Als Norder Platt bezeichnet man die Varietät des Ostfriesischen Niederdeutsch, die in der Stadt Norden und den umliegenden Gebieten gesprochen wird.

Geografische Verbreitung

Der Begriff Norder Platt dient naturgemäß zur Bezeichnung der in der Stadt gesprochenen niederdeutschen Sprache (Norder Platt im engeren Sinne).

Er bezeichnet weiterhin aber auch die Besonderheiten der Plattdeutschen Varietäten, in welchen sich die Ortsdialekte im überwiegenden Gebiet des Altkreises Norden (Gegenden um Hage, Berum, Großheide und Arle sowie diejenigen südlich von der Stadt Norden im Brookmerland) allesamt ähneln. Auch die durch die räumliche Nähe zur Stadt Norden hin orientierten Inseln Juist, Norderney und Baltrum teilen viele Besonderheiten des Norder Platt.

Deutliche Unterschiede existieren aber bereits zum Krummhörner Platt, das sich eher zur Emder Variante orientiert, obwohl die Krummhörn ebenfalls Teil des ehemaligen Landkreises Norden gewesen ist.

Literatur, Veröffentlichungen, Autoren

Das ostfriesische Plattdeutsch ist, im Vergleich zum Niederdeutschen überhaupt, welches seit langer Zeit in vielen norddeutschen (und nordniederländischen) Regionen von der jeweiligen Dachsprache verdrängt wird, noch in einem verhältnismäßig lebendigen Zustand. Es existiert eine reiche Literatur in ostfriesischem Platt. Speziell das Norder Platt ist dabei erkennbar unterrepräsentiert. Dies ist wichtig zu wissen, da ein Großteil der regionalen Literatur von Autoren aus dem Raum Leer stammt und daher möglicherweise ein falsches Bild vermitteln kann. Es existiert bisher keine zusammenhängende Darstellung aller Besonderheiten des Norder Platt.

Autoren, die im Norder Platt (im weiteren Sinne) schreiben oder geschrieben haben:

  • Arend Dreesen
  • Ludwig Kimme
  • Frerich Hokema
  • Rudolf Bielefeld
  • Fooke Hoissen Müller
  • Christof Wehking
  • Marieluise Stolper
  • Else Bontjes
  • Jan (Johann) Meiners

Besondere Merkmale des Norder Platt

Das Gebiet um Norden lässt sich linguistisch grob der nordöstlichen Hälfte des ostfriesischen Platt zuordnen. Davon zu unterscheiden ist die südwestliche Hälfte (Krummhörn, Emden, Landkreis Leer).

1. Betrifft die Aussprache

  • Sprachliche Realisierung einiger Langvokale (grob: einfacher, weniger Diphthonge)[1]

Beispiel: Arvt (Erbse), gesprochen wie „Aart“, im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert "Aarv".

  • Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.

2. Betrifft Aussprache und Schreibweise

Spree (Star)

Froo (Frau), boen (bauen), troen (heiraten)

Flass (Flasche), Gras (Gras)

denn, wenn wennehr

dwelen (irren), reren (weinen)

Budel (Umstand, Zustand)

Goos (Gans)

bleihen (blühen), breihen (brühen), fleiten (pfeifen), freien (freuen), gleihen (glühen), greien (gedeihen)

Köppke (Tasse), löss (lose), över (über, übrig)

woll (wohl), nee (nicht), kien (kein)

3.    Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik

Lautung einiger Formen des Präteritums: freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer

(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)

Betrifft Ablautreihen 7, 8… (?)

Infinitiv, Imperativ Person Präsens Präteritum Partizip II
freten (fressen), freet ik freet freet freten
du frettst freetst
he,se frett freet
wi,ji,se freten freten

Formen von „wesen“ (sein)

Infinitiv, Imperativ Person Präsens Präteritum Partizip II
wesen ik bün weer (heb) west
du büst weerst
he,se is weer
wi,ji,se sünd weren


Müssen: möten/mutten?

Sollen: sölen/sallen?


Einheitsplural auf -nt bei einigen Verbstämmen:

Beispiel: wi stahnt, ji seggent…

Zuvorderst bei Verben mit einsilbigem Infinitiv (doon, gahn, sehn, slaan, stahn..)

  1. vgl. Lücht, S. 38, Tab. 2, „Dollart-Linie“