Eisenhütte: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien in Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. Nach dem Abriss der Eisenhütte mitsamt der historischen Osterburg im Jahre 1969 entstand auf dem Gelände bis 1971 ein Bürogebäude mit mehreren Wohnungen sowie ein Verbrauchermarkt. Bis heute wird dieses Gebäude für den Einzelhandel genutzt. | Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien in Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben. Nach dem Abriss der Eisenhütte mitsamt der historischen Osterburg im Jahre 1969 entstand auf dem Gelände bis 1971 ein Bürogebäude mit mehreren Wohnungen sowie ein Verbrauchermarkt. Bis heute wird dieses Gebäude für den Einzelhandel genutzt. | ||
Erst 1975 wurde der Betrieb aus dem Handelsregister gelöscht und hörte somit nach 125 bzw. 127 Jahren auch formell auf zu existieren. | |||
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===Gründungsgeschichte=== | ===Gründungsgeschichte=== | ||
[[Datei:Hüttenzeichen.jpg|mini|Hüttenzeichen]] | [[Datei:Hüttenzeichen.jpg|mini|Hüttenzeichen]] | ||
1848 erwarb die Firma [[Julius Meyer]] & Co. die [[Osterburg]] samt Grundstück sowie einer Scheune für 5.000 Reichstaler in Gold und gründete hier, unmittelbar an der Grenze zur Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] und in Nachbarschaft zur Firma [[Doornkaat]], die Eisenhütte.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 125</ref><ref name=":3">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 96</ref> Der aus Westfalen kommende Meyer wählte Norden als Standort für das Werk aus, da die Stadt seinerzeit gute Schiffsanbindungen mit England unterhielt und dadurch die Bedingungen für den Zugang zu den erforderlichen Rohstoffen, insbesondere Eisen und Koks aus Schottland, relativ günstig waren.<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111</ref> Dass es hierzu kam, war vor allem Zufall. Meyer nächtigte seinerzeit in Norden, als er auf dem Weg zur Kur nach Norderney war und sah dabei im [[Norder Hafen]] anlegende Schiffe, die Kohle aus England importierten.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 95</ref> Zwischen England und dem Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seit 1815 gehörte, bestand damals ein Handels- und Wirtschaftsvertrag, der umfangreiche Zollvergünstigungen genehmigte. Meyer erkannte das Potential darin, sich die günstigen Verkehrs- und Zollbedingungen | 1848 erwarb die Firma [[Julius Meyer]] & Co. die [[Osterburg]] samt Grundstück sowie einer Scheune für 5.000 Reichstaler in Gold und gründete hier, unmittelbar an der Grenze zur Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] und in Nachbarschaft zur Firma [[Doornkaat]], die Eisenhütte.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 125</ref><ref name=":3">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 96</ref> Der aus Westfalen kommende Meyer wählte Norden als Standort für das Werk aus, da die Stadt seinerzeit gute Schiffsanbindungen mit England unterhielt und dadurch die Bedingungen für den Zugang zu den erforderlichen Rohstoffen, insbesondere Eisen und Koks aus Schottland, relativ günstig waren.<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111</ref> Dass es hierzu kam, war vor allem Zufall. Meyer nächtigte seinerzeit in Norden, als er auf dem Weg zur Kur nach Norderney war und sah dabei im [[Norder Hafen]] anlegende Schiffe, die Kohle aus England importierten.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 95</ref> Zwischen England und dem Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seit 1815 gehörte, bestand damals ein Handels- und Wirtschaftsvertrag, der umfangreiche Zollvergünstigungen genehmigte. Meyer erkannte das Potential darin, sich die günstigen Verkehrs- und Zollbedingungen zu Eigen zu machen und ein Stahlwerk, seinerzeit ''Eisenhütte'' genannt, in Norden zu errichten. Dabei zog er die Stadt einer Niederlassung in Emden vor, da Norden ihm als geeigneter erschien.<ref name=":3" /> | ||
Nach der Erwerbung der Osterburg, die selbst noch innerhalb der Stadtgrenzen lag, deren nördliche Ländereien sich jedoch bereits innerhalb der Grenzen der [[Sandbauerschaft]] befanden, begannen zeitnah die Umbau- und Erweiterungsarbeiten.<ref name=":3" /> Das [[Osterburg|Osterhaus]] nahm sodann die Werkstätten auf. Die Gießerei mit den Schmelzöfen und dem Kupolofen befand sich in der alten Gulfscheune.<ref name=":3" /><ref name=":4" /> Weiterhin wurden eine Schlosserei, ein Lagerhaus mit Schmiede sowie ein Nebengebäude errichtet.<ref name=":5">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 97</ref> | Nach der Erwerbung der Osterburg, die selbst noch innerhalb der Stadtgrenzen lag, deren nördliche Ländereien sich jedoch bereits innerhalb der Grenzen der [[Sandbauerschaft]] befanden, begannen zeitnah die Umbau- und Erweiterungsarbeiten.<ref name=":3" /> Das [[Osterburg|Osterhaus]] nahm sodann die Werkstätten auf. Die Gießerei mit den Schmelzöfen und dem Kupolofen befand sich in der alten Gulfscheune.<ref name=":3" /><ref name=":4" /> Weiterhin wurden eine Schlosserei, ein Lagerhaus mit Schmiede sowie ein Nebengebäude errichtet.<ref name=":5">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 97</ref> | ||
Die Norder Eisenhütte wurde schließlich offiziell im Jahre 1850 gegründet und organisatorisch eine Zweigstelle des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein'' bei Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück).<ref name=":4">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 82</ref><ref name=":6">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 100</ref> Meyer setzte die Gebrüder [[August Heinrich Ibrügger]] und [[Gustav Rudolf Ibrügger]], Söhne eines langjährigen Weggefährten, als als kaufmännische und technische Werksleiter ein.<ref name=":1" /><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 98</ref> Später gewann er noch den Gießerei-Ingenieur Direktor Kohlschütter als technischen Leiter hinzu.<ref name=":1" /> | Die ''Norder Eisenhütte Co.'' wurde schließlich offiziell im Jahre 1850 gegründet und organisatorisch eine Zweigstelle des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein'' bei Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück).<ref name=":4">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 82</ref><ref name=":6">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 100</ref> Meyer setzte die Gebrüder [[August Heinrich Ibrügger]] und [[Gustav Rudolf Ibrügger]], Söhne eines langjährigen Weggefährten, als als kaufmännische und technische Werksleiter ein.<ref name=":1" /><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 98</ref> Später gewann er noch den Gießerei-Ingenieur Direktor Kohlschütter als technischen Leiter hinzu.<ref name=":1" /> | ||
===Aufstieg und Glanzzeit=== | ===Aufstieg und Glanzzeit=== | ||
Der Betrieb war das erste Eisenhüttenwerk im damaligen Königreich Hannover, was vor allem auch Pionierarbeit bedeutete. Da es in Ostfriesland praktisch keine Fachkräfte gab, warb Meyer gezielt Facharbeiter in seiner Heimatregion an.<ref name=":6" /> Ostfriesland war ohnehin seit jeher ein ''Arbeitsziel'' vieler Westfalen, die sich bis dahin jedoch vor allem als Tagelöhner auf den Höfen der reichen [[Marsch|Marschbauern]] verdingten. Das Unternehmen erbaute in der später so genannten Straße ''[[Glückauf]]'' ab 1888 für ihre Arbeiter mehrere Werkswohnungen, denen überdies Gartenland zur Eigenversorgung nördlich des [[Kolkbrücker Weg|Kolkbrücker Wegs]] zugeteilt wurde.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 101</ref><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 105</ref> | Der Betrieb war das erste Eisenhüttenwerk im damaligen Königreich Hannover, was vor allem auch Pionierarbeit bedeutete. Da es in Ostfriesland praktisch keine Fachkräfte gab, warb Meyer gezielt Facharbeiter in seiner Heimatregion an.<ref name=":6" /> Ostfriesland war ohnehin seit jeher ein ''Arbeitsziel'' vieler Westfalen, die sich bis dahin jedoch vor allem als Tagelöhner auf den Höfen der reichen [[Marsch|Marschbauern]] verdingten. Das Unternehmen erbaute in der später so genannten Straße ''[[Glückauf]]'' ab 1888 für ihre Arbeiter mehrere Werkswohnungen, denen überdies Gartenland zur Eigenversorgung nördlich des [[Kolkbrücker Weg|Kolkbrücker Wegs]] zugeteilt wurde.<ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 101</ref><ref>Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 105</ref> | ||
Im März 1850 erfolgte der erste Guss, ermöglicht durch Roheisen und Koks aus Schottland.<ref name=":5" /><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111</ref> Schon bald wurde der Betrieb im Ofen- und Kachelofenbau eine der führenden Eisenwerke Deutschlands und verkaufte ihre Waren auch ins Ausland. Die Norder Eisenhütte war hierbei insbesondere für ihre qualitativ hochwertige und besonders detailreiche Arbeit bekannt. Noch heute werden alte Werke in Museen ausgestellt, da die Produkte der Norder Eisenhütte zu den ''Exoten'' unter den historischen Gusseisenöfen gehören. Zu Beginn wurden jedoch auch kleinere, jedoch nicht minder qualitative Dinge wie Nägel hergestellt. Damit trat die Eisenhütte in Konkurrenz zur [[Nagelfabrik Wellenkamp]].<ref name=":7">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 99</ref> | Im März 1850 erfolgte der erste Guss, ermöglicht durch Roheisen und Koks aus Schottland.<ref name=":5" /><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 111</ref> Schon bald wurde der Betrieb im Ofen- und Kachelofenbau eine der führenden Eisenwerke Deutschlands und verkaufte ihre Waren auch ins Ausland. Die Norder Eisenhütte war hierbei insbesondere für ihre qualitativ hochwertige und besonders detailreiche Arbeit bekannt. Noch heute werden alte Werke in Museen ausgestellt, da die Produkte der Norder Eisenhütte zu den ''Exoten'' unter den historischen Gusseisenöfen gehören. Zu Beginn wurden jedoch auch kleinere, jedoch nicht minder qualitative Dinge wie Nägel hergestellt. Damit trat die Eisenhütte in unmittelbare Konkurrenz zur [[Nagelfabrik Wellenkamp]].<ref name=":7">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 99</ref> | ||
Das Unternehmen entwickelte sich zu einer der führenden Firmen im Bereich Kachelofenbau im deutschen Gebiet. Dabei kam ihm zugute, dass Hannover 1851/1854 in den von Preußen geführten ''Deutschen Zollverein'' eintrat. Die Hauptabsatzgebiete waren Hannover, Lüneburger Heide, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Hamburg. Es wurde jedoch auch ins Ausland exportiert, vor allem über die Seehäfen in Hamburg und Lübeck. So wurden die hergestellten Waren auch nach Holland, Dänemark und sogar bis nach Mexiko und Ägypten verschifft. | Das Unternehmen entwickelte sich zu einer der führenden Firmen im Bereich Kachelofenbau im deutschen Gebiet. Dabei kam ihm zugute, dass Hannover 1851/1854 in den von Preußen geführten ''Deutschen Zollverein'' eintrat. Die Hauptabsatzgebiete waren Hannover, Lüneburger Heide, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Hamburg. Es wurde jedoch auch ins Ausland exportiert, vor allem über die Seehäfen in Hamburg und Lübeck. So wurden die hergestellten Waren auch nach Holland, Dänemark und sogar bis nach Mexiko und Ägypten verschifft. | ||
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Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer, die die Eisengewinnung nun nicht mehr aus Erz, sondern aus Alteisen forcierten. Trotz aller Schwierigkeiten konnte die Eisenhütte im Jahre 1873 immer noch 145 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten und die Belegschaft ein Jahr später sogar noch auf 201 steigern. Insgesamt wurden zu dieser Zeit jährlich etwa 1.000 Tonnen Gusswaren verkauft.<ref name=":0" /> Auf gusseiserne Unterkästen für Tonöfen hielt man seit 1879 sogar ein Patent.<ref name=":7" /> | Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer, die die Eisengewinnung nun nicht mehr aus Erz, sondern aus Alteisen forcierten. Trotz aller Schwierigkeiten konnte die Eisenhütte im Jahre 1873 immer noch 145 Mitarbeiter in Lohn und Brot halten und die Belegschaft ein Jahr später sogar noch auf 201 steigern. Insgesamt wurden zu dieser Zeit jährlich etwa 1.000 Tonnen Gusswaren verkauft.<ref name=":0" /> Auf gusseiserne Unterkästen für Tonöfen hielt man seit 1879 sogar ein Patent.<ref name=":7" /> | ||
Nach dem Tode des Firmengründers 1863 gelangte das Werk in den Besitz der Familie Tenge, mit der Meyer durch Heirat verbunden war. Zwischen 1880 und 1887 kam auch [[Ludwig Landmann]] (und nach ihm sein Sohn [[Hermann Landmann]]) als weiterer oder neuer Inhaber der Eisenhütte hinzu.<ref name=":0" /><ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Landmann Wikipedia-Artikel zu Wilhelm Landmann mit Geburtsdaten zu Ludwig Landmann], abgerufen am 23. April 2022</ref> Die Familie Landmann erbaute sich in unmittelbarer Nähe der Eisenhütte eine ansehnliche Stadtvilla, die bis heute als [[Haus Landmann|''Haus Landmann'']] bekannt ist. Man begann, die Kohle nicht mehr nur aus England, sondern vor allem auch aus dem Ruhrgebiet zu importieren.<ref name=":0" /> Zum 50-jährigen Firmenjubiläum pflanzte die Geschäftsleitung eine Eiche im Innenhof, in dem zudem eine Gedenktafel mit der Aufschrift ''Norder Eisenhütte. Julius Meyer & Comp. Eisengießerei. Schleiferei, Vernickelungsanstalt. Feuerbeständig emaillierte Oefen in allen Farben.<ref name=":6" />'' | |||
Ungewöhnlich für damalige Zeiten zeigte sich das Werk gegenüber den Angestellten und Arbeitnehmern vergleichsweise mildtätig. Ab 1891 bis mindestens 1912 versorgte das Werk seine Arbeiter und Angestellten mit einer betriebseigenen Krankenkasse.<ref>NLA AU Rep. 16/1, Nr. 2103</ref> | |||
1892 wurde die Eisenhütte mit einem kleinen Nebengleis an die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] angeschlossen.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref><ref name=":8">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 104</ref> Dadurch konnten die Rohstoffe und die gefertigten Erzeugnisse deutlich schneller und besser an- bzw. abgeliefert werden.<ref name=":8" /> Das Werk produzierte zu dieser Zeit vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung.<ref>[https://www.zobodat.at/pdf/Jber-Natforsch-Ges-Emden_82_0039-0042.pdf Abrechnungsunterlagen zum Bau des Fabricius-Denkmals], abgerufen am 10. März 2021</ref> Um die Jahrhundertwende und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben, womit es neben [[Doornkaat]], [[Steinbömer & Lubinus]] sowie der [[Norder Fehngesellschaft]] zu den wichtigsten Norder Arbeitgebern gehörte. | 1892 wurde die Eisenhütte mit einem kleinen Nebengleis an die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] angeschlossen.<ref>Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)</ref><ref name=":8">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 104</ref> Dadurch konnten die Rohstoffe und die gefertigten Erzeugnisse deutlich schneller und besser an- bzw. abgeliefert werden.<ref name=":8" /> Das Werk produzierte zu dieser Zeit vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 25</ref> Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung.<ref>[https://www.zobodat.at/pdf/Jber-Natforsch-Ges-Emden_82_0039-0042.pdf Abrechnungsunterlagen zum Bau des Fabricius-Denkmals], abgerufen am 10. März 2021</ref> Um die Jahrhundertwende und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben, womit es neben [[Doornkaat]], [[Steinbömer & Lubinus]] sowie der [[Norder Fehngesellschaft]] zu den wichtigsten Norder Arbeitgebern gehörte. | ||
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Kurz darauf setzte sich jedoch der endgültige, unaufhaltbare Abschwung ein. Da auch die schon während des Kriegs dringend notwendigen Reparaturen wegen des Mangels an Materials nie behoben werden konnte, war das Werk zu dieser Zeit kaum mehr als eine Ruine. 1968 ging das Unternehmen endgültig in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen.<ref name=":13" /><ref name=":14">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 117</ref> Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die [[Osterburg]] mit abgerissen, der seinerzeit älteste, noch bestehende Profanbau der Stadt, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 79</ref> Zwischenzeitlich hatten sich bereits Plünderer und Vandalen schadlos an den alten Gemäuern gehalten und das wenige, was sich noch verwerten ließen, gestohlen.<ref name=":14" /> | Kurz darauf setzte sich jedoch der endgültige, unaufhaltbare Abschwung ein. Da auch die schon während des Kriegs dringend notwendigen Reparaturen wegen des Mangels an Materials nie behoben werden konnte, war das Werk zu dieser Zeit kaum mehr als eine Ruine. 1968 ging das Unternehmen endgültig in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen.<ref name=":13" /><ref name=":14">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 117</ref> Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die [[Osterburg]] mit abgerissen, der seinerzeit älteste, noch bestehende Profanbau der Stadt, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 79</ref> Zwischenzeitlich hatten sich bereits Plünderer und Vandalen schadlos an den alten Gemäuern gehalten und das wenige, was sich noch verwerten ließen, gestohlen.<ref name=":14" /> | ||
Das Unternehmen, das zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, hatte vor allem dadurch einen herben Schlag erlitten, dass Häuser nun vor allem mit Öl- und Gasheizungen betrieben wurden. Hinzu kam, dass Norden fernab der prosperierenden Ballungszentren lag.<ref name=":13">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 113</ref><ref name=":15">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 122</ref> Nach dem Tode Georg Fegters im Jahre 1961 gingen dessen Anteile an seine Ehefrau [[Gerda Fegter]]. Diese verpachtete den Betrieb 1967 an [[Wilhelm Kutz]], dem nun aber nur kaum mehr als die Abwicklung des sterbenden Werks oblag. Die Norder Eisenhütte GmbH an sich bestand jedoch noch bis 19. Mai 1975 fort.<ref name=":15" /> | Das Unternehmen, das zuletzt 30 Mitarbeiter hatte, hatte vor allem dadurch einen herben Schlag erlitten, dass Häuser nun vor allem mit Öl- und Gasheizungen betrieben wurden. Hinzu kam, dass Norden fernab der prosperierenden Ballungszentren lag.<ref name=":13">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 113</ref><ref name=":15">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (1874-1946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 122</ref> Nach dem Tode Georg Fegters im Jahre 1961 gingen dessen Anteile an seine Ehefrau [[Gerda Fegter]]. Diese verpachtete den Betrieb 1967 an [[Wilhelm Kutz]], dem nun aber nur kaum mehr als die Abwicklung des sterbenden Werks oblag. Die ''Norder Eisenhütte GmbH'' an sich bestand jedoch noch bis 19. Mai 1975 fort.<ref name=":15" /> | ||
Seit 1971 stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt. Der zweite ''Combi'' (nach jenem in Esens) öffnete hier seine Türen. Später folgten Märkte der Ketten ''Continental, Interspar, Spar, Wal Mart'' und ''real,-''. Seit 2021 befand sich neben ''real,-'' auch eine ''Zimmermann''-Filiale in dem Gebäude. Im Frühjahr 2022 wurde bekannt, dass ''[[EDEKA Anton Götz]]'' hier eine Zweitfiliale eröffnen möchte. Mitte Juni des Jahres wurde der ''real''-Markt nach einigen Wochen des Ausverkaufs schließlich geschlossen. | Seit 1971 stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt. Der zweite ''Combi'' (nach jenem in Esens) öffnete hier seine Türen. Später folgten Märkte der Ketten ''Continental, Interspar, Spar, Wal Mart'' und ''real,-''. Seit 2021 befand sich neben ''real,-'' auch eine ''Zimmermann''-Filiale in dem Gebäude. Im Frühjahr 2022 wurde bekannt, dass ''[[EDEKA Anton Götz]]'' hier eine Zweitfiliale eröffnen möchte. Mitte Juni des Jahres wurde der ''real''-Markt nach einigen Wochen des Ausverkaufs schließlich geschlossen. | ||