Die Gemeinde Sandbauerschaft (fälschlicherweise manchmal auch "Sandbauernschaft" genannt) war bis zu ihrer 1919 erfolgten Eingliederung in die Stadt Norden eine selbständige Gemeinde mit mehreren Ortschaften, die den Stadtkern wie ein Dreiviertelring umschlossen.

Sandbauerschaft

Wappen
Basisdaten
Fläche unbekannt
Einwohner 1.290 (Stand: 1848)
Eingemeindung 1919

Namensherkunft

Der Name, welcher 1824 erstmalig amtlich erwähnt wird, umschreibt den Zusammenschluss mehrerer "auf dem Sand" siedelnder Bauern, die sich zu einer Bauerschaft zusammengeschlossen haben. Die "Sandbauern" waren jene Bauern, die auf dem sandhaltigen Boden der Norder Geestinsel siedelten und das Land dort bestellten. Ihnen gegenüber standen die Marschbauern der umliegenden Marschgebiete, wie Westermarsch I (erste Bauernschaft der Westermarsch) und Westermarsch II (zweite Bauernschaft der Westermarsch). Die Norder Geestgebiete liegen höher als die Marschgebiete, was ihre Bodenbeschaffenheit erklärt.

Im Gegensatz zu den Namen aller anderen nach Norden eingegliederten Gemeinden spielt der Begriff "Sandbauerschaft" heute im amtlichen Sprachgebrauch keine Rolle und ist aus dem Bewusstsein der Bevölkerung weitestgehend verschwunden. Die Namen der ehemaligen Ortsteile (Ekel, Lintel, ...) hingegen haben sich zumindest in der Alltagssprache erhalten.

Wappen

Es existieren keine Belege darüber, dass die Gemeinde Sandbauerschaft ein Wappen geführt hat. Es ist davon auszugehen, dass kein Wappen geführt wurde, da es sich um eine eher unbedeutende Landgemeinde handelt.

Bevölkerungsentwicklung

Aufgrund mangelnder Belege aus der früheren Zeit kann eine genauere Bevölkerungsentwicklung nicht nachgewiesen werden. Zumindest für das Jahr 1848 sind gemäß statistischem Handbuch des Königreichs Hannover (Ostfriesland war zu dem Zeitpunkt ein Teil Hannovers) eine Einwohnerzahl von 1.290 nachgewiesen, die sich auf 201 Wohngebäude verteilten. Ein durchschnittlicher Haushalt bestand folglich aus 6-7 Personen.

Geografie

Die Sandbauerschaft umschloss die Norder Kernstadt ringförmig und bestand aus mehreren Streusiedlungen. Die Geestgebiete zu den früher besiedelten Gebiete, da sie höher lagen als das Marschland und daher besser vor den Fluten geschützt waren. Die ursprüngliche Norder Kernstadt befindet sich gänzlich auf einer Geest. Diese Eigenschaft wird auch als Norder Geestrücken bezeichnet.

Die geografischen Grenzen der Sandbauerschaft lassen sich kaum festlegen, die verstreuten Siedlungen wuchsen nach der Eingemeindung mit der Kernstadt und untereinander zusammen. Konkrete, amtliche Begrenzungen hat es nie gegeben. Beachtenswert ist jedoch, dass weite Teile, die heute im allgemeinen zu Norden gezählt werden, ursprünglich Teil der Sandbauerschaft waren.

Gliederung

Die Sandbauerschaft umschloss die Stadt Norden von Westen nach Osten in einem Dreiviertelring. Zu ihr gehörten folgende Ortschaften, Wohnplätze und Güter:

Ortschaften: Ekel, Hollweg, Laukeriege, Mackeriege, Martensdorf, Mühlenlohne, Ostlintel, Westlintel, Westgaste sowie die westlichen Bereiche der Westerstraße, ungefähr ab der Weberslohne

Wohnplätze: Escher, Korndeich und Sandweg

Güter: Gut Barenbusch, Gut Ekel, Gut Wi(e)rde, Selden Rüst und Ziegelei

Geschichte

 
Die Ortschaft Hollweg um 1900.

Die ältesten Belege über eine Besiedlung der Sandbauerschaft stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zu dieser Zeit errichtete der Benediktinerorden das Kloster Marienthal auf dem Gelände der heutigen Seniorenwohnanlage der AWO Norden. Das dazugehörige Land reichte von der Altenwohnanlage bis zur nordöstlichen Ecke der Norder Marktplatzes. An das Kloster und seine Umlande erinnert heute noch unter anderem die Klosterstraße sowie eine Statue der heiligen Maria auf dem Gelände.

Die Stadt erbaute etwa ab dem 13. Jahrhundert mehrere Wehrtürme und Steinhäuser ringförmig um die Stadt, um diese bei Angriffen besser verteidigen zu können. Eine Stadtmauer hat es in Norden nie gegeben. Erbauer dieser Wehranlagen waren (bis auf die Oldeborg) adelige Familien, die für die Entwicklung der Stadt Norden und des umliegenden Norderlandes große Bedeutung hatten. Um diese Wehranlagen siedelten sich Menschen an, die sich im Laufe der Zeit zu einzelnen Bauernschaften letztlich zu einer "Gesamtbauernschaft" zusammenschlossen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Weimarer Republik kam es zu einer Kommunalreformen, in deren Folge die Sandbauerschaft ihre Eigenständigkeit verlor und nach Norden eingemeindet wurde. Der Eingemeindung gingen konfliktreiche Verhandlungen voraus. Besonders strittig war die Frage, ob es den Einwohnern der Sandbauerschaft auch nach dem Zusammenschluss erlaubt bleiben sollte, Hausschlachtungen durchzuführen.

Verwaltung

Die Verwaltung der Gemeinde hatte ihren Sitz in den Vorderräumen des Westgaster Bauernhofs an der Alleestraße 33. Der Verwaltung stand ein Bürgermeister vor.

Bildung

Lange Zeit hat es in der Sandbauerschaft keine Schule gegeben. Die Bevölkerung bestand weitestgehend aus Bauern, für die man weder die Notwendigkeit sah, ihnen Schulbildung zukommen zu lassen. Zudem verfügten diese in der Regel ohnehin nicht über die notwendigen Geldmittel, um ihren Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen. Die wenigen wohlhabenderen Familien besuchten städtische Schulen.

Erst 1898 erbaute die Gemeinde eine Schule in Ekel, die als Volksschule fungierte und mehrere Klassenstufen umfasste. Auch die Zingelschule gehörte zur Gemeinde.

Religion

Innerhalb der Gemeinde hat es keine Kirchen gegeben, da diese nicht sturmflutsicher gebaut werden konnten. Vielmehr war die Ludgerikirche die Kirche der Norder Umlandgemeinde. Auch wurden die Toten hier auf dem Alten Friedhof bestattet.

Gesundheit und Soziales

Die Sandbauerschaft war dem Armenverband Norden zugeordnet. In früheren Jahren war es üblich, dass die soziale Wohlfahrt von den Kirchen wahrgenommen wurde. Erst wesentlich später ging diese Aufgabe auf den Staat über.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft wurde bis zum Bau der Eisenhütte vor allem von der Landwirtschaft dominiert. Bis zu ihrer Auflösung war die Sandbauerschaft eine reine Agrargemeinde.

Quellenverzeichnis

  • Arend, Fridrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden, S. 396
  • Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 20f.
  • Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 191
  • Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover von 1848