Bargebur

Aus Norder Stadtgeschichte
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Bargebur

Wappen
Basisdaten
Höhe 1,8 m ü. NN
Fläche 0,648 km²
Einwohner 442 (31.12.2020)
Gründung vor 1433
Eingemeindung 1972
Bevölkerungsdichte 682 Einwohner/km²

Bargebur ist ein Stadtteil von Norden und hat 442 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2020), die sich auf einer Fläche von rund 0,65 km² verteilen. Der bis zum 30. Juni 1972 zur Gemeinde Lütetsburg gehörende Ort ist nur etwas größer als das etwa doppelt soviele Einwohner fassende Tidofeld.

Namensherkunft

Die genaue Herkunft bzw. Ableitung des heutigen Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich bei Barge um eine Herleitung des Plurals von Berge, da sich der Ort am Hang der sich nach Osten erhebende Geest befindet. Alternativ ist eine Herleitung von einem nicht belegten altfriesischen Substantiv Berg für Bergung bzw. Schutz. Das Grundwort Bur für Bauerschaft wurde erst später angehängt.

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die Bedeutung des Wortes auf eine auf der erhöht gelegenen Geest gegründeten Bauerschaft, ähnlich jener der Sandbauerschaft bezieht. In Simonswolde (Gemeinde Ihlow) werden künstliche Erhöhungen als Bargen bezeichnet.[1] Auch die historische Wegbeschreibung to Bergen in Norderlande spricht dafür, ebenso die historische Alternativbezeichnung Westekelbur, also für eine westlich von Ekel befindliche Bauerschaft.

Wappen

Bargebur und Tidofeld sind die einzigen Stadtteile, die bis heute keine eigenen Wappen führen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass sie, anders als die restlichen Stadtteile, niemals eigenständige Gemeinden waren, sondern beide ursprünglich zur (wappenführenden) Gemeinde Lütetsburg gehörten und erst recht spät (1972 und 1952) in die Stadt Norden eingemeindet wurden.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1848 82 *
2008 518
2010 501
2016 493
2020 442

* in 13 Häusern

Geografie

Bargebur wurde auf einem etwa 1,8 m über Meeresniveau (NN) liegenden Geestrücken gegründet und liegt damit wie die Norder Innenstadt weit genug über dem Meeresspiegel, um aus historischer Betrachtung einigermaßen vor Überflutungen geschützt zu sein. Der Ort ist von unterschiedlichen Bodenarten umgeben: Im Osten, Süden und Nordwesten findet sich Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) an. Im Norden und Südwesten tangiert Kleimarsch den Ort und im Westen ist Podsol-Grund zu finden.

Nördlich grenzt Bargebur an Norden, im Osten an Tidofeld sowie im Westen an Süderneuland II. Im Süden liegt die Nachbargemeinde Lütetsburg, zu der Bargebur noch bis zum 30. Juni 1972 gehörte.

Geschichte

Mittelalter

Eine erstmalige Erwähnung findet der Ort im Jahr 1433, als es zwischen den Häuptlingen Focko Ukena und Ulrich Cirksena zu der sogenannten Schlacht von Bargebur als Entscheidungsschlacht der Ostfriesischen Freiheitskämpfe kam. Ein Bündnis mehrerer ostfriesischer Häuptlinge unter Führung von Ulrich Cirksena besiegte den bis dahin in Ostfriesland vorherrschenden Focko Ukena und seine Gefolgsleute. Ulrichs Sieg hatte entscheidenden Einfluss auf seine Machtausbreitung und dem Aufstieg seines Geschlechts, da mit dem Tode des kinderlosen Sohnes von Focko, Udo Focken, auch die letzten Chancen auf einen Nachkommen des Erbes der Idzinga erlosch. Ukena selbst konnte entkommen und starb später im niederländischen Exil.

Für das Jahr 1436 ist eine Erwähnung des Ortes als to Berghum belegt. Spätere Bezeichnungen waren to Bergen in Norderlande (1445), inn Bargerburhen (1553), Bergerbur (1599) und Bargerbuhr (1787). Die heutige Schreibweise ist schließlich seit 1871 belegt. Weitere, historische Namen sind Westekelbur und Bergum. Die genaue Entstehungsgeschichte des Ortes lässt sich indes nicht mit eindeutiger Gewissheit bestimmen. Vermutlich siedelten sich hier, ähnlich wie bei der Sandbauerschaft mehrere Bauern an, um von den örtlichen Gegebenheiten zu profitieren. Der Ort liegt mit 1,8 Meter über Normalnull relativ weit über dem Meeresspiegel und war daher prinzipiell weitestgehend vor Sturmfluten geschützt. Zudem lag der Ort relativ zentral zwischen der prosperierenden Stadt Norden und dem seit dem 13. Jahrhundert befestigten Sitz der mächtigen Manninga in Lütetsburg (später Innhausen und Knyphausen). Ferner verlief ein alter Heerweg von Norden nach Esens durch den Ort, was sicherlich auch Handelsmöglichkeiten bot. Ebenfalls von Bedeutung war der Alte Postweg, der teilweise entlang dieses alten Heerwegs verlief, teilweise entlang der Deichlinie des sogenannten Udo-Focken-Deich von 1425 und hier eine wichtige Verbindung gen Süden bildete.

Einer der Hauptursachen für den Deichbau waren mehrere schwere Sturmfluten im 14. Jahrhundert, insbesondere die Zweite Marcellusflut und die Erste Dionysiusflut. Die Leybucht erreichte ihre größte Ausdehnung und Norden bekam dadurch erstmals einen Zugang zum offen Meer, der Norder Hafen entstand. Auch Bargebur wurde von den Fluten getroffen, diese reichten sogar bis nach Lütetsburg, wovon noch heute mehrere Kolke im Umfeld der heutigen Umgehungsstraße zeugen. Mit dem Bau des vorgenannten Deichs begann die Rückgewinnung des später so genannten Süderneulands. Von dem Deichbau profitierte letztlich auch Bargebur, das dadurch besser vor Sturmfluten geschützt war.

Neuzeit

Als das Schloss Lütetsburg, benannt nach Lütet Manninga, 1534 durch Erbteilung an die Herren von Innhausen und Knyphausen fiel, gelangte Bargebur in den Besitz des in Pewsum sesshaften Zweiges der Familie Manninga. Erst durch einen Vertrag, datiert auf den 5. Januar 1584 gehörte die Herrlichkeit Westekelbur in Bergum wieder zu Lütetsburg. In diesem Vertrag wurde auch die Gebietsgröße von 76 Diemat festgehalten, was etwa 50 Hektar entspricht.[2] Anhand der Bezeichnung Herrlichkeit wird ersichtlich, dass der Lütetsburger Landesherr in dieser Zeit volle Befehlsgewalt über das Land und die hier siedelnden Menschen hatten. Hierzu zählte auch die Verhängung der Todesstrafe, weshalb vermutet wird, dass der Galgenberg und der Hexenkolk ihren Ursprung als Richtstätte in dieser Zeit haben.[2][3] Seit dem Bau des Tidofelder Schlosses in der Zeit um 1614 dürften die Bauern also vor allem für den dort sesshaften Tido II. von Innhausen und Knyphausen und sein Gefolge gearbeitet bzw. diesem unterstanden haben. Das Schloss fiel nach einer Familienfehde im Jahre 1669 wüst, ob dies eine demografische Änderung für Bargebur mit sich brachte, ist ungewiss.

Überregionale Beachtung fand das beschauliche Bargebur erst wegen einer der zahllosen Glaubenskonflikte im ausgehenden Mittelalter. Nachdem die Reformation ab 1527 auch Einzug in Norden hielt, beabsichtigte die stetig wachsende evangelisch-reformierte Gemeinde, eine Kirche innerhalb der Stadtgrenzen von Norden zu errichten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch bereits von Anfang an am Widerstand der Norder Bürger, unter denen sich evangelisch-lutherische Ausrichtung durchgesetzt hatte. Die calvinistischen bzw. reformierten Christen mussten ihre Gottesdienste außerhalb der Stadtgrenzen abhalten. Spätestens ab 1559 stellten ihnen die Herren von Lütetsburg dafür ihre Kapelle zur Verfügung, erstmals Unico Manninga.

Ab 1677 gestattete Dodo II. zu Innhausen und Knyphausen, mittlerweile Graf von Lütetsburg, den Reformierten, ihre Gottesdienste in Bargebur abzuhalten. Dafür stellte er ihnen Räumlichkeiten in einer auch Olyschlag genannten Mühle zur Verfügung. Der Graf gestattete den reformierten Christen schließlich 1680, ein Gotteshaus auf seiner Grundherrschaft zu errichten; der Baubeginn der Bargeburer Kirche den 12. Juli 1680 datiert. Das hier notwendige Land schenkte der Graf der Gemeinde bereits 1679. Die Norder Lutheraner sahen hierin eine Verletzung ihrer Privilegien und einen Affront gegenüber der von ihnen als einzig richtig erachteten Glaubensrichtung. Sie versuchten, den Bau der Kirche durch Sabotageaktionen und Überfälle zu verhindern, was ihnen zunächst auch gelang. Dodo II. stand jedoch zu jener Zeit als Hofkammerpräsident (eine Art Finanzminister) im Dienste von Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten von Brandenburg und Herzog von Preußen, dessen Truppen seinerzeit Greetsiel besetzt hielten. Auf Bitten von Dodo II. verlegte der Kurfürst 1684 einen Teil seiner Truppen nach Bargebur, um den Bau zu schützen, sodass die Kirche schließlich im selben Jahr - innerhalb von nur vier Monaten - fertiggestellt werden konnte.

In den nächsten Jahrhunderten fristete der Ort ein Schattendasein und trat kaum geschichtlich in Erscheinung. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war der Ort, wie auch der Rest des heutigen Stadtgebiets, äußerst spärlich besiedelt. Durch den großen Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen in der frühen Nachkriegszeit wuchs die Bevölkerung zwar an, doch erreichte nie mehr als eine untere bis mittlere dreistellige Zahl. Da der Ort nach und nach immer weiter mit der Stadt und dem bereits seit 1952 ebenfalls zu Norden gehörenden Tidofeld zusammenwuchs, fiel Bargebur im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform zum 1. Juli 1972 an Norden.

Einen bedeutenden Zuwachs bekam der Ort erneut, als 1995 nördlich der Heerstraße ein Neubaugebiet entstand, das ebenfalls eng mit Tidofeld verwuchs. Seitdem hat es keine wesentlichen Bauprojekte mehr gegeben. Größere Erweiterungen sind jedoch auch unwahrscheinlich, da kaum noch freie Flächen vorhanden sind.

Erwähnenswerte Gebäude

Erhaltene Gebäude

Abgebrochene Gebäude

Einzelnachweise

  1. Beschreibung der Bargen in Simonswolde, abgerufen am 27. September 2021
  2. 2,0 2,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 133
  3. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 134

Quellenverzeichnis

Siehe auch