Norddeich: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
{| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;" | {| class="wikitable" style="float:right; margin-left: 10px;" | ||
! colspan="2" | | ! colspan="2" | | ||
== Norddeich == | ==Norddeich== | ||
|- | |- | ||
| colspan="2" |[[Datei:Wappen_Norddeich.png|alternativtext=Wappen|zentriert|88x100px]] | | colspan="2" |[[Datei:Wappen_Norddeich.png|alternativtext=Wappen|zentriert|88x100px]] | ||
| Zeile 152: | Zeile 152: | ||
Nach 1918, vor allem in den einsetzenden "Goldenen Zwanzigern", erlebte der Tourismus einen bedeutenden Aufschwung. Norddeich entwickelte sich nun sichtbar von einem Fischerdorf zum Touristen- und Badeort. Im Jahr 1925 gründete sich erneut ein Kurverein Norden/Norddeich. Im Sommer 1926 waren alle Betten belegt. Im Jahr 1927 wurden 25.000 Gäste gezählt. | Nach 1918, vor allem in den einsetzenden "Goldenen Zwanzigern", erlebte der Tourismus einen bedeutenden Aufschwung. Norddeich entwickelte sich nun sichtbar von einem Fischerdorf zum Touristen- und Badeort. Im Jahr 1925 gründete sich erneut ein Kurverein Norden/Norddeich. Im Sommer 1926 waren alle Betten belegt. Im Jahr 1927 wurden 25.000 Gäste gezählt. | ||
Der Zweite Weltkrieg bremste die Entwicklung, weil die gesamte Küste fortan als militärisches Operationsfeld eingestuft war. Die Wehrmacht richtete in der | Der Zweite Weltkrieg bremste die Entwicklung, weil die gesamte Küste fortan als militärisches Operationsfeld eingestuft war. Die Wehrmacht richtete in der [[Gaststätte Friesenhof]] ein Kriegsgefangenenlager ein. Hier waren 40 Insassen aus Frankreich und Belgien untergebracht. | ||
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Bahnhof und die Gebäude der Reederei Frisia bedeutend erweitert. Im Sommer 1951 wird die Seebadeanstalt wieder eröffnet. Initiator ist der zuvor gegründete Bade- und Verkehrsverein Norden-Norddeich. 1958 wird das Freibad fertiggestellt und eröffnet. | Nach dem Zweiten Weltkrieg werden Bahnhof und die Gebäude der Reederei Frisia bedeutend erweitert. Im Sommer 1951 wird die Seebadeanstalt wieder eröffnet. Initiator ist der zuvor gegründete Bade- und Verkehrsverein Norden-Norddeich. 1958 wird das [[Freibad Norddeich]] fertiggestellt und eröffnet. | ||
Für 1960 werden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein kommunaler Zweckverband die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962 wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ den Deich wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer Sandstrand aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge Norddeich]] ihren Betrieb auf. | Für 1960 werden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein kommunaler Zweckverband die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962 wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ den Deich wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer Sandstrand aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge Norddeich]] ihren Betrieb auf. | ||
| Zeile 160: | Zeile 160: | ||
Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde Norddeich zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden und verlor damit seine Eigenständigkeit. | Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde Norddeich zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden und verlor damit seine Eigenständigkeit. | ||
Nachdem 1962 die Aufgaben des Bade- und Verkehrsvereins Norden-Norddeich auf einen kommunalen Zweckverband der Stadt Norden sowie der Gemeinden Lintelermarsch und Westermarsch II übergegangen sind, fördern die Eingemeindungen 1972 die Gründung der "Kurbetriebs GmbH". | Nachdem 1962 die Aufgaben des Bade- und Verkehrsvereins Norden-Norddeich auf einen kommunalen Zweckverband der Stadt Norden sowie der Gemeinden [[Lintelermarsch]] und [[Westermarsch II]] übergegangen sind, fördern die Eingemeindungen 1972 die Gründung der "Kurbetriebs GmbH". | ||
Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstehen in den siebziger Jahren Freizeitanlagen | Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstehen in den siebziger Jahren Freizeitanlagen, unter anderem ein [[Meereswasserbecken]] (1973) und das [[Haus des Gastes]] (1975/76). Hinter dem Deich folgen landeinwärts ein [[Ocean Wave|Hallenbad]], der [[Wellenpark]] sowie die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]]. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat "Staatlich anerkanntes Nordseebad". | ||
Im Jahre 1992 erfolgte die Einweihung des [[ | Im Jahre 1992 erfolgte die Einweihung des [[Nationalparkzentrum|Nationalparkzentrums]], da das Wattenmeer zum Nationalpark erklärt wurde. In diesem Jahr begann auch der Bau der [[Dr. Becker Klinik]] sowie der Umbau und Erweiterung des [[Haus des Gastes]]. Die Vollendung erfolgte vier Jahre später. | ||
Von 2002 bis 2003 wurde das alte Wellenbad in das Meerwassererlebnisbad Ocean Wave umgebaut | Von 2002 bis 2003 wurde das alte Wellenbad in das Meerwassererlebnisbad [[Ocean Wave]] umgebaut. Neben dem Tourismus ist die Fischerei weiterhin eine wichtige Erwerbsquelle, zahlreiche Kutter legen auch heute noch [[Am Fischereihafen]] an. | ||
Am 24. Juni 2010 verlieh der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode dem Stadtteil den Titel "Nordseeheilbad", die höchste touristische Anerkennungsstufe des Landes. | Am 24. Juni 2010 verlieh der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode dem Stadtteil den Titel "Nordseeheilbad", die höchste touristische Anerkennungsstufe des Landes. | ||
| Zeile 192: | Zeile 192: | ||
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines Roolf W. Seeberg, Inhaber des "Seebergskruges am Norddeiche": "Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt." Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der resp. Herren Badegäste auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich – vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr – von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und – mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen – auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt "ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken" könnte. Seeberg wandte sich deshalb – den Dienstweg einhaltend – am 6. August 1813 an den Bürgermeister (französisch: Maire) von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: "So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden." Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die französischen Bedenken damit bedeutungslos. | Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines Roolf W. Seeberg, Inhaber des "Seebergskruges am Norddeiche": "Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt." Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der resp. Herren Badegäste auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich – vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr – von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und – mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen – auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt "ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken" könnte. Seeberg wandte sich deshalb – den Dienstweg einhaltend – am 6. August 1813 an den Bürgermeister (französisch: Maire) von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: "So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden." Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die französischen Bedenken damit bedeutungslos. | ||
== Quellenverzeichnis == | == Quellenverzeichnis == | ||
| Zeile 205: | Zeile 202: | ||
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]] | [[Kategorie:Stadtteile von Norden]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Norddeich]] | ||