Kloster Marienthal: Unterschied zwischen den Versionen
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Abt in Marienthal war in dieser Zeit ein gewisser ''Winandus''. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: ''S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden''.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.</ref> Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des [[Norderland|Norderlandes]] blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref name=":1" /> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.<ref name=":0" /> Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Theda_Graefin_v_Ostfr.pdf Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Mehrere Güter und Höfe, so etwa der [[Armenplatz]] und das [[Westerlooger Grashaus]] sicherten dem Kloster ein gutes Auskommen und unterstützten es bei seinen wohltätigen Einsätzen. Aber auch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen verfügte das Kloster über Ländereien, so etwa bei 50 Hektar bei Wolthusen, das heute zu Emden gehört. Es entstammte einer testamentarischen Schenkung [[Theda Ukena|Gräfin Thedas]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 106</ref> | Abt in Marienthal war in dieser Zeit ein gewisser ''Winandus''. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: ''S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden''.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.</ref> Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des [[Norderland|Norderlandes]] blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref name=":1" /> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.<ref name=":0" /> Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Theda_Graefin_v_Ostfr.pdf Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Mehrere Güter und Höfe, so etwa der [[Armenplatz]] und das [[Westerlooger Grashaus]] sicherten dem Kloster ein gutes Auskommen und unterstützten es bei seinen wohltätigen Einsätzen. Aber auch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen verfügte das Kloster über Ländereien, so etwa bei 50 Hektar bei Wolthusen, das heute zu Emden gehört. Es entstammte einer testamentarischen Schenkung [[Theda Ukena|Gräfin Thedas]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 106</ref> | ||
Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie]], der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Es wurde daraufhin um 1400 grundlegend umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit besser Herr zu werden.<ref name=":1" /> Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten vor allem über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den [[Cirksena|Cirksenas]], die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.<ref name=":5">Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie]], der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Es wurde daraufhin 1350 und erneut um 1400 grundlegend umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit besser Herr zu werden.<ref name=":1" /><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 65</ref> Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten vor allem über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den [[Cirksena|Cirksenas]], die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.<ref name=":5">Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | ||
1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.<ref name=":2">Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | 1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.<ref name=":2">Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.</ref> | ||