Die Gemeinde Sandbauerschaft (fälschlicherweise manchmal auch "Sandbauernschaft" genannt) war bis zu ihrer 1919 erfolgten Eingliederung in die Stadt Norden eine selbständige Gemeinde mit mehreren Ortschaften, die den Stadtkern wie eine Art Dreiviertelring umschlossen.
Sandbauerschaft | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Fläche | unbekannt |
| Einwohner | unbekannt |
| Eingemeindung | 1919 |
Namensherkunft
Der Name, welcher 1824 erstmalig amtlich erwähnt wird, umschreibt den Zusammenschluss mehrerer "auf dem Sand" siedelnder Bauern, die sich zu einer Bauerschaft zusammengeschlossen haben. Die "Sandbauern" waren jene Bauern, die auf dem sandhaltigen Boden der Geest siedelten und das Land dort bestellten. Ihnen gegenüber standen die Marschbauern der umliegenden Marschgebiete, wie Westermarsch und Ostermarsch. Die Norder Geestgebiete liegen höher als die Marschgebiete, was ihre Bodenbeschaffenheit erklärt.
Im Gegensatz zu den Namen ihrer einstigen Ortsteile spielt der Begriff "Sandbauerschaft" heute weder im alltäglichen, noch im amtlichen Sprachgebrauch eine Rolle und ist aus der Erinnerung der Allgemeinheit weitestgehend verschwunden.
Geografie
Die Sandbauerschaft umschloss die Norder Kernstadt ringförmig und bestand aus mehreren Streusiedlungen. Die Geestgebiete zu den früher besiedelten Gebiete, da sie höher lagen als das Marschland und daher besser vor den Fluten geschützt waren. Die ursprüngliche Norder Kernstadt befindet sich gänzlich auf einer Geest. Diese Eigenschaft wird auch als Norder Geestrücken bezeichnet.
Die geografischen Grenzen der Sandbauerschaft lassen sich kaum festlegen, die verstreuten Siedlungen wuchsen nach der Eingemeindung mit der Kernstadt und untereinander zusammen. Konkrete, amtliche Begrenzungen hat es nie gegeben. Beachtenswert ist jedoch, dass weite Teile, die heute im allgemeinen zu Norden gezählt werden, ursprünglich Teil der Sandbauerschaft waren.
Gliederung
Die Sandbauerschaft umschloss die Stadt Norden von Westen nach Osten in einem Dreiviertelring. Zu ihr gehörten folgende Ortschaften, Wohnplätze und Güter:
Ortschaften: Ekel, Hollweg, Laukeriege, Mackeriege, Martensdorf, Mühlenlohne, Ostlintel, Westlintel, Westgaste sowie die westlichen Bereiche der Westerstraße, ab der Lentzlohne und Mühlenlohne.
Wohnplätze: Escher, Korndeich und Sandweg
Güter: Gut Barenbusch, Gut Ekel, Gut Wi(e)rde, Seldenrüst und Ziegelei
Geschichte
Die ältesten Belege über eine Besiedlung der Sandbauerschaft stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zu dieser Zeit errichtete der Benediktinerorden das Kloster Marienthal auf dem Gelände der heutigen Seniorenwohnanlage der AWO Norden. Das dazugehörige Land reichte von der Altenwohnanlage bis zur nordöstlichen Ecke der Norder Marktplatzes. An das Kloster und seine Umlande erinnert heute noch unter anderem die Klosterstraße sowie eine Statue der heiligen Maria auf dem Gelände.
Im Laufe der Jahrhunderte schlossen sich die Bauern, welche die die Stadt umgebende Geestlande besiedelten, zusammen und gründeten die Sandbauerschaft. Die Stadt erbaute mehrere Wehrtürme und Steinhäuser zur Verteidigungszwecken ringförmig um die Stadt. Eine Stadtmauer hat es in Norden nie gegeben. Erbauer dieser Wehranlagen waren (bis auf die Oldeburg) adelige Familien, die für die Entwicklung der Stadt Norden und des umliegenden Norderlandes große Bedeutung hatten. (siehe auch: Liste der Burgen und Wehrhäuser)
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Weimarer Republik kam es zu ersten Kommunalreformen, in deren Folge die Sandbauerschaft ihre Eigenständigkeit verlor und nach Norden eingemeindet wurde. Der Eingemeindung gingen konfliktreiche Verhandlungen voraus. Besonders strittig war die Frage, ob es den Einwohnern der Sandbauerschaft auch nach dem Zusammenschluss erlaubt bleiben sollte, Hausschlachtungen durchzuführen.
Verwaltung
Die Verwaltung der Gemeinde hatte ihren Sitz in den Vorderräumen des |Westgaster Bauernhofs an der Alleestraße 33. Der Verwaltung stand ein Bürgermeister vor.
Bildung
Religion
Innerhalb der Gemeinde hat es keine Kirchen gegeben, da diese nicht sturmflutsicher gebaut werden konntn. Vielmehr war die Ludgerikirche bis zur Zerstörung der Andreaskirche die Kirche der Norder Umlandgemeinde. Auch wurden die Toten hier auf dem Alten Friedhof bestattet.
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft und Verkehr
Erwähnenswerte Gebäude
Quellenverzeichnis
- Arend, Fridrich (1824): Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden, S. 396
- Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 20f.
- Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 191
