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===Neuzeit===
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Zu Ostermarsch gehörten zunächst auch die heute zur Gemeinde Hagermarsch zählenden Ortsteile Junkersrott, Theener und Hagermarsch. Eine Teilung fand im 16. Jahrhundert statt, als der Häuptling [[Unico Manninga]], welcher damals bereits das Schloss Lütetsburg sein Eigen nannte, durch Landtausch und Kauf weiteres Land zu erwerben versuchte. Das Gebiet wurde in mehrere Ortsteile ([[Rott|Rotten]]) unterteilt. Das erste, zweite und dritte Rott bildeten das Gebiet des heutigen Ostermarschs. Aus dem vierten wurde das heutige Junkersrott, das fünfte bis achte Rott umfasste die heutigen Orte Hagermarsch und Theener. Die drei Ostermarscher Rotten gehörten nun zum [[Kirchspiel Norden|Norder Kirchspiel]], während die anderen zum Hager Kirchspiel gehörten.
Zu Ostermarsch gehörten zunächst auch die heute zur Gemeinde Hagermarsch zählenden Ortsteile Junkersrott, Theener und Hagermarsch. Eine Teilung fand im 16. Jahrhundert statt, als der Häuptling [[Unico Manninga]], welcher damals bereits das Schloss Lütetsburg sein Eigen nannte, durch Landtausch und Kauf weiteres Land zu erwerben versuchte. Das Gebiet wurde in mehrere Ortsteile ([[Rott|Rotten]]) unterteilt. Das erste, zweite und dritte Rott bildeten das Gebiet des heutigen Ostermarschs. Aus dem vierten wurde das heutige Junkersrott, das fünfte bis achte Rott umfasste die heutigen Orte Hagermarsch und Theener. Die drei Ostermarscher Rotten gehörten nun zum [[Kirchspiel Norden|Norder Kirchspiel]], während die anderen zum Hager Kirchspiel gehörten.
 
[[Datei:Ostermarsch Schule um 1900 01.jpg|mini|Die [[Ostermarscher Schule]] in der Zeit um die Jahrhundertwende.]]
Im Jahre 1576 wurde der [[Ostermarscher Seedeich]] errichtet, der von Hagermarsch bis an den [[Lintelermarscher Seedeich]] reichte und die Lücke zwischen diesen Orten schloss. Dieser Deich stellt im Wesentlichen die bis heute bestehende Deichlinie dar. Ostermarsch hatte davon etwa 3 bis 3,5 Kilometer zu erbauen und zu unterhalten. Durch die Eindeichung wurde ein etwa 1.000 Hektar großer [[Polder]] geschaffen. An der Grenze zwischen dem Lintelermarscher und Ostermarscher Deichabschnitt steht als Erinnerung an diesen Deichbau und gleichzeitig als Grenzmarkierung der [[Roter Pfahl|Rote Pfahl]]. Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der Ostermarsch in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der [[Westermarsch]] in neun Rotten.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
Im Jahre 1576 wurde der [[Ostermarscher Seedeich]] errichtet, der von Hagermarsch bis an den [[Lintelermarscher Seedeich]] reichte und die Lücke zwischen diesen Orten schloss. Dieser Deich stellt im Wesentlichen die bis heute bestehende Deichlinie dar. Ostermarsch hatte davon etwa 3 bis 3,5 Kilometer zu erbauen und zu unterhalten. Durch die Eindeichung wurde ein etwa 1.000 Hektar großer [[Polder]] geschaffen. An der Grenze zwischen dem Lintelermarscher und Ostermarscher Deichabschnitt steht als Erinnerung an diesen Deichbau und gleichzeitig als Grenzmarkierung der [[Roter Pfahl|Rote Pfahl]]. Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der Ostermarsch in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der [[Westermarsch]] in neun Rotten.<ref>Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
 
[[Datei:Ostermarsch Mühle um 1900 01.jpg|mini|Die [[Ostermarscher Mühle]], damals im Besitz von Müller Franzen in der Zeit um 1900.]]
Durch Registerauszüge der Jahre 1580 und 1611 wird ersichtlich, dass die zu den einzelnen Höfen gehörenden Ländereien in die Gebiete ''Neuland'' und ''Altland'' unterteilt war. Mit ''Neuland'' ist jenes Land gemeint, das erst nach dem Bau des Deiches von 1576 gewonnen wurde und mit ''Altland'' das bereits vorher bestehende, man nannte diese Gebiete daher auch [[Altes Ostermarscher Neuland]] (724,25 [[Diemat]]) und [[Ostermarscher Neuland]] (790 [[Diemat]]) in Abgrenzung zu den Gebieten südlich der Deichlinie von 1200, die das Altland war.. So umfasste die Ostermarsch in 1611 insgesamt 724,25 [[Diemat]] Altland und 790 Diemat Neuland. Die Eindeichung war jedoch zu keinem Zeitpunkt ausschlaggebend für die Entstehung neuer Höfe und auch deren Zahl hat sich dadurch nicht verändert. Zwar sank die Zahl der Kleinbauern seit dem Mittelalter kontinuierlich, doch hatte dies eher wirtschaftliche Gründe, die sich überregional gleich darstellten. Die Kleinbauern konnten mit den Großbauern wirtschaftlich nicht mithalten, wurden dadurch von diesen abhängig und letztlich ''aufgesogen''. Die durchschnittliche Größe eines Hofs stieg somit bis zum Doppelten und Dreifachen. Durch die neue Landvergabe konnten sich immerhin noch einige mittelgroße Höfe halten und brachten es teils auf immerhin 30 bis 80 [[Diemat]] Land.
Durch Registerauszüge der Jahre 1580 und 1611 wird ersichtlich, dass die zu den einzelnen Höfen gehörenden Ländereien in die Gebiete ''Neuland'' und ''Altland'' unterteilt war. Mit ''Neuland'' ist jenes Land gemeint, das erst nach dem Bau des Deiches von 1576 gewonnen wurde und mit ''Altland'' das bereits vorher bestehende, man nannte diese Gebiete daher auch [[Altes Ostermarscher Neuland]] (724,25 [[Diemat]]) und [[Ostermarscher Neuland]] (790 [[Diemat]]) in Abgrenzung zu den Gebieten südlich der Deichlinie von 1200, die das Altland war.. So umfasste die Ostermarsch in 1611 insgesamt 724,25 [[Diemat]] Altland und 790 Diemat Neuland. Die Eindeichung war jedoch zu keinem Zeitpunkt ausschlaggebend für die Entstehung neuer Höfe und auch deren Zahl hat sich dadurch nicht verändert. Zwar sank die Zahl der Kleinbauern seit dem Mittelalter kontinuierlich, doch hatte dies eher wirtschaftliche Gründe, die sich überregional gleich darstellten. Die Kleinbauern konnten mit den Großbauern wirtschaftlich nicht mithalten, wurden dadurch von diesen abhängig und letztlich ''aufgesogen''. Die durchschnittliche Größe eines Hofs stieg somit bis zum Doppelten und Dreifachen. Durch die neue Landvergabe konnten sich immerhin noch einige mittelgroße Höfe halten und brachten es teils auf immerhin 30 bis 80 [[Diemat]] Land.


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Bei der [[Februarflut 1825]] brach der Deich erneut und schwere Sturmfluten zerstörten viele der nicht auf [[Warft|Warften]] liegenden Gebäude. Am 14. Oktober 1854 wurde die Ortschaft Junkersrott von ihrem bisherigen Gemeindeverband mit der Gemeinde Ostermarsch getrennt. Die Gemeinde Junkersrott bildete jetzt eine eigene Gemeinde, welche ihre eigenen Vertreter zu wählen hatten. 1859 wurden die beiden Ämter Berum und Norden im Amt Berum vereinigt. Später wurde das Amt Berum wieder in [[Amt Norden]] umbenannt.
Bei der [[Februarflut 1825]] brach der Deich erneut und schwere Sturmfluten zerstörten viele der nicht auf [[Warft|Warften]] liegenden Gebäude. Am 14. Oktober 1854 wurde die Ortschaft Junkersrott von ihrem bisherigen Gemeindeverband mit der Gemeinde Ostermarsch getrennt. Die Gemeinde Junkersrott bildete jetzt eine eigene Gemeinde, welche ihre eigenen Vertreter zu wählen hatten. 1859 wurden die beiden Ämter Berum und Norden im Amt Berum vereinigt. Später wurde das Amt Berum wieder in [[Amt Norden]] umbenannt.
 
[[Datei:Ostermarsch Gasthof Stürenburg später Hartig um 1900 01.jpg|mini|Der spätere ''[[Hartighof]]'', damals im Besitz der Familie Stürenburg, ebenfalls in der Zeit um 1900.]]
1877 wurde die teilweise abgefahrene Warft [[Sieltog]] untersucht. An mittelalterlichen Einzelfunden kam eine Bernsteinperle zutage. In einer mittelalterlichen zerbrochenen Urne, die mit Steinen bedeckt war, fand man Wirbelknochen von einem Stör (Fischart). Ein weiterer Einzelfund bestand aus einer Bodenscherbe (Gelbbraun, Granit grusgemagert, Fuß leicht abgesetzt) aus der Kaiserzeit. Ab 1885 gehörte Ostermarsch zum [[Landkreis Norden]].
1877 wurde die teilweise abgefahrene Warft [[Sieltog]] untersucht. An mittelalterlichen Einzelfunden kam eine Bernsteinperle zutage. In einer mittelalterlichen zerbrochenen Urne, die mit Steinen bedeckt war, fand man Wirbelknochen von einem Stör (Fischart). Ein weiterer Einzelfund bestand aus einer Bodenscherbe (Gelbbraun, Granit grusgemagert, Fuß leicht abgesetzt) aus der Kaiserzeit. Ab 1885 gehörte Ostermarsch zum [[Landkreis Norden]].