Norddeich: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| Zeile 171: | Zeile 171: | ||
Für 1960 wurden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein [[Zweckverband zur Förderung des Bade- und Fremdenverkehrs in Norden-Norddeich|kommunaler Zweckverband]] die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die [[Sturmflut 1962|Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962]] wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ die gesamte Deichlinie zur Nordsee wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer [[Norddeicher Strand|Sandstrand]] aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge]] ihren Betrieb auf. 1975 wurde das [[Freibad Norddeich|Freibad]] errichtet.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref> Die Übernachtungszahlen stiegen unaufhörlich weiter. Bis 1970 stiegen sie um gut 500 % auf 251.200, weitere zehn Jahre später waren es gar 675.132 Übernachtungen.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 56</ref> | Für 1960 wurden bereits 50.000 Übernachtungen verzeichnet. Im Jahr 1962 übernahm ein [[Zweckverband zur Förderung des Bade- und Fremdenverkehrs in Norden-Norddeich|kommunaler Zweckverband]] die Aufgaben des Bade- und Verkehrsverein für Norden und Norddeich. Durch die [[Sturmflut 1962|Sturmflut vom 16. auf den 17. Februar 1962]] wurde auch Norddeich stark betroffen. Die 1965 aus fünf kleineren Verbänden gegründete [[Deichacht Norden]] ließ die gesamte Deichlinie zur Nordsee wesentlich erhöhen und verstärken. Diese Maßnahmen dauerten bis 1988 an. Parallel dazu wurde im Jahre 1969 ein 80.000 Quadratmeter großer [[Norddeicher Strand|Sandstrand]] aufgespült. Im gleichen Jahr nahm die [[Jugendherberge]] ihren Betrieb auf. 1975 wurde das [[Freibad Norddeich|Freibad]] errichtet.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 83</ref> Die Übernachtungszahlen stiegen unaufhörlich weiter. Bis 1970 stiegen sie um gut 500 % auf 251.200, weitere zehn Jahre später waren es gar 675.132 Übernachtungen.<ref>Sanders, Adolf (1988): Unsere Stadt hinterm Deich, Norden, S. 56</ref> | ||
Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Lintelermarsch aufgelöst und unter dem Namen ''Norddeich'' zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden. Der Name wurde gewählt, da dieser sich besser touristisch vermarkten ließ und sich im Laufe der Zeit ohnehin als Bezeichnung für die Lintelermarsch durchsetzte. Die Eingemeindung förderte nicht zuletzt die Gründung der [[Kurbetriebs GmbH]]. Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstanden in den siebziger Jahren Freizeitanlagen, unter anderem ein [[Meerwasserbadebecken]] (1973) und das [[Haus des Gastes]] (1975 bis 1976). Hinter dem Deich folgten landeinwärts ein [[Ocean Wave|Hallenbad]], der [[Wellenpark]] sowie die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]]. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat ''Staatlich anerkanntes Nordseebad''. 1980 wurde das [[Kinderspielhaus]] errichtet. | Im Rahmen der niedersächsischen Kommunalreform wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Lintelermarsch aufgelöst und unter dem Namen ''Norddeich'' zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Norden. Der Name wurde gewählt, da dieser sich besser touristisch vermarkten ließ und sich im Laufe der Zeit ohnehin als Bezeichnung für die Lintelermarsch durchsetzte. Die Eingemeindung förderte nicht zuletzt die Gründung der [[Kurbetriebs GmbH]]. Vor einem inzwischen neugebauten Hauptdeich in Norddeich entstanden in den siebziger Jahren Freizeitanlagen, unter anderem ein [[Meerwasserbadebecken]] (1973) und das [[Haus des Gastes]] (1975 bis 1976). Hinter dem Deich folgten landeinwärts ein [[Ocean Wave|Hallenbad]], der [[Wellenpark]] sowie die [[Seehundstation Norddeich|Seehundstation]]. 1979 erhielt Norddeich das Prädikat ''Staatlich anerkanntes Nordseebad''. 1980 wurde das [[Kinderspielhaus]] errichtet. | ||
| Zeile 213: | Zeile 211: | ||
===Tourismus=== | ===Tourismus=== | ||
Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen. | Haupterwerbszeig ist spätestens seit den 1950er Jahren der Tourismus, der sich immer weiter zum Massentourismus entwickelt. Der [[Norddeicher Hafen]] ist nach dem in Rostock und Puttgarden der größte Personenhafen Deutschlands mit jährlich über zwei Millionen Passagieren. Der Ort selbst verzeichnet jährlich bis zu zwei Millionen Übernachtungen. Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 1.200 werden die Dimension und das Ausmaß des Fremdenverkehrs besonders deutlich. Ein Großteil aller Häuser und Wohnungen wird entweder vollständig oder zumindest teilweise zu Zwecken des Tourismus vermietet. Dazu kommen eine Vielzahl an Pensionen und Hotels der unterschiedlichsten Kategorien sowie eine herausragende Anzahl an Restaurants und weiteren, dem Tourismus dienende Einrichtungen. | ||
[[Datei:Postkarte Norddeich um 1935 01.jpg | [[Datei:Postkarte Norddeich um 1935 01.jpg|mini|Postkarte mit Werbung für Norddeich (um 1935).]] | ||
Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines [[Roolf Seeberg|Roolf W. Seeberg]], Inhaber des [[Seebergskrug|''Seebergskrugs am Norddeiche'']]: ''"Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt.''" Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der ''Herren Badegäste'' auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich - vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr - von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und - mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen - auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt ''ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken'' könnte. Seeberg wandte sich deshalb - den Dienstweg einhaltend - am 6. August 1813 an den Bürgermeister (''Maire'') von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: ''"So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden."'' Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die ''französischen Bedenken'' wurden damit bedeutungslos. | Der wohl älteste schriftliche Beleg für touristische Aktivitäten in Norddeich ist ein am 21. Juli 1813 veröffentlicht Prospekt eines [[Roolf Seeberg|Roolf W. Seeberg]], Inhaber des [[Seebergskrug|''Seebergskrugs am Norddeiche'']]: ''"Die kleine Seebadeanstalt am Norddeiche ohnweit Norden betrf. mache ich Unterzeichneter […] näher bekannt.''" Es folgen Informationen und Preisangaben für warme und kalte Bäder in seinem Hause diesseits des Deiches sowie für die Nutzung einer Badekutsche jenseits des Deiches. Seeberg bot zur mehreren Bequemlichkeit der ''Herren Badegäste'' auch ein Fahrdienst im verdeckten viersitzigem Wagen, und zwar zweimal täglich - vormittags um 10:00 Uhr und nachmittags um 14:00 Uhr - von Norden aus an. Gegen diesen Prospekt, der auf der Vorderseite in deutscher und - mit Blick auf damals in Ostfriesland und auch in Norden und Umgebung stationierten französischen Besatzungstruppen - auf der Rückseite in französischer Sprache abgefasst war, intervenierte der Präfekt des Départements Ems-Oriental, da für die Veröffentlichung keine Genehmigung eingeholt worden sei. Diese aber wäre schon deshalb notwendig gewesen, weil der Prospekt ''ein Zulauf von fremden Reisenden auf die äußersten Gränzen des Reiches bewirken'' könnte. Seeberg wandte sich deshalb - den Dienstweg einhaltend - am 6. August 1813 an den Bürgermeister (''Maire'') von Lintelermarsch und suchte dort offiziell um eine Genehmigung für seinen Badebetrieb nach. Seinen Antrag begründete er unter anderem auf folgende Weise: ''"So habe ich mich entschloßen, weill ich am Deiche wohne, vor [= für] unseres Landes Leute zu mehr bequemlichkeit es einzurichten, das Herren und Dames die sich Schienären [= genieren] öffentlich zu baden, sich durch eine Maschine sich können herein farren [= fahren] laßen, und unter ein Fallschirm zu Baden."'' Außerdem verwies Seeberg auf die wissenschaftliche Abhandlung eines Professor Vogels über den Nutzen der Seebäder und einen anderen französischen Aufsatz, in dem Vogel die These vertrat, dass das Seebad in mehreren Krankheiten fast durch nichts zu ersetzen ist. Ob der Bürgermeister dem Antrag stattgab, ist nicht bekannt. Im gleichen Jahr fiel Ostfriesland jedoch auch wieder an Preußen zurück und die ''französischen Bedenken'' wurden damit bedeutungslos. | ||
== Erwähnenswerte Gebäude == | |||
* siehe auch: [[:Kategorie:Gebäude in Norddeich|Kategorie:Gebäude in Norddeich]] | |||
=== Erhaltene Gebäude === | |||
* [[Alte Norddeicher Schule]] | |||
* [[Armenplatz]] | |||
* [[Dr. Becker Klinik]] | |||
* [[Flugplatz]] | |||
* [[Grundschule Norddeich]] | |||
* [[Haus des Gastes]] | |||
* [[Osterlooger Grashaus]] | |||
* [[Sender Osterloog]] (''Waloseum'') | |||
* [[Westerlooger Grashaus]] | |||
=== Abgebrochene Gebäude === | |||
* [[Alte Osterlooger Schule]] | |||
* [[Osterlooger Schule]] | |||
* [[Seebergskrug]] | |||
==Galerie== | ==Galerie== | ||