Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 40: Zeile 40:
Die Vergrößerung der Leybucht führte jedoch auch dazu, dass Norden, welches auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] liegt und dessen Kernstadt daher weitestgehend verschont blieb, nun über einen direkten Zugang zum Meer verfügte. Brachten die Fluten noch so viel Unheil mit sich, wussten die Norder die neuen Umstände zu ihrem Vorteil zu Nutzen und errichteten 1376 einen Seehafen an der südlichen Stadtgrenze, die sich damals noch in etwa in Höhe [[Am Alten Siel]] befand.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 17</ref>
Die Vergrößerung der Leybucht führte jedoch auch dazu, dass Norden, welches auf einer erhöhten [[Norder Geestinsel|Geestinsel]] liegt und dessen Kernstadt daher weitestgehend verschont blieb, nun über einen direkten Zugang zum Meer verfügte. Brachten die Fluten noch so viel Unheil mit sich, wussten die Norder die neuen Umstände zu ihrem Vorteil zu Nutzen und errichteten 1376 einen Seehafen an der südlichen Stadtgrenze, die sich damals noch in etwa in Höhe [[Am Alten Siel]] befand.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 17</ref>


Möglich ist, dass Norden schon vor dem Bau eines ''richtigen'' Hafens einen regen Schiffshandel führte. In einer Urkunde vom 7. September 1310, unterzeichnet unter anderem von [[Hunno dictus Onnenga]], wird die Sicherheit des Schiffsverkehrs zwischen dem [[Norderland]] und der Stadt Bremen vertraglich geregelt.<ref>[http://www.cartago.nl/nl/oorkonde/oub0044.xml Digitalisierter Vertrag zwischen dem Norderland und Bremen], abgerufen am 30. März 2021</ref> Dieser Vertrag könnte sich jedoch auch darauf bezogen haben, die Piraterie zum Nachteil der Hanseatischen Schiffe zu unterbinden. Aber auch die Norder Schiffe wurden Opfer der Piraterie durch direkte oder indirekte Beteiligung mit der Stadt verfeindeter [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlinge]]. So wird im Jahre 1494 der Häuptling Edo Wiemken (Östringen, Rüstringen) von [[Edzard Cirksena|Graf Edzard]] vor einem Bremer Gericht verklagt, da dieser elf Norder Schiffe beschädigt hatte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 33</ref> Die Unterstützung der Piraterie durch die [[tom Brook]] führte gar zur Zerstörung der [[Ennenburg]] durch Soldaten der Hansestadt Hamburg.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref> Auch der [[Norder Vertrag]] von 1255 sowie weitere Verträge von 1269 und 1367 regelten Handelsbeziehungen zwischen Norden und Bremen. Vor allem versprachen die Verträge den Händlern freies Geleit und Schutz vor Piraterie.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 32f.</ref>
Möglich ist, dass Norden schon vor dem Bau eines ''richtigen'' Hafens einen regen Schiffshandel führte. In einer Urkunde vom 7. September 1310, unterzeichnet unter anderem von [[Hunno dictus Onnenga]], wird die Sicherheit des Schiffsverkehrs zwischen dem [[Norderland]] und der Stadt Bremen vertraglich geregelt.<ref>[http://www.cartago.nl/nl/oorkonde/oub0044.xml Digitalisierter Vertrag zwischen dem Norderland und Bremen], abgerufen am 30. März 2021</ref> Dieser Vertrag könnte sich jedoch auch darauf bezogen haben, die Piraterie zum Nachteil der Hanseatischen Schiffe zu unterbinden. Aber auch die Norder Schiffe wurden Opfer der Piraterie durch direkte oder indirekte Beteiligung mit der Stadt verfeindeter [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlinge]]. So wird im Jahre 1494 der Häuptling Edo Wiemken (Östringen, Rüstringen) von [[Edzard Cirksena|Graf Edzard]] vor einem Bremer Gericht verklagt, da dieser elf Norder Schiffe beschädigt hatte.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 33</ref> Die Unterstützung der Piraterie durch die [[tom Brook]] führte gar zur Zerstörung der [[Ennenburg]] durch Soldaten der Hansestadt Hamburg.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Flurnamenforschung. Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 37</ref> Auch der [[Norder Vertrag]] von 1255 sowie weitere Verträge von 1269 und 1367 regelten Handelsbeziehungen zwischen Norden und Bremen. Vor allem versprachen die Verträge den Händlern freies Geleit und Schutz vor Piraterie.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 32f.</ref>[[Datei:Norder Hafen historische Karte.jpg|mini|Der Norder Hafen auf einer historischen Karte.]]Die Norder schafften es relativ schnell, ihre Randlage für den Aufbau einer Handelsflotte zu nutzen und da ihnen ein unwegsames Hochmoor die Verbindung mit dem Hinterland im Süden stark erschwerte und kein Fluss ihnen die binnenländischen Gebiete öffnete, versuchten sie erfolgreich den Seehandel bis nach Lübeck, Geldern und Flandern.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 44</ref> Später kamen noch weiter entfernte Ziele wie Riga (Lettland), Nowgorod (Russland) und Danzig (Westpreußen, seit 1945 zu Polen) hinzu.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> Regelmäßige Verbindungen bestanden nach Amsterdam, Groningen, Hamburg und Bremen.<ref name=":6">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 16</ref> Schon bald verlieh die Landesherrschaft der Stadt eine eigene Handelsflagge, unter der die Schiffe andere Häfen ansteuerten. Als Schiffseigentümer traten vor allem weltliche, aber auch kirchliche Herren in Erscheinung, so etwa der Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]].<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref>
 
Die Norder schafften es relativ schnell, ihre Randlage für den Aufbau einer Handelsflotte zu nutzen und da ihnen ein unwegsames Hochmoor die Verbindung mit dem Hinterland im Süden stark erschwerte und kein Fluss ihnen die binnenländischen Gebiete öffnete, versuchten sie erfolgreich den Seehandel bis nach Lübeck, Geldern und Flandern.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 44</ref> Später kamen noch weiter entfernte Ziele wie Riga (Lettland), Nowgorod (Russland) und Danzig (Westpreußen, seit 1945 zu Polen) hinzu.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref> Regelmäßige Verbindungen bestanden nach Amsterdam, Groningen, Hamburg und Bremen.<ref name=":6">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 16</ref> Schon bald verlieh die Landesherrschaft der Stadt eine eigene Handelsflagge, unter der die Schiffe andere Häfen ansteuerten. Als Schiffseigentümer traten vor allem weltliche, aber auch kirchliche Herren in Erscheinung, so etwa der Abt des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]].<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2000): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 41</ref>


Zwar stand die Norder Handelsflotte der Emdens stets nach, doch bescherte sie der Stadt lange Zeit eine wirtschaftliche Blüte. In einem Dokument aus dem Jahre 1530 wurden die Norder Ausfuhrgüter gerühmt. So wurden in dieser Zeit offenbar vor allem ''"vorzügliche Pferde, große und fette Rinder, Butter, Käse, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Seefische, Wolle und Hanf, Honig und Flachs''" ausgeführt.<ref name=":5" /> Weitere wichtige Exportgüter waren Salz, gewonnen aus Salztorf (abgestorbenes, mit Salzwasser vollgesogenes Moor), das in zahlreichen Siedereien in der Umgebung gewonnen wurde sowie Kalk, das man in [[Kalkmühle|Kalkmühlen]] aus Muscheln herstellte und das seinerzeit ein verbreiteter Baustoff war.<ref>Verein für hansische Geschichte (1910): Hansische Geschichtsblätter. Band XVI, Leipzig, S. 280</ref> Eingeführt wurden vor allem Weizen, Roggen, Obst, Zwiebeln, Wein, Tuche und das begehrte ''Hamburger Bier''.<ref name=":5">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 42</ref>
Zwar stand die Norder Handelsflotte der Emdens stets nach, doch bescherte sie der Stadt lange Zeit eine wirtschaftliche Blüte. In einem Dokument aus dem Jahre 1530 wurden die Norder Ausfuhrgüter gerühmt. So wurden in dieser Zeit offenbar vor allem ''"vorzügliche Pferde, große und fette Rinder, Butter, Käse, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Seefische, Wolle und Hanf, Honig und Flachs''" ausgeführt.<ref name=":5" /> Weitere wichtige Exportgüter waren Salz, gewonnen aus Salztorf (abgestorbenes, mit Salzwasser vollgesogenes Moor), das in zahlreichen Siedereien in der Umgebung gewonnen wurde sowie Kalk, das man in [[Kalkmühle|Kalkmühlen]] aus Muscheln herstellte und das seinerzeit ein verbreiteter Baustoff war.<ref>Verein für hansische Geschichte (1910): Hansische Geschichtsblätter. Band XVI, Leipzig, S. 280</ref> Eingeführt wurden vor allem Weizen, Roggen, Obst, Zwiebeln, Wein, Tuche und das begehrte ''Hamburger Bier''.<ref name=":5">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 42</ref>
Zeile 50: Zeile 48:
Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten niederländische Freibeuter, die sogenannten ''Geusen'', den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, da diese oftmals selbst von erbeuteter Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Ihre beiden Kapitäne wurden vor dem [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] angeklagt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref>
Noch bis in das späte 16. Jahrhundert, insbesondere auch wegen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, nutzten niederländische Freibeuter, die sogenannten ''Geusen'', den Norder Hafen als Umschlagplatz für ihre Waren und Liegeplatz. Trotz gräflichen Verbotes wurde dies lange Zeit durch die Norder stillschweigend geduldet, da diese oftmals selbst von erbeuteter Waren profitierten. Erst als Freibeuter drei Frauen aus dem Groningerland nach Norden verschleppten, rottete sich ein wütender Mob zusammen und brachte die Frauen im [[Altes Rathaus|Alten Rathaus]] in Sicherheit. Die Freibeuter planten daraufhin, das Gebäude zu stürmen, woraufhin die Norder zu den Waffen griffen und die Freibeuter vertrieben. Ihre beiden Kapitäne wurden vor dem [[Stadtgericht Norden|Stadtgericht]] angeklagt und nach kurzer Haft hingerichtet.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 47f.</ref> Der amtierende Bürgermeister [[Bernhard von Münster]] wurde wegen Kollaboration mit den Freibeutern aus seinem Amt entlassen.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 49</ref>
===Blütezeit===
===Blütezeit===
[[Datei:Norder Hafen historische Karte.jpg|mini|Der Norder Hafen auf einer historischen Karte.]]
In den Folgejahren gedieh der Handel im Hafen fortwährend, was unter anderem auch darauf zurückzuführen war, dass die benachbarten Niederlande immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war oder mit Embargos anderer Staaten belegt wurde. Dadurch wurde es beispielsweise schwer, unter niederländischer Fahne einige Seewege passieren zu dürfen oder aber es wurden Kaperbriefe für Freibeuter ausgeschrieben, die sich schadlos an den niederländischen Schiffen hielten. Daher suchten viele Kaufleute den Schutz der neutralen ostfriesischen Handelsfahnen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 61</ref> Davon profitierte insbesondere die Stadt Emden, aber auch Norden. Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Im Jahre 1610 erstellte der [[Magistrat]] eine erste Hafenordnung, in der genau geregelt wurde, wer welche Aufgaben bzw. Rechte im Hafen wahrnehmen und welchen Anteil am Handelsaufkommen einbehalten durfte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 24</ref> Diese sehr begehrten ''Hafenrechte'' wurden jährlich im [[Weinhaus]] versteigert.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref>
In den Folgejahren gedieh der Handel im Hafen fortwährend, was unter anderem auch darauf zurückzuführen war, dass die benachbarten Niederlande immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt war oder mit Embargos anderer Staaten belegt wurde. Dadurch wurde es beispielsweise schwer, unter niederländischer Fahne einige Seewege passieren zu dürfen oder aber es wurden Kaperbriefe für Freibeuter ausgeschrieben, die sich schadlos an den niederländischen Schiffen hielten. Daher suchten viele Kaufleute den Schutz der neutralen ostfriesischen Handelsfahnen.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 61</ref> Davon profitierte insbesondere die Stadt Emden, aber auch Norden. Seit dem 17. Jahrhundert befuhren Norder Schiffe das Meer sogar bis nach Spanien.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Im Jahre 1610 erstellte der [[Magistrat]] eine erste Hafenordnung, in der genau geregelt wurde, wer welche Aufgaben bzw. Rechte im Hafen wahrnehmen und welchen Anteil am Handelsaufkommen einbehalten durfte.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 24</ref> Diese sehr begehrten ''Hafenrechte'' wurden jährlich im [[Weinhaus]] versteigert.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref>


Zur Überwachung der rechtmäßigen Auslieferung von Getreide und Brenntorf an die Bewohner wurden von der Stadt entsprechend beauftragte Korn- und Torfmesser bestellt, die die Menge der Ware feststellen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 28</ref><ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 144</ref> Für die unmittelbare Abfertigung des Warenumschlags sorgten Sielfuhrleute, Schauerleute (Hafenarbeiter), Zähler und Anschreiber. Letztere hielten die von den ''Messern'' festgestellten Mengen akribisch schriftlich fest.<ref name=":4" /> Daneben gab es noch die Bakenstecher, die für die Schiffbarkeit der Fahrrinnen zuständig war.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 96</ref> Vorgesetzter aller am Hafen arbeitenden bzw. tätigen Personen war der sogenannte [[Kajemeister]], der zugleich auch für die Sicherheit, insbesondere im Bereich des Brandschutzes, zu sorgen hatte.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 143</ref>
Zur Überwachung der rechtmäßigen Auslieferung von Getreide und Brenntorf an die Bewohner wurden von der Stadt entsprechend beauftragte Korn- und Torfmesser bestellt, die die Menge der Ware feststellen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 28</ref><ref name=":4">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 144</ref> Für die unmittelbare Abfertigung des Warenumschlags sorgten Sielfuhrleute, Schauerleute (Hafenarbeiter), Zähler und Anschreiber. Letztere hielten die von den ''Messern'' festgestellten Mengen akribisch schriftlich fest.<ref name=":4" /> Daneben gab es noch die Bakenstecher, die für die Schiffbarkeit der Fahrrinnen zuständig war.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 96</ref> Vorgesetzter aller am Hafen arbeitenden bzw. tätigen Personen war der sogenannte [[Kajemeister]], der zugleich auch für die Sicherheit, insbesondere im Bereich des Brandschutzes, zu sorgen hatte.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 143</ref>[[Datei:Norder Hafen unbekanntes Datum 01.jpg|mini|Der Norder Hafen um die Jahrhundertwende.]]Nach der [[Petriflut]] im Jahre 1651 musste die Kajung erneuert werden, da zum einen die Flut selbst große Schäden angerichtet hatte und sich zwischenzeitlich Holzwürmer am Holzwerk zu schaffen gemacht hatten.<ref name=":7" /><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 85</ref> Die Norder Seeflotte muss seinerzeit eine beachtliche Größe gehabt haben. Der wichtigste Handelspartner waren weiterhin die Niederlande. Dies blieb auch in der Folgezeit so. Auch der Umstand, dass Ostfriesland nach dem Tod von [[Carl Edzard Cirksena|Graf Carl Edzard]] 1744 an Preußen fiel, schien dem Seehandel keine Nachteile verschafft zu haben. Enge Beziehungen wurden seinerzeit auch mit der Hansestadt Bremen unterhalten, allein 1772 bis 1790 sollen pro Jahr rund 50 Norder Handelsschiffe nach Bremen ausgelaufen sein.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 141</ref>


Nach der [[Petriflut]] im Jahre 1651 musste die Kajung erneuert werden, da zum einen die Flut selbst große Schäden angerichtet hatte und sich zwischenzeitlich Holzwürmer am Holzwerk zu schaffen gemacht hatten.<ref name=":7" /><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 85</ref> Die Norder Seeflotte muss seinerzeit eine beachtliche Größe gehabt haben. Der wichtigste Handelspartner waren weiterhin die Niederlande. Dies blieb auch in der Folgezeit so. Auch der Umstand, dass Ostfriesland nach dem Tod von [[Carl Edzard Cirksena|Graf Carl Edzard]] 1744 an Preußen fiel, schien dem Seehandel keine Nachteile verschafft zu haben. Enge Beziehungen wurden seinerzeit auch mit der Hansestadt Bremen unterhalten, allein 1772 bis 1790 sollen pro Jahr rund 50 Norder Handelsschiffe nach Bremen ausgelaufen sein.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 141</ref>
Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Handelsflotte während des bald folgenden US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776-1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden das [[Bürgerrecht]], um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 138</ref> In dieser Zeit, nämlich 1787 wurden die sogenannten ''Beurtfahrten'' (sprich: ''Börtfahrten'') in die Niederlanden dann auch vertraglich festgehalten. Diese Fahrten kann man sich als regelmäßiger Pendelverkehr zwischen den Niederlanden und Norden vorstellen, bei denen in der Regel die immer wiederkehrenden Artikel des täglichen Bedarfs transportiert wurden.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 142</ref>


Einen erneuten Zuwachs erlangte die Norder Handelsflotte während des bald folgenden US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1776-1783). Zahlreiche niederländische Kaufleute beantragten für Norden das [[Bürgerrecht]], um ihre Waren so unter neutraler Flagge in alle Welt zu verschiffen. Allein vom 30. März bis 10. Juli 1795 erlangten 111 niederländische Schiffer das Norder Bürgerrecht.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 78</ref><ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 138</ref> In dieser Zeit, nämlich 1787 wurden die sogenannten ''Beurtfahrten'' (sprich: ''Börtfahrten'') in die Niederlanden dann auch vertraglich festgehalten. Diese Fahrten kann man sich als regelmäßiger Pendelverkehr zwischen den Niederlanden und Norden vorstellen, bei denen in der Regel die immer wiederkehrenden Artikel des täglichen Bedarfs transportiert wurden.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 142</ref>[[Datei:Norder Hafen unbekanntes Datum 01.jpg|mini|Der Norder Hafen um die Jahrhundertwende.]]
Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Überschüssiger Torf wurde exportiert.<ref name=":3" />
Einhergehend mit der Gründung der [[Norder Fehngesellschaft]] im Jahr 1794 entstand der [[Berumerfehnkanal]], der von [[Norderfehn]] (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste. Überschüssiger Torf wurde exportiert.<ref name=":3" />


Zeile 63: Zeile 59:


Nach Norden hin reichte der Deich bis an das südliche Ende der [[Sielstraße]], wo sich der Wendehammer und die alte Gaststätte [[Kehre wieder|''Kehre wieder'']] befinden. Von dort, etwa wo seit den 1970er Jahren der [[Burggraben]] verläuft, befand sich ein kleiner Damm entlang des dortigen [[Zweites Siel|Großen Siels]], dessen Überreste sich entlang der [[Neue Mühlenbrücke|Neuen Mühlenbrücke]] befinden. Die für das Siel notwendigen Tore wurden im benachbarten [[Sieltorhaus|Dörenhuus]] eingelagert. Später wurde dieses Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt und erst nach 1933 zur Hafenmeisterdienstwohnung umgebaut. Auf der anderen Seite des Ufers, auf dem sogenannten [[Eilandje]], befand sich die [[Sägemühle Frericks|Sägemühle]] der [[Holzhandlung Frericks]].<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 44</ref>
Nach Norden hin reichte der Deich bis an das südliche Ende der [[Sielstraße]], wo sich der Wendehammer und die alte Gaststätte [[Kehre wieder|''Kehre wieder'']] befinden. Von dort, etwa wo seit den 1970er Jahren der [[Burggraben]] verläuft, befand sich ein kleiner Damm entlang des dortigen [[Zweites Siel|Großen Siels]], dessen Überreste sich entlang der [[Neue Mühlenbrücke|Neuen Mühlenbrücke]] befinden. Die für das Siel notwendigen Tore wurden im benachbarten [[Sieltorhaus|Dörenhuus]] eingelagert. Später wurde dieses Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt und erst nach 1933 zur Hafenmeisterdienstwohnung umgebaut. Auf der anderen Seite des Ufers, auf dem sogenannten [[Eilandje]], befand sich die [[Sägemühle Frericks|Sägemühle]] der [[Holzhandlung Frericks]].<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 44</ref>
 
[[Datei:Norder Hafen um 1920 01.jpg|mini|Ansicht aus der Zeit um 1920.]]
1806 kaperten die Engländer und die Franzosen einen Großteil der Norder Handelsflotte, was der Wirtschaft einen schweren Schlag verpasste.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland nach dem Sieg Napoleons über die Preußen unter [[Französische Besatzungszeit|französische Herrschaft]], die bis 1815 andauerte. Auch die von Napoleon über England verhängte Kontinentalsperre ab 1810 versetzte dem Norder Seehandel einen schweren Schlag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 18</ref> Zur Kontrolle und der Verhinderung von Schmuggel wurden mehrere Wachthäuser errichtet. Es entstanden ein [[Zollhaus (Westermarsch I)|Zollhaus in Westermarsch]] sowie ein [[Zollhaus (Westermarsch II)|Zollhaus in Utlandshörn]], die beide den einfahrenden Schiffsverkehr. Während das erste vor allem den Seeweg entlang des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] überwachen sollte, hatte das andere in erster Linie den [[Westermarscher Seedeich]] zu überwachen. Doch da die Ostfriesen das Watt und ihr Land besser als die Franzosen kannte, war es für sie trotzdem möglich, erfolgreich Schmuggel zu betreiben. In die andere Richtung des Norder Tiefs wurde der Schiffsverkehr durch das [[Kleines Zollhaus|Kleine Zollhaus]] an der [[Brückstraße]] kontrolliert.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 209</ref>
1806 kaperten die Engländer und die Franzosen einen Großteil der Norder Handelsflotte, was der Wirtschaft einen schweren Schlag verpasste.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 81</ref> Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland nach dem Sieg Napoleons über die Preußen unter [[Französische Besatzungszeit|französische Herrschaft]], die bis 1815 andauerte. Auch die von Napoleon über England verhängte Kontinentalsperre ab 1810 versetzte dem Norder Seehandel einen schweren Schlag.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 18</ref> Zur Kontrolle und der Verhinderung von Schmuggel wurden mehrere Wachthäuser errichtet. Es entstanden ein [[Zollhaus (Westermarsch I)|Zollhaus in Westermarsch]] sowie ein [[Zollhaus (Westermarsch II)|Zollhaus in Utlandshörn]], die beide den einfahrenden Schiffsverkehr. Während das erste vor allem den Seeweg entlang des [[Norder Tief|Norder Tiefs]] überwachen sollte, hatte das andere in erster Linie den [[Westermarscher Seedeich]] zu überwachen. Doch da die Ostfriesen das Watt und ihr Land besser als die Franzosen kannte, war es für sie trotzdem möglich, erfolgreich Schmuggel zu betreiben. In die andere Richtung des Norder Tiefs wurde der Schiffsverkehr durch das [[Kleines Zollhaus|Kleine Zollhaus]] an der [[Brückstraße]] kontrolliert.<ref>Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 209</ref>


Zeile 98: Zeile 94:
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme um 1950 01.jpg|Luftaufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme um 1950 01.jpg|Luftaufnahme aus der Zeit um 1950.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme 1943 01.jpg|Luftaufnahme von 1943.
Datei:Norder Hafen Luftaufnahme 1943 01.jpg|Luftaufnahme von 1943.
Datei:Norder Hafen 1958 01.jpg|Blick vom  [[Zweites Siel|ehemaligen Siel] auf das  [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus] (1958).
Datei:Norder Hafen 1958 01.jpg|Blick vom  [[Zweites Siel|ehemaligen Siel] auf das  [[Altes Zollhaus|Alte Zollhaus]] (1958).
</gallery>
</gallery>


==Literatur==
==Literatur==
*Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich
*Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==