Eisenhütte | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1848 | |||||||
| Erbauer | Julius Meyer | |||||||
| Bauweise | Industriebetrieb | |||||||
| Erhaltungszustand | 1969 abgebrochen | |||||||
| Genaue Lage | Osterstraße 135
26506 Norden | |||||||
Die Eisenhütte war ein überregional bekanntes Norder Eisenwerk mit Sitz in der Osterstraße. Es wurde auf dem Gelände der alten Osterburg gebaut, welche in den Baukomplex mit eingeschlossen wurde. Nach dem Abriss der Eisenhütte und der Osterburg entstand auf dem Gelände ein Bürogebäude und ein Verbrauchermarkt.
Der Begriff "Eisenhütte" ist ein allgemeiner, historischer Begriff für ein Eisenwerk und hat keine Verbindung zu der heute gängigen Definition für "Hütte".
Geschichte
1848 erwarb die Firma Julius Meyer & Co. die Osterburg samt Grundstück und gründete hier, unmittelbar an der Grenze zur Norder Umlandgemeinde Sandbauerschaft, die Eisenhütte. Der aus Westfalen kommende Meyer wählte Norden als Standort für das Werk aus, da Norden seinerzeit gute Schiffsanbindungen mit England unterhielt und dadurch die Bedingungen für den Zugang zu den erforderlichen Rohstoffen relativ günstig waren.
Meyer setzte die Gebrüder Ibrügger als Direktoren ein und gewann später den Gießerei-Ingenieur Direktor Kohlschütter als technischen Leiter hinzu. Der Betrieb war das erste Eisenhüttenwerk im damaligen Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte.
Schon bald wurde der Betrieb im Ofen- und Kachelofenbau eine der führenden Eisenwerke Deutschlands und verkaufte ihre Waren auch ins Ausland. Die Norder Eisenhütte war hierbei insbesondere für ihre qualitativ hochwertige und besonders detailreiche Arbeit bekannt. Noch heute werden alte Werke in Museen ausgestellt, da die Produkte der Norder Eisenhütte zu den "Exoten" unter den historischen Gusseisenöfen gehören.
Das Unternehmen entwickelte sich zu einer der führenden Firmen im Bereich Kachelofenbau im deutschen Gebiet. Die Hauptabsatzgebiete waren Hannover, Lüneburger Heide, Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Hamburg. Es wurde jedoch auch ins Ausland exportiert. So wurden die hergestellten Waren auch nach Holland, Dänemark und sogar bis nach Mexiko und Ägypten exportiert.
Der Anschluss Ostfrieslands an Preußen 1866 bewirkte Zollbarrieren gegen Eisen und Kohl aus England, auch der wirtschaftliche Aufstieg des Ruhrgebietes, besonders nach dem Krieg 1870/71, brachte eine Verschiebung der Frachtlage zu Ungunsten des Werkes mit sich. Das um die Rentabilität ringende Unternehmen hatte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Eigentümer. Ab der Jahrhundertwende wird hier die Familie Landmann aus Norden und die Familie Tenge aus Westfalen Inhaber der Eisenhütte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts produzierte die Eisenhütte vor allem Ofentüren, Wärmeröhrentüren und Vorstellplatten, um offene Feuerstellen effizienter bzw. Ofenanlagen für langflammige Brennstoffe auch für den Kohlebrand tauglich zu machen. Seinerzeit wurde vor allem das wesentlich erschwinglichere und leicht verfügbare, aber auch weniger effizientere Torf verheizt. Für den Bau des Denkmals zu Ehren der aus Osteel stammenden Astronomen David und Johann Fabricius auf dem Friedhof der Osteeler Kirche fertigte die Eisenhütte eine eiserne Umzäunung. Zu dieser Zeit und bis ins 20. Jahrhundert hinein soll der Betrieb rund 200 Beschäftigte gehabt haben.
Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte das Werk erneut den Besitzer, als es von der Teefirma Onno Behrends erworben wurde. In einer Versteigerung übernahmen die Norder Senatoren Popke Fegter und Carl Stegmann sowie der Betriebsdirektor Landmann im Jahr 1927 die Eisenhütte. Um 1930 kam das Werk in den Alleinbesitz der Familie von Popke Fegter.
Ab 1950 wurde in neue Maschinen investiert, um sich im nationalen und internationalen Preiskampf besser aufstellen zu können. Auch wurden Eisengussauftragsarbeiten für andere Firmen neben dem Tagesgeschäft abgewickelt und sogar Fensterrahmen aus Gusseisen gefertigt. Die Eisenhütte hatte feste Vertretungen in Hannover, Hamburg und Kiel. Sogar im Herrscherpalast des Schah von Persien (heute Iran) in der Hauptstadt Teheran soll ein Kachelofen der Norder Eisenhütte gestanden haben.
In den 1960er Jahren ging das Unternehmen nach längeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Konkurs und wurde schließlich 1969 abgerissen. Der letzte (Allein-)Inhaber der Eisenhütte war der Kaufmann W. Kutz. Beim Abbruch der Eisenhütte wurde die Osterburg mit abgerissen, da dem Denkmalschutz seinerzeit noch keine Bedeutung zugemessen wurde. Heute stehen auf dem alten Betriebsgelände ein Bürogebäude bzw. Mehrparteienhaus sowie ein Verbrauchermarkt.
Trivia
Die Arbeiter der Eisenhütte sollen nach Feierabend gerne regelmäßig in das Mittelhaus eingekehrt sein.[1]
Quellenverzeichnis
- Abrechnungsunterlagen zum Bau des Fabricius-Denkmals
- Internetseite des Deutschen Eisenofenmuseums, abgerufen am 18. Februar 2021
- Jubiläumsausgabe des Ostfriesischen Kuriers (Online-Ausgabe) vom 1. Juli 2017
- Ramm, Heinz / Fegter, Popke (1989): Sein Leben und Wirken im Norderland, Norden, S. 95 - 124
- Total Lokal - Stadtinformationen zu Norden
- Auszug aus dem Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen, abgerufen am 18. Februar 2021
Siehe auch
- ↑ Erzählung des Norder Bürgers Conrad Lentz vom 15. Februar 2020