Vierzig Diemat: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Vierzig Diemat''' (auch | '''Vierzig Diemat''' (auch: ''40 Diemat'') gehört als informelles Stadtviertel zur Kernstadt von [[Norden (Stadtteil) |Norden]]. Der Name geht zurück auf seine ungefähre Größe von 40 [[Diemat]], was ungefähr 228.000 Quadratmeter entspricht. Dominiert wird das Viertel vor allem durch Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie anliegende Gewerbebetriebe. | ||
Etwa mittig des Viertels befindet sich ein Kinderspielplatz, an dem sich ein großes Fußballfeld anschließt. Auch wurden an mehreren Stellen Garagen für die Kraftfahrzeuge der Bewohner geschaffen, da die Häuser nicht über eigene Garagen verfügen. Die Straßen von Vierzig Diemat sind allesamt durch Pfade und Wege miteinander verbunden. | Etwa mittig des Viertels befindet sich ein Kinderspielplatz, an dem sich ein großes Fußballfeld anschließt. Auch wurden an mehreren Stellen Garagen für die Kraftfahrzeuge der Bewohner geschaffen, da die Häuser nicht über eigene Garagen verfügen. Die Straßen von Vierzig Diemat sind allesamt durch Pfade und Wege miteinander verbunden, die für gewöhnlich nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden können. | ||
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== Geografie == | == Geografie == | ||
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== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde [[Westermarsch I]] und kam erst dann zur Kernstadt. | Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde [[Westermarsch I]] und kam erst dann zur Kernstadt, um den dringend benötigten Bau von Wohnraum voranzutreiben. Noch im gleichen Jahr wurde das Land zur Besiedlung freigegeben und baulich erschlossen. Es entstanden, wie auch in anderen Teilen von Norden, vor allem einheitliche Sozialbauten um dem nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] starken Bevölkerungswachstum schnell und günstig Herr zu werden. Die den Ortsteil prägenden Wohnblocks hingegen wurden erst um das Jahr 1965 errichtet.<ref>Befragung der dort alteingesessenen Eheleute Rüst im April 2021</ref> Die meisten Straßen, sei es in Vierzig Diemat, in [[Neustadt]] oder anderswo, waren einheitlicher Natur. Erst in den 1970er Jahren setzte sich der Trend zu einer Individualbebauung durch, der sich in größerer Ausprägung vor allem im Umfeld der [[Heinrich-Heine-Straße]] erstmals offenbarte. Aus diesem Grund nannten die ärmeren Stadtbewohner diesen Bereich spöttisch [[Millionenviertel]]. | ||
Das Land, das Vierzig Diemat umfasst, wurde zwischen 1581 und 1583 durch [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] eingedeicht. Das neu gewonnene Land wurde [[Westermarscher Neuland]] genannt und wurde mit dem [[Neuer Süderdeich|Neuen Süderdeich]] vor den Fluten der damals noch bis hierhin reichenden [[Leybucht]] geschützt. Bis dahin stand das Land seit der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] in den Jahren 1374 und 1375, bei der auch das spätere [[Süderneuland]] an das Meer verloren wurde, unter Wasser, was seinen seinen morastigen Boden, der durch die umfassende Bebauung heute nur noch auf [[Schmertmanns Land]] (westlich des [[Schlachthof|Schlachthofs]]) erkennbar ist, erklärt. Amtlich gehörte das neue Land seitdem zu [[Westermarsch I]]. | |||
Bereits die Mutter von Graf Edzard II., [[Anna von Oldenburg]], hatte umfangreiche Bemühungen zur Neulandgewinnung unternommen und auch die Rückgewinnung von Vierzig Diemat, dessen Name jedoch erst später aufgekommen ist, in die Wege geleitet, in dem sie schon zwischen 1546 und 1551 den [[Alter Süderdeich|Alten Süderdeich]] errichten ließ, dessen Verlauf heute noch vor allem anhand des [[Altendeichsweg (Westermarsch)|Altendeichswegs]] erkennbar ist. Das nun seit 1583 zwischen beiden Deichen liegende Land wurde fortan für den Unterhalt der [[Oldeborg|Olde Borg]], die wohl seit spätestens 1464 den [[Cirksena|Cirksenas]] gehörte, genutzt. | |||
Recht kurz nach der Eindeichung scheint es in Vierzig Diemat auch ein Dachpfannenwerk (genannt: ''Pannenwerk'') eines [[Popke Iderhave]] gegeben haben. In dieser Zeit hat es eine vergrößerte Nachfrage nach Dachziegeln gegeben, da die bisher hauptsächlich reetgedeckten Häuser verheerende Folgen bei den zahlreichen Stadtbränden der Vergangenheit hatten und deshalb nach und nach ersetzt wurden.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 39</ref> | |||
[[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II.]] verkaufte das Land 1631 schließlich an einen [[Amtmann]] namens Rautenstein aus Varel, vermutlich aus Geldmangel infolge des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]]. Die nachfolgende Nutzung ist ungewiss, vermutlich wurde das Land verpachtet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Nach dem Abbruch der Burg gehörte das Land um Vierzig Diemat zum [[Kaufmannsches Haus|Kaufmannschen Haus]], auch wenn nicht klar ist, ob die Besitzer des Hauses das Land dem Amtmann abkauften oder es von ihm pachteten. | |||
== Gebäude == | == Gebäude == | ||
Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der [[Berend-de-Vries-Straße]], [[Enno-Hektor-Straße]] und [[August-Hinrichs-Straße]] konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der [[Zuckerpolderstraße]] bestehen bis zur [[Herbert-Gentzsch-Straße]] vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut. | Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der [[Berend-de-Vries-Straße]], [[Enno-Hektor-Straße]] und [[August-Hinrichs-Straße]] konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der [[Zuckerpolderstraße]] bestehen bis zur [[Herbert-Gentzsch-Straße]] vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut. In den 1990er Jahren wurde Vierzig Diemat westlich der Zuckerpolderstraße um ein Neubaugebiet erweitert, das wegen der dortigen Straßenbenennung nach den zum Zeitpunkt der Erschließung bereits verstorbenen [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Norder Bürgermeistern]] der Nachkriegszeit auch den Namen [[Bürgermeisterviertel|''Bürgermeisterviertel'']] trägt. | ||
Ab den 2000er Jahren wurde das Viertel um weitere Straßen nördlich von [[Am Norder Tief]] erweitert. Entgegen ihrer anfänglichen Bebauung handelt es sich bei den Neubauten überwiegend um freistehende Einfamilienhäusern mit eigenem Grundstück und Garagen. Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser, 2020 erbaute die Post direkt daneben ein neues Postverteilungszentrum. Das [[Postamt]] am [[Marktplatz]] wurde infolge dessen geschlossen. | |||
Ab | Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen [[Polizeikommissariat |Polizeigebäudes]] auf [[Schmertmanns Land]] hinter dem [[Schlachthof]] wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen [[Doornkaat |Doornkaatgelände]] ins Auge gefasst. Das Land dort ist aufgrund der Geruchsbelästigung und Bodenbeschaffenheit kaum für ein größeres Gebäude geeignet. Dennoch möchte hier ein auswärtiger Geschäftsmann mehrere Seniorenresidenzen des gehobenen Standards errichteten, was im [[Stadtrat]] und der Bürgerschaft auf ein sehr geteiltes Echo stößt. Abgesehen von einer Grünfläche zwischen der [[Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße]] und dem [[Klärwerk]] wären dann praktisch alle Freiflächen von Vierzig Diemat bebaut. | ||
Die südliche Straßenseite von [[Am Norder Tief]] ist eines der [[Gewerbegebiete]] von Norden. Hier befinden sich mehrere Betriebe, unter anderem der ''Kiebitzmarkt'' als Nachfolger des ursprünglich am [[Vossenhus]] ansässigen [[Mennenga & Poppinga|Landhandels Mennenga & Poppinga]]. Am westlichen Ende liegen das [[Klärwerk]] sowie der [[Bauhof]] der [[Stadt Norden]]. Bis zum [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] befand sich dort auf dem [[Zuckerpolder]] noch eine [[Ziegelei (Vierzig Diemat) |Ziegelei]] und einst auch [[Zuckerraffinerie]]. | |||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
Version vom 24. September 2021, 11:34 Uhr
Vierzig Diemat | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
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| Administrativer Stadtteil | Norden | |||||||
| Ungefähre Lage | südlich des Stadtgebiets | |||||||
Vierzig Diemat (auch: 40 Diemat) gehört als informelles Stadtviertel zur Kernstadt von Norden. Der Name geht zurück auf seine ungefähre Größe von 40 Diemat, was ungefähr 228.000 Quadratmeter entspricht. Dominiert wird das Viertel vor allem durch Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie anliegende Gewerbebetriebe.
Etwa mittig des Viertels befindet sich ein Kinderspielplatz, an dem sich ein großes Fußballfeld anschließt. Auch wurden an mehreren Stellen Garagen für die Kraftfahrzeuge der Bewohner geschaffen, da die Häuser nicht über eigene Garagen verfügen. Die Straßen von Vierzig Diemat sind allesamt durch Pfade und Wege miteinander verbunden, die für gewöhnlich nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden können.
Geografie
Vierzig Diemat liegt südwestlich des historischen Stadtkerns und lässt sich geografisch in etwa wie folgt umgrenzen: Im Norden entlang der Fritz-Reuter-Straße, aber noch unterhalb der Radbodstraße, im Osten bis zur Schlachthausstraße, im Süden bis zum Norder Tief und im Westen bis zur Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße, welche direkt an der Grenze zu Westermarsch I liegt.
Geschichte
Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde Westermarsch I und kam erst dann zur Kernstadt, um den dringend benötigten Bau von Wohnraum voranzutreiben. Noch im gleichen Jahr wurde das Land zur Besiedlung freigegeben und baulich erschlossen. Es entstanden, wie auch in anderen Teilen von Norden, vor allem einheitliche Sozialbauten um dem nach dem Zweiten Weltkrieg starken Bevölkerungswachstum schnell und günstig Herr zu werden. Die den Ortsteil prägenden Wohnblocks hingegen wurden erst um das Jahr 1965 errichtet.[1] Die meisten Straßen, sei es in Vierzig Diemat, in Neustadt oder anderswo, waren einheitlicher Natur. Erst in den 1970er Jahren setzte sich der Trend zu einer Individualbebauung durch, der sich in größerer Ausprägung vor allem im Umfeld der Heinrich-Heine-Straße erstmals offenbarte. Aus diesem Grund nannten die ärmeren Stadtbewohner diesen Bereich spöttisch Millionenviertel.
Das Land, das Vierzig Diemat umfasst, wurde zwischen 1581 und 1583 durch Graf Edzard II. eingedeicht. Das neu gewonnene Land wurde Westermarscher Neuland genannt und wurde mit dem Neuen Süderdeich vor den Fluten der damals noch bis hierhin reichenden Leybucht geschützt. Bis dahin stand das Land seit der Ersten Dionysiusflut in den Jahren 1374 und 1375, bei der auch das spätere Süderneuland an das Meer verloren wurde, unter Wasser, was seinen seinen morastigen Boden, der durch die umfassende Bebauung heute nur noch auf Schmertmanns Land (westlich des Schlachthofs) erkennbar ist, erklärt. Amtlich gehörte das neue Land seitdem zu Westermarsch I.
Bereits die Mutter von Graf Edzard II., Anna von Oldenburg, hatte umfangreiche Bemühungen zur Neulandgewinnung unternommen und auch die Rückgewinnung von Vierzig Diemat, dessen Name jedoch erst später aufgekommen ist, in die Wege geleitet, in dem sie schon zwischen 1546 und 1551 den Alten Süderdeich errichten ließ, dessen Verlauf heute noch vor allem anhand des Altendeichswegs erkennbar ist. Das nun seit 1583 zwischen beiden Deichen liegende Land wurde fortan für den Unterhalt der Olde Borg, die wohl seit spätestens 1464 den Cirksenas gehörte, genutzt.
Recht kurz nach der Eindeichung scheint es in Vierzig Diemat auch ein Dachpfannenwerk (genannt: Pannenwerk) eines Popke Iderhave gegeben haben. In dieser Zeit hat es eine vergrößerte Nachfrage nach Dachziegeln gegeben, da die bisher hauptsächlich reetgedeckten Häuser verheerende Folgen bei den zahlreichen Stadtbränden der Vergangenheit hatten und deshalb nach und nach ersetzt wurden.[2]
Graf Ulrich II. verkaufte das Land 1631 schließlich an einen Amtmann namens Rautenstein aus Varel, vermutlich aus Geldmangel infolge des Dreißigjährigen Kriegs. Die nachfolgende Nutzung ist ungewiss, vermutlich wurde das Land verpachtet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Nach dem Abbruch der Burg gehörte das Land um Vierzig Diemat zum Kaufmannschen Haus, auch wenn nicht klar ist, ob die Besitzer des Hauses das Land dem Amtmann abkauften oder es von ihm pachteten.
Gebäude
Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der Berend-de-Vries-Straße, Enno-Hektor-Straße und August-Hinrichs-Straße konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der Zuckerpolderstraße bestehen bis zur Herbert-Gentzsch-Straße vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut. In den 1990er Jahren wurde Vierzig Diemat westlich der Zuckerpolderstraße um ein Neubaugebiet erweitert, das wegen der dortigen Straßenbenennung nach den zum Zeitpunkt der Erschließung bereits verstorbenen Norder Bürgermeistern der Nachkriegszeit auch den Namen Bürgermeisterviertel trägt.
Ab den 2000er Jahren wurde das Viertel um weitere Straßen nördlich von Am Norder Tief erweitert. Entgegen ihrer anfänglichen Bebauung handelt es sich bei den Neubauten überwiegend um freistehende Einfamilienhäusern mit eigenem Grundstück und Garagen. Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser, 2020 erbaute die Post direkt daneben ein neues Postverteilungszentrum. Das Postamt am Marktplatz wurde infolge dessen geschlossen.
Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen Polizeigebäudes auf Schmertmanns Land hinter dem Schlachthof wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen Doornkaatgelände ins Auge gefasst. Das Land dort ist aufgrund der Geruchsbelästigung und Bodenbeschaffenheit kaum für ein größeres Gebäude geeignet. Dennoch möchte hier ein auswärtiger Geschäftsmann mehrere Seniorenresidenzen des gehobenen Standards errichteten, was im Stadtrat und der Bürgerschaft auf ein sehr geteiltes Echo stößt. Abgesehen von einer Grünfläche zwischen der Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße und dem Klärwerk wären dann praktisch alle Freiflächen von Vierzig Diemat bebaut.
Die südliche Straßenseite von Am Norder Tief ist eines der Gewerbegebiete von Norden. Hier befinden sich mehrere Betriebe, unter anderem der Kiebitzmarkt als Nachfolger des ursprünglich am Vossenhus ansässigen Landhandels Mennenga & Poppinga. Am westlichen Ende liegen das Klärwerk sowie der Bauhof der Stadt Norden. Bis zum Ersten Weltkrieg befand sich dort auf dem Zuckerpolder noch eine Ziegelei und einst auch Zuckerraffinerie.
Einzelnachweise
Quellenverzeichnis
- Scheuermann, Ulrich (1995): Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte
- Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert