Norddeich ist ein Stadtteil von Norden und hat 1.257 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 10,52 km² verteilen.
Norddeich | |
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| Höhe | 1,4 m ü. NN |
| Fläche | 10,523 km² |
| Einwohner | 1.257 (31.12.2020) |
| Eingemeindung | 1. Juli 1972 |
| Bevölkerungsdichte | 120 Einwohner/km² |
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Im Osten grenzt Norddeich an Ostermarsch, im Westen an Westermarsch II und im Süden an Norden. Im Norden wird das Land durch die Nordseeküste begrenzt.
Namensherkunft
Norddeich war historisch Teil der Gemeinde Lintelermarsch und bezeichnete eigentlich nur den nördlich gelegenen Teil. Im Laufe der Zeit, als der Ort mehr und mehr an Bedeutung gewann, wurde aus der Deichbezeichnung schließlich ein Ortsname. Erstmalige Erwähnung findet der Ort 1813 in einem Werbeprospekt, in dem ein Geschäftsmann für einen Urlaub "am Norddeich" von Norden wirbt. 1824 wird es als "Fischerhausen am sogenannten Norddeich" bezeichnet. Später kürzte man den Namen ab und nannte ihn fortan nur noch "Norddeich". Wann genau, ist nicht überliefert.
Wappen
Das Wappen zeigt im grünen Schildhaupt einen silbernen Fisch mit goldenen Flossen und darunter einen roten Blitz mit silbernem Rand. Es wurde von der Gemeinde Lintelermarsch übernommen, welche 1972 Teil von Norden wurde und das Wappen am 26. Juli 1960 verliehen bekam. Es handelt sich um ein sogennantes "redendes Wappen", da es die Ortsgeschichte - wie bei Neuwesteel - bildlich wiedergibt. Der Fisch im oberen Bereich spiegelt die in Norddeich jahrhundertelang bedeutende Fischerei wieder, der Blitz steht für die Sendestelle von Norddeich Radio, welche sich in Osterloog befand. Heute befindet sich dort das Waloseum. Die Farbgebung Rot-Silber wurde vom Anstrich der Sendetürme übernommen. Das Grün im Wappen steht für die Landwirtschaft, die ebenfalls lange Zeit eine große Bedeutung hatte und in den östlichen Gebieten Norddeichs bis heute hat.
Bevölkerungsentwicklung
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Geografie
Der Ort befindet sich in einem Kalkmarschgebiet in einer Höhe von bis zu 1,4 m über Meeresniveau (NN). Eine von Südwest nach Nordost zum Teil am Süderschloot verlaufende Linie trennt Norddeich von der südlich gelegenen ehemaligen, heute zu Norden gehörenden Sandbauerschaft. Diese Linie ist heute die Grenze zu Neustadt. In nördlicher Richtung wird der Ort vom Wattenmeer begrenzt, im Osten von der Ostermarsch und im Westen von Westermarsch II.
In Teilen der südlichen Ausläufer des Ortes weist der Boden eine sandige und weißlich bis rötlichgraue Farbe auf. Der Großteil des Bodens in Norddeich und Umgebung besteht jedoch aus sehr fruchtbarem Marschboden, der eher kräftig hell und gelblich ist.
Auffallend sind um Norddeich die vielen mit Schilf bestandenen Wasserstellen. Sie sind in den letzten Jahrhunderten durch immer wieder notwendig werdende Deichbauten entstanden. Außerdem sind etliche meist runde oder längliche Wasserstellen bzw. -löcher zu finden, die die verschiedenen Sturmfluten verursacht haben und als Kolk bezeichnet werden.
Geschichte
Mittelalter
Bis ins Mittelalter war die Zahl der hier lebenden Menschen äußerst gering. Der Ort bestand - wie alle Marschgebiete nördlich von Norden - aus vereinzelten Streusiedlungen mit nur wenigen Gebäuden. Erbaut wurden sie zu Beginn auf Warften, künstlichen Erhöhungen, die Mensch, Tier und Behausung Schutz vor Sturmfluten bieten sollte, als es noch keine oder nur schwache Deiche gab.
Neuzeit
Mit Beginn der Neuzeit begannen größere Veränderungen, besonders in der Sozialstruktur. In allen Marschgebieten - und damit auch in Norddeich und umzu - ging die Zahl der kleineren Höfe zurück, die der größeren stieg. Im Jahr 1600 werden in der gesamten Lintelermarsch 48 Hofstellen gezählt, im Jahre 1719 sind nur noch 27 Höfe vorhanden.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatten die Bewohner von Norddeich und der gesamten Lintelermarsch nicht nur unter den Folgen von Sturmfluten sondern auch unter den Einquartierungen der Mansfelder sowie der Kurfürstlichen Brandenburgischen Soldaten zu leiden, die ihr Land und ihre Häuser verwüsteten und kaum erfüllbare Forderungen stellten. Damit erlitten die Bewohner das gleiche Schicksal wie die von Westermarsch I und Westermarsch II.
Der Großteil des Gebiets des heutigen Ortes lag weiter im Landesinneren als heute. Nordwestlich von Norddeich gab es am damaligen Deichfuß in der Ortschaft Itzendorf einen ersten Schiffsanleger, der vor allem von Fischerbooten genutzt wurde. Die Weihnachtsflut von 1717 durchbrach die Deichlinie und überflutete Itzendorf. Die Ortschaft musste 1721 aufgegeben werden, nachdem mehrere Versuche, es wiederaufzubauen, aufgrund der zu massiven Schäden, scheiterten. Die Deichlinie wurde weiter südlich an die heutige Stelle verlegt, etwa mittig des heutigen Ortskerns. Hier können die Straßen Hattermannsweg, Am Warft und Pelikanstraße als ungefähre Anhaltspunkte für diese Deichlinie angenommen werden.
1735 wird eine Landwehr gegründet, die von einem Leutnant und einem Fähnrich angeführt wurde.
In unmittelbarer Nähe von der ehemaligen Ortschaft Itzendorf entstand spätestens ab 1780 ein rund 20 Metern langer Nachfolgebau für den Hafen, der bis 1840 in Betrieb war. Östlich davon entwickelte sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ein weiterer Hafen, den man zunächst als "Fischershausen am sogenannten Norddeich" bezeichnete. Nahe dieses Hafens befanden sich zwei Bauernhöfe und ein Wirtshaus, welche mit weiteren kleinen Gebäuden zu einer Kleinstsiedlung verwuchsen und eine Art ersten Ortskern bildeten, von dem aus sich der Ort weiter entwickelte.
Im 18. Jahrhundert gewann der Tourismus allmählich an immer größer werdender Bedeutung, jedoch blieben die bis dahin vorherrschenden Wirtschaftszweige - die Fischerei und die Landwirtschaft - bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterhin von zentraler Bedeutung für den Ort.
Mit dem Tode des letzten Grafen von Ostfriesland, Carl Edzard aus dem Hause Cirksena, fiel Ostfriesland - und damit auch Norddeich - an das Königreich Preußen. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen im Jahr 1806 wurde Ostfriesland ab 1807 Teil des Königreichs Holland, einem Vasallenstaat Frankreichs. Dies blieb bis 1813 so, als Ostfriesland nach der Vertreibung Napoleons wieder an Preußen fiel. In diesem Jahr wurde Norddeich erstmals als Küstenbadeort in der Gemeinde Lintelermarsch bezeichnet.
Ab 1815 gehörte Ostfriesland schließlich zum Königreich Hannover. In dieser Zeit begannen Planungen, vor dem schon vorhandenen Haus eine eine befestigte Buhne (rechtwinklig zum Ufer vorgebauter Damm) anzulegen. Im Jahr 1824 wird dieses Vorhaben genehmigt. Aus schweren Feldsteinen, Ziegelsteinschutt, Eisen und Tannenholz wurde dann ein rund 30 Meter langes Bauwerk, das an der Krone eine Breite von vier Metern aufwies, errichtet. Die Unterhaltung erwies sich als sehr kostspielig, da der Anleger durch Sturmfluten und Eiswinter immer wieder stark beschädigt wurde. Zwischen 1869 und 1870 wurde von Privatleuten eine weitere Buhne zum Anlegen von Fähren errichtet. Diese Buhnen, auch "Fährschlengen" genannt, waren lange Zeit die wichtigsten Anlegestellen.
1866 wird Hannover von Preußen annektiert und Ostfriesland. Nun haben wieder die Preußen das Sagen und beginnen, das Land zu kartografieren. Die preußische Grundkarte von Norden und Umgebung (ca. 1895) gilt als wichtiger Anhaltspunkte für viele heimatkundliche Nachforschungen.
1870 sind für Norddeich ein Fähranleger, eine Schule, vier Bauernhöfe (davon einer mit Gaststätte) und 18 Häusern angegeben.
1871 wird die Reederei Frisia als "Dampfschiffsrhederei Norden" gegründet. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es, einen geordneten Fährverkehr zwischen Norden und den Insel Juist und Norderney herzustellen, die zuvor vor allem aus Bremen und Hamburg angelaufen wurden. Hinzu kam die beschwerliche Anreise. Zwar war die Stadt Norden ab 1883 an das nationale Eisenbahnnetz angeschlossen, von dort aus mussten die Gäste und Güter aber umständlich mit Pferdefuhrwerken, Linienwagen und Kutschen in das vier Kilometer entfernte Norddeich transportiert werden. Auch von den Fischern des Ortes gab es Forderungen nach einem Ausbau des Hafens.
1889-1891 erfolgt der Bau der Mole Norddeich und im Jahre 1892 der Bahnanschluss, was dem Tourismus einen deutlichen Aufschwung versetzte und auch der Reederei Frisia einen bedeutenden Zuwachs an Fahrgästen verschaffte. Zwar verfügte Norden bereits seit 1883 über einen Bahnanschluss, doch die Anreise der Gäste nach Norddeich gestaltete sich weiterhin aufwendig, da Passagiere und Gepäck mit Pferdekutschen die holprigen Wege nach Norddeich auf sich nehmen mussten. Der Bau der Mole war für die Reederei Frisia ein weiterer Glücksfall, da sich die Fährschlengen als ungeeignet zum Anlegen größerer Schiffe erwiesen. Auch die Fischer, die den Ausbau des Hafens lange Zeit forderten, profitierten von der verbesserten Infrastruktur.
Ab 1905 wurde die Küstenfunkstelle Norddeich Radio in Utlandshörn errichtet, die im April 1907 Eröffnung feierte. Gut 90 Jahre lang wurden von dort Funktelegramme verschickt und Kommunikation zu Schiffen auf allen Weltmeeren aufgebaut. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatte die Station große Bedeutung für das Militär, besonders die Kaiserliche Marine bzw. Kriegsmarine und wurde entsprechend geschützt.
Vermutlich 1905/1906 gründeten Bürger aus Norden und Norddeich einen Kurverein, der die Zusammenarbeit zwischen den beiden Orten fördern sollte, was jedoch zunächst scheiterte. Die Badeverwaltung Norddeich und die Kurverwaltung in Norden gaben getrennt voneinander umfangreiche Werbebroschüren heraus.
Nach 1918, vor allem in den einsetzenden "Goldenen Zwanzigern", erlebte der Tourismus einen bedeutenden Aufschwung. Norddeich entwickelte sich nun sichtbar von einem Fischerdorf zum Touristen- und Badeort. Im Jahr 1925 gründete sich erneut ein Kurverein Norden/Norddeich. Im Sommer 1926 waren alle Betten belegt. Im Jahr 1927 wurden 25.000 Gäste gezählt.
Der Zweite Weltkrieg bremste die Entwicklung, weil die gesamte Küste fortan als militärisches Operationsfeld eingestuft war. Die Wehrmacht richtete in der Gastwirtschaft Friesenhof ein Kriegsgefangenenlager ein. Hier waren 40 Insassen aus Frankreich und Belgien untergebracht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Bahnhof und die Gebäude der Reederei Frisia bedeutend erweitert. Im Sommer 1951 wird die Seebadeanstalt wieder eröffnet. Initiator ist der zuvor gegründete Bade- und Verkehrsverein Norden-Norddeich. 1958 wird das Freibad fertiggestellt und eröffnet.
Für 1960 werden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein kommunaler Zweckverband die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962 wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete Deichacht Norden ließ den Deich wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer Sandstrand aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die Jugendherberge Norddeich ihren Betrieb auf.
Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde Norddeich zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden und verlor damit seine Eigenständigkeit.
Nachdem 1962 die Aufgaben des Bade- und Verkehrsvereins Norden-Norddeich auf einen kommunalen Zweckverband der Stadt Norden sowie der Gemeinden Lintelermarsch und Westermarsch II übergegangen sind, fördern die Eingemeindungen 1972 die Gründung der "Kurbetriebs GmbH".
Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstehen in den siebziger Jahren Freizeitanlagen wie das Meereswasserbecken (1973) und das Haus des Gastes (1975/76). Hinter dem Deich folgen landeinwärts das Meereswasser-Hallenbad (1979; heute Ocean Wave), ein Campingplatz, der Wellenpark sowie die Seehundstation. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat Staatlich anerkanntes Nordseebad und 1983 wurde auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Norddeich Radio ein Campingplatz eröffnet.
Im Jahre 1992 erfolgte die Einweihung des Nationalpark-Zentrums, da das Wattenmeer zum Nationalpark erklärt wurde. In diesem Jahr begann auch der Bau des Therapiezentrums mit Kurklinik, der heutigen Dr. Becker Klinik sowie der Umbau und Erweiterung des Haus des Gastes; die Vollendung erfolgte vier Jahre später.
Von 2002 bis 2003 wurde das alte Wellenbad in das Meerwassererlebnisbad Ocean Wave umgebaut. Heute verzeichnet Norddeich pro Saison etwa eine Million Übernachtungen und hat in den letzten 15 Jahren einen großen Bauboom zu verzeichnen. Neben dem Tourismus ist die Fischerei weiterhin eine wichtige Erwerbsquelle, zahlreiche Kutter legen auch heute noch Am Fischereihafen an.
Am 24. Juni 2010 verlieh der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode dem Stadtteil den Titel "Nordseeheilbad", die höchste touristische Anerkennungsstufe des Landes.
Verwaltung
Der oberste Beamte in der Grafen- bzw. Fürstenzeit (1464-1744) im Amt Norden war der Drost, später Amtsverwalter genannt, der die Oberaufsicht und Polizeigewalt im ganzen Amt Norden hatte. Der Vogt, ein Exekutivbeamte des Drosten, wurde vom Fürsten persönlich ernannt. Sein Arbeitsbereich umfasste die Lintelermarsch mitsamt Norddeich sowie die bei Norden gelegene Gemeinde Sandbauerschaft. Dem Vogt wurde ein sogenannter Auskündiger beigesetzt, der vom Amtsverwalter eingesetzt wurde. Zusätzlich gab es die Rottmeister, benannt nach den Rotten (vergleichbar mit heutigen Stadtvierteln) die die Aufgabe hatten, den Leuten, die im Rott wohnten, Steuerangelegenheiten und andere die Allgemeinheit betreffenden Pflichten oder Bestellungen kundzutun. Der Rottmeister amtierte zwei Jahre, das Amt wurde im Rott vergeben.
Im 19. Jahrhundert stand ein Bürgermeister an oberster Spitze in der Gemeinde Lintelermarsch und nach der Gemeindereform 1972 ein Ortsvorsteher, der Norddeich vor dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt.
Bildung
- Hauptartikel: Osterlooger Schule | Schule Stuvertsweg | Schule Norddeich
Eine Schule ist für spätestens 1767 nachgewiesen. Die erste bekannte Schule befand sich vermutlich etwa in Höhe von Wiebens Trift und wurde 1852 durch einen Nachfolgebau ersetzt. Eine weitere Schule soll es ab 1843 im Stuvertsweg gegeben haben. 1888 wurde das bis heute erhaltene Schulgebäude an der Norddeicher Straße erbaut. 1908 wurde ein -ebenfalls noch heute existierendes - Schulgebäude an der Ostermarscher Straße, kurz vor der Grenze zu Ostermarsch errichtet. Die einzige noch betrieben Schule ist die 1992 fertiggestellte Schule in der Nordmeerstraße.
Religion
Bis ins 20. Jahrhundert besuchten die Einwohner die Kirchen in Norden, vor allem die Ludgerikirche, da die meisten evangelisch-lutherischer Glaubensrichtung waren. Seit Mitte der 1970er Jahre verfügt Norddeich mit der Arche über eine eigene Kirche. Später kam noch die Friedenskirche im Sozialwerk Nazareth dazu. Die wenigen römisch-katholischen und reformierten Bürger besuchen weiterhin die entsprechenden Kirchen in Norden.
Gesundheit und Soziales
Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden geleistet und nicht vom Staat. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien und Kapitalvermögen und wurden auch Armenland genannt. In Norddeich wurde die Ländereien vor allem durch den Hof Armenplatz, welcher noch heute erhalten ist, bewirtschaftet. Norddeich war dem Armenverband Norden und der Norder Kirchengemeinde angegliedert.
1973 errichtet die Pfingstgemeinde in Norddeich ein Erholungszentrum, das 1977 als Freizeit- und Heimstätte Nazareth bekannt wird und im Laufe der Jahre tausenden Flüchtlingen und Asylsuchenden Unterstützung und Unterkunft geboten hat.
Wirtschaft und Verkehr
Lange Zeit spielten vor allem die Fischerei und die Landwirtschaft eine Rolle und tun dies zum Teil bis heute. Haupterwerbszeig ist jedoch spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Norddeich ist nach Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit über 2 Millionen Passagieren und verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 Leuten werden die Dimension und das Ausmaß des Tourismus besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren dem Tourismus dienende Einrichtungen.
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines Roolf W. Seeberg, Inhaber des "Seebergskruges am Norddeiche": "Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt." Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der resp. Herren Badegäste auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich – vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr – von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und – mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen – auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt "ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken" könnte. Seeberg wandte sich deshalb – den Dienstweg einhaltend – am 6. August 1813 an den Bürgermeister (französisch: Maire) von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: "So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden." Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die französischen Bedenken damit bedeutungslos.
Sehenswürdigkeiten
Quellenverzeichnis
- Beschreibung von Norddeich und der Lintelermarsch in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Norddeich.de Internetauftritt des Stadtteils
- Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen
- Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden
- Arends, Friedrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes. Emden, S. 398
- Ostfriesischer Kurier vom 25. Juni 2010, S. 1 u. 3

