Norddeich Radio

Aus Norder Stadtgeschichte
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Norddeich Radio

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Basisdaten
Gründung 1. Juni 1907
Auflösung 31. Dezember 1998
Rechtsform
Hauptsitz Utlandshörn 7

26506 Norden

Norddeich Radio war eine bedeutende Küstenfunkstelle in Utlandshörn. Von 1907 bis 1998 wurden von hier Funksprüche und Telegramme in alle Welt geschickt und mehreren havarierten Besatzungen das Leben gerettet. Betreiber war die Deutsche Bundespost bzw. die Deutsche Post AG mit der Telekom als Rechtsnachfolger.

Geschichte

Am 1. Juni 1907 nahm die Anlage - damals noch als Funkentelegraphenstation Norddeich mit dem Rufzeichen KND ihren Betrieb auf dem heutigen Gelände des Nordsee-Camps an der Deichstraße in Westermarsch II auf. Der Standort erwies sich auf seiner küstennahen Lage als vorteilhaft und wurde von der Reichsregierung anderen Standorten wie Borkum vorgezogen. Das Areal wurde von den Behörden zwei Jahre zuvor für 16.422,60 Reichsmark erworben.[1] Verantwortlich für den Bau und den Betrieb war die Deutsche Reichspost.

Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau eines zweistöckigen Betriebsgebäudes und vier, jeweils 65 Meter hohen, eisernen Sendemasten begonnen. Schon im April 1906 konnten erste Versuchssendungen unternommen werden. Die ersten Ergebnisse erwiesen sich jedoch als unbefriedigend, sodass die Antennen um jeweils zehn Meter erhöht wurden. Durch die Aufstockung konnte ein 1.600 Kilometer entfernt liegendes deutsches Schiff, der Kreuzer Vincta, per Funk einwandfrei erreicht werden.[1]

Am 30. April 1907 wurde die Einrichtung vom zuständigen Norder Postamt abgenommen. Damit war die erste deutsche Küstenfunkstelle geboren, neun weitere sollten in den nächsten Jahren folgen. Nachdem internationale Differenzen durch eine gemeinsame Konferenz beigelegt wurden, konnte bzw. durfte die Küstenfunkstelle in der gesamten Welt und auch nicht-deutsche Schiffe kontaktieren.[2]

Insbesondere in der Anfangszeit war die Belastung für das Personal sehr hoch. Gerade einmal vier Telegraphenbeamte tippten in einer 12-Stunden-Schicht die per Post eingegangenen Texte in den Morseapparat und nahmen

Trivia

Der Name Norddeich Radio erscheint vor allem unbedarften Dritten im doppelten Sinne irreführend. Zum einen hat sich die Anlage niemals in Norddeich, sondern immer in Westermarsch II befunden. Westermarsch II Radio wäre jedoch wohl zu lang gewesen und weniger klanghaft. Vollständig falsch ist der Name jedoch nicht, berücksichtigt man die ursprüngliche Definition von Norddeich, mit der der Deich an der nördlichen Seeseite gemeint war.

Zum anderen ist der Namensbestandteil Radio nach heutigen Maßstäben verwirrend. Das Wort bezieht sich auf eine historische Bezeichnung für Radiowellen bzw. Sendefunktechnik und hat nichts mit einem Radiosender im heutigen Sinne zu tun.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 303
  2. Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 304

Siehe auch