Vierzig Diemat | |
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| Stadtteil | Norden |
Vierzig Diemat (auch "40 Diemat") ist ein informelles Stadtviertel von Norden und gehört zur Kernstadt von Norden. Der Name geht zurück auf seine ungefähre Größe von vierzig Diemat. Ein Diemat ist ein historisches, ostfriesisches Flächenmaß und beschreibt die Fläche, die ein guter Landarbeiter an einem Tag mit der Sense mähen konnte. Ein Diemat sind in etwa 5.700 Quadratmeter, vierzig Diemat damit ungefähr 228.000 Quadratmeter, was der ungefähren Fläche des Viertels entspricht.
Dominiert wird das Viertel durch Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie anliegender Gewerbebetriebe.
Etwa mittig des Viertels befindet sich ein Kinderspielplatz, an dem sich ein großes Fußballfeld anschließt. Auch wurden an mehreren Stellen Garagen für die Kraftfahrzeuge der Bewohner geschaffen, da die Häuser nicht über eigene Garagen verfügen.
Die Straßen von Vierzig Diemat sind allesamt durch Pfade und Wege miteinander verbunden.
Geografie
Geografisch lässt sich Vierzig Diemat wie folgt abgrenzen: Im Norden entlang der Fritz-Lottmann-Straße, im Osten am Burggraben, im Süden bis zum Norder Tief und im Westen bis zur Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße, welche direkt an Westermarsch I grenzt.
Geschichte
Historisch war Vierzig Diemat bis 1952 Teil der damals noch eigenständigen Gemeinde Westermarsch I und kam erst dann zur Kernstadt. In diesem Jahr wurde das Land zur Besiedlung freigegeben und baulich erschlossen. Es entstanden, wie auch in anderen Teilen von Norden, vor allem Sozialbauten um dem nach dem Zweiten Weltkrieg starken Bevölkerungswachstum Herr zu werden.
In den Jahren 1546 bis 1551 wurde Vierzig Diemat durch Anna von Oldenburg eingedeicht. Das neugewonnene Land wurde auch Westermarscher Altes Neuland genannt. Zuvor stand das Gebiet unter Wasser und war Teil des Norder Hafens bzw. des Norder Tiefs. Auch heute noch lässt die Bodenbeschaffenheit seine "wässrige Vergangenheit" erkennen.
Von 1551 bis 1583 gehörte Vierzig Diemat zum Umland der Cirksenaburg, die sich etwas weiter nördlich befand. Es diente der Ernährung der gräflichen Familie und wurde daher auch als "Küchenland" bezeichnet.
Graf Ulrich II. aus dem Hause Cirksena verkaufte das Land 1631 an einen Amtmann namens Rautenstein aus Varel. Die nachfolgende Nutzung ist ungewiss, vermutlich wurde das Land verpachtet und für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.
Erst mit der Fertigstellung des Leybuchtsiels wurde das Land um Vierzig Diemat tatsächlich sturmflutsicher. Dies erklärt zugleich, warum die östliche Straßenseite des Burggrabens bereits zuvor bebaut wurde, während der westliche Teil erst nach 1929 bebaut wurde.
Gebäude
Vierzig Diemat bestand in seiner Anfangszeit vor allem aus Wohnblocks, die sich entlang der Berend-de-Vries-Straße, Enno-Hektor-Straße und August-Hinrichs-Straße konzentrieren. Die weiteren Straßen östlich der Zuckerpolderstraße bestehen bis zur Herbert-Gentzsch-Straße vor allem aus Reihenhäusern. Freistehende Einfamilienhäuser sind im vorgenannten selten und wurden erst im Laufe der weiteren Jahre erbaut.
In den 1990er Jahren wurde Vierzig Diemat westlich der Zuckerpolderstraße um ein Neubaugebiet erweitert, das auch den Namen Bürgermeisterviertel trägt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Straßen dort zwischen Zuckerpolderstraße und Wigboldstraße nach ehemaligen Norder Bürgermeistern benannt wurden.
Ab den 2000er Jahren wurde das Viertel durch weitere Straßen erweitert. Entgegen ihrer anfänglichen Bebauung handelt es sich bei den Neubauten überwiegend um freistehende Einfamilienhäusern mit eigenem Grundstück und Garagen.
Mitte der 2010er Jahre folgten zwei Stadtvillenähnliche Mehrfamilienhäuser.
Ab 2017 begonnene Pläne zum Bau eines neuen Polizeigebäudes hinter dem Schlachthof wurden 2020 verworfen und als neuer Standort eine Fläche auf dem ehemaligen Doornkaatgelände ins Auge gefasst.
2020 eröffnete die Post ein innerhalb kürzester Zeit erbautes Logistikzentrum auf ehemals unbebauten Gebiet. Das Postgebäude am östlichen Marktplatz wurde daraufhin geschlossen.
Ab 2021 soll westlich von Vierzig Diemat, hinter dem Bürgermeisterviertel, ein weiteres Neubaugebiet entstehen. Diese Fläche liegt jedoch auf dem Gelände von Westermarsch I und gehört damit nicht mehr zu Vierzig Diemat.
Das Gewerbe siedelt sich hier fast ausschließlich auf der südlichen Straßenseite von Am Norder Tief an. Am westlichen Ende liegen das Klärwerk sowie der Bauhof der Stadt Norden. Bis zum Ersten Weltkrieg befand sich hier eine Ziegelei. Westlich vom Burggraben befindet sich der Schlachthof, welcher noch heute in geringem Umfang in Betrieb ist.
Unbebautes Land befindet sich (Stand: Dezember 2020) noch zwischen dem Schlachthof und der Herbert-Dunkel-Straße sowie südlich der Bürgermeister-Dr.-Schöneberg-Straße bzw. westlich der Bürgermeister-Peters-Straße. Aufgrund der Geruchsbelästigung durch das Klärwerk ist eine Bebauung für Wohnzwecke der letztgenannten Fläche jedoch eher unwahrscheinlich.
Literatur
- Scheuermann, Ulrich (1995): Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte
- Schreiber, Gretje (2011): Das Norder Hafengebiet und seine beiden Häfen im 16. Jahrhundert