Gräfliches Haus
Gräfliches Haus | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entstehungszeit | 16. Jahrhundert |
| Erbauer | Katharina von Schweden |
| Bauweise | Ziegelsteinbau |
| Erhaltungszustand | (teilweise) erhalten |
| Genaue Lage | Am Markt 6
26506 Norden |
Das (Hoch-)Gräfliche Haus wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von Edzard Ferdinand Cirksena erhalten, der hier als Graf von Norden residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma Otto G. Soltau GmbH.
Geschichte
Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor Dr. Caspar Alteneich.[1] Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von Graf Edzard II., durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die Cirksenas in den europäischen Hochadel aufstiegen.[2]
1665 wurde das Gebäude von Edzard Ferdinand, dem dritten Sohn von Ulrich II. Cirksena bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als Graf von Norden in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das Ekeler Torenhus.[1]
1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn Friedrich Ulrich fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des Alten Rathauses.[1][2]
1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie von Closter erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch Kloster genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.[1][2] Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte Gasthof Jerusalem.[3] Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt Ocke Meewes Verwer für 4.700 Reichstaler in Gold. Auf dessen Antrag hin wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.[3]
Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem Ratsherren aus der niederländisch-ostfriesischen Familie Thoden van Felsen, denen seit 1793 auch das Haus Vienna gehörte.[2][4] 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav, ursprünglich wohnhaft in Leer).[5] Von 1859 bis zur Fertigstellung des Postamts im Jahre 1908 diente linke Teil des Gebäudes als solches.[5][6]
Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der Soltau Kurier Norden und seit der Trennung nur noch die Druckerei von Otto G. Soltau befindet.[7] Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender Radio Nordseewelle ansässig.[8]
Beschreibung
Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten Postamtes nichts mehr vorhanden.
Trivia
Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkriegs brachte der Ostfriesische Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied Die Wacht am Rhein.[9]
Galerie
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Aufnahme aus der Zeit um 1872.
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Vor dem Bau des Postamtes befand sich dieses im benachbarten Gräflichen Haus (um 1880).
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Aufnahme aus der Zeit um 1900.
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Nähere Ansicht (ebenfalls um 1900). Rechts die heutige Eingangstür zu Otto G. Soltau.
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Aufnahme vom 6. April 2003.
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Mit Radio Nordseewelle, zwei Tage nach Sendestartbeginn - Aufnahme vom 2. Mai 2015.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191
- ↑ 3,0 3,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44
- ↑ Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38
- ↑ 5,0 5,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192
- ↑ Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9
- ↑ Internetseite des Soltau Kurier Norden, abgerufen am 12. März 2021
- ↑ Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, abgerufen am 8. Mai 2021
- ↑ Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14