Weinhaus

Aus Norder Stadtgeschichte
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Weinhaus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1804 (vor 1539)
Erbauer Ludgerigemeinde Norden
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 38

26506 Norden

Das Weinhaus ist eine ehemalige Gaststätte am Norder Marktplatz. Nach einer Nutzung durch das Finanzamt ging das Gebäude Anfang der 1980er Jahre in die Nutzung der Polizei über, die bis dato Nutzer des Gebäudes ist. Heute trägt ein Hotel in der Golfstraße ebenfalls diesen Namen. Es steht jedoch in keinem Zusammenhang mit dem ursprünglichen Weinhaus.

Geschichte

Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. 1539 berichtet Ernst Friedrichs von Wicht von einem Unfall am Weinhaus ("ante oenopolium").[1] Ein Diener von Graf Enno II. nahm die Zügel eines Pferdes zu kurz, sodass das geführte Tier den Unglücklichen an die Wand des Hauses drängte und ihm den Brustkorb zerdrückte. Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben. Im Jahre 1586 wird ein Frans Wyntapper als Pächter des Weinhauses genannt. Auch er betreibt hier eine Schank- und Gastwirtschaft.[2]

1613 verleiht Graf Enno III. das Privileg, dass alle "Kertz-Käuffe und Commissiones, Actus und Verrichtungen", wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als im Weinhaus abgehalten werden sollten.[1] Dies implizierte auch die öffentlichen Versteigerungen, deren Erlös ab 1630 durch Verordnung von Ulrich II. Cirksena dem 1567 gegründeten und 1631 nach ihm zum Dank benannten Ulrichsgymnasium zuteil wurde. Der Begriff "Kertz-Käuffe" rührt daher, dass zu Beginn der Versteigerungen eine Kerze angezündet wurde. Die Bietenden konnten solange ein Gebot abgeben, bis die Kerze niedergebrannt war.[3] Auch war das Weinhaus im 16. Jahrhundert Versammlungsort der Theelacht.[1]

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) und des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) diente der Saal des Weinhauses als Unterrichtsraum für Schüler des Gymnasiums. Ferner sollen vor 1751 bis zu 20 minderbemittelte (= wenig vermögende) Kinder in einem Anbau des Weinhauses untergebracht worden sein, was auf einen entsprechenden Erlass von Ulrich II. zurückging, wonach notdürftigen Kindern sowohl ein Mittagessen als auch eine Unterkunft gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden sollte.[4] Dies war ein auf den Wirt des Weinhaus beschränktes Privileg, der als einziger die Bewirtung der Schüler durchführen durfte. Anderen Kindern, als den notdürftigen, dürfte er ferner auch ein Mittagessen anbieten. Während er mit der Preisgestaltung und der Essenswahl bei den Notdürftigen eingeschränkt war, konnte er die Speisen sowie die Preisgestaltung bei den sonstigen Kindern weitestgehend frei gestalten, wenngleich Ulrich II. ihm auftrug, einen angemessenen und keineswegs einen überteuerten Preis zu verlangen.[5]

1804 errichtet der Inhaber des Weinhauses, ein Mann mit Nachnamen Haun, einen Neubau an der bisherigen Stelle.[6] Einige Gebäudeteile, so etwa der Keller, bleiben jedoch erhalten.

1816 wird das Privileg der öffentlichen Verkäufe und Verheuerungen von der hannoverschen Regierung abgelehnt. 1919 wird ein Hotelbetrieb im Weinhaus genehmigt, aber schon einige Jahre später wieder aufgegeben.[1] 1951 übernahm die Bundesfinanzverwaltung das Gebäude. Bei Erkundungen im Jahre 2018 wurde noch ein - offenbar übersehener - Stapel von Standardformularen des Finanzamtes in einem der Kellerräume gefunden.[2]

Nach dem Finanzamt, das nun in den Mühlenweg zog, ging das Gebäude an das Land Niedersachsen über, das hier den Sitz der Norder Kriminalpolizei Anfang der 1980er Jahre einrichtete. Bis heute ist die Polizei Norden der Hauptnutzer des Gebäudes.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 104-108
  2. 2,0 2,1 Der Weinkeller des Norder Hotel Zum Weinhaus, abgerufen am 14. April 2021
  3. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 21
  4. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19
  5. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 22
  6. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 20

Siehe auch