Silbermühle: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 16: Zeile 16:
|-
|-
|Entstehungszeit
|Entstehungszeit
|1894
|1894 (1879)
|-
|-
|Erbauer
|Erbauer
|U. J. Scheepker
|[[Hinrich Arians Scheepker]]
|-
|-
|Bauweise
|Bauweise
Zeile 34: Zeile 34:
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Wie eine Inschrift im Mauerwerk verrät, wurde die Mühle 1894 von einem U. J. Scheepker errichtet, weshalb sie auch als ''Scheepkers Mühle'' bekannt ist. Aufgrund ihres silbernen Oberbaus taufte sie der Volksmund jedoch schon bald auf den Namen ''Silbermühle''. [[Gretje Schreiber]] geht indes davon aus, dass die Mühle bereits 1879 erbaut worden ist.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 253</ref>
Am Standort der späteren Windmühle existierte bereis 1879 eine Windmühle, die laut Katasterauszug von 1881 jedoch etwas weiter westlich gelegen war.<ref>Katasterauszug von 1881</ref><ref name=":0">Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 253</ref> Der damalige Besitzer war der Müller [[Tjads Tönjes Tjaden]]. 1884 wurde die Mühle von [[Hinrich Arians Scheepker]] aus Großheide erworben und brannte einige Jahre später nieder. Der Müllergeselle stürzte von einer Treppe, brach sich das Genick und die brennende Öllampe in seiner Hand ging zu Bruch. Bis 1894 wurde die Mühle neu aufgebaut.<ref name=":1">Angaben des Nachkommen Hans-Günter Rühaak (E-Mail vom 17. April 2021)</ref> Aufgrund ihres silbernen Oberbaus taufte sie der Volksmund schon bald auf den Namen ''Silbermühle''.


1967 ging die Windrose bei einem Sturm verloren, sodass die Mühle fortan mit einem Dieselmotor betrieben wurde. Zwei Jahre später wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.<ref name=":0" /> Der Müller soll den Betrieb seinerzeit ohnehin aus Altersgründen aufgegeben haben. Zu dieser Zeit befand sich auch noch die ''Kohlenhandlung Rühaak'' in einem Nebengebäude der Mühle. Die Flügel wurden jedoch erst 1984 demontiert.<ref>Zeitzeugenangaben bei facebook, gesehen am 14. April 2022</ref>
1909 wurde im benachbarten Bauernhaus eine Backstube eingerichtet. Die Familie betrieb neben dem Müllerbetrieb auch Landwirtschaft, ihre Felder erstreckten sich über den [[Escher]] bis hin zur heutigen [[Ostermarscher Straße]].<ref name=":1" />


In den 1970er Jahren wurde die Mühle zur Diskothek ''Mehlsack'' umgebaut, später befand sich hier dann im Erdgeschoss auch eine Pizzeria.<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 29</ref> Wohl auch wegen dieser späteren Nutzung erfuhr die Silbermühle nie eine aufwendige Sanierung, wie die anderen Norder Mühlen und steht seit vielen Jahren leer. Gebäudeteile im Erdgeschoss werden jedoch zu Lagerzwecken vom ''Dänischen Bettenlager'' (seit September 2021: ''JYSK'') genutzt.
Da Scheepker einige Zeit später am sogenannten ''Bäckerasthma'' (durch Mehlstaub hervorgerufene Staubkrankheit) erkrankte, übergab er die Mühle 1920 an seinen Sohn [[Ubbo Scheepker|Ubbo J. Scheepker]], der sie 1930 um eine Kohlen- bzw. Brennstoffhandlung erweiterte und sich mit seinem Namen im Mauerwerk verewigte (''U. J. Scheepker - 1894''). Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde auf dem östlichen Gelände ein [[Bunker (Mühlenpark)|Schutzbunker]] errichtet, der erst in den 1970er Jahren wegen des Ausbaus des [[Fischerspfad|Fischerspfades]] abgerissen wurde.<ref name=":1" />
 
Nach dem Krieg wurden bis in die 1960er Jahre Schuppen für Kohle und Automobile gebaut. Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde seit den 1950er Jahren von dem angestellten Müllermeister [[Wilhelm Schüler]] weitergeführt. Seit 1956 bot man schließlich auch einen Parkservice für Inseltouristen an. Hierbei wurden die Fahrzeuge in [[Norddeich]] angenommen und auf dem Betriebsgelände untergestellt. Im September 1956 kam [[Hinrich Rühaak]] als ausgebildeter Kaufmann in den Betrieb und übernahm 1961 dessen Geschäftsführung. 1967 wurde ein Antrag für eine freie Tankstelle an der Norddeicher Straße bei der Stadt gestellt, jedoch abgelehnt. Ebenfalls 1967 wurde die Windrose, die die Mühlenkappe in den Wind dreht, durch eine fehlende Sicherung vom Winde abgerissen.<ref name=":1" />
 
Der Mahlbetrieb wurde anschließend noch bis 1969 durch einen Dieselmotor weitergefürt, doch dann eingestellt. Ein Jahr später wurde die Mühle an die Eheleute Surburg verkauft, die sie zu einer Diskothek (''Alte Mühle'') umbauten. Später wurde im Erdgeschoss auch ein Restaurant eingerichtet.<ref name=":1" /><ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 29</ref> Da der Kohlen- und Heizölverkauf stagnierte, wurde 1975 ein Gartencenter in den Betrieb der Familie Rühaak integriert. Im September 1982 wurde die baufällige Mühlenkappe mit den Flügeln abgebaut. Die Flügelwelle mit Oberkammrad steht heute noch auf dem Betriebsgelände der Firma Haas in der [[Gewerbestraße]].<ref name=":1" />
 
Im Dezember 1987 stellte die Familie Rühaak den Geschäftsbetrieb aus gesundheitlichen Gründen ein. Zudem war der Pachtvertrag mit den Scheepker'schen Erben zwischenzeitlich abgelaufen. Nachfolgend versuchte ein Herr Gassan, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Ende 1993 wurde die Mühle mit dem gesamten Grundstück an die Firma ''Eilers Stahlbau'' in Emden verkauft. Im September 1994 wurde das gesamte Gebäude um die Mühle herum abgerissen und der ''[[Mühlenpark]]'' errichtet.<ref name=":1" />
 
Um 1999 wurde das gesamte Gelände an eine Berliner Investorenfirma verkauft.<ref name=":1" /> Wohl auch wegen dieser späteren Nutzung erfuhr die Silbermühle nie eine aufwendige Sanierung, wie die anderen Norder Mühlen und steht seit vielen Jahren leer. Gebäudeteile im Erdgeschoss werden jedoch zu Lagerzwecken vom ''Dänischen Bettenlager'' (seit September 2021: ''JYSK'') genutzt.


Am 25. Juli 2018 kam es zu einem Brand in der Mühle, der glücklicherweise frühzeitig durch einen beim Bettenlager arbeitenden Feuerwehrangehörigen entdeckt und gemeldet wurde. Durch rasches, beherztes Eingreifen der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] konnte das Feuer gelöscht werden, ehe es größeren Schaden anrichten konnte.<ref>[https://www.feuerwehr-norden.de/2018/07/25/feuer-in-ehemaliger-musikkneipe/ Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 25. Juli 2018], abgerufen am 25. August 2021</ref>
Am 25. Juli 2018 kam es zu einem Brand in der Mühle, der glücklicherweise frühzeitig durch einen beim Bettenlager arbeitenden Feuerwehrangehörigen entdeckt und gemeldet wurde. Durch rasches, beherztes Eingreifen der [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] konnte das Feuer gelöscht werden, ehe es größeren Schaden anrichten konnte.<ref>[https://www.feuerwehr-norden.de/2018/07/25/feuer-in-ehemaliger-musikkneipe/ Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 25. Juli 2018], abgerufen am 25. August 2021</ref>


Anfang April 2022 wurde bekannt, dass die Mühle - nun im Eigentum einer Berliner Firma - der Schaffung weiterer Parkflächen weichen soll. Die bisherigen Eigentümer hatten seit der Schließung leider keine erkennbaren Anstrengungen unternommen, das schützenswerte Bauwerke zu erhalten, sodass die Bausubstanz zwischenzeitlich durch Verwitterung, Vandalismus und den Brand erheblich gelitten hatte. Ebenso wurde es seitens der zuständigen Behörden versäumt, die Mühle rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen. So verschwand nach 128 Jahren ein weiteres, ortsbildprägendes Bauwerk unwiderruflich aus dem Stadtbild. Die Silbermühle wurde dadurch zu einem weiteren tragischen Beispiel dafür, wie wenig den Verantwortlichen am Erhalt ortsbildprägender Bauwerke und Strukturen gelegen ist.
Anfang April 2022 wurde bekannt, dass die Mühle - noch immer im Eigentum des Berliner Unternehmens - der Schaffung weiterer Parkflächen weichen soll. Die bisherigen Eigentümer hatten seit der Schließung leider keine erkennbaren Anstrengungen unternommen, das schützenswerte Bauwerke zu erhalten, sodass die Bausubstanz zwischenzeitlich durch Verwitterung, Vandalismus und den Brand erheblich gelitten hatte. Ebenso wurde es seitens der zuständigen Behörden versäumt, die Mühle rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen. So verschwand nach 128 Jahren ein weiteres, ortsbildprägendes Bauwerk unwiderruflich aus dem Stadtbild. Die Silbermühle wurde dadurch zu einem weiteren tragischen Beispiel dafür, wie wenig den Verantwortlichen am Erhalt ortsbildprägender Bauwerke und Strukturen gelegen ist.


==Trivia==
==Trivia==

Version vom 17. April 2022, 13:55 Uhr

Silbermühle

{{#multimaps: Title = Silbermühle Text = Mühle in Neustadt center = 53.605149769837055, 7.183876656862233 circle = 53.605149769837055, 7.183876656862233 : 15 zoom = 17 width = 300px height = 300px

}}

Basisdaten
Entstehungszeit 1894 (1879)
Erbauer Hinrich Arians Scheepker
Bauweise Galerieholländer
Erhaltungszustand 2022 abgebrochen
Genaue Lage Norddeicher Straße 80

26506 Norden

Die Silbermühle (auch: Scheepkers Mühle bzw. Alte Mühle) war eine 1894 errichtete Mühle an der Norddeicher Straße 80, unmittelbar im hiernach benannten Mühlenpark. Durch völlig unzureichende Instandhaltung seitens der Eigentümer verfiel das schützenswerte Bauwerke bis zur Abbruchreife und musste schließlich von April bis Mai 2022 der Erweiterung von Parkflächen weichen.

Geschichte

Am Standort der späteren Windmühle existierte bereis 1879 eine Windmühle, die laut Katasterauszug von 1881 jedoch etwas weiter westlich gelegen war.[1][2] Der damalige Besitzer war der Müller Tjads Tönjes Tjaden. 1884 wurde die Mühle von Hinrich Arians Scheepker aus Großheide erworben und brannte einige Jahre später nieder. Der Müllergeselle stürzte von einer Treppe, brach sich das Genick und die brennende Öllampe in seiner Hand ging zu Bruch. Bis 1894 wurde die Mühle neu aufgebaut.[3] Aufgrund ihres silbernen Oberbaus taufte sie der Volksmund schon bald auf den Namen Silbermühle.

1909 wurde im benachbarten Bauernhaus eine Backstube eingerichtet. Die Familie betrieb neben dem Müllerbetrieb auch Landwirtschaft, ihre Felder erstreckten sich über den Escher bis hin zur heutigen Ostermarscher Straße.[3]

Da Scheepker einige Zeit später am sogenannten Bäckerasthma (durch Mehlstaub hervorgerufene Staubkrankheit) erkrankte, übergab er die Mühle 1920 an seinen Sohn Ubbo J. Scheepker, der sie 1930 um eine Kohlen- bzw. Brennstoffhandlung erweiterte und sich mit seinem Namen im Mauerwerk verewigte (U. J. Scheepker - 1894). Während des Zweiten Weltkriegs wurde auf dem östlichen Gelände ein Schutzbunker errichtet, der erst in den 1970er Jahren wegen des Ausbaus des Fischerspfades abgerissen wurde.[3]

Nach dem Krieg wurden bis in die 1960er Jahre Schuppen für Kohle und Automobile gebaut. Der eigentliche Mühlenbetrieb wurde seit den 1950er Jahren von dem angestellten Müllermeister Wilhelm Schüler weitergeführt. Seit 1956 bot man schließlich auch einen Parkservice für Inseltouristen an. Hierbei wurden die Fahrzeuge in Norddeich angenommen und auf dem Betriebsgelände untergestellt. Im September 1956 kam Hinrich Rühaak als ausgebildeter Kaufmann in den Betrieb und übernahm 1961 dessen Geschäftsführung. 1967 wurde ein Antrag für eine freie Tankstelle an der Norddeicher Straße bei der Stadt gestellt, jedoch abgelehnt. Ebenfalls 1967 wurde die Windrose, die die Mühlenkappe in den Wind dreht, durch eine fehlende Sicherung vom Winde abgerissen.[3]

Der Mahlbetrieb wurde anschließend noch bis 1969 durch einen Dieselmotor weitergefürt, doch dann eingestellt. Ein Jahr später wurde die Mühle an die Eheleute Surburg verkauft, die sie zu einer Diskothek (Alte Mühle) umbauten. Später wurde im Erdgeschoss auch ein Restaurant eingerichtet.[3][4] Da der Kohlen- und Heizölverkauf stagnierte, wurde 1975 ein Gartencenter in den Betrieb der Familie Rühaak integriert. Im September 1982 wurde die baufällige Mühlenkappe mit den Flügeln abgebaut. Die Flügelwelle mit Oberkammrad steht heute noch auf dem Betriebsgelände der Firma Haas in der Gewerbestraße.[3]

Im Dezember 1987 stellte die Familie Rühaak den Geschäftsbetrieb aus gesundheitlichen Gründen ein. Zudem war der Pachtvertrag mit den Scheepker'schen Erben zwischenzeitlich abgelaufen. Nachfolgend versuchte ein Herr Gassan, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Ende 1993 wurde die Mühle mit dem gesamten Grundstück an die Firma Eilers Stahlbau in Emden verkauft. Im September 1994 wurde das gesamte Gebäude um die Mühle herum abgerissen und der Mühlenpark errichtet.[3]

Um 1999 wurde das gesamte Gelände an eine Berliner Investorenfirma verkauft.[3] Wohl auch wegen dieser späteren Nutzung erfuhr die Silbermühle nie eine aufwendige Sanierung, wie die anderen Norder Mühlen und steht seit vielen Jahren leer. Gebäudeteile im Erdgeschoss werden jedoch zu Lagerzwecken vom Dänischen Bettenlager (seit September 2021: JYSK) genutzt.

Am 25. Juli 2018 kam es zu einem Brand in der Mühle, der glücklicherweise frühzeitig durch einen beim Bettenlager arbeitenden Feuerwehrangehörigen entdeckt und gemeldet wurde. Durch rasches, beherztes Eingreifen der Norder Feuerwehr konnte das Feuer gelöscht werden, ehe es größeren Schaden anrichten konnte.[5]

Anfang April 2022 wurde bekannt, dass die Mühle - noch immer im Eigentum des Berliner Unternehmens - der Schaffung weiterer Parkflächen weichen soll. Die bisherigen Eigentümer hatten seit der Schließung leider keine erkennbaren Anstrengungen unternommen, das schützenswerte Bauwerke zu erhalten, sodass die Bausubstanz zwischenzeitlich durch Verwitterung, Vandalismus und den Brand erheblich gelitten hatte. Ebenso wurde es seitens der zuständigen Behörden versäumt, die Mühle rechtzeitig unter Denkmalschutz zu stellen. So verschwand nach 128 Jahren ein weiteres, ortsbildprägendes Bauwerk unwiderruflich aus dem Stadtbild. Die Silbermühle wurde dadurch zu einem weiteren tragischen Beispiel dafür, wie wenig den Verantwortlichen am Erhalt ortsbildprägender Bauwerke und Strukturen gelegen ist.

Trivia

Zeitzeugen berichten, dass minderjährige Besucher bei behördlichen bzw. polizeilichen Jugendschutzkontrollen in den obersten Mühlenbereich flüchteten, um sich einer Kontrolle zu entziehen. Dies war in der Regel auch erfolgreich.

Galerie

Allgemeine Fotos

Vor dem Abriss

Einzelnachweise

  1. Katasterauszug von 1881
  2. Schreiber, Gretje (2017): Der Norder Hafen. Geschichte, Schifffahrt und Handel, Aurich, S. 253
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Angaben des Nachkommen Hans-Günter Rühaak (E-Mail vom 17. April 2021)
  4. Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 29
  5. Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 25. Juli 2018, abgerufen am 25. August 2021

Siehe auch