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Am 1. Oktober 1875 begann für die nun ''Landwirtschaftliche Winterschule'' genannte Schule schließlich der Schulbetrieb. Mangels eigener Räumlichkeiten fand der Unterricht in den ersten Jahren noch im [[Ulrichsgymnasium]] statt.<ref name=":0" /> Unterstützt wurde das Vorhaben finanziell auch vom ''Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland'' und der Ostfriesischen Landschaft.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Wegner.pdf Henninger, Wolfgang (2001): Ostfriesische Landschaft. Biographie des Adolf Wegner], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Erster Schuldirektor wurde [[Adolf Wegner]], noch bevor dieser sein eigenes Studium offiziell abgeschlossen hatte. Er hatte zunächst im Winter angehende Landwirte zu unterrichten und im Sommer als Wanderlehrer bei den Zweigvereinen zu arbeiten. Der Fachunterricht umschloss Tierkunde, Zuchtlehre, Tierheilkunde, Pflanzen- und Bodenkunde, Betriebslehre und Buchführung, Wiesenbau und Drainagen, Gartenbau und Obstkultur.<ref name=":1" /> Weitere Lehrkräfte waren der aus Wetzlar stammende [[Hermann Jungk]], der seinerzeit Direktor der [[Höhere Töchterschule|Höheren Töchterschule]] war, der Veterinärarzt Voß, der Humanmediziner Dr. Hoppe sowie der als Privatlehrer tätige [[Heinrich Eggers|Dr. phil. Heinrich Eggers]]. Als Kuratorium fungierten namhafte Persönlichkeiten wie der Lütetsburger Graf von Innhausen und Knyphausen, der Gutsbesitzer [[Sicco Theodor van Hülst]] und Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]].<ref name=":5">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 141</ref>
Am 1. Oktober 1875 begann für die nun ''Landwirtschaftliche Winterschule'' genannte Schule schließlich der Schulbetrieb. Mangels eigener Räumlichkeiten fand der Unterricht in den ersten Jahren noch im [[Ulrichsgymnasium]] statt.<ref name=":0" /> Unterstützt wurde das Vorhaben finanziell auch vom ''Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland'' und der Ostfriesischen Landschaft.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Wegner.pdf Henninger, Wolfgang (2001): Ostfriesische Landschaft. Biographie des Adolf Wegner], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Erster Schuldirektor wurde [[Adolf Wegner]], noch bevor dieser sein eigenes Studium offiziell abgeschlossen hatte. Er hatte zunächst im Winter angehende Landwirte zu unterrichten und im Sommer als Wanderlehrer bei den Zweigvereinen zu arbeiten. Der Fachunterricht umschloss Tierkunde, Zuchtlehre, Tierheilkunde, Pflanzen- und Bodenkunde, Betriebslehre und Buchführung, Wiesenbau und Drainagen, Gartenbau und Obstkultur.<ref name=":1" /> Weitere Lehrkräfte waren der aus Wetzlar stammende [[Hermann Jungk]], der seinerzeit Direktor der [[Höhere Töchterschule|Höheren Töchterschule]] war, der Veterinärarzt Voß, der Humanmediziner Dr. Hoppe sowie der als Privatlehrer tätige [[Heinrich Eggers|Dr. phil. Heinrich Eggers]]. Als Kuratorium fungierten namhafte Persönlichkeiten wie der Lütetsburger Graf von Innhausen und Knyphausen, der Gutsbesitzer [[Sicco Theodor van Hülst]] und Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]].<ref name=":5">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 141</ref>


Ab 1879 verfügte die Schule schließlich über ein eigenes Gebäude, nachdem [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] gemeinsam mit Bürgermeister Taaks und weiteren Norder Persönlichkeiten das ehemals fürstliche Haus [[Zur Blauen Pforte|''Zur Blauen Pforte'']] erwarb und das bis dahin freistehende Grundstücks links davon der Schule vermachte. Nachfolgend wurde hier mit Unterstützung der [[Molkereigenossenschaft Norden|Molkereigenossenschaft]] und des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für 37.100 Mark das bis heute bestehende Gebäude errichtet.<ref name=":0" /><ref name=":5" /> In Erinnerung an diese große Schenkung benannte die [[Stadt Norden]] 100 Jahre später den angrenzenden [[Jan-ten-Doornkaat-Koolman-Platz]] nach ihm.
Ab 1879 verfügte die Schule schließlich über ein eigenes Gebäude, nachdem [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] gemeinsam mit [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] und weiteren Norder Persönlichkeiten das ehemals fürstliche Haus [[Zur Blauen Pforte|''Zur Blauen Pforte'']] erwarb und das Grundstück der heutigen Ackerbauschule der Stadt zum Bau einer solchen vermachte.<ref name=":0" /><ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 71</ref> Nachfolgend wurde hier mit Unterstützung der [[Molkereigenossenschaft Norden|Molkereigenossenschaft]] und des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für 37.100 Mark das bis heute bestehende Gebäude errichtet.<ref name=":0" /><ref name=":5" /> In Erinnerung an diese große Schenkung benannte die [[Stadt Norden]] 100 Jahre später den angrenzenden [[Jan-ten-Doornkaat-Koolman-Platz]] nach ihm.


Der Baubeginn hatte sich aufgrund der fehlenden Zustimmung der königlich-preußischen Behörden in Berlin einige Zeit verzögert, am 19. Januar 1880 konnte Bürgermeister Taaks die nun so genannte Ackerbauschule dann schließlich einweihen und ihrer Bestimmung übergeben.<ref name=":5" />
Der Baubeginn hatte sich aufgrund der fehlenden Zustimmung der königlich-preußischen Behörden in Berlin einige Zeit verzögert, am 19. Januar 1880 konnte Bürgermeister Taaks die nun so genannte Ackerbauschule dann schließlich einweihen und ihrer Bestimmung übergeben.<ref name=":5" />
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1899 konnte das Schulgelände durch Ankauf des [[Reformiertes Armenhaus|Reformierten Armenhauses]] erheblich erweitert werden. Infolge des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] ruhte der Unterricht ab 1917. Ab 1919 war die [[Ländliche Genossenschaftsbank]] in dem Gebäude untergebracht. Im Herbst 1920 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden, wobei in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] ausgewichen werden musste, da die Ackerbauschule, wie vorgenannt, nun durch eine Bank genutzt wurde. Neuer Schulträger war nun zudem nicht mehr die Stadt, sondern der [[Landkreis Norden]].<ref name=":2" />
1899 konnte das Schulgelände durch Ankauf des [[Reformiertes Armenhaus|Reformierten Armenhauses]] erheblich erweitert werden. Infolge des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] ruhte der Unterricht ab 1917. Ab 1919 war die [[Ländliche Genossenschaftsbank]] in dem Gebäude untergebracht. Im Herbst 1920 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden, wobei in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] ausgewichen werden musste, da die Ackerbauschule, wie vorgenannt, nun durch eine Bank genutzt wurde. Neuer Schulträger war nun zudem nicht mehr die Stadt, sondern der [[Landkreis Norden]].<ref name=":2" />


Erst ab 1931 fand der Unterricht wieder an ihrem Standort [[Am Markt]] statt. Bereits 1943 wurde der Unterricht [[Zweiter Weltkrieg|kriegsbedingt]] jedoch erneut eingestellt. Gegen Kriegsende wurde das Gebäude von Wehrmachtssoldaten belegt, sodass der Unterricht erst am 20. November 1945 wieder aufgenommen werden konnte. 1946 wurde der Schule eine Mädchenklasse der Emder Landwirtschaftsschule angegliedert. Diese war bereits während des Krieges nach Norden verlagert worden, da die Emder Klassenräume durch alliierte Bombenangriffe zerstört worden waren.<ref name=":2" />
Erst ab 1931 fand der Unterricht wieder am bekannten Standort statt.<ref name=":2" /> Offenbar wurde die Schule in jener Zeit dem ''Reichsnährstand'' unterstellt, denn noch 1950 findet sich im Norder Adressbuch der Hinweis, dass das Gebäude dem ''Treuhänder für den ehemaligen Reichsnährstand'' gehörte.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 67</ref> 1943 wurde der Unterricht [[Zweiter Weltkrieg|kriegsbedingt]] jedoch erneut eingestellt. Gegen Kriegsende wurde das Gebäude von Wehrmachtssoldaten belegt, sodass der Unterricht erst am 20. November 1945 wieder aufgenommen werden konnte. 1946 wurde der Schule eine Mädchenklasse der Emder Landwirtschaftsschule angegliedert. Diese war bereits während des Krieges nach Norden verlagert worden, da die Emder Klassenräume durch alliierte Bombenangriffe zerstört worden waren.<ref name=":2" />


Mit Ablauf des Winterschuljahres 1971/1972 schlug die letzte Stunde der Ackerbauschule. Der landwirtschaftliche Unterricht wurde nun von der [[Conerus-Schule|Berufsschule]] geleistet. Das Gebäude wurde bis 1982 von der Landwirtschaftskammer (Außenstelle Norden) als Sitz genutzt, bis sie im selben Jahr in den Neubau am [[Burggraben 41]] zogen. Von 1992 bis 1996 hatte schließlich die Musikschule ihren Sitz in der alten Ackerbauschule, bis sie in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] umzog. Nach einer aufwendigen Renovierung befindet sich hier bis heute eine Nebenstelle der Stadtverwaltung mit dem Standes- und Ordnungsamt.<ref name=":2" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 59</ref>
Mit Ablauf des Winterschuljahres 1971/1972 schlug die letzte Stunde der Ackerbauschule. Der landwirtschaftliche Unterricht wurde nun von der [[Conerus-Schule|Berufsschule]] geleistet. Das Gebäude wurde nachfolgend und noch bis 1982 von der Landwirtschaftskammer (Außenstelle Norden) als Sitz genutzt, bis sie im selben Jahr in den Neubau am [[Burggraben 41]] zogen. Von 1992 bis 1996 hatte schließlich die Musikschule ihren Sitz in der alten Ackerbauschule, bis sie in die Räumlichkeiten der [[Gräfin-Theda-Schule]] umzog. Nach einer aufwendigen Renovierung befindet sich hier bis heute eine Nebenstelle der Stadtverwaltung mit dem Standes- und Ordnungsamt.<ref name=":2" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 59</ref>


==Beschreibung==
==Beschreibung==