Haus Gronewold

Aus Norder Stadtgeschichte
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Haus Gronewold

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1544
Erbauer Betto Hinckena
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 46

26506 Norden

Das Haus Gronewold gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt und stammt aus der Zeit um 1544. Es ist nach der Apothekerfamilie Gronewold benannt, der das Haus ab 1909 gehörte. Seit 2015 wurde das durch langjährigen Leerstand abgängige Bauwerk aufwendig restauriert und beherbergt seit der Fertigstellung 2021 mehrere Wohnungen.

Geschichte

Das Gebäude, das äußerlich sichtbare Ähnlichkeiten mit dem Engenahof aufweist, wurde um 1544 errichtet und gehört damit zu den ältesten, noch bestehenden Gebäuden in Norden. Das Baujahr ließ sich anhand von Untersuchungen verbauter Holzbalken datieren.[1] Die Heimatforscherin Gretje Schreiber vermutet die Fertigstellung um das Jahr 1565.[2] Der untere Wohnteil wurde wahrscheinlich als Handelsraum genutzt, während das mittlere Stockwerk für Wohnzwecke diente. Das Dachgeschoss wurde vermutlich als Warenlager genutzt. Insgesamt ist das Gebäude reich an Detailruhm und weist damit auf den Wohlstand seiner Besitzer hin.[1]

Erster dokumentierter Eigentümer ist Meint Hinckena, der 1593 genannt wird.[3] Wahrscheinlich war dessen Vater Betto Hinckena, damals Bürgermeister von Norden, der Erbauer dieses Hauses.[2] Schon in der dritten Generation muss Jibbe Meints, Sohn des Meint Hinckena, das Haus 1625 schließlich verkaufen, wodurch es für drei Generationen in den Besitz eines alten, wohlhabenden Bauerngeschlechts aus Ostermarsch gelangte.[2]

Ab etwa 1680 befand sich hier neben mehreren Wohnungen - für etwa 100 Jahre - eine Brauerei. Anschließend wurde im Haus 30 Jahre lang Genever gebrannt.[2] Im 19. Jahrhundert mietete Bürgermeister Taaks das Gebäude und erwarb es später durch Kauf. 1857 oder 1859 erweiterte er das Gebäude um einen Anbau nach rechts, um seiner Frau, die Baroness Blonay-Montfaucon, ein standesgemäßes Anwesen bieten zu können.[3][4][5] Hinter dem Haus ließ er eine prachtvolle Gartenanlage anlegen.[2]

Bürgermeister Taaks versuchte Mitte des 19. Jahrhunderts, König Georg V. von Hannover, zu dessen Königreich Ostfriesland seinerzeit gehörte, zu einem längeren Verweilen in Norden zu bewegen. Dieser hatte die Insel Norderney für sich entdeckt und besuchte sie regelmäßig. Eigens für ihn war die heutige Bundesstraße gepflastert sowie der Ort Georgsheil im Südbrookmerland nach ihm benannt geworden. Da Georg V. die Stadt Norden auf seiner Reise nach Norderney jedoch jedes Mal nur durchquerte und hier nicht verweilte, lud Taaks ihn in sein Heim ein, das er eigens dafür aufwerten ließ. Tatsächlich soll der König hier im Jahre 1857 mehrere Norder Persönlichkeiten empfangen und eine Kleinigkeit gespeist haben.[1][2] Da der König jedoch seit seiner Jugend erblindet war, wird er von der aufwendigen Restaurierung wohl leider nichts bemerkt haben.

Nach dem Tode Taaks' und seiner Witwe gehörte das Haus ab 1909 der Apothekerfamilie Gronewold, nach der das Gebäude bis heute benannt ist. Trotz ihres Engagements, das historisch wertvolle Bauwerk zu bewahren, zerfiel es nach dem Tode des letzten Bewohners dieser Familie im Jahre 2002 durch jahrelangen Leerstand zusehends.[3] Insgesamt konnten bis dahin in der Geschichte des Hauses 19 Eigentümer nachgewiesen werden.[2] In einer der Wohnungen soll auch der Lehrer Lothar Hein gewohnt haben.[6]

2013 erwarb Gustav Claashen von Claashen Immobilien das Objekt und unterzog es ab 2015 einer umfangreichen Restaurierung, bei der selbst kleinste Details erhalten bzw. wiederhergestellt wurden. So wurden etwa sämtliche Backsteine einzeln entnommen, gereinigt und wieder aufgemauert.[1] Es entstanden sechs unterschiedliche Wohnungen. Vor Claashen waren bereits mehrere Eigentümer an der Realisierung dieses umfangreichen, kostenintensiven Projekts gescheitert. Zur Aufarbeitung der Gebäudehistorie beauftragte Claashen die Norder Heimatforscherin Gretje Schreiber, die die Geschichte des Hauses in einem im September 2021 veröffentlichten Buch zusammentrug.[2]

Seit der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten beherbergt das Gebäude heute mehrere Wohnungen gehobenen Standards und ist ein vorbildliches Beispiel für die sehr gelungene Erhaltung bedeutender Bauwerke der Norder Altstadt durch einen heimatverbundenen Investoren. Zugleich ist es ein krasser Gegensatz zu den zahllosen Bauprojekten der jüngeren Vergangenheit, bei denen auswärtige Investoren erhaltenswerte Gebäude zugunsten schlichter Mehrparteienhäuser abbrechen ließen und dadurch ortsbildprägende Strukturen unwiederbringlich (zer-)störten.

Beschreibung

Im Erd- und Obergeschoss ist das originale Mauerwerk erhalten. Der Giebel weist eine außergewöhnlich aufwendige Gestaltung auf. Die drei Achsen werden durch vier Mauerblenden (Lisenen), die mit Formatsteinen hergestellt sind und zudem Specklagen (heller Naturstein im roten Backsteinmauerwerk) zeigen, getrennt. Die Schiebefenster in Blockrahmentechnik stammen aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Die ursprünglichen Kreuzstockfenster waren von Entlastungsbögen überwölbt, nur im Obergeschoss sind diese noch originalgetreu erhalten.[3]

Die Muschel über dem über dem mittleren Fenster zeigt die Jahreszahl 1680, die jedoch nicht das Baujahr angibt, sondern sich auf eine Renovierung oder einen Besitzerwechsel bezieht. Über der Haustür findet sich ein Oberlicht, das an das des Engenahofs erinnert. Es stammt aus der Zeit um 1800.[3]

Der ältere Gebäudeteil war im vorderen Bereich seit seiner Erbauung unterkellert. Darüber erhob sich das dreigeschossige Gebäude. Der Fußboden im Keller besteht aus gebrannten Lehmziegeln, in den Wänden befinden sich dekorative Nischen. Sie dienten in früheren Zeiten dazu, den Raum mit Kerzen zu beleuchten.[1]

Galerie

Allgemeine Fotos

Restaurierungsarbeiten

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Norderland Magazin Mai-Juli 2020, Norden, S. 7ff.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Ostfriesischer Kurier vom 7. August 2021, S. 4
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 168f.
  4. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 122
  5. Bericht der Nordwest Zeitung zur Restauration, abgerufen am 7. August 2021
  6. Zeitzeugenbefragung am 6. August 2021

Siehe auch