Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Das Norder Stadtwappen zeigt auf einem blauen Schild drei goldene sechsstrahlige Sporenräder im Verhältnis 2 (oben) zu 1 (unten), Oberwappen mit Laubkrone auf dem Schild und als Schildhalter die bemäntelte Figur des heiligen Andreas. Im Wesentlichen geht das Wappen auf das älteste, bekannte [[Stadtsiegel]] aus dem Jahre 1498 zurück und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten eher marginal geändert. | Das [[Stadtwappen|Norder Stadtwappen]] zeigt auf einem blauen Schild drei goldene sechsstrahlige Sporenräder im Verhältnis 2 (oben) zu 1 (unten), Oberwappen mit Laubkrone auf dem Schild und als Schildhalter die bemäntelte Figur des heiligen Andreas. Im Wesentlichen geht das Wappen auf das älteste, bekannte [[Stadtsiegel]] aus dem Jahre 1498 zurück und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten eher marginal geändert. | ||
Die Sporenräder sind dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert in Norden vorherrschenden Häuptlingsfamilie [[Idzinga]] entnommen. Blau und gelb sind die Stadtfarben von Norden. Sie verdeutlichen den Wohlstand und die Lage am Meer. Der Heilige Andreas ist der Schutzpatron der Stadt. Ihm war die [[Andreaskirche]] in der Stadtmitte geweiht. | Die Sporenräder sind dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert in Norden vorherrschenden Häuptlingsfamilie [[Idzinga]] entnommen. Blau und gelb sind die Stadtfarben von Norden. Sie verdeutlichen den Wohlstand und die Lage am Meer. Der Heilige Andreas ist der Schutzpatron der Stadt. Ihm war die [[Andreaskirche]] in der Stadtmitte geweiht. | ||
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Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] noch die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Index.php?title=Sandbauerschaft#Gliederung|Ortsteilen]] | Die Stadt besteht aus einer Kernstadt und zehn offiziellen Stadtteilen. Die Kernstadt umfasst neben dem [[Norden (Stadtteil)|alten Stadtzentrum]] noch die ehemalige, im Jahr 1919 eingemeinde [[Sandbauerschaft]] mit ihren ehemaligen [[Index.php?title=Sandbauerschaft#Gliederung|Ortsteilen]] | ||
Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]], [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Tidofeld]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. Bis auf Bargebur und Tidofeld, die historisch zu Lütetsburg gehörten, waren alle heutigen Stadtteile bis zur Kommunalreform 1972 eigenständige Gemeinden bzw. Samtgemeinden, im Falle von Norddeich handelt es sich um einen Sonderfall. Der heutige Ortsteil [[Norddeich]] ist praktisch identisch mit der ehemaligen [[Lintelermarsch|Gemeinde Lintelermarsch]], von dem Norddeich ursprünglich nur ein Ortsteil war. | Die offiziellen, administrativen Stadtteile sind [[Bargebur]], [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]], [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Tidofeld]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. Bis auf Bargebur und Tidofeld, die historisch zu Lütetsburg gehörten, waren alle heutigen Stadtteile bis zur Kommunalreform 1972 eigenständige Gemeinden bzw. Samtgemeinden, im Falle von Norddeich handelt es sich um einen Sonderfall. Der heutige Ortsteil [[Norddeich]] ist praktisch identisch mit der ehemaligen [[Lintelermarsch|Gemeinde Lintelermarsch]], von dem Norddeich ursprünglich nur ein Ortsteil war. Da Norddeich aber in den Folgejahren aufblühte und sich zum Kernort entwickelte, erfolgte die Umbenennung. | ||
Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, Tidofeld sowie Teile von Westermarsch II, dessen nordwestliche Teile oftmals fälschlicherweise Norddeich zugerechnet werden, sind baulich weitestgehend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem Ballungsgebiet leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.<ref>[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen], abgerufen am 20. April 2021</ref> Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. Die [[Norden (Stadtteil)|historische Kernstadt]] umfasst eine Fläche von nicht einmal 14 km², was nicht einmal einen Anteil von 15 % an der städtischen Gesamtfläche darstellt. | Die Kernstadt und die Ortsteile Bargebur, Norddeich, Süderneuland I und Süderneuland II, Tidofeld sowie Teile von Westermarsch II, dessen nordwestliche Teile oftmals fälschlicherweise Norddeich zugerechnet werden, sind baulich weitestgehend zusammengewachsen, und formen, mit Ausnahme von Norddeich und Westermarsch II, die ausgedehnten Wohn- und Gewerbegebiete im Süden und Osten der Stadt. In diesem Ballungsgebiet leben etwa 92,5 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung.<ref>[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8883.1&object=tx%7C3170.8883.1 Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen], abgerufen am 20. April 2021</ref> Die verbleibenden Ortsteile sind nach wie vor sehr ländlich geprägt und überwiegend äußerst spärlich besiedelt, nehmen jedoch den weitaus größten Teil der städtischen Gesamtfläche ein. Die [[Norden (Stadtteil)|historische Kernstadt]] umfasst eine Fläche von nicht einmal 14 km², was nicht einmal einen Anteil von 15 % an der städtischen Gesamtfläche darstellt. | ||
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1866 kommt Ostfriesland mit dem Ende eines eigenständigen hannoverschen Königreichs wieder zu Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer ist jedoch mittlerweile stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch vermindert, während die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] ansteigt. Die Stadt ist mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sinkt stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wird der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment wiedersinnig klingen, aber die Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos. | 1866 kommt Ostfriesland mit dem Ende eines eigenständigen hannoverschen Königreichs wieder zu Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer ist jedoch mittlerweile stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch vermindert, während die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] ansteigt. Die Stadt ist mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sinkt stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wird der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment wiedersinnig klingen, aber die Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos. | ||
Ein bedeutendes Ereignis war der Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz 1883. Die Strecke wurde 1892 bis zum Norddeicher Fähranleger, genannt Norddeich Mole, weitergeführt. Dadurch gewann die Stadt für den Durchgangsverkehr von Touristen nach Norderney und anderen Ostfriesischen Inseln an Bedeutung. Im Zuge der preußischen Gebietsreform des Jahres 1885 lösten in Ostfriesland die (größeren) Landkreise die vorherigen Ämter ab. Norden wurde zum Sitz des [[Landkreis Norden|gleichnamigen Landkreises]], der aus den früheren [[Amt Norden|Ämtern Norden]] und [[Amt Berum|Berum]] bestand. Bedingt durch den verheerenden Brand der [[Frisiamühle]], dessen Zeuge der damals amtierende Bürgermeister [[Johannes König]] wird, kommt es 1886 unter der Führung des [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman]] zur Gründung einer [[Feuerwehr Norden|Freiwilligen Feuerwehr]]. Im Jahr 1889 beginnt der Bau der ersten [[Mole Norddeich|Hafenmole]] in [[Norddeich]]. | Ein bedeutendes Ereignis war der Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz 1883. Die Strecke wurde 1892 bis zum Norddeicher Fähranleger, genannt Norddeich Mole, weitergeführt. Dadurch gewann die Stadt für den Durchgangsverkehr von Touristen nach Norderney und anderen Ostfriesischen Inseln an Bedeutung. Im Zuge der preußischen Gebietsreform des Jahres 1885 lösten in Ostfriesland die (größeren) Landkreise die vorherigen Ämter ab. Norden wurde zum Sitz des [[Landkreis Norden|gleichnamigen Landkreises]], der aus den früheren [[Amt Norden|Ämtern Norden]] und [[Amt Berum|Berum]] bestand. Bedingt durch den verheerenden Brand der [[Frisiamühle]], dessen Zeuge der damals amtierende Bürgermeister [[Johannes König]] wird, kommt es 1886 unter der Führung des [[Jan ten Doornkaat Koolman (1850)|Jan ten Doornkaat Koolman]] zur Gründung einer [[Feuerwehr Norden|Freiwilligen Feuerwehr]]. Im Jahr 1889 beginnt der Bau der ersten [[Mole Norddeich|Hafenmole]] in [[Norddeich]]. 1898 wird erstmals das Fernsprechnetz (Telefonnetz) nach Norden ausgebaut. | ||
=== 1900 bis | === 1900 bis 1949 === | ||
1905 wird die legendäre Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]] errichtet, 1907 wird die städtische Gasversorung errichtet, am Anfang jedoch nur die Straßenlaternen damit beliefert. Am 10. März 1914 erfolgt der Anschluss der Stadt an die Elektrizitätsversorgung. Während des Ersten Weltkrieges werden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder melden sich freiwillig. Viele von ihnen sterben auf den Kriegsschauplätzen in Europa. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren. Vor allem die Küstenfunkstelle hatte in den nächsten vier Jahren große Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt. | 1905 wird die legendäre Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]] errichtet, 1907 wird die städtische Gasversorung errichtet, am Anfang jedoch nur die Straßenlaternen damit beliefert. Am 10. März 1914 erfolgt der Anschluss der Stadt an die Elektrizitätsversorgung. Während des Ersten Weltkrieges werden viele Norder Bürger zum Kriegsdienst eingezogen oder melden sich freiwillig. Viele von ihnen sterben auf den Kriegsschauplätzen in Europa. Während des Krieges werden auch in Norden und seinem Umland Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen eingesetzt, um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren. Vor allem die Küstenfunkstelle hatte in den nächsten vier Jahren große Bedeutung für die Kaiserliche Marine und wurde entsprechend militärisch geschützt. | ||
Die Sozialdemokratie fasste in der Kleinstadt in ländlicher Umgebung erst spät Fuß. Zwar gab es bereits 1875 erste Versuche, sich zu organisieren. Es dauerte aber bis 1902, bis von der Organisation eines Ortsvereins gesprochen werden kann. Zu einem Streik kam es 1906, als die Arbeiter der Eisenhütte in den Ausstand traten. Die Geschäftsführer ließen daraufhin in ganzseitigen Zeitungsannoncen die Namen der Streikenden abdrucken. Damit endete der Streik relativ glimpflich, denn zu dieser Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass diese durch das Militär niedergeschlagen wurden. | Die Sozialdemokratie fasste in der Kleinstadt in ländlicher Umgebung erst spät Fuß. Zwar gab es bereits 1875 erste Versuche, sich zu organisieren. Es dauerte aber bis 1902, bis von der Organisation eines Ortsvereins gesprochen werden kann. Zu einem Streik kam es 1906, als die Arbeiter der Eisenhütte in den Ausstand traten. Die Geschäftsführer ließen daraufhin in ganzseitigen Zeitungsannoncen die Namen der Streikenden abdrucken. Damit endete der Streik relativ glimpflich, denn zu dieser Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass diese durch das Militär niedergeschlagen wurden. Ein Jahr später (1907) werden erstmals auch private Haushalte mit Stadtgas beliefert. | ||
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges übernahm in Norden ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht, löste sich jedoch schnell auf. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Zum 1. April 1919 wird die [[Sandbauerschaft]] nach Norden eingemeindet, wodurch das Stadtgebiet und die Einwohnerzahl beträchtlich wächst. | Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges übernahm in Norden ein Arbeiter- und Soldatenrat für kurze Zeit die Macht, löste sich jedoch schnell auf. Wie im übrigen Ostfriesland blieben die Arbeiter- und Soldatenräte eine kurze Episode, was nicht zuletzt an der ländlich-konservativen Haltung in weiten Teilen Ostfrieslands lag. Zum 1. April 1919 wird die [[Sandbauerschaft]] nach Norden eingemeindet, wodurch das Stadtgebiet und die Einwohnerzahl beträchtlich wächst. | ||
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Erstmals tauchen am 7. November 1919 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiffhafen in Hage. Zum Einsatz der Schusswaffen kam es nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten, was auch gelang. Die Arbeiter- und Soldatenräte lösten sich im Sommer 1919 auf. | Erstmals tauchen am 7. November 1919 bewaffnete Soldaten mit einer roten Fahne im Stadtgebiet auf; sie kamen vom nahe gelegenen Luftschiffhafen in Hage. Zum Einsatz der Schusswaffen kam es nicht. Der Teehandels-Unternehmer [[Onno Behrends]] versammelte in einem Bürgerausschuss Angehörige des bürgerlich-konservativen Lagers, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeiter- und Soldatenrat anstrebten, was auch gelang. Die Arbeiter- und Soldatenräte lösten sich im Sommer 1919 auf. | ||
Durch Eindeichung weiterer Ländereien entsteht der Ort [[Neuwesteel]], zunächst noch als eigenständige Gemeinde. Zur Entwässerung der neuen Ländereien wird der Bau [[Leybuchtsiel|eines Siels]] erforderlich. Norden verliert dadurch seinen Zugang zum offenen Meer und der [[Norder Hafen]] verliert endgültig an Bedeutung, da der offene Zugang zur See nicht mehr gewährleistet ist. Der Siegeszug des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] beginnt. | 1923 besetzen französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet, um Ansprüche aus dem Versailler Vertrag gewaltsam durchzusetzen. In der Folge fliehen viele Deutsche aus dem Ruhrgebiet oder werden vertrieben. Einige von ihnen finden in Norden eine Unterkunft, die meisten von ihnen kehren jedoch nach dem Abzug der fremden Streitkräfte im Jahr 1925 wieder in ihre Heimat zurück. | ||
Durch Eindeichung weiterer Ländereien entsteht 1928 bis 1929 der Ort [[Neuwesteel]] ("Süderpolder"), zunächst noch als eigenständige Gemeinde. Zur Entwässerung der neuen Ländereien wird der Bau [[Leybuchtsiel|eines Siels]] erforderlich. Norden verliert dadurch seinen Zugang zum offenen Meer und der [[Norder Hafen]] verliert endgültig an Bedeutung, da der offene Zugang zur See nicht mehr gewährleistet ist. Der Siegeszug des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] beginnt. | |||
Bei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 konnten die Nationalsozialisten, die bereits seit 1923 eine eigene Ortsgruppe hatten, in der Stadt die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, was sicherlich nicht zuletzt auf die konservative Gesinnung des Großteils der Norder Bürgerschaft zurückzuführen ist. Bereits wenige Tage später setzen Verhaftungswellen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten ein. Wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es zu Übergriffen auf politische Gegner: 27 Sozialdemokraten und Kommunisten wurden in der [[Gaststätte Zur Börse]] brutal misshandelt. Am 28. März ließ die SA in der Stadt sämtliche jüdische Geschäfte schließen und rief zu deren Boykott auf. Diese Maßnahme wurde am 5. April wieder beendet. Im Juli 1935, kurz vor der Einführung der Rassegesetze, wurden Juden, die mit "arischen" Norder Frauen Kontakt hatten, durch die Hauptstraßen des Ortes geführt, um den Hals ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin ein Rasseschänder". | Bei den Kommunalwahlen vom 12. März 1933 konnten die Nationalsozialisten, die bereits seit 1923 eine eigene Ortsgruppe hatten, in der Stadt die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, was sicherlich nicht zuletzt auf die konservative Gesinnung des Großteils der Norder Bürgerschaft zurückzuführen ist. Bereits wenige Tage später setzen Verhaftungswellen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten ein. Wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es zu Übergriffen auf politische Gegner: 27 Sozialdemokraten und Kommunisten wurden in der [[Gaststätte Zur Börse]] brutal misshandelt. Am 28. März ließ die SA in der Stadt sämtliche jüdische Geschäfte schließen und rief zu deren Boykott auf. Diese Maßnahme wurde am 5. April wieder beendet. Im Juli 1935, kurz vor der Einführung der Rassegesetze, wurden Juden, die mit "arischen" Norder Frauen Kontakt hatten, durch die Hauptstraßen des Ortes geführt, um den Hals ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin ein Rasseschänder". | ||
Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß viele Jahrhunderte hindurch eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das Schulhaus | Im Verlauf des Jahres 1938 setzte eine verstärkte antijüdische Hetze in der Norder Presse ein. Norden besaß viele Jahrhunderte hindurch eine [[Jüdische Gemeinde Norden|jüdische Gemeinde]] mit Synagogen in Norden und auf Norderney. Die [[Synagoge|Norder Synagoge]] wurde während der nationalsozialistischen Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört. Das [[Jüdische Schule|Schulhaus]], das [[Vorsängers Haus|Wohnhaus des Rabbiners]] und das des [[Synagogenweg 3|Lehrers]] stehen indes bis heute. Die Synagoge in Norderney blieb von den Aktionen in Zusammenhang mit den Novemberpogromen verschont, da sie zuvor an einen Eisenwarenhändler verkauft worden war, der dort einen Lagerraum einrichten wollte. Die in Norden lebenden Juden wurden am [[Schlachthof]] zusammengetrieben und gemeinsam mit den anderen ostfriesischen Juden in das KZ Sachsenhausen gebracht, von wo sie Wochen später zunächst zurückkehrten, ehe sie einige Zeit später endgültig deportiert wurden. Nach den Novemberpogromen löste sich die jüdische Gemeinde in Norden, die noch 1925 mehr als 230 Mitglieder hatte, auf. Die letzten Juden wurden im April 1940 in Konzentrationslager abtransportiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde fast die Hälfte der jüdischen Norder umgebracht. Nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg nach Norden zurück. | ||
Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde Norden von Bomben getroffen, die zu mehreren Todesopfern führten. Insgesamt überstand die Stadt den Krieg, von den Entbehrungen des Alltags abgesehen, relativ glimpflich. Norden nahm wie andere Städte und Gemeinden in Ostfriesland nach dem 6. September 1944 ausgebombte Emder auf, nachdem die Seehafenstadt durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört worden war. Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die Funktion Norddeichs als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den "Atlantikwall" aufgerüstet wurden, die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Zum Einsatz an der "Heimatflak" wurden viele Norder Schüler einberufen, die nach heutigen Maßstäben als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt sterben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht. | Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurde Norden von Bomben getroffen, die zu mehreren Todesopfern führten. Insgesamt überstand die Stadt den Krieg, von den Entbehrungen des Alltags abgesehen, relativ glimpflich. Norden nahm wie andere Städte und Gemeinden in Ostfriesland nach dem 6. September 1944 ausgebombte Emder auf, nachdem die Seehafenstadt durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört worden war. Die weitestgehende Unversehrtheit Nordens war vor allem auf seine geringe militärische Bedeutung zurückzuführen. Zu erwähnen sind lediglich die Funktion Norddeichs als Fährhafen nach Juist und Norderney, die durch den "Atlantikwall" aufgerüstet wurden, die Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]], der [[Sender Osterloog|Propagandasender Osterloog]] und das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Ausbildungs- und Durchgangslager der Marine]]. Um die Stadt herum wurden mehrere [[Liste der Flakstellungen|Flakstellungen]] und [[Liste der Bunker|Bunker]] errichtet. Zum Einsatz an der "Heimatflak" wurden viele Norder Schüler einberufen, die nach heutigen Maßstäben als Kindersoldaten gelten würden. Hunderte Söhne und Töchter der Stadt sterben auf den Kriegsschauplätzen dieser Welt. Der Gefallenen beider Weltkriege wird jedes Jahr zum Volkstrauertag am [[Glockenturm]] gedacht. | ||
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Am 4. Mai treffen kanadische Truppen in Norden ein. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht vorgesprochen hatten, wurde die Stadt kampflos übergeben. Nachfolgend übernimmt die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führt eine Entnazifizierung durch. Für die Versorgung der Kriegsversehrten werden mehrere Baracken, die teilweise noch aus dem Ersten Weltkrieg stammen, als Lazarett umfunktioniert. Auch das [[Ulrichsgymnasium]], das noch während des Krieges im Keller verbunkert wurde, dient einige Zeit als Lazarett. | Am 4. Mai treffen kanadische Truppen in Norden ein. Nachdem aufgebrachte Norder Bürger energisch bei NSDAP-Parteiführer [[Lenhard Everwien]], der noch am 20. April in einer Rede anlässlich des Geburtstags von Adolf Hitler zum Durchhalten aufgerufen hatte (die Alliierten standen zu diesem Zeitpunkt schon vor Leer) und verantwortlichen Angehörigen der Wehrmacht vorgesprochen hatten, wurde die Stadt kampflos übergeben. Nachfolgend übernimmt die britische Militärregierung das Kommando in der Stadt und führt eine Entnazifizierung durch. Für die Versorgung der Kriegsversehrten werden mehrere Baracken, die teilweise noch aus dem Ersten Weltkrieg stammen, als Lazarett umfunktioniert. Auch das [[Ulrichsgymnasium]], das noch während des Krieges im Keller verbunkert wurde, dient einige Zeit als Lazarett. | ||
Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nimmt die Bevölkerung Nordens erheblich zu. Auf dem ehemaligen Kasernengelände wird ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. | Durch den Flüchtlingsstrom der Nachkriegszeit, insbesondere durch Zuweisung unzähliger Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nimmt die Bevölkerung Nordens erheblich zu. Auf dem ehemaligen Kasernengelände wird ein [[Vertriebenenlager Tidofeld|Vertriebenenlager]] eingerichtet, in dem zeitweise weit über 1.000 Menschen gleichzeitig wohnten. Im gesamten [[Landkreis Norden]] werden Ende 1946 rund 17.000 Heimatvertriebene gezählt. Hinzu kamen 9.000 Menschen aus ausgebombten Städten, darunter auch aus Emden, das nach dem alliierten Bombenterror im September 1944 nahezu vollständig zerstört wurde. Diese etwa 26.000 Menschen stellten damals rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung im Landkreis Norden. Unabhängig vom Lager Tidofeld werden die Vertriebenen in der ganzen Region disloziert verteilt. Sie wohnen bei Familien, auf Bauernhöfen, in Scheunen, alten Rettungsschuppen, Baracken, und Flakscheinwerferhütten. Letztlich wird alles als Unterkunft genutzt, was in irgendeiner Form vier Wände und ein Dach hat. Nach heutigen Maßstäben ein unvorstellbarer, aber auch damals natürlich schon unhaltbarer Zustand. | ||
Zum ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit ernennt die britische am 8. Juni 1945 [[Albert Schöneberg|Dr. Albert Schöneberg]]. Anfang 1946 konstituierte sich auf Anweisung der Besatzungsbehörden der erste [[Stadtrat|Nachkriegsstadtrat]]. Hauptaufgabe des ernannten Stadtrates, der aus politisch nicht belasteten Mitgliedern bestand, war die Umsetzung der von der Militärregierung nach britischem Muster entwickelten neuen "Deutschen Gemeindeordnung", die damit verbundene Redemokratisierung der kommunalen Strukturen und die Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen. Wichtigstes Ziel der neuen Kommunalordnung war die Abschaffung des nationalsozialistischen Führerprinzips und seine Ersetzung durch das "Prinzip gemeinschaftlicher Verantwortung". Bereits im März 1946 wird Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister wieder abgesetzt. An seine Stelle tritt [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister. | |||
Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an. | |||
=== 1950er Jahre === | |||
Von 1947 bis 1950 wurde der [[Leybuchtpolder (Polder)|Leybuchtpolder]] eingedeicht, auf dem später der heutige, [[Leybuchtpolder|gleichnamige Ortsteil]] entstand. Die bislang letzte Eindeichung an der [[Leybucht]] geschah durch die Anlage des 4,75 Kilometer langen [[Störtebekerdeich|Störtebekerdeiches]]. Bei der anschließenden Landvergabe wurden die Deicharbeiter bevorzugt, die durch ihre Mühen die Besiedlung dieses Landstriches überhaupt erst möglich gemacht haben. „Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, dass bei der Verteilung des Siedlungslandes in der Leybucht in erster Linie die Arbeiter berücksichtigt werden sollen, aus deren Arbeit dieses Land überhaupt erst entstanden ist“, hatte Mimke Berghaus, der Regierungspräsident in Aurich dem Leiter des Norder Domänen- und Bauamtes bereits vor Beginn der ersten Baumaßnahme mitgeteilt. Es entstanden darüber hinaus 53 größere Betriebe zu 10 bis 16 Hektar. | |||
Nördlich der historischen Kernstadt entstand [[Neustadt|Norden-Neustadt]], vornehmlich um die Vielzahl der Vertriebenen angemessen unterzubringen. Bis heute erinnert ein Großteil der Straßennamen an die Vergangenheit der Bewohner, indem sie überwiegend nach ehemals deutschen Städten wie [[Königsberger Straße|Königsberg]], [[Breslauer Straße|Breslau]] oder [[Stettiner Straße|Stettin]] benannt wurden. | |||
Am 1. Januar 1951 trifft der schwedische Fußballverein "Nybro Idrottsförening" in Norden ein und spielt gegen den [[FC Norden]]. Es ist das erste internationale Fußballturnier der Nachkriegszeit. Das schwedische Volk erwies sich bereits im Vorfeld als Freund der Stadt Norden; es kommt zu zahlreichen Spenden für die notleidende Stadt und ihre Bewohner. Ein Jahr später wird [[Tidofeld]], damals noch Teil der Gemeinde Lütetsburg, nach Norden eingemeindet und unmittelbarer Bestandteil der [[Norden (Stadtteil)|Kernstadt]]. | |||
Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft, in der mit modernen Maschinen bessere Erträge verzeichnet wurden, durch die Zuwanderung von Vertriebenen und wegen des Mangels an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten jenseits der Landwirtschaft waren die 1950er Jahre ein Jahrzehnt, das von hoher Arbeitslosigkeit geprägt war. Ab diesem Jahrzehnt erfolgte ein großzügiger Ausbau der Infrastruktur in der Stadt, begonnen 1958 mit der [[Kanalisation]] im historischen Stadtkern. Zudem wurden neue Schulen gebaut, so beispielsweise die [[Nadörster Schule]]. Erste Rufe nach einer [[Umgehungsstraße]] für die Innenstadt wurden laut, die immer stärker durch den immer massiver werden Straßenverkehr belastet wurde, der noch durch den aufblühenden Tourismus verstärkt wurde. Mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder verlassen viele Flüchtlinge und Vertriebene die Stadt auf der Suche nach (besseren) Arbeitsplätzen vor allem in Richtung des wiederaufblühenden Ruhrgebiets. | |||
=== 1960er Jahre === | |||
Ab 1968 wird eine umfangreiche [[Altstadtsanierung]] durchgeführt, der ein Teil der historischen Grundstruktur der Stadt zum Opfer fällt. Die Gebäude an der nördlichen [[Kirchstraße]], der [[Sielstraße]], der [[Große Lohne|Großen Lohne]] und [[Steenbalgen]] werden vollständig dem Erdboden gleichgemacht. Die Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat" errichtet auf dem nun freien Gelände mehrere Mehrfamilienhäuser und dazu drei Wohnhochhäuser auf dem heutigen [[Jan-ten-Doornkaat-Koolman-Platz]], der bis dahin noch ein Teil der Kirchstraße war. Unter dem Jan-ten-Doornkaat-Koolman-Platz wird unter dem Eindruck des sich verschärfenden Kalten Krieges ein Nuklearwaffensicherer [[Tiefbunker]] errichtet, der bis heute jedoch hauptsächlich als Tiefgarage verwendet wird. Als weitere Maßnahme werden mehrere Straßen rund um den Marktplatz verbreitert, außerdem müssen die Alleebepflanzungen der [[Bahnhofstraße]] und der [[Norddeicher Straße]] weichen. Weitere bedeutende Gebäude, wie die [[Drei Schwestern|Dritte Schwester]], werden abgerissen und entweder durch schmucklose Neubauten, Parkplätze oder Straßenzüge ersetzt. Gebäude wie das [[Schöninghsches Haus|Schöninghsche Haus]] und das [[Vossenhus]] entkommen nur knapp demselben Schicksal. Da jedoch in den 1970er Jahren allmählich ein Umdenken stattfindet, wird glücklicherweise ein Großteil der historischen Baustruktur erhalten. Ein sehr gutes Beispiel für diesen Sinneswandel sind die große Bemühungen um den Erhalt des [[Engenahof|Engenahofs]] (heute Polizeikommissariat), bei dem zwar der marode Innenteil abgerissen wurde, die historisch wertvolle Fassade und der Kellerbau erhalten geblieben ist. | |||
Für die bessere medizinische Versorgung der Einwohner Nordens und des Umlands wird 1966 ein neues [[Kreiskrankenhaus Norden]] eröffnet an der [[Osterstraße]] worden. Das [[Städtisches Krankenhaus|Städtische Krankenhaus]] an der [[Feldstraße]] wird geschlossen und an die [[Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden|Stadtwerke Norden]] übergeben. Nun werden auch die zahlreichen, als Lazarett dienenden Baracken nicht mehr benötigt. Einzig erhalten ist bis heute noch jene Baracke an der [[Kastanienallee]], das heute als [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Vereinsheim]] für drei Norder Vereine dient. | |||
=== 1970er Jahre === | |||
Zwischen 1969 und 1979 wird im durch den Tourismus aufblühenden Stadtteil [[Norddeich]] erheblich in die Infrastruktur investiert. Es entstehen die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]] (die sich zuvor noch am [[Schwanenteich]] befunden hat), ein [[Ocean Wave|Meerwasserhallenbecken]], neue Promenaden und ein aufgespülter Sandstrand. Dies führte dazu, dass [[Norddeich]] seit 1979 die offizielle Bezeichnung "Staatlich anerkanntes Nordseebad" trägt. Norden-Norddeich ist damit das größte staatlich anerkannte Nordseebad an der ostfriesischen Nordseeküste. | |||
Durch die niedersächsische Kommunalreform 1972 kommen die bis dahin selbstständigen (Samt-)Gemeinden [[Leybuchtpolder]], [[Neuwesteel]], [[Norddeich]], [[Ostermarsch]], [[Süderneuland I]], [[Süderneuland II]], [[Westermarsch I]] und [[Westermarsch II]]. zum Stadtgebiet und werden fortan als Stadtteile gezählt. Gemeinsam mit Tidofeld hat Norden nun neun amtliche Stadtteile. | |||
Zwischen 1972 und 1975 wird der Seedeich deutlich verstärkt. Den Baumaßnahmen fällt unter anderem der [[Großer Krug|Große Krug]] zum Opfer. | |||
Bei der Kreisreform 1977 hingegen verlor die Stadt Norden den Sitz des gleichnamigen Kreises und gehört seither als Mittelzentrum zum Landkreis Aurich mit der Kreisstadt Aurich. Dies war vor allem bedingt durch den einsetzenden wirtschaftlichen Niedergang der Stadt und des Umlandes sowie der geringeren Einwohnerzahl gegenüber dem Altkreis Aurich. | |||
=== 1980er Jahre === | |||
Wirtschaftlich geht es Norden in den 1980er Jahren außerordentlich schlecht. Die Schließung eines Zweigwerks des Büromaschinenherstellers [[Olympiawerk|Olympia]] in [[Tidofeld]] und der langsame Niedergang von [[Doornkaat]] sowie weiterer Betriebe treiben die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Beinahe 30 % der Norder Erwerbsfähigen sind zu dieser Zeit arbeitslos gemeldet. | |||
1989 erfolgt die Umwandlung des [[Neuer Weg|Neuen Wegs]] und der westlichen [[Osterstraße]] zu Fußgängerzonen. Die Fahrbahnen werden erheblich verschmalert, der allgemeine Kraftfahrzeugverkehr verboten. Fortan verwaist der südliche Neue Weg und wird kaum noch frequentiert. Ein Umstand, der sich bis heute erhalten hat. | |||
=== 1990er Jahre === | |||
In den 1990er Jahren, teils vorher, siedeln sich zunehmend Betriebe im [[Leegemoor]] an, das sich fortan zu einem blühenden Gewerbegebiet entwickelt. Die hohe Arbeitslosigkeit nimmt dadurch sukzessive ab, ist aber - bis heute - die höchste in Ostfriesland. | |||
Schon in den 1980er Jahren, mehr noch in den 1990er Jahren ist die Stadt dazu übergegangen, den [[Marktplatz]] Stück für Stück attraktiver zu gestalten, den Gebäuden historische Details zurückzugeben und historische Merkmale nachträglich besonders hervorzuheben. | |||
1996 wird [[Tidofeld]], das seit seiner Eingemeindung im Jahr 1952 zur [[Norden (Stadtteil)|Kernstadt]] gehörte, ein eigenständiger Stadtteil. Die Geschichte der stolzen Küstenfunkstelle [[Norddeich Radio]] endet 1998. In das Gebäude zieht nachfolgend ein Callcenter einer Telekom-Tochtergesellschaft ein. | |||
=== | === 2000er Jahre === | ||
Im Oktober 2013 wird bekannt, dass der Landkreis Aurich und die Stadt Emden über ein gemeinsames Krankenhaus in bzw. bei Georgsheil nachdenken und die Machbarkeit prüfen wollen. Bei einem Bau einer gemeinsamen Klinik dort würden die beiden Standorte der Ubbo-Emmius-Klinik sowie das Hans-Susemihl-Krankenhaus geschlossen. Im Juni 2017 fand ein Bürgerentscheid zur Frage statt, ob eine Zentralklinik in Georgsheil gebaut werden soll. Während die Bürger des Landkreises Aurich dafür stimmten, lehnten die Einwohner der Stadt Emden dies ab. In einem zweiten Bürgerentscheid in Emden zur gleichen Fragestellung im Mai 2019 votierten 54,75 % der Wahlberechtigten für einen Bau. Das Schicksal der Norder Klinik als reguläres Krankenhaus ist damit besiegelt, aber genaueres noch offen. | |||
Nach Jahrzehnten der Diskussion und des Bemühens um Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan erhielt Norden 2009 endlich eine [[Umgehungsstraße]], die Teil der Bundesstraße 72 wird. Durch den Bau wird die innerstädtische Verkehrsbelastung erheblich reduziert. Zugleich verlieren die [[Bahnhofstraße]], [[Burggraben]] die [[Norddeicher Straße]] ihren Status als Bundesstraße und werden zu Landesstraßen. | |||
=== | === 2010er Jahre === | ||
Seit 2010 trägt "Norden-Norddeich" den Titel als "staatlich anerkanntes Nordseeheilbad". Die höchste touristische Anerkennungsstufe in Niedersachsen. | |||
=== 2020er Jahre === | |||
Die [[COVID 19-Pandemie]] erreicht im Frühjahr 2020 auch die Stadt Norden. Ab dem Sommer wird vom Landkreis Aurich das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im innerstädtischen Bereich und an frequentierten Bereichen im Norder Hafen verfügt. | |||
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