Ekel: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(44 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;"
{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;"
! colspan="2" |
! colspan="2" |
== Ekel ==
==Ekel==
|-
|-
|Stadtteil              
| colspan="2" |{{#display_map:
|[[Norden (Stadtteil)]]
| Title = Ekel
| Text = Ungefähre Abgrenzungen
| center = 53.60370699693326, 7.216063364908378
| polygons = 53.594002422367, 7.214820810563273 :53.60265189907085, 7.205023071864677 :53.6134339056366, 7.208939407905048 :53.61242889395062, 7.212222575286835 :53.60405239051656, 7.229593121177125 :53.600433028994935, 7.227833068654684 :53.59735362653845, 7.21663549407373
| zoom = 13
| width = 300px
| height = 300px
}}
|-
! colspan="2" |Basisdaten
|-
|Administrativer Stadtteil
|[[Norden (Stadtteil) |Norden]]
|-
|Ungefähre Lage
|östlich des Stadtgebiets
|}
|}


Ekel ist ein Stadtviertel von Norden und Bestandteil der Kernstadt bzw. des Stadtteils Norden.
'''Ekel''' (ursprünglich: ''Eckeloh'') ist ein Stadtviertel von [[Norden (Stadtteil)|Norden]] und damit Bestandteil des eigentlichen Stadtgebiets. Bis 1919 war der Ort ein Teil der [[Sandbauerschaft|Gemeinde Sandbauerschaft]], die im genannten Jahr nach Norden eingemeindet wurde. Seither spiel die Ortsbezeichnung nur noch im allgemeinen Sprachgebrauch eine Rolle, hat jedoch keine administrative Bedeutung mehr.


Ekel ist der östliche Teil der Innenstadt von [[Norden (Ostfriesland)|Norden]]. Der Name geht zurück auf eine niederdeutsche Bezeichnung für [[Eichen|Eichel]] oder Eichengehölz, die einem mittelalterlichen Wehrhaus etwa 800 Meter nordöstlich des großen Marktplatzes diesen Namen gab. Später privates Landgut und dann Teil der landwirtschaftlich geprägten Norder Umlandgemeinde, wuchs Ekel im 20. Jahrhundert durch Neubaugebiete schnell mit Norden zusammen und wurde schließlich 1919 eingemeindet.
Der Name ''E(c)kel'' ist seit 1589 überliefert und geht zurück auf das [[Gut Ekel]], eine Wehranlage sowie adeliges Gut im Besitz der [[Uldinga]], einem einst mächtigen [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsgeschlechter]]. Der Name des Guts bezieht sich wiederum auf den hier einst dichten Eichenwald bezieht, dessen Früchte Eicheln genannt werden und im Niederdeuschen ''Eckeln'' heißen. Eichen heißen ''Eckelboomen'' und in ihrer Gesamtheit als Wald auch ''Eckeloh''. Das Pendant zum Eichenbestandenen Ekel kann damit im Lindenbestandenen [[Lintel]] (ursprünglich: ''Linteloh'') gesehen werden.
 
Im Laufe der Jahre, insbesondere in der Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg]], ist aus der versprengten Bauerschaft eine mit der Kernstadt von Norden verwachsene Siedlung geworden.


__TOC__
__TOC__
== Geografie ==
== Geografie==
Da Ekel nie eine eigene Verwaltungseinheit war, sondern nur im Sprachgebrauch eine Bedeutung hatte, gibt es keine strenge Gebietsbegrenzung. Man kann beobachten, dass sich viele Neubaugebiete auf den Namen Ekel beziehen, die nicht auf dem Grund des historischen Gutsbezirks liegen (Östlicher Teil ''Ekeler Weg'', ''Ekeler Land''). Nach heutigem Verständnis wird der Stadtteil Ekel grob durch das [[Norder Tief]] im Südosten, die [[Bundesstraße 72]] im Nordosten und die das Stadtgebiet durchschneidende [[Bahnstrecke Rheine–Norddeich Mole]] im Südwesten begrenzt. Nordwestlich ist eine Abgrenzung schwieriger, die nächstgelegenen mittelalterlichen Wehrhäuser (von denen etwa 15 die Stadt wie ein Schutzring umgaben) waren das Haus Barenbusch und das Haus Wirde, sodass man den markant dem Geestrücken folgenden sehr alten Straßenzug ''Ekeler Gaste'' als Begrenzung heranziehen könnte.
[[Datei:Kolonialwarenhandlung J G Schmidt Ekel um 1910 01.jpg|mini|[[Kolonialwarenhandlung Schmidt]] in der Zeit um 1910.]]
[[Datei:Luftaufnahme Ekel 20052020 01.jpg|mini|Luftaufnahme von Ekel-Ost. Aufgenommen am 20. Mai 2020.]]
Ekel liegt im Osten von Norden und gilt im Allgemeinen als gutbürgerliches Viertel. Die Gegend wird geprägt von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäuser oder gar Wohnblocks finden sich nur selten (zum Beispiel am [[Försterpfad]], Ecke [[Osterstraße]]).
 
Geografisch lässt sich Ekel grob in etwa wie folgt umgrenzen: Im Osten durch die [[Bundesstraße]], im Süden durch das [[Norder Tief]] und im Westen durch die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]]. Nördlich ist die Grenzziehung am schwierigsten, im Allgemeinen wird hier jedoch die [[Ekeler Gaste]] herangezogen, da noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine deutliche bauliche Trennung (durch fehlende Bebauung) zwischen Ekel und [[Ostlintel]] erkennbar war.


Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Grenzfrage im Bewusstsein der Bevölkerung spielt das Einzugsgebiet der Ekeler Grundschule, das sogar noch über das genannte Gebiet hinausreicht.
==Geschichte==
Historisch war Ekel bis zur Eingemeindung nach Norden am 1. April 1919 Teil der Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]], einem Zusammenschluss verstreuter Kleinstsiedlungen, die sich um die [[Liste der Burgen und Wehrhäuser|Burgen und Wehrhäuser]] der Stadt bildeten und diese ringförmig umschlossen. Das namensgebende Steinhaus, welches nach seinen Erbauern - dem Häuptlingsgeschlecht [[Uldinga]], auch [[Uldingaburg]] genannt wird, wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet und 1805 oder 1806 wegen Baufälligkeit abgerissen.


== Geschichte ==
Die Anlagen sind anhand der über die Jahrhunderte weitestgehend unverändert gebliebenen Straßenverläufe [[Looger Weg]], [[Heitsweg]], [[Ekeler Weg]], [[Baumstraße]] und [[Ekeler Gaste]] noch eindeutig auszumachen. Der zum Häuptlingssitz gehörende, von großen Wassergräben eingeschlossene [[Großer Garten|Große Garten]] liegt noch heute weitgehend unbebaut zwischen [[An der Gartenallee]] und dem Wohnheim der [[Behindertenhilfe Norden|Behindertenhilfe]], das [[Haus Uldinga]]. Das Turmhaus, das in seinem Äußeren mit dem [[Altes Rathaus | Alten Rathaus]] vergleichbar ist, lag ungefähr im Bereich der [[Schulstraße]] 9 - 11.
Im Mittelalter gruppierten sich um die Stadt Norden einzelne Turmhäuser verschiedener Häuptlingsgeschlechter als eine Art Sicherung des [[Gemeinwesen]]s, da es eine Stadtmauer oder -befestigung nie gegeben hatte. In nordöstlicher Richtung, dem eiszeitlichen [[Geestrücken]] folgend, entstand so auch ein Backsteinhaus, das vermutlich schon den Namen Ekel oder Eckel trug und Sitz der adligen Familie Uldinga war. Es führte von dort eine Straße bis zum Norder Marktplatz, auf alten Karten, je nach Sichtweise, ''Weg von Norden'' oder ''Ekeler Weg'' genannt (heute die Achse Ekeler Weg – Schulstraße). Mit der Zeit siedelten sich Bauern und Handwerker an und es entstand ein kleiner Ort an der Peripherie Nordens.


Ekel wurde Teil der selbständigen Norder Landgemeinde [[Sandbauerschaft]], die mit ihren zahlreichen Höfen bis zu ihrer Eingemeindung 1919 ringförmig das Altstadtgebiet umgab. Im Zuge des stetigen Bevölkerungswachstums mussten diese Ländereien im 20. Jahrhundert nach und nach Wohngebieten weichen, nur wenige einzelne Bauernhäuser sind heute noch im Ortsbild auszumachen.
Zum Gut gehörten mehrere Nebengebäude und umfangreiche Ländereien, wie zum Beispiel das bis heute erhaltene [[Ekeler Vorwerk]]. Um das Gut herum entwickelte sich eine kleine Siedlung, deren Bewohner vorrangig aus Arbeitern (Gesinde) bestand, die beim oder für das Gut arbeiteten. Mit dem Wachsen der Siedlung stieg auch die Zahl anderer Betriebe. Im 19. Jahrhundert siedelte sich mit der [[Eisenhütte]], die sich gerade noch auf dem Gebiet der Sandbauerschaft befand, erstmals Industrie an.


Zunächst ging die Gemeinde Sandbauerschaft als Stadtteil von Norden auf, was mit dem Vorteil der Straßenbefestigung und Elektrifizierung einherging, aber auch den Verlust des Selbstbestimmungsrechts zur Folge hatte. Nach der allgemeinen Gemeindereform ist Ekel heute auch kein Stadtteil mehr, sondern gehört unmittelbar zur Norder Innenstadt.
Für das Jahr 1848 sind gemäß statistischem Handbuch des Königreichs Hannover, zu dem Ostfriesland zu dieser Zeit gehörte, insgesamt 166 Einwohner verzeichnet, die sich auf 25 Wohngebäude verteilten.<ref>Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848</ref> Ein durchschnittlicher Haushalt bestand folglich aus sechs bis sieben Personen. Der einst dichte Wald wurde im Laufe der Jahre gerodet, zuletzt fanden 1960 größere Baumfällarbeiten und Rodungen im Bereich der [[Baumstraße]] statt. Erhalten geblieben sind nur wenige, vereinzelte Bäume.


Die Eisenbahnlinie, die ab 1893 bis nach Norden reichte, verläuft noch heute bogenförmig um die historische Stadtgemeinde herum, alle Schienenwege und historischen Bahnhöfe (Bargebur, Osterstraße, Mühlenstraße) befanden sich auf Gebiet der Umlandgemeinden, größtenteils Sandbauerschaft und Lintelermarsch. Der Haltepunkt an der Kreuzung der Mühlen- und der Schulstraße lag dabei auf dem Land des vormaligen Guts Ekel.
==Erwähnenswerte Gebäude==
[[Datei:Osterstraße Krankenhaus um 1970 01.jpg|mini|Das [[Kreiskrankenhaus Norden|Kreiskrankenhaus]] an der [[Osterstraße]].]]
[[Datei:Muellberg Hoog Ses Hooker Ekel 18042021 01.jpg|mini|Der ehemalige [[Müllberg]], heute ein Naherholungsgebiet bei [[Hoog Ses (Straße)|Hoog Ses]].]]


== Gebäude ==
===Erhaltene Gebäude===
Das Steinhaus mit mehrgeschossigem Turm verlor im Laufe des 17. Jahrhunderts seine strategische Bedeutung und wechselte häufig den Besitzer, von den Uldingas zur adligen Familie von Jemgum (1566) und der Familie zu Rautenstein (1626). Um das 17. und 18. Jahrhundert herum muss das Gut seine Blütezeit erlebt haben und wurde zeitweise als ''Fürstliches Jagdschloss'' bezeichnet. Im Laufe der Zeit übernahmen nacheinander verschiedene Norder Ratsleute den Besitz, der in späterer Zeit zunehmend dem Verfall ausgesetzt war, bis er 1805 abgebrochen wurde. Die Anlagen sind aber anhand der über die Jahrhunderte unverändert gebliebenen Straßenverläufe von ''Looger Weg'', ''Heitsweg'', ''Ekeler Weg'', ''Baumstraße'' und ''Ekeler Gaste'' noch eindeutig auszumachen. Der zum Häuptlingssitz gehörige, von großen Wassergräben eingeschlossene Große Garten liegt noch heute weitgehend unbebaut zwischen Gartenallee und dem Wohnheim der Behindertenhilfe. Das abgebrochene Turmhaus lag mittig zwischen Großem Garten und der heutigen Schulstraße, heute stehen am Standort mehrere Einfamilienhäuser.
Im östlichen Teil der Schulstraße befindet sich die sogenannte [[Finettenburg]], ein dreigliedriges ehemaliges Kaufmannshaus, welches mehrfach überbaut wurde, aber bis heute noch weitestgehend originalgetreu erhalten ist. Daneben befindet sich die (ehemalige) [[Grundschule Ekel|Ekeler Schule]], eine Schule mit einst vier Klassenräumen und Lehrerwohnungen, die 1898 als eine von mehreren Grundschulen von der [[Sandbauerschaft]] errichtet wurde. Ein weiteres bedeutendes Gebäude ist das [[Ekeler Vorwerk]], das bis in die jüngere Zeit als Gastwirtschaft genutzt wurde und heute Wohnzwecken sowie dem Sitz der Freikirche ''[[Philadelphia Community]]'' dient.


Zum Adelssitz gehörten verschiedene Garten-, Gesinde- und Nebenhäuser in unmittelbarer Nähe, so auch das in mehreren Karten des 18. und 19. Jahrhunderts verzeichnete Ekeler [[Vorwerk (Gutshof)|Vorwerk]] auf dem Flurstück, das heute von Schulstraße, Baumstraße und Langem Pfad eingerahmt wird. An der Südwestecke des ehemaligen Teppichlagers, heute Sitz der christlichen Gemeinde ''Philadelphia Community'', ist vermutlich noch ein dem Adelssitz als Nebengebäude zugehöriges, im Laufe der Zeit mehrfach überformtes Haus erhalten. 2010 wurde dieses Wohnhaus teilweise instand gesetzt und an der Nordseite mit dem markanten Schriftzug "Ekeler Vorwerk" versehen.
An der [[Osterstraße]] befindet sich einer von zwei Standorten der [[Ubbo-Emmius-Klinik]] (früher: ''Kreiskrankenhaus Norden'') mit mehreren Nebengebäuden. Links und rechts daneben befinden sich weitere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung: Das Alten- und Pflegeheim [[Johann-Christian-Reil-Haus]] im Osten und das [[MediCenter]], ein medizinisches Versorungszentrum, im Westen.


Bis zum Jahr 1900 befand sich eine hohe [[Bockwindmühle]] (eine der ehemals acht Mühlen Nordens) an der Großen Mühlenstraße.
Etwas weiter gen Stadtkern befindet sich das [[Schulzentrum Ekel]], in der sich heute eine Oberschule befindet. Neben einer Sporthalle verfügt das Schulzentrum auch über ein Theater, das ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt ist. Am Ende der [[Juister Straße]] hat der [[Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise]], welcher umgangssprachlich auch ''Blomo'' genannt wird, seinen Sitz.


Sogenannte Finettenburg, dreigliedriges ehemaliges Kaufmannshaus, mehrfach überbaut und noch heute anhand des ungewöhnlichen, länglichen traufenständigen Baukörpers an der Schulstraße erkennbar.
Seit dem 27. März 2009 ist das neue [[Hilfeleistungszentrum]] mit Gebäuden für die [[Freiwillige Feuerwehr]] und das [[Technisches Hilfswerk|Technische Hilfswerk]] am neuen Standort an der äußeren Osterstraße in Betrieb. Der Sitz der örtlichen [[Raiffeisenbank-Volksbank Norden|Raiffeisenbank-Volksbank]] wurde in den 2010er Jahren in die neue Zentrale an die [[Osterstraße]] verlegt.


Ekeler Schule, mit vier Klassenräumen und Lehrerwohnung um die Jahrhundertwende als eine von mehreren Grundschulen von der Gemeinde Sandbauerschaft errichtet.
===Abgebrochene Gebäude===
Bis zum Jahr 1900 befand sich eine hohe [[Ekeler Mühle|Bockwindmühle]] (eine der ehemals acht Mühlen Nordens) an der [[Große Mühlenstraße|Großen Mühlenstraße]]. Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts für die Norder Wirtschaft sehr bedeutsame [[Eisenhütte]] befand sich bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1969 auf dem Grund der ehemaligen Gemeinde Sandbauerschaft an der [[Osterstraße|Kleinen Osterstraße]]. Die Eisenhütte wurde auf dem Grund der [[Osterburg]] (auch: ''Osterhus'') genannt, errichtet. Beim Abriss der Eisenhütte wurde auch das bis dahin weitestgehend originalgetreu erhaltene Steinhaus mit abgerissen. Hier wurde ein Supermarkt nebst Büro- und Wohngebäude errichtet. An die alte Eisenhütte erinnert nur noch der Straßenname [[Glückauf]].


Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts für die Norder Wirtschaft sehr bedeutsame Eisenhütte befand sich bis zu ihrem Abbruch auf dem Grund der ehemaligen Gemeinde Sandbauerschaft in Richtung Ekel an der ''Kleinen Osterstraße''. Auch das Steinhaus Osterhus und den Bahnhof ''Norden-Stadt'' gibt es heute nicht mehr. Erst die angrenzenden Straßen ''Bleicherslohne'' und ''Kleine Hinterlohne'' markierten bis 1919 die Grenzen der Norder Stadtgemeinde.
An der heutigen [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]], östlich der Eisenhütte, entstand der [[Bahnhof Norden-Stadt]], welcher 1983 aufgrund von Fahrplanänderungen der Deutschen Bundesbahn geschlossen und abgebrochen wurde.


== Heutige Bedeutung ==
Ein weiteres bedeutendes, nicht mehr existentes Gebäude war das [[Philadelphia|Haus Philadelphia]] in unmittelbarer Nähe zur [[Grundschule Ekel|Ekeler Schule]]. Es diente lange Zeit als Wohnhaus und wurde nach einer Brandstiftung im Jahre 1991 abgebrochen. Heute stehen hier mehrere Reihenhäuser in enger Nachbarschaft zu einander.
In Ekel befindet sich einer von zwei Standorten der Ubbo-Emmius-Klinik, deren Träger der Landkreis Aurich ist (vor der Klinikfusion der Neubau des Kreiskrankenhauses Norden), außerdem das Schulzentrum Ekel, Oberschule für das Norder Stadtgebiet mit Sportplatz, Sporthalle und großer Aula, die neben städtischen Sporthallen und Marktplatz seit langem der zentrale Veranstaltungsort Nordens ist und 2012 aufwendig renoviert wurde.


Durch Neubaugebiete weitet sich das Stadtviertel auch heute aus. Der Sitz der örtlichen Volks- und Raiffeisenbank wurde in die neue Zentrale in Ekel verlegt, und seit dem Frühjahr 2009 ist das neue [[Hilfeleistungszentrum]] mit Gebäuden für die [[Freiwillige Feuerwehr]] und das [[Technisches Hilfswerk|Technische Hilfswerk]] am neuen Standort an der äußeren Osterstraße in Betrieb. Eine weitere Neuansiedlung ist das Norder Ärztehaus, das sogenannte MediCenter Norden.
==Erwähnenswerte Plätze==
Im Umfeld der [[Juister Straße]] sowie der [[Uferstraße]] befinden sich historische Folter- und Richtstätten: Der [[Galgenberg]] und der [[Hexenkolk]].


Ein großer Teil der neuen östlichen Norder Ortsumgehung B72 verläuft über die Felder der früheren Ekeler Sandbauerschaft, wo nun drei Ausfahrten in den Stadtteil führen ('Osterstraße', 'Ekeler Weg Ost/West', 'Looger Weg Nord/Süd').
== Einzelnachweise ==
<references />


== Literatur ==
==Quellenverzeichnis==
* Ufke Cremer: ''Norden im Wandel der Zeiten. Im Auftrage der Stadt Norden zur 700-Jahr-Feier herausgegeben'', Norden 1955
* Aeils, Johann; Smidt, Jan; Stromann, Martin (2001): Steinerne Zeugen erzählen Geschichte. Auf Spurensuche nach architektonischen Schätzen der Norder Bauhistorie.
* Johann Aeils, Jan Smidt, Martin Stromann: ''Steinerne Zeugen erzählen Geschichte. Auf Spurensuche nach architektonischen Schätzen der Norder Bauhistorie.'', Norden 2001
* [https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Norden.pdf Beschreibung von Norden] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
* Gerhard Canzler: ''Norden. Handel und Wandel.'', Norden 1989
* Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel.
* Gretje Schreiber: ''Heim und Herd – Beilage Ostfriesischer Kurier.'' Norden, 8. Januar 2011
* Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten. Im Auftrage der Stadt Norden zur 700-Jahr-Feier.
* Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
* Schreiber, Gretje (2011): Heim und Herd – Beilage Ostfriesischer Kurier. Norden, 8. Januar 2011


{{Navigationsleiste Stadtteile von Norden (Ostfriesland)}}
==Siehe auch==
*[[Liste der Burgen und Wehrhäuser]]
*[[Sandbauerschaft]]
*[[Lintel]]


[[Kategorie:Ort im Landkreis Aurich]]
[[Kategorie:Stadtviertel von Norden]]
[[Kategorie:Geographie (Norden, Ostfriesland)]]
[[Kategorie:Ekel]]

Aktuelle Version vom 10. Oktober 2022, 12:50 Uhr

Ekel

Die Karte wird geladen …
Basisdaten
Administrativer Stadtteil Norden
Ungefähre Lage östlich des Stadtgebiets

Ekel (ursprünglich: Eckeloh) ist ein Stadtviertel von Norden und damit Bestandteil des eigentlichen Stadtgebiets. Bis 1919 war der Ort ein Teil der Gemeinde Sandbauerschaft, die im genannten Jahr nach Norden eingemeindet wurde. Seither spiel die Ortsbezeichnung nur noch im allgemeinen Sprachgebrauch eine Rolle, hat jedoch keine administrative Bedeutung mehr.

Der Name E(c)kel ist seit 1589 überliefert und geht zurück auf das Gut Ekel, eine Wehranlage sowie adeliges Gut im Besitz der Uldinga, einem einst mächtigen Häuptlingsgeschlechter. Der Name des Guts bezieht sich wiederum auf den hier einst dichten Eichenwald bezieht, dessen Früchte Eicheln genannt werden und im Niederdeuschen Eckeln heißen. Eichen heißen Eckelboomen und in ihrer Gesamtheit als Wald auch Eckeloh. Das Pendant zum Eichenbestandenen Ekel kann damit im Lindenbestandenen Lintel (ursprünglich: Linteloh) gesehen werden.

Im Laufe der Jahre, insbesondere in der Zeit nach dem Zweiter Weltkrieg, ist aus der versprengten Bauerschaft eine mit der Kernstadt von Norden verwachsene Siedlung geworden.

Geografie

Kolonialwarenhandlung Schmidt in der Zeit um 1910.
Luftaufnahme von Ekel-Ost. Aufgenommen am 20. Mai 2020.

Ekel liegt im Osten von Norden und gilt im Allgemeinen als gutbürgerliches Viertel. Die Gegend wird geprägt von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäuser oder gar Wohnblocks finden sich nur selten (zum Beispiel am Försterpfad, Ecke Osterstraße).

Geografisch lässt sich Ekel grob in etwa wie folgt umgrenzen: Im Osten durch die Bundesstraße, im Süden durch das Norder Tief und im Westen durch die Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole. Nördlich ist die Grenzziehung am schwierigsten, im Allgemeinen wird hier jedoch die Ekeler Gaste herangezogen, da noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine deutliche bauliche Trennung (durch fehlende Bebauung) zwischen Ekel und Ostlintel erkennbar war.

Geschichte

Historisch war Ekel bis zur Eingemeindung nach Norden am 1. April 1919 Teil der Norder Umlandgemeinde Sandbauerschaft, einem Zusammenschluss verstreuter Kleinstsiedlungen, die sich um die Burgen und Wehrhäuser der Stadt bildeten und diese ringförmig umschlossen. Das namensgebende Steinhaus, welches nach seinen Erbauern - dem Häuptlingsgeschlecht Uldinga, auch Uldingaburg genannt wird, wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet und 1805 oder 1806 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Die Anlagen sind anhand der über die Jahrhunderte weitestgehend unverändert gebliebenen Straßenverläufe Looger Weg, Heitsweg, Ekeler Weg, Baumstraße und Ekeler Gaste noch eindeutig auszumachen. Der zum Häuptlingssitz gehörende, von großen Wassergräben eingeschlossene Große Garten liegt noch heute weitgehend unbebaut zwischen An der Gartenallee und dem Wohnheim der Behindertenhilfe, das Haus Uldinga. Das Turmhaus, das in seinem Äußeren mit dem Alten Rathaus vergleichbar ist, lag ungefähr im Bereich der Schulstraße 9 - 11.

Zum Gut gehörten mehrere Nebengebäude und umfangreiche Ländereien, wie zum Beispiel das bis heute erhaltene Ekeler Vorwerk. Um das Gut herum entwickelte sich eine kleine Siedlung, deren Bewohner vorrangig aus Arbeitern (Gesinde) bestand, die beim oder für das Gut arbeiteten. Mit dem Wachsen der Siedlung stieg auch die Zahl anderer Betriebe. Im 19. Jahrhundert siedelte sich mit der Eisenhütte, die sich gerade noch auf dem Gebiet der Sandbauerschaft befand, erstmals Industrie an.

Für das Jahr 1848 sind gemäß statistischem Handbuch des Königreichs Hannover, zu dem Ostfriesland zu dieser Zeit gehörte, insgesamt 166 Einwohner verzeichnet, die sich auf 25 Wohngebäude verteilten.[1] Ein durchschnittlicher Haushalt bestand folglich aus sechs bis sieben Personen. Der einst dichte Wald wurde im Laufe der Jahre gerodet, zuletzt fanden 1960 größere Baumfällarbeiten und Rodungen im Bereich der Baumstraße statt. Erhalten geblieben sind nur wenige, vereinzelte Bäume.

Erwähnenswerte Gebäude

Das Kreiskrankenhaus an der Osterstraße.
Der ehemalige Müllberg, heute ein Naherholungsgebiet bei Hoog Ses.

Erhaltene Gebäude

Im östlichen Teil der Schulstraße befindet sich die sogenannte Finettenburg, ein dreigliedriges ehemaliges Kaufmannshaus, welches mehrfach überbaut wurde, aber bis heute noch weitestgehend originalgetreu erhalten ist. Daneben befindet sich die (ehemalige) Ekeler Schule, eine Schule mit einst vier Klassenräumen und Lehrerwohnungen, die 1898 als eine von mehreren Grundschulen von der Sandbauerschaft errichtet wurde. Ein weiteres bedeutendes Gebäude ist das Ekeler Vorwerk, das bis in die jüngere Zeit als Gastwirtschaft genutzt wurde und heute Wohnzwecken sowie dem Sitz der Freikirche Philadelphia Community dient.

An der Osterstraße befindet sich einer von zwei Standorten der Ubbo-Emmius-Klinik (früher: Kreiskrankenhaus Norden) mit mehreren Nebengebäuden. Links und rechts daneben befinden sich weitere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung: Das Alten- und Pflegeheim Johann-Christian-Reil-Haus im Osten und das MediCenter, ein medizinisches Versorungszentrum, im Westen.

Etwas weiter gen Stadtkern befindet sich das Schulzentrum Ekel, in der sich heute eine Oberschule befindet. Neben einer Sporthalle verfügt das Schulzentrum auch über ein Theater, das ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt ist. Am Ende der Juister Straße hat der Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise, welcher umgangssprachlich auch Blomo genannt wird, seinen Sitz.

Seit dem 27. März 2009 ist das neue Hilfeleistungszentrum mit Gebäuden für die Freiwillige Feuerwehr und das Technische Hilfswerk am neuen Standort an der äußeren Osterstraße in Betrieb. Der Sitz der örtlichen Raiffeisenbank-Volksbank wurde in den 2010er Jahren in die neue Zentrale an die Osterstraße verlegt.

Abgebrochene Gebäude

Bis zum Jahr 1900 befand sich eine hohe Bockwindmühle (eine der ehemals acht Mühlen Nordens) an der Großen Mühlenstraße. Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts für die Norder Wirtschaft sehr bedeutsame Eisenhütte befand sich bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1969 auf dem Grund der ehemaligen Gemeinde Sandbauerschaft an der Kleinen Osterstraße. Die Eisenhütte wurde auf dem Grund der Osterburg (auch: Osterhus) genannt, errichtet. Beim Abriss der Eisenhütte wurde auch das bis dahin weitestgehend originalgetreu erhaltene Steinhaus mit abgerissen. Hier wurde ein Supermarkt nebst Büro- und Wohngebäude errichtet. An die alte Eisenhütte erinnert nur noch der Straßenname Glückauf.

An der heutigen Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole, östlich der Eisenhütte, entstand der Bahnhof Norden-Stadt, welcher 1983 aufgrund von Fahrplanänderungen der Deutschen Bundesbahn geschlossen und abgebrochen wurde.

Ein weiteres bedeutendes, nicht mehr existentes Gebäude war das Haus Philadelphia in unmittelbarer Nähe zur Ekeler Schule. Es diente lange Zeit als Wohnhaus und wurde nach einer Brandstiftung im Jahre 1991 abgebrochen. Heute stehen hier mehrere Reihenhäuser in enger Nachbarschaft zu einander.

Erwähnenswerte Plätze

Im Umfeld der Juister Straße sowie der Uferstraße befinden sich historische Folter- und Richtstätten: Der Galgenberg und der Hexenkolk.

Einzelnachweise

  1. Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848

Quellenverzeichnis

  • Aeils, Johann; Smidt, Jan; Stromann, Martin (2001): Steinerne Zeugen erzählen Geschichte. Auf Spurensuche nach architektonischen Schätzen der Norder Bauhistorie.
  • Beschreibung von Norden in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  • Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel.
  • Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten. Im Auftrage der Stadt Norden zur 700-Jahr-Feier.
  • Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
  • Schreiber, Gretje (2011): Heim und Herd – Beilage Ostfriesischer Kurier. Norden, 8. Januar 2011

Siehe auch