Das Norder Tief ist ein Fluss, der sich von Südwesten kommend nach Südosten seinen Weg durch das Stadtgebiet bahnt und ab der Grenze zur Gemeinde Hage in das "Hager Tief" mündet. Das Tief entspringt in der Gemeinde Großheide aus den Schlooten bzw. Flüssen "Kleiner Rendel" und "Blandorfer Tief". Bis 1991 mündete das Norder Tief unmittelbar beim 1929 errichteten Leybuchtsiel in die Leybucht, seitdem nur noch über Umwege über den Störtebekerkanal und schließlich dem Leysiel. Die Entwässerung über das Leybuchtsiel war bis dahin nur bei Niedrigwasser möglich, sodass ein Neubau angestrengt wurde.
Namentlich unterteilt wird das Norder Tief in mehrere Abschnitte. "Norder Tief" ist dabei sowohl der Ober- bzw. Gesamtbegriff als auch eine Teilbezeichnung. Von Beginn an bis zum Norder Hafen wird die Bezeichnung "Norder Tief" verwendet. Der Bereich von hier bis zur Kolkbrücke wird dann "Galgentief" genannt. Ab hier folgt das "Marschtief" und schließlich - nach Lütetsburg und an der Grenze zu Hage - die Bezeichnung "Hager Tief". Der Name "Galgentief" erklärt sich aus seinem Verlauf entlang der historischen Galgenstelle von Lütetsburg, die sich ungefähr bei der Kolkbrücke befand.
Das Tief war für die Abwässerung der Ämter Norden und Berum zuständig und ist dafür bis heute für die Anliegergemeinden von zentraler Bedeutung. Es nimmt in seinem Verlauf zahlreiche Entwässerungsgräben (Schloote) auf. Daneben diente es vor allem dem Transport von Waren, da die wenigen vorhandenen Straßen und Wege in meist desolaten Zustand waren und besonders bei schlechter Witterung kaum bis gar nicht befahrbar.
Obgleich weitestgehend natürlichen Ursprungs wurde das Norder Tief im Laufe der Jahrhunderte immer wieder begradigt oder in seinem Verlauf geändert, zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts. Im Vergleich mit der preußischen Grundkarte von ca. 1895 mit heutigen Karten ist die Begradigung deutlich erkennbar. Sie diente vor allem dem besseren Vorankommen der Schiffe und Kähne, die das Tief befuhren. Aber auch Landgewinnung spielte eine Rolle. Im westlichen Bereich der heutigen Stadtgrenze wurde dem dort einst rechten breiten Norder Tief und der Leybucht immer wieder Land abgewonnen (Polder). Bis zum Aufblühen des Norddeicher Hafens war es zudem Nordens Anbindung an das Meer und Grundlage für den viele Jahrhunderte durch Handel geschaffenen Wohlstand. Das westliche Norder Tief kann als verschmalerte Leybucht betrachtet werden.
Quellenverzeichnis
- Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)