Bundesstraße

Aus Norder Stadtgeschichte
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Bundesstraße 72

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Basisdaten
Stadtteil/-viertel Süderneuland II
Erschließungsjahr 1847 - ca. 1849
Namensgebung um 1949
Historische Namen Sandweg

Chaussee

Landstraße

Bundesstraße 70

Die Bundesstraße 72 während der Bauarbeiten zum neuen toom Baumarkt, aufgenommen am 5. Juni 2021.

Die Bundesstraße (B72) beginnt (auf die Stadt Norden bezogen) im Stadtviertel Süderneuland II, im weiteren Verlauf führt sie weiter durch Norden bis nach Norddeich. Es ist die einzige Bundesstraße innerhalb der Stadtgrenzen und wird umgangssprachlich auch scherzhaft "Ostfriesen-Highway" genannt. Ihren Beginn hat die Bundesstraße 72 bei Emstek im Landkreis Cloppenburg.

Geschichte

Herkunft des Namens

Der Name geht aus seiner straßenrechtlichen Widmung als Bundesstraße hervor.

Entwicklung

Anmerkung: Die nachfolgenden Angaben beziehen sich nur auf den innerhalb der Stadtgrenze von Norden befindlichen Teil der Bundesstraße.

Die heutige Bundesstraße verläuft in weiten Teilen parallel zum Alter Postweg, welcher von Norden weiter in Richtung des Brookmerlandes führte. Er war - wie die allermeisten Straßen Ostfrieslands - lange Zeit unbefestigt, was ihm aufgrund seiner Fahrbahnbeschaffenheit auch den Namen "Sandweg" einbrachte.

Geplant wurde die Bundesstraße erst ab 1844/1845.[1][2] Die Bauarbeiten begannen am 27. September 1847.[2][3] Kurz zuvor entdeckte König Georg V. von Hannover (bekannt als Der blinde König), damals auch Herrscher über Ostfriesland, die Insel Norderney für sich und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.[4] Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt.[5] Damit er mitsamt seines Trosses wohlbehalten und ohne unnötige Verzögerung vorankam, wurde die Straße letztlich befestigt. Für diese Zeit sind die Straßennamen "Chaussee" und "Landstraße" bekannt. Bis zur Befestigung musste die Bundesstraße nach jedem Befahren durch den Königstross neu hergerichtet werden. Die Stadt bemühte sich daher bereits seit 1838 um einen Anschluss an das "Landstraßennetz", am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Stadt Norden innerhalb ihrer Grenzen an den Kosten beteiligen musste.[2]

Bei den Planungen erwog man, die neue "Chaussee" auf dem Alten Postweg verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass die Wegstrecke zu kurvenreich ist, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der Brückstraße zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den Neuen Weg, der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.[2]

Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten, da es zuvor keine Bundesstraßen gab. Diese hießen bis dahin Reichsstraße. Seit ihrem Ausbau zur Bundesstraße im Jahre 1971 bis zur Umbenennung 1995 trug sie die Kennung "70". Danach bekam sie ihre heute Kennung "72".

Im Jahr 2009 wurde die Umgehungsstraße fertiggestellt. Dadurch verlor die Bahnhofstraße ihre Bedeutung als Teil der Bundesstraße und wurde zur Landesstraße (L27).

Am 12. April 2021 musste das Wohnhaus mit der Nr. 139 für den Bau der Entwässerung des gegenüberliegenden Grundstück weichen. Hier entstand seit März 2021 ein neuer toom Baumarkt.

Gebäude und Plätze

In der Straße finden sich einige Wohnhäuser und Höfe, eine Pension und ein Multibetrieb in den Geschäftsräumen eines ehemaligen Autohauses (Mercedes-Benz "Beninga und Schmehl", später "Kannegiesser"). An der Ecke zum Südring, welche in das Gewerbegebiet Leegemoor führt, befindet sich eine Tankstelle. Erwähnenswert ist auch die Pomologie, die sich auf der westlichen Straßenseite befindet.

Eine Besonderheit der Bundesstraße ist die historische Nummerierung der Gebäude. Diese verlaufen nicht auf- bzw. absteigend ihrer Anordnung entlang der Straße, sondern gehen auf historische Gepflogenheiten zurück, nach der Häuser ihre Nummern entsprechend des Zeitpunkts ihrer Bebauung erhielten. Das erste Haus an einer Straße trug so die 1, das zweite die 2 und so weiter. Eine solche Nummerierung findet sich heute bundesweit nur noch sehr vereinzelt, zum Beispiel auf der ostfriesischen Insel Baltrum. Daher wirkt die Nummerierung der Häuser entlang der Bundesstraße teilweise konfus. So folgt beispielsweise auf die Hausnummer 144 die Nummer 156 und darauf wiederum die 140.

Parallel zur Bundesstraße verläuft östlich der Straße der Berumerfehnkanal.

Westlich, ebenfalls weitestgehend parallel, verläuft die alte Deichlinie, die bis zur Eindeichung von Süderneuland um 1556 das Land vom Meer trennte.

Am Ostermarscher Kreisel befindet sich seit 2015 eine Küstenschutzhalle der Norder Deichacht, in der vor allem leere und gefüllte Sandsäcke sowie Befüllmaschinen nebst entsprechenden Baustoffen gelagert werden.

Trivia

Für den (Aus-)Bau der Bundesstraße 70 mussten einige alte historische Bauten dem Stadtbild weichen, so etwa das Haus Götz, einem Vorläufer bzw. einer Filiale des späteren Supermarktes Anton Götz. Auch der sogenannte Pannkooksboom, eine 250 Jahre alte Linde an der Norddeicher Straße, wurde dafür gefällt.[6]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123
  3. Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52
  4. Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)
  5. Beschreibung von Georgsheil in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  6. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 125

Siehe auch