Jüdische Schule

Aus Norder Stadtgeschichte
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Jüdische Schule

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Basisdaten
Entstehungszeit 1940 (1871)
Erbauer Jüdische Gemeinde Norden
Bauweise Ziegelsteinbau
Entwidmung 1939
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Synagogenweg 4

26506 Norden

Die Jüdische Schule wurde von der jüdischen Gemeinde am Synagogenweg 4 errichtet. Die Ursprünge einer jüdischen Schule reichen jedoch weiter zurück. Es handelte sich um eine Elementarschule, in der die Kinder in den Klassen 1 - 4 unterrichtet wurden. Sie wurde auch "Israelitische Elementarschule" genannt.[1]

Geschichte

Das heute noch erhaltene Gebäude, das heute noch als "Jüdische Schule" bekannt ist, wurde von der jüdische Gemeinde im Jahre 1871 errichtet. Zuvor wurden die Kinder der Gemeinde spätestens ab 1844 in der ehemaligen Synagoge, befindlich in einem regulären Gebäude (Neuer Weg 110), unterrichtet. Unterrichtet wurde in zwei Klasse mit je einem Lehrer, die im Nebenamt und unentgeltlich noch weitere Dienste in der Gemeinde zu verrichten hatten, wie beispielsweise die Aufgabenwahrnehmung eines Vorbeters, Predigers, Kantors oder Chorleiters. Neben ihrem (äußerst kargen) Gehalt erhielten sie ein zusätzliches Wohngeld sowie einen Zuschuss für Brennmaterialien. Der zweite Lehrer erhielt zudem, sofern er noch nicht verheiratet war, ein tägliches Mittagessen bei den Familien der Gemeinde, da er noch weniger bekam, als der erste Lehrer, der zugleich "Hauptlehrer" bzw. "Oberlehrer" der Schule war.[1]

Die zweite Lehrerstelle soll einem stetigen Wechsel unterlegen haben. Heraussticht lediglich ein Zeitraum von 26 Jahren, in dem der Lehrer Mendel Wieluner tätig war. Die längste Dienstzeit auf der ersten Lehrerstelle hatte wohl Abraham Levy inne, der bis zu seinem Tode am 29. Oktober 1916 mehr als vier Jahrzehnte als Lehrer an der Schule tätig war.

Zur weiterführenden Bildung waren die jüdischen Schuler gezwungen, auf andere Schulen im Stadtgebiet auszuweichen. Dort waren sie nicht selten Stigmatisierung ausgesetzt. Obgleich sie am allgemeinen Schulunterricht teilnahmen, wurden sie von den Lehrern ihrer Gemeinde in der jüdischen Schule unterrichtet. Dies war damals üblich, so erhielten auch die Schüler der katholischen Gemeinde gesonderten Religionsunterricht von einem ihrer Pfarrer.

Im Jahre 1873/74 besuchten 15 Schüler jüdischen Glaubens das Ulrichsgymnasium. In den Folgejahren betrug ihre Zahl durchschnittlich 10. Im Jahre 1930 waren es nur noch 4. Doppelt soviele werden im selben Jahr als Abgänger der Gräfin-Theda-Schule (Mittel- bzw. Realschule) genannt.

Die jüdische Schule wurde am 1. April 1934 aufgehoben, Lehrer Klein zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Ab Juni 1934 konnte er die Schule als eine private jüdische Elementarschule weiterführen.[1] 1939 schlug das endgültige Ende der jüdischen Schule. Bedingt durch die nationalsozialistische Verfolgung und insbesondere im Hinblick auf die erlittenen Gräueltaten während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Die letzten Juden verließen 1940 die Stadt oder wurden deportiert.

Beschreibung

Das Gebäude ist ein schlichter Ziegelsteinbau. Zu Schulzeiten gehörte ein kleine Schulgarten dazu, für den Sportunterricht wurde die Turnhalle des Norder Turnvereins genutzt.[2]

Lehrkräfte

1855 wird neben dem damaligen Oberlehrer Emanuel als Vorsänger ein Moses Friedberg genannt (siehe unten Bericht zum 50-jährigen Synagogenjubiläum). In den folgenden Jahrzehnten waren als Lehrer insbesondere tätig: Samuel Baruch Flersheimer (seit 1856 im Amt, unterrichtete 1874 auch an der städtischen Gewerbeschule), Mendel Wieluner, der 1883 sein 25-jähriges Amtsjubiläum in Norden feiern konnte (er starb 1884), Abraham Levy (Hauptlehrer von 1882 bis 1916), Ferdinand Israel (1885 bis 1891 zweiter Lehrer und Kantor), Manasse Schweitzer (1891 bis 1894 zweiter Lehrer; Vater von Recha Freier), Simon Cossen (1894 bis 1897 zweiter Lehrer), Isaak Klein (von 1897 bis 1919 zweiter Lehrer, danach von 1919 bis 1939 Hauptlehrer). Zeitweise, so beispielsweise 1895, hatte die Gemeinde neben den Lehrern eine weitere Person angestellt (Synagogendiener, Hilfsschochet, Schuldiener).[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Norden (Kreis Aurich, Ostfriesland): Jüdische Geschichte / Synagoge auf Alemannia Judaica, abgerufen am 14. April 2021
  2. Ein Rundgang durch Norden, abgerufen am 25. März 2021

Literatur

  • Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 86

Siehe auch