Hotel Zur Post | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entstehungszeit | 1904 (1739) |
| Erbauer | Wilhelm Tanke |
| Bauweise | Hotel |
| Erhaltungszustand | erhalten |
| Genaue Lage | Am Markt 3
26506 Norden |
Das Hotel Zur Post ist eines der ältesten Hotels im Stadtgebiet. Es befindet sich unmittelbar nordöstlich des Norder Marktplatzes. Während der Kaiserzeit trug es den Namen Hotel (zum) Kyffhäuser und seit 1919 schließlich Hotel Zur Post.[1] Der Name ergibt sich aus seiner unmittelbaren Lage am ehemaligen Postamt.
Das Hotelgebäude mit den ehemaligen Stall- und Scheunengebäude steht heute unter Denkmalschutz.[2]
Geschichte
Das Gebäude wurde 1739 erbaut und diente vermutlich zunächst als Wohnhaus.[3] Spätestens seit dem späten 19. Jahrhundert wurde es als Beherbergungsbetrieb genutzt. In dieser Zeit trug das Hotel noch den Namen Gasthof Sassen bzw. Sassens Gasthof.[4] Aufgrund der unmittelbare Lage zur Post ist es nicht verwunderlich, dass das Hotel lange Zeit auch als Posthalterei benutzt wurde. Der Beruf des Posthalters entstammt der Zeit, als es noch keine motorisierte Post gab. Posthalter hielten Postpferde, später auch Kutschen und stellten diese nach vertraglichen Vereinbarungen der Post zum Pferde- und Wagenwechsel zur Verfügung. Tatsächlich wurde je ein Nebengebäude als Scheune und als Stallgebäude errichtet.[3]
Die heutige Fassade wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Der von Norderney stammende Gastwirt Wilhelm Tanke, neuer Inhaber des Hotels, stellte dazu 1904 den Bauantrag. Unter Einbeziehung des Bestandsbaus erweiterte er das Gebäude auf zwei Stockwerke, wodurch er sieben Fremdenzimmer sowie eine neue Küche mit Nebenräumen gewann.[4] Hinter der Fassade verbirgt sich auch heute noch die historische Fassade aus der Anfangszeit des Gebäudes.[1] Tanke nannte seine Gastwirtschaft nun Hotel (zum) Kyffhäuser.[4]
Der Neubau erwies sich für die renommierte Ausspannwirtschaft (Gastwirtschaft mit Pferdestallungen für Gäste) jedoch als wenig rentabel. Jacobus ten Doornkaat Koolman, Inhaber der Brauerei Doornkaat, erwarb das Gebäude und verpachtete es zunächst an einen Mann mit Nachnamen van der Zee, später an einen Wirt namens Akkermann. Beide konnten keinen durchschlagenden Erfolg verbuchen, sodass das Hotel im Jahre 1919 zwangsversteigert werden musste. Der neue Besitzer Carl Oltmanns benannte das Hotel nun in Hotel Zur Post um und erwarb sich einen herausragenden Ruf, musste es jedoch krankheitsbedingt wenig später verpachten.[4]
Von 1964[4] bis mindestens 1982[5] führten die Gebrüder Rinke das Haus. Da sich für das Gebäude nachfolgend kein Käufer fand, verfiel es zusehends, konnte jedoch vom Arbeitskreis für Stadterhaltung und -erneuerung vor dem Abriss gerettet werden. In weitestgehender Eigenarbeit und mithilfe öffentlicher Gelder konnte es nachfolgend restauriert werden. Der Arbeitskreis pachtete das Gebäude für fünf Jahre und richtete ein Restaurant, ein Hotel und ein Café ein. Nach Ablauf der Fünf-Jahresfrist wurde das nun denkmalgeschützte Gebäude an Sigrid Mahnke verkauft.[4]
Bis mindestens 2011 befand sich in einem Nebengebäude eine Boutique namens Das Lila Haus, benannt nach der entsprechenden Fassadenfarbe.
Letztmalig wurde das Hotel im Jahre 2018 renoviert. Ab 2020 stand es zum Verkauf, der Kaufpreis wurde vom Inhaber Bernd Fuhrmann und dessen Ehefrau aus Lütetsburg anfänglich auf etwa eine Million Euro festgesetzt, das Gebäude letztlich für etwa 800.000 Euro verkauft.[3]
Beschreibung
Das Hotel beherbergt insgesamt 16 Zimmer, alle Zimmer haben Zugang zu einem Badezimmer. Der Frühstücksraum im Erdgeschoss bietet Platz für ca. 42 Personen und besteht aus zwei Räumen mit einer Größe von ca. 57 m², welche durch eine Glastürwand getrennt sind. Die urige Gaststube mit einer Größe von ca. 56 m² wurde mit einem nostalgischen Kamin sowie Holzdielen eingerichtet.
Die Küche ist komplett gefliest und besteht aus der Teeküche, einer Abwaschküche und einem Abstellraum mit Heizung und Seitenausgang. Ein Besprechungsraum mit angrenzendem Büro sowie Herren und Damen Toiletten, befinden sich ebenfalls im Erdgeschoss. Im Obergeschoss ist ein weiterer Seminarraum und ein Fernsehzimmer vorhanden.
Am Nebengebäude wurde ein Carport errichtet, wo Platz zum Abstellen von 4 - 5 Fahrzeugen vorhanden ist, weiterhin ist hier ein Abstellraum untergebracht. Im Obergeschoss befindet sich eine Ferienwohnung mit zwei Bädern.
Trivia
Das Hotel war über die Jahre hinweg ein beliebtes Versammlungsziel für örtliche Vereine. So kehrten hier regelmäßig die Funker von Norddeich Radio ein. Die einliegende Kneipe ist zudem Gründungsort des PSV Norden.[6]
Im Keller soll sich ein Zugang zu alten Geheimgängen befinden, die unterhalb des Marktplatzes verlaufen sollen. Bei Straßenbauarbeiten, vermutlich in den 1980er Jahren, wurde der Zugang, der in Richtung des Alten Friedhofs zeigte, jedoch zubetoniert.[7]
Tankstelle
Unmittelbar vor dem Hotelgebäude bestand sich seit 1950 eine kleine Tankstelle.[8][9]
Galerie
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Aufnahme aus der Zeit um 1915.
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Werbung nach Neueröffnung (um 1920).
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Die Tankstelle vor dem Hotel in der Zeit um 1955.
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Das Hauptgebäude am 6. April 2003.
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Am Markt 3 - Das Lila Haus - Aufnahme vom 31. Juli 2011.
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Hotel zur Post - Am Markt 3 - 18. November 2017.
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Aufnahme vom 20. August 2022.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Internetseite des Hotels Zur Post, abgerufen am 13. April 2021
- ↑ Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 10. November 2021
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Verkaufsinserat auf Immobilienscout24.de, abgerufen am 13. April 2021
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 190
- ↑ Stadt Norden (1982): De Utrooper. Veranstaltungskalender und andere Informationen für die Gäste des Nordseebades Norden-Norddeich, Norden, S. 61
- ↑ Internetseite des Postsportvereins Norden, abgerufen am 18. März 2021
- ↑ Auf Abenteuer mit Tim von Lindenau: Geheimgang „Zur Post“ in Norden, abgerufen am 14. April 2021
- ↑ Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 62
- ↑ Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 32