Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 45: Zeile 45:
Bereits in den 1990er Jahren kamen Überlegungen auf, das bisherige Feuerwehrhaus durch einen Neubau zu errichten. Der bisherige Standort erwies sich schon bald nicht mehr als zeitgemäß. Es gab keine Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen, keine Abluftanlage und keine regulären Parkplätze für die Einsatzkräfte. Auch der einstige Vorteil, die zentrale Lage, erwies sich mit dem vermehrt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr als nachteilig, da die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach einer Alarmierung zunehmends länger zum Feuerwehrhaus brauchten. Die Planungen zogen sich jedoch viele Jahre hin und scheiterten immer wieder an den unterschiedlichsten Gründen, vor allem jedoch an der Finanzierung.
Bereits in den 1990er Jahren kamen Überlegungen auf, das bisherige Feuerwehrhaus durch einen Neubau zu errichten. Der bisherige Standort erwies sich schon bald nicht mehr als zeitgemäß. Es gab keine Sicherheitsabstände zwischen den Fahrzeugen, keine Abluftanlage und keine regulären Parkplätze für die Einsatzkräfte. Auch der einstige Vorteil, die zentrale Lage, erwies sich mit dem vermehrt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehr als nachteilig, da die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach einer Alarmierung zunehmends länger zum Feuerwehrhaus brauchten. Die Planungen zogen sich jedoch viele Jahre hin und scheiterten immer wieder an den unterschiedlichsten Gründen, vor allem jedoch an der Finanzierung.


Von 2002 bis 2003 wurde das Gebäude umfangreich renoviert, nahezu ausschließlich in Eigenarbeit. In der ehemaligen Wärterwohnung fand nun endlich auch die 1995 gegründete Jugendfeuerwehr ein eigenes Domizil. Daneben entstanden hier Räume für das Archiv und ein Sitzungssaal für das sogenannte Stadtkommando, den Vorstand der Norder Feuerwehr.


Nach langen Phasen des Planens konnte 2007 mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses begonnen werden. Es wurde ein geeigneter Standort an der neu errichteten [[Umgehungsstraße]] gefunden und gemeinsam mit dem [[Technischs Hilfswerk|Technischen Hilfswerk]] wurde das [[Hilfeleistungszentrum]] errichtet, das am 31. März 2009 seiner Bestimmung übergeben wurde. Ende Mai war der Umzug vollends abgeschlossen und am 1. Juni 2009 konnte der erste Einsatz vom Hilfeleistungszentrum aus gefahren werden.


Am 31. März 2009 zog die Feuerwehr schließlich in das am Ende der [[Osterstraße]] neu errichtete [[Hilfeleistungszentrum]].
Im Sommer 2018 schlug dann die letzte Stunde für das alte Feuerwehrhaus. Der Landkreis Aurich hatte das Gelände von der Stadt erworben und keine Nutzung mehr dafür. Nach dem Auszug der Feuerwehr verkam das Gelände zusehends und wurde nur noch als Lagerstätte genutzt. In engem Kontakt zwischen dem Abbruchunternehmer und dem Archivar der Norder Feuerwehr, [[Erich Weege]], wurde am 20. September 2018 die beim Bau in das Fundament eingelassene Kupferrolle gefunden. Bis heute ist es üblich, dass man bei (öffentlichen) Bauten eine Kupferrolle mit verschiedenen Dokumenten in das Fundament einlässt.
 
Im Sommer 2018 schlug dann die letzte Stunde für das alte Feuerwehrhaus. Der Landkreis Aurich hatte das Gelände erworben und keine Nutzung mehr dafür. Nach dem Auszug der Feuerwehr verkam das Gelände zusehends und wurde nur noch als Lagerstätte genutzt. In engem Kontakt zwischen dem Abbruchunternehmer und dem Archivar der Norder Feuerwehr, [[Erich Weege]], wurde am 20. September 2018 die beim Bau in das Fundament eingelassene Kupferrolle gefunden. Bis heute ist es oftmals üblich, dass man bei Bauten eine Kupferrolle mit verschiedenen Dokumenten in das Fundament einlässt.


Am 25. Oktober 2018 wurde die Kupferrolle im benachbarten Sanitärgeschäft Kleen vorsichtig geöffnet. In einer versiegelten Glasflasche lagerte die Urkunde der Grundsteinlegung. Darin wird der Zweck des Baus erläutert und darauf hingewiesen, dass er "unter der genialen Führung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler [...] entstanden ist." Vorder- und Rückseite sind von Unterschriften zahlreicher Politiker, Führungskräften der Feuerwehren sowie Ehrengästen geziert. Neben der historisch wertvollen Urkunde waren die Brandordnung für die Stadt Norden von 1783, das Exerzierreglement für die Feuerwehr Norden von 1887, die Satzungen der Norder Wehr von 1907 und 1934, die Entwicklungsgeschichte der Feuerwehr Norden, eine Dienstanweisung von 1934 des Kreisfeuerwehrführers Norden, ein Tätigkeitsbericht des Kreisfeuerwehrverbandes Norden für das Geschäftsjahr 1936/37, zwei Norder Zeitungen mit Bildern und Berichten zum Neubau sowie eine Bekleidungsverordnung von 1934 in der Kapsel eingeschlossen.
Am 25. Oktober 2018 wurde die Kupferrolle im benachbarten Sanitärgeschäft Kleen vorsichtig geöffnet. In einer versiegelten Glasflasche lagerte die Urkunde der Grundsteinlegung. Darin wird der Zweck des Baus erläutert und darauf hingewiesen, dass er "unter der genialen Führung des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler [...] entstanden ist." Vorder- und Rückseite sind von Unterschriften zahlreicher Politiker, Führungskräften der Feuerwehren sowie Ehrengästen geziert. Neben der historisch wertvollen Urkunde waren die Brandordnung für die Stadt Norden von 1783, das Exerzierreglement für die Feuerwehr Norden von 1887, die Satzungen der Norder Wehr von 1907 und 1934, die Entwicklungsgeschichte der Feuerwehr Norden, eine Dienstanweisung von 1934 des Kreisfeuerwehrführers Norden, ein Tätigkeitsbericht des Kreisfeuerwehrverbandes Norden für das Geschäftsjahr 1936/37, zwei Norder Zeitungen mit Bildern und Berichten zum Neubau sowie eine Bekleidungsverordnung von 1934 in der Kapsel eingeschlossen.


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Der (erste) Gebäudekomplex bestand im Wesentlichen aus drei Teilen. Von der [[Klosterstraße]] aus betrachtet befand sich links die Kreisschlauchpflegerei, Vorläufer der [[Feuerwehrtechnische Zentrale|Feuerwehrtechnischen Zentrale]]. Dieser Gebäudeteil wurde giebelständig zur Klosterstraße errichtet. Er bestand aus zwei Garagen, hinter denen sich ein Flur befand. Von diesem Flur ging es wiederum in den Keller, der aus zwei Lager- und Versorgungsräumen (Gas, Wasser, Strom) bestand. In den Garagen befand sich später rechts der Waschraum und links die Kleiderkammer. Dort, wo anfänglich die Schläuche gereinigt wurden, entstanden später Sanitäranlagen.
Der (erste) Gebäudekomplex bestand im Wesentlichen aus drei Teilen. Von der [[Klosterstraße]] aus betrachtet befand sich links die Kreisschlauchpflegerei, Vorläufer der [[Feuerwehrtechnische Zentrale|Feuerwehrtechnischen Zentrale]]. Dieser Gebäudeteil wurde giebelständig zur Klosterstraße errichtet. Er bestand aus zwei Garagen, hinter denen sich ein Flur befand. Von diesem Flur ging es wiederum in den Keller, der aus zwei Lager- und Versorgungsräumen (Gas, Wasser, Strom) bestand. In den Garagen befand sich später rechts der Waschraum und links die Kleiderkammer (jeweils von der Klosterstraße aus betrachtet). Dort, wo anfänglich die Schläuche gereinigt wurden, entstanden später Sanitäranlagen und eine Stiefelwaschanlage.
 
Von der Kreisschlauchpflegerei gelangt man zum einen in den Schlauchturm und zum anderen in das eigentliche Feuerwehrgerätehaus, welches traufständig zur Klosterstraße errichtet wurde. Hier befand sich im Eingangsbereich ein Büro, das vom Stadtbrandmeister genutzt wurde. Eine Treppe führte nach oben. Geradeaus gelangte man in die Wärterwohnung, in der ursprünglich der Hausmeister, später der Stadtbrandmeister und noch später ein Feuerwehrangehöriger mit seiner Familie wohnten. Später wurden diese Räume umgebaut und es enstanden hier das Archiv, der Sitzungssaal des Feuerwehrkommandos und im Obergeschoss Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehr.
 
Vor dem Eingang zur Wärterwohnung gelangte man nach links zunächst an einen kleinen Raum, in dem sich ursprünglich das Alarmtelefon befand. Dieser Raum wurde umgangssprachlich auch "Funkbude" genannt. Hier riefen Norder Bürger über die reguläre Amtsnummer "44 88" an, um ein Feuer zu melden. Die Funkbude wurde anfangs vom Wärter, später vom dort wohnenden Stadtbrandmeister besetzt, der von hier auch die Motorsirene auf dem Dach des Schlauchturms ansteuern  konnte. Nach dem Bau einer ordentlichen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in der neuen Feuerwehrtechnischen Zentrale und der Einführung des bundesweit einheitlichen Notrufs wurde der Raum zu einer Küche umgebaut.


Von der Kreisschlauchpflegerei gelangt man zum einen in den Schlauchturm und zum anderen in das eigentliche Feuerwehrgerätehaus. Hier befand sich im Eingangsbereich ein Büro, das vom Stadtbrandmeister genutzt wurde. Eine Treppe führte nach oben. Geradeaus gelangte man in die Wärterwohnung, in der ursprünglich der Hausmeister, später der Stadtbrandmeister und noch später ein Feuerwehrangehöriger mit seiner Familie wohnten. Später wurden diese Räume umgebaut und es enstanden hier das Archiv, der Sitzungssaal des Feuerwehrkommandos und im Obergeschoss Räumlichkeiten für die Jugendfeuerwehr.
An dieser Küche vorbei gelangte man über eine weitere kleine Treppe in den großen Versammlungssaal. Die Wand auf der anderen Seite des Raumes - vom Eingang aus gesehenen - zierte von Anbeginn an der Spruch in altdeutscher Schrift "Sei diener deines Volkes in ständiger Bereitschaft". Über der Eingangstür hing von der Einweihung des Gebäudes bis zum Kriegsende ein Bild von Adolf Hitler. In vier Nischen, drei links, eine rechts, hingen die Schilder "I. Zug", "II. Zug", "III. Zug" und eins ohne Beschriftung, da der vierte Zug sich in [[Leybuchtpolder]] befindet. Zudem befand sich gleich vorne rechts eine kleine, gaststättenähnliche Theke, die in liebevoller Eigenarbeit errichtet wurde.


Vor dem Eingang zur Wärterwohnung gelangte man nach links zunächst an einen kleinen Raum, in dem sich ursprünglich das Alarmtelefon befand. Hier riefen Norder Bürger über die reguläre Amtsnummer "44 88" an, um ein Feuer zu melden. Nach dem Bau einer ordentlichen Feuerwehr- und Rettungsleitstelle und Einführung des bundesweit einheitlichen Notrufs wurde das Gebäude zu einer Küche umgebaut.
Zwischen den vorgenannten Räumen und den drei Fahrzeughallen bestand keine direkte Verbindung. Die Fahrzeughallen befanden sich unmittelbar unter dem Festsaal. Die Decke wurde durch mehrere schwere Säulen getragen. Von der Klosterstraße aus betrachtet befand sich links in den Fahrzeughallen noch ein kleiner Abstellraum.


An dieser Küche vorbei gelangte man über eine weitere kleine Treppe in den großen Versammlungssaal. Die Wand zierte von Anbeginn an der Spruch in altdeutscher Schrift "Sei diener deines Volkes in ständiger Bereitschaft". In vier Nischen, drei links, eine rechts, hingen die Schilder "I. Zug", "II. Zug", "III. Zug" und eins ohne Beschriftung, da der vierte Zug sich in [[Leybuchtpolder]] befindet. Zudem befand sich gleich vorne rechts eine kleine, gaststättenähnliche Theke, die in liebevoller Eigenarbeit errichtet wurde.
Der dritte Gebäudeteil, der Schlauchturm, befand sich unmittelbar hinter der Schlauchpflegerei. In diesem wurden die gereinigten Schläuche zum Trocknen aufgehängt. Im Erdgeschoss hatte der Turm zwei Zugänge, einen in Richtung Hof und einen auf der gegenüberliegenden Seite. Ein weiterer Zugang befand sich in Richtung der Wärterwohnung, der über den Balkon der Wohnung zu erreichen war. Der Balkon wiederum führte in die Küche der Wärterwohnung. Auf dem Dach des Schlauchturms wurde eine [[Liste der Motorsirenen|Motorsirene]] installiert, die sowohl der Alarmierung der Einsatzkräfte als auch während des Krieges der Warnung der Bevölkerung bei Luftangriffen diente.


==Einzelnachweise==
==Quellenverzeichnis==
<references/>
* [https://www.feuerwehr-norden.de/2012/02/12/das-archiv-der-feuerwehr-norden/ Archiv der Feuerwehr Norden], abgerufen am 25. Februar 2021
* Jans Weege (2021): Persönliche Erinnerungen an das Gebäude und an Erzählungen


==Siehe auch==
==Siehe auch==