Die Seite wurde neu angelegt: „{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;" ! colspan="2" | ==Pestalozzischule== |- ! colspan="2" |{{#multimaps: | Title = Pestalozzischule |…“
 
 
(23 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 3: Zeile 3:
==Pestalozzischule==
==Pestalozzischule==
|-
|-
! colspan="2" |{{#multimaps:
! colspan="2" |{{#display_map:
| Title = Pestalozzischule
| Title = Pestalozzischule
| Text = Schule in Norden
| Text = Schule in Norden
| center = 53.59960799411982, 7.204185692917973
| center = 53.59960799411982, 7.204185692917973
| circle = 53.59960799411982, 7.204185692917973 :30
| circles = 53.59960799411982, 7.204185692917973 :20
| zoom = 17
| zoom = 17
| width = 300px
| width = 300px
Zeile 16: Zeile 16:
|-
|-
|Entstehungszeit
|Entstehungszeit
|1921
|1929 (1921)
|-
|-
|Erbauer
|Erbauer
|Stadt Norden
|[[Stadt Norden]]
|-
|-
|Bauweise
|Bauweise
Zeile 25: Zeile 25:
|-
|-
|Entwidmung
|Entwidmung
| -
| -
|-
|-
|Erhaltungszustand
|Erhaltungszustand
Zeile 34: Zeile 34:
26506 Norden
26506 Norden
|}
|}
Die '''Pestalozzischule''' wurde ursprünglich als Förderschule gegründet. Heute ist sie ein Nebengebäude der [[Conerus-Schule]], in dem die Altenpfleger ausgebildet werden.
Die '''Pestalozzischule''' (auch: ''Hilfsschule'', ''Förderschule'', ''Sonderschule''; spöttisch: ''Brettergymnasium'') wurde ursprünglich als Förderschule für lernschwächere Kinder gegründet und nach dem Schweizer Schulreformer Johann Heinrich Pestalozzi benannt. Seit dem Bau des Förderschultrakts im [[Schulzentrum Wildbahn]] dient das Gebäude als Nebenstelle der [[Conerus-Schule]]. Hier wird der Beruf des Altenpflegers gelehrt. In einer angebauten Baracke hat der 1981 gegründete [[Modelleisenbahnclub Norden]] seinen Vereinssitz.
 
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Im Herbst 1918 und im März 1919 berieten sich die Norder Volksschullehrer unter Federführung von [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] über eine Neuordnung des städtischen Schulsystems. Dies hatte zur Folge, dass nach der Eingemeindung der [[Sandbauerschaft]] die Schulen und ihre Einzugsbereiche neu strukturiert wurden. Erstmals kam auch der Gedanke zur Einrichtung einer Förderschule zum Tragen. Eine im April 1920 durchgeführte Umfrage ergab, dass 36 Schüler für eine solche Schulform in Frage kämen. Kritierum war, dass diese an ihrer bisherigen Schulform zwei Mal nicht versetzt wurden.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 140</ref>
Im Herbst 1918 und im März 1919 berieten sich die Norder Volksschullehrer unter Federführung von [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] über eine Neuordnung des städtischen Schulsystems. Dies hatte zur Folge, dass nach der Eingemeindung der [[Sandbauerschaft]] die Schulen und ihre Einzugsbereiche neu strukturiert wurden. Erstmals kam auch der Gedanke zur Einrichtung einer Förderschule zum Tragen. Eine im April 1920 durchgeführte Umfrage ergab, dass 36 Schüler für eine solche Schulform in Frage kämen. Kriterium war, dass diese an ihrer bisherigen Schulform zwei Mal nicht versetzt wurden.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 140</ref>
 
Nach Auswahl der hilfsbedürftigen Schüler wurde der Unterricht am 21. Dezember 1921 mit 23 Kindern (18 Jungen und 5 Mädchen) zunächst in einem Hintergebäude der [[Gewerbeschule]] aufgenommen. Da keine geeignete Lehrkraft zur Verfügung stand, erklärte sich [[Brune Tongers]], bislang Lehrer an der [[Marktschule]], für den Unterricht bereit. Neben der Vermittlung von Lesen, Schreiben und Rechnen hatten das Werken und Zeichnen im sogenannten ''Handfertigungsunterricht'' einen besonderen Stellenwert.<ref name=":0" />


Nach Auswahl der hilfsbedürftigen Schüler wurde der Unterricht am 21. Dezember 1921 mit 23 Kindern (18 Jungen und 5 Mädchen) in einem Hintergebäude der [[Gewerbeschule]] aufgenommen. Da keine geeignete Lehrkraft zur Verfügung stand, erklärte sich [[Brune Tongers]], bislang Lehrer an der [[Marktschule]], für den Unterricht bereit. Neben der Vermittlung von Lesen, Schreiben und Rechnen hatten Werken und Zeichnen im sogenannten Handfertigungsunterricht einen besonderen Stellenwert.<ref name=":0" />
Aufgrund der allgemeinen Not nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam auch die Pestalozzischule in den Genuss der ''Quäkerspeisung'', die auch den Kindern des [[Gasthaus|Armenhauses]] und der [[Zingelschule]] zu Gute kam.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 141</ref>


Aufgrund der allgemeinen Not nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] kam auch die Pestalozzischule in den Genuss der sogenannten Quäkerspeisung, die auch den Kindern des [[Gasthaus|Armenhauses]] und der [[Zingelschule]] zu Gute kam.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 141</ref>
Bereits 1923 stiegen die Schülerzahlen auf 38, was die Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle - trotz der sehr beengten Raumverhältnisse - erforderlich machte. Ab 1925 wurden bereits 64 Schüler unterrichtet, weshalb ein dritter Lehrer erforderlich war.<ref name=":1" /> 1929 erfolgte endlich der lang ersehnte Neubau an dem bis heute erhaltenen Standort an der [[Schulstraße]] 70. Offiziell wurde die Schule nun nach dem Schweizer Schulreformer Johann Heinrich Pestalozzi ''Pestalozzischule'' benannt.


Bereits 1923 stiegen die Schülerzahlen auf 38, was die Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle - trotz der sehr beengten Raumverhältnisse - erforderlich machte. Ab 1925 wurden bereits 64 Schüler unterrichtet, weshalb ein dritter Lehrer erforderlich war.<ref name=":1" />
Bis Ende der 1930er Jahre stieg die Zahl der Schüler auf knapp 100 Schüler an. Der Höchststand wurde 1953 mit 133 Schülern erreicht. Bereits 1960 ging die Zahl der Schüler jedoch stark zurück und fiel auf 71, ehe sie 1963 bzw. 1964 wieder die Hundertermarke überstieg.<ref name=":1" /> Aufgrund der damit einhergehenden Raumnot fand der Schulunterricht - getrennt nach Jungen und Mädchen - in der [[Sporthalle Am Alten Siel|Sielturnhalle]] und der [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Baracke]] an der [[Kastanienallee]] statt, bis beide Räumlichkeiten ab Oktober 1938 zu Lagerräumen für Korn umfunktioniert wurden. Zu Weihnachten des Jahres wurde auch die tägliche Milchspeisung mangels Geldmitteln eingestellt.<ref name=":1" />


1929 erfolgte endlich der lang ersehnte Neubau an dem bis heute erhaltenen Standort an der [[Schulstraße]] 70. Offiziell wurde die Schule nun nach dem Schweize Schulreformer Johann Heinrich Pestalozzi "Pestalozzischule" genannt. Bis Ende der 1930er Jahre stieg die Zahl der Schüler auf knapp 100 Schüler an. Der Höchststand wurde 1953 mit 133 Schülern erreicht. Bereits 1960 ging die Zahl der Schüler jedoch stark zurück und fiel auf 71, ehe sie 1963 bzw. 1964 wieder die Hundertermarke überstieg.<ref name=":1" />
Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurden die männlichen Lehrer [[Wilhelm Knieper]] und Herr Schade zum Kriegsdienst eingezogen. Ihre Vertretung wurde von einer Fräulein Biermann aus Osteel übernommen. Die Schulräume wurden jedoch größtenteils mit Kriegsbeginn vom [[DRK Norden|Deutschen Roten Kreuz]] beschlagnahmt, die hier eine Rettungsstelle (provisorische Notaufnahme) einrichteten. In den Wintermonaten musste der Unterricht zudem oftmals wegen fehlenden Brennmaterials ausfallen.<ref name=":1" />


Der Schulunterricht fand - getrennt nach Jungen und Mädchen - in der [[Sporthalle Am Alten Siel|Sielturnhalle]] und der [[Vereinsheim (Kastanienallee)|Baracke]] an der [[Kastanienallee]] statt, bis beide Räumlichkeiten ab Oktober 1938 zu Lagerräumen für Korn umfunktioniert wurden. Seit Weihnachten des Jahres wurde auch die tägliche Milchspeisung mangels Geldmitteln eingestellt.<ref name=":1" />
Von April bis Juni 1945 diente die Schule als Nebengebäude des in der naheliegenden [[Zingelschule]] eingerichteten Lazaretts. 16 Wehrmachtshelferinnen, die für die Betreuung der Verwundeten zuständig waren, waren hier untergebracht. Der Unterricht konnte nur an der einzig freien Schule, der [[Marktschule]], durchgeführt werden.<ref name=":1" /> Da ein Teil der Räume auch 1946 bzw. 1947 noch nicht geräumt war, musste der Unterricht trotz Mangels an Lehrmaterial in der [[Gräfin-Theda-Schule]] fortgeführt werden. Erst im Februar 1947 konnte der Schulbetrieb am eigentlichen Standort wiederaufgenommen werden, jedoch gab es kein Heizmaterial. Erst ab dem 9. April 1947 konnte der reguläre Unterricht beginnen. An das Hauptgebäude wurde zudem eine Holzbaracke angebaut, um der Raumnot Herr zu werden. Auch die Schulspeisung wurde wieder aufgenommen, sodass ab 1947 bzw. 1948 jedes Kind täglich eine Mahlzeit kostenfrei zur Verfügung gestellt bekam.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 142</ref>  


Während des Krieges wurden die männlichen Lehrer [[Wilhelm Knieper]] und Herr Schade zum Kriegsdienst eingezogen. Ihre Vertretung wurde von einer Fräulein Biermann aus Osteel übernommen. Die Schulräume wurden jedoch größtenteils mit Kriegsbeginn vom Deutschen Roten Kreuz beschlagnahmt, die hier eine Rettungsstelle (provisorische Notaufnahme) einrichteten. In den Wintermonaten musste der Unterricht zudem oftmal wegen fehlenden Brennmaterials ausfallen.<ref name=":1" />
Um 1960 trat die Bezeichnung ''Sonderschule'' an die Stelle der früheren Bezeichnung ''Hilfsschule''. Ab dem Schuljahr 1969/1970 lautete der Name der Schule offiziell ''Sonderschule für Lernbehinderte''. Seit 2003 bzw. 2004 lautete der Name ''Förderschule''. Spöttisch wurde und wird diese Schulform im Volksmund oftmals ''Brettergymnasium'' genannt, da den Schülern vorgeworfen wird, ein (sprichwörtliches) ''Brett vor dem Kopf'' zu haben. Wegen Platzmangels wurde zu dieser Zeit auch weiterhin auf die Räumlichkeiten der [[Schulbaracke|Baracke an der Schulstraße]] zurückgegriffen.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 143</ref>
 
Im Schuljahr 1964/1965 wurden die Klassen auf jeweils maximal 20 Schüler begrenzt. Zwischenzeitlich war die Schülerzahl auf 120 gestiegen. Nach der Verlängerung der Schulzeit auf neun Schuljahre erhöhte sich die Schülerzahl im Schuljahr 1967 auf 143 und die Klassenzahl auf sieben. Eine weitere Erhöhung der Schülerzahlen ging mit der Bildung eines Zweckverbandes der [[Stadt Norden]] und den umliegenden Gemeinden einher, was unter anderem die Zuweisung von Schülern für die Sonderschule aus dem gesamten Bereich vorsah. Daher begannen ab den 1980er Jahren die Pläne für einen Neubau zu reifen. Der Plan sah vor, die Hauptstufe der Sonderschule in das [[Schulzentrum Wildbahn]] zu integrieren, während die Grundstufe in der [[Grundschule Im Spiet]] eingebunden werden sollte. 1982 konnte das Vorhaben realisiert werden.<ref name=":2" />
 
Heute gehört die Pestalozzischule als Nebengebäude zur benachbarten [[Conerus-Schule]]. Hier werden die Altenpflegeschüler schulisch ausgebildet.<ref>[https://bbsnorden.de/ Internetseite der Conerus-Schule Norden], abgerufen am 18. Mai 2021</ref> In der angebauten Baracke hat der 1981 gegründete [[Modelleisenbahnclub Norden]] seinen Vereinssitz.<ref>[http://www.mec-norden.de/Der-Verein/ Internetseite des MEC Norden], abgerufen am 18. Mai 2021</ref>
 
Im Sommer 2020 wurde das abgängige Dach der Schule erneuert.
 
==Schulleiter==
{| class="wikitable"
!Zeitraum
!Vollständiger Name
|-
|1921-1929
|[[Brune Tongers]]
|-
|1930-1961
|[[Gerhard Klaffke]]
|-
|1961-1962
|[[Franz Gutzer]] (kommissarisch)
|-
|1962-1978
|[[Franz Gutzer]]
|-
|seit 1978
|[[Hermann Harms]]
|}
 
==Schülerzahlen==
{| class="wikitable"
!Schuljahr
!Anzahl
|-
|1921
|23
|-
|1923
|38
|-
|1925
|64
|-
|um 1939
|ca. 100
|-
|1953
|133
|-
|1960
|71
|-
|1963
|ca. 100
|-
|1964
|119
|-
|1967
|143
|}


Von April bis Juni 1945 diente die Schule als Nebengebäude des in der naheliegenden [[Zingelschule]] eingerichteten Lazaretts. 16 Wehrmachtshelferinnen, die für die Betreuung der Verwundeten zuständig waren, waren hier untergebracht. Der Unterricht konnte nur an der einzig freien Schule, der [[Marktschule]], durchgeführt werden.<ref name=":1" />
==Galerie==
<gallery>
Datei:Schulstraße Pestalozzischule unbekanntes Datum (0271242) MZ.jpg|Undatierte Aufnahme mit Blick aus Richtung der [[Große Mühlenstraße|Großen Mühlenstraße]].
Datei:Pestalozzischule um 1955 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1955.
Datei:Schulstrasse 70 05052006.jpg|Aufnahme vom 5. Mai 2006.
Datei:Schulstraße 70 Pestalozzischule 12 07 2020 01.jpg|Aufnahme vom 7. Mai 2006.
Datei:Schulstraße 70 Pestalozzischule 07 05 2006 01.jpg|Aufnahme vom 12. Juli 2020.
</gallery>


==Literatur==
==Literatur==
Zeile 58: Zeile 126:


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references />
<references/>


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Liste der Schulen im Stadtgebiet]]
*[[Liste der Schulen im Stadtgebiet]]
*[[Schule am Moortief]]


[[Kategorie:Schulen im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Schulen im Stadtgebiet]]