Norder Hafen

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Basisdaten
Kategorie Orte in Norden
Stadtteil/-viertel Norden
Genaue Lage Am Hafen

26506 Norden

Der Norder Hafen befindet sich am südlichen Stadtrand von Norden. Nach der zunehmenden Verlandung des Norder Tiefs sowie zahlreicher Eindeichungen rund um die Leybucht entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Seitdem ist der Hafen von Norddeich der bedeutsamste Hafen der Stadt.

Geschichte

Nach mehreren verheerenden Sturmfluten im 14. Jahrhunderten, insbesondere der Dionysiusfluten in den Jahren 1374 bis 1375 kam es rund um das heutige Stadtgebiet zu massiven Landverlusten. Zahlreiche Menschen starben in den Fluten oder verloren ihre Habe an die Wassermassen, welche bis weit in das heutige Stadtgebiet drangen. Das heutige Süderneuland I wurde vollends überschwemmt und konnte erst ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nach und wieder eingedeicht werden.

Die Fluten führten jedoch auch dazu, dass Norden, welches auf einer erhöhten Geestinsel liegt und daher weitestgehend verschont blieb, nun über einen direkten Zugang zum Meer verfügte. Brachten die Fluten noch so viel Unheil mit sich, wussten die Norder die neuen Umstände zu ihrem Vorteil zu Nutzen und errichteten um 1570 einen Seehafen an der südlichen Stadtgrenze. Schon bald verlieh der Landesherr der Stadt eine eigene Handelsflagge, unter die die Schiffe andere Häfen ansteuerten. Vor allem Seehäfen in der Nord- und Ostsee wurden angefahren. Zwar stand die Norder Handesflotte der Emdens stets nach, doch bescherte sie der Stadt lange Zeit eine wirtschaftliche Blüte.

Der Norder Hafen wurde auf beiden Seiten mit Deichen geschützt. Auf dem Deich entlang des heutigen Straßenzuges Am Norder Tief wurden Bahnschienen zum Transport von Waren erbaut. Vermutlich führten diese Schienen bis zur westlich gelegenen Ziegelei. Auch wurde an diesem Deich die überregional bekannte Schiffswert Heryln gegründet. Im alten Werftgebäude befindet sich heute der Norder Ruderclub. An die alten Deichlinien erinnert heute noch der Name "Deichmühle". Auch die Raiffeisenstraße hieß noch bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts "Deichweg". Nach Norden hin reichte der Deich bis an das südliche Ende der Sielstraße, wo sich heute der Wendehammer und die alte Gaststätte Kehre wieder befindet.

Ebenfalls enstand hier das sogenannte "Dörenhuus", in dem zunächst die Toren für die Norder Siele gelagert wurden. Später wurde dieses Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt und erst nach 1933 zur Hafenmeisterdienstwohnung umgebaut. Heute hat hier der Wassersportverein seinen Sitz.

Einhergehend mit der Gründung der Norder Fehngesellschaft im Jahr 1794 entstand auch der Berumerfehnkanal, der von Norderfehn (heute Berumerfehn) bis in den Hafen führte. So wurde der Hafen fortan auch von Torfkähnen angesteuert und stellte die Versorgung der Stadt mit dem damals wichtigsten Brennmaterial sicher, das bis dahin umständlich und kostenintensiv aus den Niederlanden und dem Saterland beschafft werden musste.

Spätestens aber der Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte der Norder Hafen über gute Schiffsanbindungen von und nach England, was vermutlich auf die verwandschaftlichen Beziehungen zum Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte, zurückzuführen ist. Dieser Umstand begünstigte die Gründung der Norder Eisenhütte durch den westfälischen Kaufmann Julius Meyer. England war seinerzeit eine internationale Eisen- und Stahlhochburg.[1]

Ungefähr mit dem Bau des bis heute erhaltenen Zollhauses im Jahr 1857 ging wahrscheinlich auch der Bau des Zollhauses in Westermarsch I und des dortigen Zollwachthauses einher. Hier wurden die Waren unter Siegel gelegt und dann später beim Zollhaus in Norden abschließend verzollt. Das Alte Zollhaus zeugt mit seinem außergewöhnlichen Detailreichtum vom einstigen Wohlstand der Stadt. Im Zollhaus entstanden, wie früher allgemein üblich, auch Möglichkeiten zur Beherbung und Bewirtung der Seefahrer und Reisenden.

Bis weit in das 19. Jahrhundert hatte der Hafen eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche Blüte der Stadt. Durch zunehmende Verlandung des Norder Tiefs sowie zahlreicher Eindeichungen rund um die Leybucht entwickelte sich der Norder Hafen im 20. Jahrhundert zu einem Binnenhafen ohne direkten Zugang zum Meer. Mit dem Bau des Leybuchtsiels im Jahr 1929 verlor der Hafen endgültig seine Bedeutung als Seehafen, da der Zugang zum Meer nun durch diese Schleuse unmittelbar eingeschränkt war und diese nur von kleinen Schiffen passiert werden kann. Auch das Zollhaus verlor seine Bedeutung als solches und wurde bis zu ihrer Restaurierung um die Jahrtausendwende dem Verfall preisgegeben.

Mit der Eingemeindung von Norddeich, damals noch Teil der selbstständigen Landgemeinde Lintelermarsch, gelangte Norden jedoch wieder in den Besitz eines Seehafens. Bis heute ist der Hafen von Norddeich der einzige Seehafen der Stadt und einer der größten Personenhäfen Deutschlands.

Im Herbst 2008 wurde eine neue Steganlage eingerichtet, in 2009 folgte die Reparatur des alten Signalmastes, an dem seitdem wieder die alte Norder Hafenflagge weht.

Einzelnachweise

  1. WirtA NW WAN F 19

Quellenverzeichnis

  • Historische Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft
  • Informationen zum Norder Hafen auf Norden.de
  • Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich
  • Stöver, Christof (2000): Menschen und Geschichten um den Norder Hafen, in: Beilage Ostfriesischer Kurier 3. Juni 2000, S. 18

Siehe auch