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'''Steinbömer & Lubinus''' war eine Norder Tabakmanufaktur mit über 200 Jahre langer Tradition. Das Unternehmen existierte bis 1972 und gehörte lange Zeit neben der Firma [[Doornkaat]] und der [[Eisenhütte]] zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. 1832 gehörte es sogar zu den zehn größten Unternehmen im Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte. Zugleich war es auch das erste Norder Unternehmen, das eine nennenswerte Anzahl an Personen beschäftigte, die über einen regulären Familienbetrieb hinausgingen.
'''Steinbömer & Lubinus''' (später nur noch ''Steinbömer'' bzw. ''Steinbömer Tabak'') war eine Norder Tabakmanufaktur mit über 200 Jahre langer Tradition. Das Unternehmen existierte bis 1972 und gehörte lange Zeit neben der Firma [[Doornkaat]] und der [[Eisenhütte]] zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. 1832 gehörte es sogar zu den zehn größten Unternehmen im Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte. Zugleich war es auch das erste Norder Unternehmen, das eine nennenswerte Anzahl an Personen beschäftigte, die über einen regulären Familienbetrieb hinausgingen.


Während der Großen Depression (1873-1896) geriet ''Steinbömer & Lubinus'' in wirtschaftliche Not und ging infolgedessen 1883/1884 in den Konkurs. Durch die Hilfe von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. 1917 ging das Unternehmen an die Firma [[Onno Behrends Tee]] über, zu dem es bis zur Schließung gehörte. Die kleine, traditionsreiche Marke konnte sich schlichtweg nicht mehr gegen die große Konkurrenz (''Marlboro'' etc.) behaupten, war und ist aber dennoch das am längsten existierende Unternehmen in der Geschichte der [[Stadt Norden]].
Während der Großen Depression (1873-1896) geriet ''Steinbömer & Lubinus'' in wirtschaftliche Not und ging infolgedessen 1883/1884 in den Konkurs. Durch die Hilfe von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. 1917 ging das Unternehmen an die Firma [[Onno Behrends Tee]] über, zu dem es bis zur Schließung gehörte. Die kleine, traditionsreiche Marke konnte sich schlichtweg nicht mehr gegen die große Konkurrenz (''Marlboro'' etc.) behaupten, war und ist aber dennoch das am längsten existierende Unternehmen in der Geschichte der [[Stadt Norden]].
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei:Steinbömer Lubinus Wappen Familienwappen 01.jpg|mini|244x244px|Die Wappen der Familien Steinbömer und Lubinus.]]
===Anfangsjahre===
===Anfangsjahre===
<imagemap>
Datei:Steinbömer_Lubinus_Wappen_Familienwappen_01.jpg|mini|260px|Die Familienwappen von Steinbömer (links) und Lubinus (rechts).
rect 0 0 460 752 [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]]
rect 460 0 960 752 [[Johann Heinrich Lubinus]]
</imagemap>
''Steinbömer & Lubinus'' wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Den Entschluss zur Firmengründung fassten sie am 19. März 1769 bei einem Gespräch mit dem Ortspfarrer von Weene, wo auch die Geschäftsvereinbarung unterzeichnet wurde.
''Steinbömer & Lubinus'' wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Den Entschluss zur Firmengründung fassten sie am 19. März 1769 bei einem Gespräch mit dem Ortspfarrer von Weene, wo auch die Geschäftsvereinbarung unterzeichnet wurde.


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===Blütezeit===
===Blütezeit===
Trotz zunehmender Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 allein in Norden noch vier weitere Tabakfabriken (siehe Abschnitt [[Steinbömer & Lubinus#Mitbewerber|Mitbewerber]]) - konnten sich ''Steinbömer & Lubinus'' am Markt behaupten. Es war seinerzeit auch das erste derartige Unternehmen in Norden und hatte um den Jahreswechsel 1805 / 1806 bereits 33 Mitarbeiter, die jährlich 317.000 Pfund Rauch- und Schnupftabak verarbeiteten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Exportiert wurde zu dieser Zeit vor allem nach Ostfriesland, ins Jeverland, nach Oldenburg, ins Münsterland sowie nach Bremen, Thüringen und ins Bergische Gebiet; ab 1787 auch in die Niederlande.
Trotz zunehmender Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 allein in Norden noch vier weitere Tabakfabriken (siehe Abschnitt [[Steinbömer & Lubinus#Mitbewerber|Mitbewerber]]) - konnten sich ''Steinbömer & Lubinus'' am Markt behaupten. Es war seinerzeit auch das erste derartige Unternehmen in Norden und hatte um den Jahreswechsel 1805 / 1806 bereits 33 Mitarbeiter, die jährlich 317.000 Pfund Rauch- und Schnupftabak verarbeiteten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 14</ref> Exportiert wurde zu dieser Zeit vor allem nach Ostfriesland, ins Jeverland, nach Oldenburg, ins Münsterland sowie nach Bremen, Thüringen und ins Bergische Gebiet; ab 1787 auch in die Niederlande.
 
[[Datei:Neuer Weg Steinbömer Lubinus Tabakfabrik Porzellanteller 2000.jpg|mini|Das Fabrikgelände am nördlichen [[Neuer Weg|Neuen Weg]] auf einem Porzellanteller von 2000.]]
Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Mitbegründer Steinbömer zusammen mit Mitgesellschafter [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]] und nach dessen Tod schließlich allein die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Während der [[Französische Besatzungszeit|Französischen Besatzungszeit]] (1806-1816) drückten höhe Zölle den Gewinn und führten zur wirtschaftlich schweren Zeiten für die Tabakindustrie. Neben der Produktion von Tabak wurden deshalb bald auch Seife und Kerzen hergestellt. 1811 beschäftigte das Unternehmen deshalb nur noch 24 Arbeiter und verarbeitete nur noch 200.000 Pfund pro Jahr.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 61</ref> Neben den Zöllen drohte zeitweise die Beschlagnahme sämtlicher Produktionsgüter, die der französische Staat im Monopol zu verkaufen versuchte.
Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Mitbegründer Steinbömer zusammen mit Mitgesellschafter [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]] und nach dessen Tod schließlich allein die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Während der [[Französische Besatzungszeit|Französischen Besatzungszeit]] (1806-1816) drückten höhe Zölle den Gewinn und führten zur wirtschaftlich schweren Zeiten für die Tabakindustrie. Neben der Produktion von Tabak wurden deshalb bald auch Seife und Kerzen hergestellt. 1811 beschäftigte das Unternehmen deshalb nur noch 24 Arbeiter und verarbeitete nur noch 200.000 Pfund pro Jahr.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 61</ref> Neben den Zöllen drohte zeitweise die Beschlagnahme sämtlicher Produktionsgüter, die der französische Staat im Monopol zu verkaufen versuchte.


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Auf Initiative des ''Konsuls'' und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] stattete König Georg V. von Hannover der [[Stadt Norden]] am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab. Ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der ''Konsul'' die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. 1869 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung des Produktionsgeländes. Das neue Hauptgebäude gehörte zu den höchsten der Stadt und überragte mit einer imposanten Dachkonstruktion die gesamte Nachbarschaft, zwei neue, mächtige Schornsteine ergänzten das Stadtpanorama. Weiterhin wird neben Tabak auch Seife produziert, der Kolonialwarenhandel hingegen aufgegeben.
Auf Initiative des ''Konsuls'' und [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] stattete König Georg V. von Hannover der [[Stadt Norden]] am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab. Ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der ''Konsul'' die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. 1869 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung des Produktionsgeländes. Das neue Hauptgebäude gehörte zu den höchsten der Stadt und überragte mit einer imposanten Dachkonstruktion die gesamte Nachbarschaft, zwei neue, mächtige Schornsteine ergänzten das Stadtpanorama. Weiterhin wird neben Tabak auch Seife produziert, der Kolonialwarenhandel hingegen aufgegeben.
[[Datei:Steinbömer Lubinus Auszeichnung Weltausstellung 1873 01.jpg|links|mini|259x259px|Auszeichnung einer internationalen Jury (Weltausstellung 1873 in Wien).]]
[[Datei:Steinbömer Lubinus Auszeichnung Weltausstellung 1873 01.jpg|mini|259x259px|Auszeichnung einer internationalen Jury (Weltausstellung 1873 in Wien).]]
Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883 bzw. 1884 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] die gesamte Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref> Offenbar behielt er jedoch ein Packhaus an der [[Uffenstraße]] ein und verkaufte es 1891 an die [[Schokoladenmanufaktur Heddinga]].<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref>
Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 bewirkten, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883 bzw. 1884 der Firmenkonkurs kurz bevorstand. Auch der 1869 in die Firma gekommene, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinus, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde ''Steinbömer & Lubinus'' in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman II.]] die gesamte Firma für 51.000 Mark aufkaufte und sie kurz darauf zu äußerst günstigen Bedingungen wieder an Steinbömer zurück verkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 62</ref> Offenbar behielt er jedoch ein Packhaus an der [[Uffenstraße]] ein und verkaufte es 1891 an die [[Schokoladenmanufaktur Heddinga]].<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref> Ein weiteres Packhaus der Tabakmanufaktur befand sich am [[Neuer Weg 77|Neuen Weg 77]].<ref>[https://www.speicher77.de/ueber-uns/die-historie-des-speichers/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAYnJpZBEwbjlaME1sSEVpZno4VXUxQXNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR4S1CWLc5MdfXzswtydKMf4BASeexRkyOHLSecIPRVpTvyiEqXAegxPuzlYpQ_aem_mFB1t7q9zXbc1h-43qAfTA Eckdaten zur Historie des Speichers], abgerufen am 9. Dezember 2025</ref>


1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien in Übersee und stellte erstmals Zigarren her.
1875 ging die Unternehmensführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Als Lubinus die Firma 1885 verließ und nach Bremen verzog, wurde Steinbömer alleiniger Geschäftsführer. Die Seifenproduktion musste im selben Jahr eingestellt werden.<ref name=":1" /> Steinbömers Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien in Übersee und stellte erstmals Zigarren her.
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===Niedergang===
===Niedergang===
Die Zeit während und nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] erschwerte den Handel mit dem Orient, da das einflussreiche Osmanische Reich, das noch zu Kriegszeiten mit dem Deutschen Reich verbündet war, an Einfluss einbüßte und jener der verfeindeten Engländer in der Region zunahm. Behrends investierte große Summen in das Unternehmen, doch starb er 1920 unerwartet, was der Tabakfabrik einen weiteren, schweren Schlag verschaffte. Diese große Aufgabe kam nun auf seinen Sohn [[Bernhard Behrends]] zu, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 19 Jahre alt war und sich erst kürzlich an der Universität Leipzig eingeschrieben hatte, um dort Handelswissenschaften zu studieren. Dieses Studium konnte er durch den Tod seines Vaters nicht mehr antreten und übernahm mit Hilfe und unter Vormundschaft seiner Mutter [[Dora Behrends]] die Firmengeschäfte. Vorzeitig wird er jedoch für ''mündig'' erklärt und übernahm die Generalvollmacht von seiner Mutter. Diese blieb jedoch noch bis 1931 faktische Eigentümer des Unternehmens.
[[Datei:Steinboemer Lubinus Werbung Reklame um 1965 01.jpg|mini|247x247px|Werbeanzeige aus der Zeit um 1965.]]Die Zeit während und nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] erschwerte den Handel mit dem Orient, da das einflussreiche Osmanische Reich, das noch zu Kriegszeiten mit dem Deutschen Reich verbündet war, an Einfluss einbüßte und jener der verfeindeten Engländer in der Region zunahm. Behrends investierte große Summen in das Unternehmen, doch starb er 1920 unerwartet, was der Tabakfabrik einen weiteren, schweren Schlag verschaffte. Diese große Aufgabe kam nun auf seinen Sohn [[Bernhard Behrends]] zu, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 19 Jahre alt war und sich erst kürzlich an der Universität Leipzig eingeschrieben hatte, um dort Handelswissenschaften zu studieren. Dieses Studium konnte er durch den Tod seines Vaters nicht mehr antreten und übernahm mit Hilfe und unter Vormundschaft seiner Mutter [[Dora Behrends]] die Firmengeschäfte. Vorzeitig wird er jedoch für ''mündig'' erklärt und übernahm die Generalvollmacht von seiner Mutter. Diese blieb jedoch noch bis 1931 faktische Eigentümer des Unternehmens.
 
Zugute kommt dem unerfahrenen Behrends die Erfahrung der verbliebenen Stammbelegschaft, die den Krieg überlebt hat und ihren jungen Geschäftsführer nach Kräften unterstützt. Als einer der ersten, größeren Maßnahmen verlegte er die Produktion an den [[Onno Behrends Tee|Hauptstandort]] des Behrendsschen Unternehmens [[Am Fridericussiel]]. Die veralteten Gerätschaften vom Neuen Weg wurden weitestgehend nicht übernommen, sondern durch moderne ersetzt. Die ehemalige Liegenschaft wird jedoch weiterhin für Lagerzwecke genutzt. Die Inflation versetzt der gesamtdeutschen Wirtschaft einen schweren Schlag, noch dazu kommt ein Brand auf dem Süderneulander Betriebsgelände am 13. November 1924. Die Produktionsstätten bleiben größtenteils von den Flammen verschont, doch werden die Büro- und Handelsräume zerstört, wodurch zahlreiche historische Unterlagen beider Unternehmen verloren gingen. Während die Tabakverarbeitung in Süderneuland fortgeführt werden kann, wird die Teeproduktion überwiegend an den Neuen Weg verlegt, bis die Produktionsstätten Am Fridericussiel bis 1925 wieder aufgebaut werden konnten. Nach großen Anstrengungen gelangt die Marke ''Steinbömer & Lubinus'' in den 1930er Jahren wieder zu alter Blüte. Exportiert wurde nun vor allem nach Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Schlesien, Pommern sowie Ost- und Westpreußen.


Zugute kommt dem unerfahrenen Behrends die Erfahrung der verbliebenen Stammbelegschaft, die den Krieg überlebt hat und ihren jungen Geschäftsführer nach Kräften unterstützt. Als einer der ersten, größeren Maßnahmen verlegte er die Produktion an den [[Onno Behrends Tee|Hauptstandort]] des Behrendsschen Unternehmens [[Am Fridericussiel]]. Die veralteten Gerätschaften vom Neuen Weg wurden weitestgehend nicht übernommen, sondern durch moderne ersetzt. Die ehemalige Liegenschaft wird jedoch weiterhin für Lagerzwecke genutzt. Die Inflation versetzt der gesamtdeutschen Wirtschaft einen schweren Schlag, noch dazu kommt ein Brand auf dem Süderneulander Betriebsgelände am 13. November 1924. Die Produktionsstätten bleiben größtenteils von den Flammen verschont, doch werden die Büro- und Handelsräume zerstört, wodurch zahlreiche historische Unterlagen beider Unternehmen verloren gingen. Während die Tabakverarbeitung in Süderneuland fortgeführt werden kann, wird die Teeproduktion überwiegend an den Neuen Weg verlegt, bis die Produktionsstätten Am Fridericussiel bis 1925 wieder aufgebaut werden konnten. Nach großen Anstrengungen gelangt die Marke ''Steinbömer & Lubinus'' in den 1930er Jahren wieder zu alter Blüte. Exportiert wurde nun vor allem nach Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Schlesien, Pommern sowie Ost- und Westpreußen.[[Datei:Steinboemer Lubinus Werbung Reklame um 1965 01.jpg|mini|247x247px|Werbeanzeige aus der Zeit um 1965.]]Die auf wirtschaftliche Autarkie abzielenden Nationalsozialisten verhinderten kurz darauf eine weitere Expansion. Tabak wird witterungsbedingt vor allem in wärmeren Gefilden angebaut, weshalb auch die kleinen deutschen Anbaugebiete in Eichsfeld, Baden und der Rheinpfalz kaum den großen Bedarf im Lande decken konnten. Hinzu kam, dass Geschäftsführer Behrends ein erklärter Gegner der neuen Machthaber war und dadurch oft Ziel von Anfeindungen war. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] konnte man nichtsdestotrotz Tabak aus den besetzten Ostgebieten erwerben und verarbeiten.<ref name=":2" /> Ab 1940 produzierte [[Onno Behrends Tee|Onno Behrends]] am Neuen Weg einen Kaffeersatz, vermutlich aus [[Zichorienfabrik|Zichorien]], unter dem Namen ''OBO''.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 65</ref> Nach dem Krieg bauten viele ostfriesische Kleinbauern wieder Tabak an, denen ''Steinbömer & Lubinus'' die Pflanze dankbar abkaufte.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 63</ref> Auch in den großen Gewächshäusern Wiesmoors wurde Tabak herangezogen. Doch die wirtschaftlich schweren Jahre der Nachkriegszeit und der Verlust eines Großteils des Stammpersonals auf den Kriegsschauplätzen führen zu einer erneuten Misere.
Die auf wirtschaftliche Autarkie abzielenden Nationalsozialisten verhinderten kurz darauf eine weitere Expansion. Tabak wird witterungsbedingt vor allem in wärmeren Gefilden angebaut, weshalb auch die kleinen deutschen Anbaugebiete in Eichsfeld, Baden und der Rheinpfalz kaum den großen Bedarf im Lande decken konnten. Hinzu kam, dass Geschäftsführer Behrends ein erklärter Gegner der neuen Machthaber war und dadurch oft Ziel von Anfeindungen war. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] konnte man nichtsdestotrotz Tabak aus den besetzten Ostgebieten erwerben und verarbeiten.<ref name=":2" /> Ab 1940 produzierte [[Onno Behrends Tee|Onno Behrends]] am Neuen Weg einen Kaffeersatz, vermutlich aus [[Zichorienfabrik|Zichorien]], unter dem Namen ''OBO''.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 65</ref> Nach dem Krieg bauten viele ostfriesische Kleinbauern wieder Tabak an, denen ''Steinbömer & Lubinus'' die Pflanze dankbar abkaufte.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 63</ref> Auch in den großen Gewächshäusern Wiesmoors wurde Tabak herangezogen. Doch die wirtschaftlich schweren Jahre der Nachkriegszeit und der Verlust eines Großteils des Stammpersonals auf den Kriegsschauplätzen führen zu einer erneuten Misere.


Längst kam der neue Tabak auch nicht mehr an die altgewohnte Qualität heran. Vielfach war spöttisch von Tabak der Marke ''Bahndamm Südseite'' die Rede. Erst nach der Währungsreform 1948 konnte mit der neuen, stabilen Währung wieder sonnengereifter Tabak aus dem Ausland importiert werden. Bedingt durch den Einfluss der kanadischen und britischen Besatzungssoldaten stieg hierbei die Nachfrage nach Tabak aus Virginia (Vereinigte Staaten), welcher den bisherigen aus Indonesien und dem Orient größtenteils ersetzte.
Längst kam der neue Tabak auch nicht mehr an die altgewohnte Qualität heran. Vielfach war spöttisch von Tabak der Marke ''Bahndamm Südseite'' die Rede. Erst nach der Währungsreform 1948 konnte mit der neuen, stabilen Währung wieder sonnengereifter Tabak aus dem Ausland importiert werden. Bedingt durch den Einfluss der kanadischen und britischen Besatzungssoldaten stieg hierbei die Nachfrage nach Tabak aus Virginia (Vereinigte Staaten), welcher den bisherigen aus Indonesien und dem Orient größtenteils ersetzte.