Ludgerusgemeinde Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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===1717 bis 1913=== | ===1717 bis 1913=== | ||
Ins Amt des Priesters folgte [[Michael Klümper]], der von 1717 bis 1727 amtierte. Auch er hielt die Gottesdienste im Schweteringschen Hause in Lütetsburg ab, doch die [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut 1717]] verhinderte, dass die Gläubigen zu ihm kommen konnten. Das Wasser überflutete weite Teile von Norden und Lütetsburg und schnitt beide Orte voneinander ab. Das als Gotteshaus genutzte Wohnhaus wurde ebenfalls durch die Fluten zerstört. So saß Klümper mehrere Tage in Lütetsburg fest, stets in der Hoffnung, es werde jemand mit dem Schiff kommen, um ihn zu holen. | Ins Amt des Priesters folgte [[Michael Klümper]], der von 1717 bis 1727 amtierte. Auch er hielt die Gottesdienste im Schweteringschen Hause in Lütetsburg ab, doch die [[Weihnachtsflut|Weihnachtsflut 1717]] verhinderte, dass die Gläubigen zu ihm kommen konnten. Das Wasser überflutete weite Teile von Norden und Lütetsburg und schnitt beide Orte voneinander ab. Das als Gotteshaus genutzte Wohnhaus wurde ebenfalls durch die Fluten zerstört. So saß Klümper mehrere Tage in Lütetsburg fest, stets in der Hoffnung, es werde jemand mit dem Schiff kommen, um ihn zu holen. | ||
[[Datei:Ludgerusgemeinde Erlaubnis Gottesdienst 01101777 01.JPG|mini|268x268px|Erlaubnis zum Abhalten des Gottesdienstes von 1777.]] | |||
Nach dem Rückgang der Fluten ging Klümper nach Norden und richtete ein Gesuch an [[Ulben Hayunga]], den Drosten bzw. [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister der Stadt Norden]] sowie an den [[Stadtrat]]. Klümper konnte erreichen, dass ihm am 3. Mai 1718 eine vorläufige Erlaubnis zum Abhalten eines ungestörten Gottesdienstes im Hause des Ratsherren | Nach dem Rückgang der Fluten ging Klümper nach Norden und richtete ein Gesuch an [[Ulben Hayunga]], den Drosten bzw. [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister der Stadt Norden]] sowie an den [[Stadtrat]]. Klümper konnte erreichen, dass ihm am 3. Mai 1718 eine vorläufige Erlaubnis zum Abhalten eines ungestörten Gottesdienstes im Hause des Ratsherren und späteren Bürgermeisters [[Ludovicus Wenckebach]] in der [[Große Neustraße|Großen Neustraße]]. Diese Erlaubnis würde mehrere Male um jeweils drei Jahre verlängert. Noch mindestens am 1. Oktober 1777 wurde die Erlaubnis planmäßig verlängert. | ||
Um auch die Gemeinde Lütetsburg nicht vollends zu verlieren, plante Klümper den Bau einer kleinen Kapelle in Lütetsburg, die bis in die 1890er Jahre existierte. In Norden gelang es ihm dank Unterstützung des Bischofs von Münster, Spenden und guter Beziehungen zu niederländischen Katholiken, in der [[Sielstraße]] 364 (später Nr. 55/56) ein Grundstück mit Haus zu erwerben. Dieses baute er zu einer "Missionsstation" um. Norden hatte damit erstmals seit gut 200 Jahren wieder ein eigenes, katholisches Gotteshaus. | Um auch die Gemeinde Lütetsburg nicht vollends zu verlieren, plante Klümper den Bau einer kleinen Kapelle in Lütetsburg, die bis in die 1890er Jahre existierte. In Norden gelang es ihm dank Unterstützung des Bischofs von Münster, Spenden und guter Beziehungen zu niederländischen Katholiken, in der [[Sielstraße]] 364 (später Nr. 55/56) ein Grundstück mit Haus zu erwerben. Dieses baute er zu einer "Missionsstation" um. Norden hatte damit erstmals seit gut 200 Jahren wieder ein eigenes, katholisches Gotteshaus. | ||
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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrt die katholische Gemeinde langsam aber sicher zu seiner alten Form als "echte" Kirchengemeinde zurück. 1864 wird das Pastorat von der [[Sielstraße]] in die [[Osterstraße|Kleinen Osterstraße]] 32 (heute Nr. 20) verlegt. Mit der Verlegung wurde auch der Ruf nach dem Bau einer neuen Schule laut. Dazu wurde 1874 das Grundstück der (damaligen) Hausnummer 42/43 (heute Nr. 142) erworben, welches schräg gegenüber des Pastorats lag. Die Schülerzahl lag damals bei etwa 40. Nach dem Bau der Schule konnte der alte, unhaltbar gewordene Standort an der Sielstraße endlich geschlossen werden. | In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrt die katholische Gemeinde langsam aber sicher zu seiner alten Form als "echte" Kirchengemeinde zurück. 1864 wird das Pastorat von der [[Sielstraße]] in die [[Osterstraße|Kleinen Osterstraße]] 32 (heute Nr. 20) verlegt. Mit der Verlegung wurde auch der Ruf nach dem Bau einer neuen Schule laut. Dazu wurde 1874 das Grundstück der (damaligen) Hausnummer 42/43 (heute Nr. 142) erworben, welches schräg gegenüber des Pastorats lag. Die Schülerzahl lag damals bei etwa 40. Nach dem Bau der Schule konnte der alte, unhaltbar gewordene Standort an der Sielstraße endlich geschlossen werden. | ||
[[Datei:Ludgeruskirche 1964 01.JPG|links|mini|Die Ludgeruskirche und das neu erbaute [[Pfarrhaus]] im Jahre 1964.]] | |||
In einem Brief an Bischof von Osnabrück beschreibt der damalige Pfarrer der Norder Gemeinde, [[Franz-Josef Strieker]] (im Amt von 1852-1861), den Zustand des Gotteshauses in der Sielstraße. Er schildert (zurecht), dass dieses äußerlich nicht als solches erkennbar und in einem baufälligen, ärmlichen und beschämenden Zustand. Aber auch die Lage in der [[Sielstraße]] dürfte ein Argument für einen Neubau an anderer Stelle gewesen sein, denn die Straße galt seit jeher als verrufen und vor allem von Leuten niederer Herkunft oder geringen sozialen Ansehens bewohnt. Sogar ein Bordell soll sich hier befunden haben. Bürger, die hohes Ansehen genossen, konnten jenes verlieren, sollten sie in der Sielstraße gesehen werden. So scheuten viele Gläubige den Weg zur dortigen Kapelle. | In einem Brief an Bischof von Osnabrück beschreibt der damalige Pfarrer der Norder Gemeinde, [[Franz-Josef Strieker]] (im Amt von 1852-1861), den Zustand des Gotteshauses in der Sielstraße. Er schildert (zurecht), dass dieses äußerlich nicht als solches erkennbar und in einem baufälligen, ärmlichen und beschämenden Zustand. Aber auch die Lage in der [[Sielstraße]] dürfte ein Argument für einen Neubau an anderer Stelle gewesen sein, denn die Straße galt seit jeher als verrufen und vor allem von Leuten niederer Herkunft oder geringen sozialen Ansehens bewohnt. Sogar ein Bordell soll sich hier befunden haben. Bürger, die hohes Ansehen genossen, konnten jenes verlieren, sollten sie in der Sielstraße gesehen werden. So scheuten viele Gläubige den Weg zur dortigen Kapelle. | ||