Neuer Weg

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Basisdaten
Stadtteil/-viertel Norden
Erschließungsjahr vor 1509
Namensgebung zw. 1509 und 1542
Historische Namen Hindenburgstraße

Lange Lohne Langer Weg

Nye Weg

Der Neue Weg ist eine Gemeindestraße in Norden. Die Straße grenzt nördlich an die Osterstraße und die Kleine Mühlenstraße und südlich an die Brückstraße und die Dammstraße sowie den Popke-Fegter-Platz. An den Neuen Weg grenzen auf beiden Seiten mehrere namenhafte und -lose Lohnen bzw. Gassen und Straßen an. Die westlich gelegenen, benannten Lohnen und Straßen sind der Synagogenweg, die Große Neustraße, die Coneruslohne und die Vogelhändlergasse, bei den östlichen handelt es sich um die Doornkaatstraße, die Bäko-Passage und Hooge Thun.

Geschichte

Herkunft des Namens

Ursprünglich hieß der Neue Weg schlicht Langer Weg. Nach einer Neuanlage der Straße und seiner Gebäude nach einem Großbrand im Jahre 1509 bürgerte sich schließlich der Name Neuer Weg ein, weil er neu errichtet wurde.

Entwicklung

Der Neue Weg gehört zu den ältesten Straßen von Norden und wurde planmäßig angelegt. Er ist jedoch jünger, aber auch etwas länger als die anderen, ebenfalls nach Süden führenden Straßen (Burggraben, Kirchstraße, Sielstraße und Uffen- bzw. Heringstraße). Nach einem schwerwiegenden Großbrand im Jahre 1509 wurde der damals noch Langer Weg bzw. die Lange Lohne (lateinisch: longam plateam) genannte Weg, der bis dahin ungefähr nur bis zur späteren Großneustraße ging, wieder aufgebaut.[1][2] Der südliche, unbebaute Teil wurde damals noch Rispel bzw. Hammerk genannt.[3] Es handelte sich um gemeinschaftlich genutzte Weiden (Gemeinweiden).[2]

Nach dem zeitnahen Ausbau über die Gemeinweiden hinweg erhielt die Straße einen neuen Namen und nannte sich fortan Neuer Weg, weil er neu errichtet wurde und jetzt nach Süden hin verlängert bis an das Galgentief führte.[4] In den 1542 angelegten Kontraktenprotokollen wird als Straßenname ebenfalls Neuer Weg als Name angegeben. Zu dieser Zeit war der Neue Weg schon eine wichtige Geschäftsstraße.[4]

Auch wenn der Neue Weg erst seit dem Bau der Alten Mühlenbrücke um 1850 eine eigene Fortführung gen Süden hat, war er nie eine Sackgasse, da sich östlich die Brückstraße und westlich die Dammstraße öffneten. In dieser Zeit avancierte der Neue Weg schließlich auch zur Hauptgeschäftstraße der Stadt.[5]

Auffallend ist, dass im 16. Jahrhundert bis ca. 1630 reiche Emder Familien versuchten, in Norden am Neuen Weg Fuß zu fassen. Hausbesitzer an der Ostseite hielten zur damaligen Zeit hinter ihren Häusern Gärten, deren Grenze die Große Hinterlohne bildete. Viele Bürger bewirtschafteten zusätzlich zwischen der Großen Hinterlohne und der Kleinen Hinterlohne einen oder mehrere Äcker. Die Bezeichnung des Neuen Weges reichte im 16. Jahrhundert auf der Ostseite laut Steuerlisten bis zur Brücke, die über das Galgentief führte. Das wäre aus heutiger Sicht gesehen bis zur Brückstraße Nr. 5. Die Bewohner der Westseite des Neuen Weges besaßen Gärten, deren Grenze die Helle bildete und teilweise auch einen Acker oder Garten, deren Grenze die Heringstraße ausmachte, die im 16. Jahrhundert nur vereinzelt bebaut war.[1][4] Die Einwohnerschaft des Neuen Weges setzte sich hauptsächlich aus Handwerkern und wohlhabenden Kaufleuten zusammen, nur vereinzelt waren Tagelöhner zu finden.

Zum 70. Geburtstag von General Paul von Hindenburg, der in der Schlacht bei Tannenberg im August 1914 die Russen besiegt hatte, wurde der Neue Weg in Hindenburgstraße umgetauft und erhielt erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder seinen alten Namen.[4][6] Paul von Hindenburg hatte mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler letztlich dessen Aufstieg ermöglicht und wurde deshalb nach dem Wahnsinn der Vorjahre zurecht kritisch betrachtet.

In früheren Jahren wurde den heimkehrenden Kriegsteilnehmern am südlichen Neuen Weg ein feierlicher Empfang bereitet. So etwa nach den Befreiungskriegen gegen die französischen Besatzung im Jahre 1816.[7] Spätestens zu dieser Zeit und noch spät in das 20. Jahrhundert hinein war es üblich, dass die jüngeren Bürger den südlichen (von der Osterstraße aus gesehen rechten) Bürgersteig nutzten, während jener auf der anderen Seite den älteren Herrschaften vorbehalten war. Umgangssprachlich nannte man diesen daher auch spöttisch Ollwievenpadd (Altweiberpfad).[8]

Als Norden ab Dezember 1958 endlich einen Anschluss an die Kanalisation bekam, war der Neue Weg einer der ersten Straßen in Norden, in der die Rohre verlegt wurden.[9] 1988 bis 1989 fanden umfangreiche Bauarbeiten am Neuen Weg statt, um diesen - zunächst provisorisch - zu einer Fußgängerzone zu machen.[10][11] Anfang der 1990er Jahre werden die dafür erforderlichen Baumaßnahmen umgesetzt.[12] Die Fahrbahnbreite wurde erheblich verkürzt, die Fahrbahndecke erneuert und breitere Gehwege geschaffen. Die Straße ist seitdem für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.[10] Mehrere erhaltenswerte Gebäude wurden mit maßgeblicher Unterstützung der Sparkasse Aurich-Norden saniert.[13] Andere fielen dem Wahnsinn der Altstadtsanierung zum Opfer.

Gebäude und Plätze

Der Neue Weg ist die wichtigste Einkaufsstraße Nordens und von zentraler Bedeutung. Hier finden sich eine Vielzahl der unterschiedlichsten Geschäfte, Restaurants und Hotels. Dazu kommen einige Betriebe, Praxen, Kanzleien und sonstige Einrichtungen. Alle Gebäude werden zumindest im Erdgeschoss gewerblich genutzt, darüber befinden sich in der Regel Wohnungen. Auch eine Schule befand sich hier einst: Die Neuweger Schule. Bis zum Bau der Alten Mühlenbrücke war der Neue Weg an sich eine Sackgasse, führte aber nach Osten zur Brückstraße und nach Westen zur Dammstraße weiter.

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 16
  2. 2,0 2,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 118
  3. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 93
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Schreiber, Gretje (1995): Norder Häuser (I), Die Bewohner des Neuen Weges, in: Ostfriesischer Kurier, vom 19./20. August 1995, S. 9
  5. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 108
  6. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 241
  7. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 57
  8. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 108
  9. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 67
  10. 10,0 10,1 Kurzfassung der Norder Stadthistorie, abgerufen am 5. Februar 2021
  11. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 331
  12. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 85
  13. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 94

Siehe auch