder Stadtgeschichte
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Hexenkolk

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Basisdaten
Stadtteil/-viertel Ekel
Genaue Lage Uferstraße

Als Hexenkolk bezeichnet man ein naturbelassenes Feuchtgebiet am Norder Tief im Osten der Stadt, das sich grob hinter dem Galgenberg, dem Krankenhaus und dem Pflegeheim Johann-Christian-Reil-Haus befindet. Durch den Hexenkolk führt ein Wanderweg, seit den 1980er Jahren überquert hier die Holzbrücke das Tief.

Die größere Wasserfläche an der nördlichen Uferstraße und die kleinere im Park des Pflegeheims bilden die Überreste von zwei Flussschlingen des Norder Tiefs, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg südwestlich durchstochen wurden, was zu einer Begradigung des Wasserlaufes führte und die Überreste als Altarme zurückließ.

Geschichte

Es ist unbekannt, wann die erste Erwähnung als Hexenkolk erfolgte und ob der Begriff vor dem Krieg überhaupt bereits verwendet wurde, als sich auf beiden Seiten des alten Flussverlaufs noch Weideflächen und offenes Land befunden haben.

Fest steht, dass die einige hundert Meter weiter flussaufwärts gelegene Brücke nach Lütetsburg schon zu früheren Zeiten als Kolkbrücke bezeichnet wurde und sich in deren Nähe der sogenannte Lütetsburger Kolk befindet. Der gesamte obere Wasserlauf des Tiefs und seiner Nebenarme war bis zum Bau der ersten Sielanlagen in Norden gegen Beginn des 14. Jahrhunderts, bei schweren Sturmfluten möglicherweise auch danach noch, stark tidebeeinflusst und somit auch ständig überflutungsgefährdet, was die Entstehung von Kolken und ständige Änderungen des Flussverlaufes nach sich gezogen haben muss, beispielsweise im Zuge der Zweiten Marcellusflut im Jahre 1362. So erklärt sich der kolkartige Charakter dieses Landstreifens, der sich als Marschland zwischen den Höhenzügen der isolierten Norder Geestinsel und des restlichen ostfriesischen Geestrückens befindet.

Vergleich der Flussläufe 1945 (hell) und 2022 (dunkel). Beim Durchstich entstanden demnach zuerst zwei Flussinseln.

Deutungsversuche des Namens

Die Zeit der Hexenverfolgung für Ostfriesland wird vor allem für das 16. Jahrhundert, der Regierungszeit von Graf Edzard, angenommen. Es existieren für den Bereich Norden allerdings keine bekannten Unterlagen oder Dokumente aus dieser Zeit. Ob ein Zusammenhang zum Namen Hexenkolk besteht, ist somit völlig unklar.

Zu Zeiten der Hexenverfolgung wurden Überlieferungen zufolge der Hexerei verdächtige Personen der sogenannten Wasserprobe unterzogen. Man band ihre Arme und Beine zusammen und legte sie ins Wasser. Gingen sie nicht innerhalb einer festgelegten Zeitspanne unter, waren sie der Hexerei überführt, da das Wasser sie verschmäht hatte. Es folgten weitere Folterungen und schließlich der Tod auf dem Scheiterhaufen. Gingen die Frauen unter, sprach man sie vom Vorwurf der Hexerei frei, was ihnen in Angesicht des Todes aber auch nichts mehr brachte. So oder so hatten die Angeklagten kaum eine Chance zu überleben. Man ging davon aus, dass sie von Gott errettet werden, sollten sie schuldig sein. Daher sprach man bei der Wasserprobe auch von einem Gottesurteil. Die Interpretation, ob eine Hexe die Prozedur dank Gott überlebte oder das Wasser sie wegen ihres Bundes mit dem Teufel verschmäht hatte, oblag wohl den abergläubischen Zuschauern oder den Richtenden.

Galerie

Verwilderter Uferbewuchs am Hexenkolk und Norder Tief, 2015

Quellenverzeichnis

  • Imhoff, Mathilde (1985): Die Flurnamen zur Deutschen Grundkarte 1:5000 (DGK5) 2409/2 Norden-Ost, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 28. Juni 1985, Nr. 23
  • Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0413031.jpg)

Siehe auch