Kloster Marienthal: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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1548 ließ Gräfin [[Anna von Oldenburg]], damals Herrscherin über Ostfriesland, die Familiengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche in Emden anlegen und die Gebeine der in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.<ref>Friedländer, Ernst (1875): Anna, Gräfin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468f.</ref>
1548 ließ Gräfin [[Anna von Oldenburg]], damals Herrscherin über Ostfriesland, die Familiengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche in Emden anlegen und die Gebeine der in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.<ref>Friedländer, Ernst (1875): Anna, Gräfin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468f.</ref>


Ab 1555 diente das ehemalige Torflagerhaus ("Torfhaus") des Klosters als erster Sitz des [[Armenverband Norden|Armenverbandes Norden]]. Das Torfhaus war der Vorläufer des [[Gasthaus|Gasthauses]].<ref>Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.</ref>
Ab 1555 diente das ehemalige Torflagerhaus ("Torfhaus") des Klosters als erster Sitz des [[Armenverband Norden|Armenverbandes Norden]]. Das Torfhaus war der Vorläufer des [[Gasthaus|Gasthauses]].<ref>Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.</ref> Im selben Jahr verließen die letzten fünf Klosterinsassen selbiges.<ref name=":6">Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 21</ref>


1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau von Befestigungsanlagen, konkret eines Zwingers, in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie in Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. Dadurch sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur (Rückzugsort der Mönche) vermieden werden.<ref name=":4" /> Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur.<ref name=":5" /> Es liegt nahe, dass die Schriften in die Niederlanden geschafft wurden, da Ostfriesland lange Zeit kulturell und sprachlich eher mit den Niederlanden als mit Deutschland verwandt war.
1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau von Befestigungsanlagen, konkret eines Zwingers, in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie in Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. Dadurch sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur (Rückzugsort der Mönche) vermieden werden.<ref name=":4" /> Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur.<ref name=":5" /> Es liegt nahe, dass die Schriften in die Niederlanden geschafft wurden, da Ostfriesland lange Zeit kulturell und sprachlich eher mit den Niederlanden als mit Deutschland verwandt war.
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Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Berater und enge Vertraute dieses Häuptlingsgeschlechts.<ref name=":2" /> So unterschrieb beispielsweise Abt Poppo am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der [[Edzard II. Cirksena]] die Herrschaft über das [[Norderland]] übernahm. Ein weiteres Mal tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der Wibet von Stedesdorf zugunsten von [[Ulrich Cirksena]] auf Esens verzichtet.<ref name=":1" />
Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Berater und enge Vertraute dieses Häuptlingsgeschlechts.<ref name=":2" /> So unterschrieb beispielsweise Abt Poppo am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der [[Edzard II. Cirksena]] die Herrschaft über das [[Norderland]] übernahm. Ein weiteres Mal tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der Wibet von Stedesdorf zugunsten von [[Ulrich Cirksena]] auf Esens verzichtet.<ref name=":1" />


Das Kloster war zudem einer der größten Grundeigentümer der Stadt und verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch "Klosterland" oder "Kirchenland" genannt wurden. Dazu kamen vier Bauernhöfe (Vorwerke), die dem Kloster gehörten. Diese konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der [[Lintelermarsch]]. Vorwerke des Klosters waren zum Beispiel die Höfe in [[Osterloog]] und [[Westerloog]] sowie der [[Hof Armenplatz|Armenplaats]]. Durch diesen sehr umfangreichen Besitz, der sich vor allem auch aus Schenkungen zusammensetzte und dem Kloster sehr hohe Einnahmen (1530: mehr als 3.000 Gulden), grenzten sich die handwerklich und landwirtschaftlich tätigen Benediktiner deutlich von den [[Kloster Norden|Dominikanern]] ab. Die Dominikaner galten als reiner Prediger- und Bettlerorden, die sich ausschließlich aus Spenden finanzieren (sollten).<ref name=":3">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9ff.</ref> Insgesamt umfassten die sich im Klosterbesitz befindlichen Ländereien eine Fläche von mindestens 625 Hektar.<ref name=":5" />
Das Kloster war zudem einer der größten Grundeigentümer der Stadt und verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch "Klosterland" oder "Kirchenland" genannt wurden. Dazu kamen vier Bauernhöfe (Vorwerke), die dem Kloster gehörten. Diese konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der [[Lintelermarsch]]. Vorwerke des Klosters waren zum Beispiel die Höfe in [[Osterloog]] und [[Westerloog]] sowie der [[Hof Armenplatz|Armenplaats]]. Durch diesen sehr umfangreichen Besitz, der sich vor allem auch aus Schenkungen zusammensetzte und dem Kloster sehr hohe Einnahmen (1530: mehr als 3.000 Gulden), grenzten sich die handwerklich und landwirtschaftlich tätigen Benediktiner deutlich von den [[Kloster Norden|Dominikanern]] ab. Die Dominikaner galten als reiner Prediger- und Bettlerorden, die sich ausschließlich aus Spenden finanzieren (sollten).<ref name=":3">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9ff.</ref> Insgesamt umfassten die sich im (ehemaligen) Klosterbesitz befindlichen Ländereien noch im Jahre 1613 eine Fläche von mindestens 625 Hektar (1109,5 [[Diemat]]).<ref name=":5" /><ref name=":6" />


== Nachnutzung ==
== Nachnutzung ==

Version vom 24. Mai 2021, 14:06 Uhr

Kloster Marienthal

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Basisdaten
Entstehungszeit 12. Jahrhundert
Erbauer Benediktinerorden
Bauweise Kloster
Erhaltungszustand 1557 abgebrochen
Genaue Lage Am Zingel 18

26506 Norden

Das Kloster Marienthal war ein vom katholischen Benediktinerorden am damaligen Stadtrand gegründetes Kloster. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden. Das Kloster war der heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil "-t(h)al" geht auf die im Vergleich zur Kernstadt Norden leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück.

Im Kloster Marienthal wurde 1255 der Norder Vertrag unterzeichnet, der oftmals (fälschlicherweise) als Gründungsvertrag der Stadt Norden angesehen wird.

Geschichte

Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, da Norden zu dieser Zeit dem Bistum Bremen zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.[1] Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.[2]

Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von Ubbo Emmius soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.[1] Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.[3] An die alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname Am Zingel.

Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen werden.[1] Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzten Form in die romanische Zeit datiert.[2]

Am 21. April 1255 schloss das Emsigerland (historisch Emden und Umgebung) mit der Stadt Bremen im Kloster den sogenannten Norder Vertrag, ein Abkommen zur Wahrung des Friedens und der Sicherung der Handelswege. Der Vertragstext, der auch Sühnemaßnahmen für bestimmte Straftaten vorsah, wurde im von den Vertragsparteien unterzeichnet und besiegelt. Obgleich der Vertrag für die Stadt Norden an sich eher wenig Bedeutung hatte, gilt er als herausragendes Dokument der Norder Stadtgeschichte, denn hier werden die Stadt und das Kloster erstmals (gesichert) urkundlich (und gesichert) erwähnt. Aus diesem Grund wird das Jahr 1255 heute im Allgemeinen - wenn auch fälschlicherweise - als das Gründungsjahr der Stadt Norden angesehen. Dass das Dokument im Kloster Marienthal unterzeichnet wurde, liegt darin begründet, dass dieses einen überaus guten Ruf als Vermittler genoss und als vornehmstes bzw. wohlhabendstes Kloster im Umkreis galt.[4] Zudem war es neutral gelegenen und war mit keiner der beiden Vertragsparteien verbunden. Schon 14 Jahre später, am 25. Juli 1269, kam es zu einer Erneuerung des Vertrags, diesmal im benachbarten Dominikanerkloster am Fräuleinshof, das erst wenige Jahre zuvor gegründet wurde.[5]

Abt war zu dieser Zeit ein gewisser Winandus. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: "S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden".[6] Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des Norderlandes blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.[3] Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.[1] Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.[7]

Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der Ersten Dionysiusflut heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende Pestepidemie, der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Das Kloster wurde um 1400 daraufhin grundlegend umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit Herr zu werden.[3] Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den Cirksena, die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.[8]

1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.[9]

1529 wurde das Kloster im Zuge der seit 1527 in Norden Einzug haltenden Reformation säkularisiert, verlor also seine Bedeutung als solches und wurde "verweltlicht".[9] 1531 fiel Balthasar von Esens in Norden ein. Seine Truppen zerstörten eine Vielzahl an Gebäuden in Norden, so zum Beispiel die Andreaskirche. Auch plünderte er das Kloster und zerstörte dabei die Grablege der mit ihm verfeindeten Cirksenas.[9] In diesem Jahr lebten noch ein Mönch und eine Nonne in Marienthal, die wohl dem Kloster Thedinga in Leer unterstellt waren. Die anderen Mönche und Nonnen, von denen es 1530 noch rund 120 gegeben haben soll, zogen zuvor größtenteils in andere Klöster, etwa das Kloster Selward bei Groningen, um.[3] Der letzte Abt war Gerardus Synellius. Er wurde 1512 in sein Amt eingeführt und war am 1. Januar 1527 anlässlich der Norder Disputation der einzige Geistliche, der den alten Glauben und die katholische Kirche verteidigte. Doch stand er allein dar, die Reformation setzte sich durch. Seitdem ist Norden weitestgehend evangelisch geprägt. Synellius verließ das Kloster Marienthal vermutlich noch im gleichen Jahr, blieb aber bis zu seinem Tode im Jahre 1552 in Norden, weshalb davon ausgegangen wird, dass er keine weiteren Widerstandsbestrebungen gegen die Reformation vorbrachte.[10]

1548 ließ Gräfin Anna von Oldenburg, damals Herrscherin über Ostfriesland, die Familiengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche in Emden anlegen und die Gebeine der in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.[11]

Ab 1555 diente das ehemalige Torflagerhaus ("Torfhaus") des Klosters als erster Sitz des Armenverbandes Norden. Das Torfhaus war der Vorläufer des Gasthauses.[12] Im selben Jahr verließen die letzten fünf Klosterinsassen selbiges.[13]

1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau von Befestigungsanlagen, konkret eines Zwingers, in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie in Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. Dadurch sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur (Rückzugsort der Mönche) vermieden werden.[2] Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur.[8] Es liegt nahe, dass die Schriften in die Niederlanden geschafft wurden, da Ostfriesland lange Zeit kulturell und sprachlich eher mit den Niederlanden als mit Deutschland verwandt war.

Mit der Auflösung des Klosters gingen weite Teile der Ausstattung verloren. Graf Enno II. eignete sich einen Großteil der Besitztümer an. 1530 ließ er sich sämtliche Vasa sacra, also silberne und vergoldete Kelche, Patenen, Monstranzen, Abendmahlskannen und weitere wertvolle Gegenstände aus sämtlichen ostfriesischen Klöstern aushändigen und verkaufte diese anschließend. Erhalten blieb wohl nur das Chorgestühl des Klosters, es befindet sich heute an den beiden Seiten des Hochchores der Ludgerikirche. Es entstand 1481. Nach der Reformation wurde es wohl in die Ludgerikirche verbracht, musste aber vor dem Einbau verkürzt werden. Die dabei übrig gebliebenen Sitze befinden sich im Chorumgang. Die östlichen Seitenwangen sind an der nördlichen Stuhlreihe mit der Kreuzigung Jesu verziert; an der südlichen Stuhlreihe ist die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria zu sehen. Die Handknäufe zwischen den Stuhlreihen zeigen pflanzliche Motive und einen Menschenkopf.[14]

Gebäude

Zum Kloster gehörten Wohnstätten, ein Torflagerhaus, ein Brauhaus, einen Schlafsaal, eine Schule, eine Küche, einen Speisesaal eine umfangreiche Bibliothek und Gebetsräume.

Bedeutung für die Stadt

Das Kloster genoss ein sehr hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Von 1464 bis 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie Cirksena als Hauskloster. Als Hauskloster bezeichnet man solche, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen. Zudem hatte sie dort - wie auch andere vornehme Geschlechter des Norderlandes von 1464 bis 1548 ihre Grablege (Familiengruft) und brachte ihre unverheirateten Töchter hier unter.[15] Auch Hima, die letzte aus dem Geschlecht der Idzinga, lebte dort kinderlos bis zu ihrem Tod im Jahre 1439. Das einst mächtige Häuptlingsgeschlecht erlosch daraufhin.

Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Berater und enge Vertraute dieses Häuptlingsgeschlechts.[9] So unterschrieb beispielsweise Abt Poppo am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der Edzard II. Cirksena die Herrschaft über das Norderland übernahm. Ein weiteres Mal tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der Wibet von Stedesdorf zugunsten von Ulrich Cirksena auf Esens verzichtet.[3]

Das Kloster war zudem einer der größten Grundeigentümer der Stadt und verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch "Klosterland" oder "Kirchenland" genannt wurden. Dazu kamen vier Bauernhöfe (Vorwerke), die dem Kloster gehörten. Diese konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der Lintelermarsch. Vorwerke des Klosters waren zum Beispiel die Höfe in Osterloog und Westerloog sowie der Armenplaats. Durch diesen sehr umfangreichen Besitz, der sich vor allem auch aus Schenkungen zusammensetzte und dem Kloster sehr hohe Einnahmen (1530: mehr als 3.000 Gulden), grenzten sich die handwerklich und landwirtschaftlich tätigen Benediktiner deutlich von den Dominikanern ab. Die Dominikaner galten als reiner Prediger- und Bettlerorden, die sich ausschließlich aus Spenden finanzieren (sollten).[15] Insgesamt umfassten die sich im (ehemaligen) Klosterbesitz befindlichen Ländereien noch im Jahre 1613 eine Fläche von mindestens 625 Hektar (1109,5 Diemat).[8][13]

Nachnutzung

Auf dem Areal des Klosters entstand das Gasthaus, auch "Armenhaus" oder "Gasthausarmen" genannt nebst Gasthausschule (später Zingelschule). Das Gasthaus wurde mit einem Teil der Einkünfte des ehemaligen Klosters ausgestattet. Andere Einnahmen flossen an die Vorgängerinstitution des heutigen Ulrichsgymnasiums, die Lateinschule, größtenteils jedoch in die Privatkasse von Enno II. Cirksena. Der Flächenbesitz fiel ebenso an das ostfriesische Fürstenhaus und ist heute noch teilweise in staatlichem Besitz. Auf dem ehemaligen Klostergrund steht mittlerweile ein Altenheim der Arbeiterwohlfahrt ("Altenwohnanlage Marienthal").

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Bericht über archäologische Funde der Ostfriesischen Landschaft
  2. 2,0 2,1 2,2 Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.
  4. Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8
  5. Friedlaender, Ernst: Ostfriesisches Urkundenbuch Bd. 1, Emden 1874-76, Urkunde Nr. 26 und 28
  6. Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.
  7. Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
  8. 8,0 8,1 8,2 Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.
  10. Tielke, Martin: Gerardus Synellius. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaft, Aurich
  11. Friedländer, Ernst (1875): Anna, Gräfin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468f.
  12. Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.
  13. 13,0 13,1 Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 21
  14. Ruge, Reinhard (2000): Die Ludgerikirche zu Norden. Norden, S. 15f.
  15. 15,0 15,1 Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9ff.

Siehe auch