Bundesstraße: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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''Anmerkung: Die nachfolgenden Angaben beziehen sich nur auf den innerhalb der Stadtgrenze von Norden befindlichen Teil der Bundesstraße.''
''Anmerkung: Die nachfolgenden Angaben beziehen sich grundsätzlich auf den innerhalb der Stadtgrenze von Norden befindlichen Teil der Bundesstraße.''


Die heutige Bundesstraße verläuft in weiten Teilen parallel zum [[Alter Postweg]], welcher von Norden weiter in Richtung des Brookmerlandes führte. Er war - wie die allermeisten Straßen Ostfrieslands - lange Zeit unbefestigt, was ihm aufgrund seiner Fahrbahnbeschaffenheit auch den Namen ''Sandweg'' einbrachte. So war es nicht ungewöhnlich, dass man selbst mit einem Pferd gut zwei Stunden bis nach Emden benötigte.<ref>Wiemann, Harm / Engelmann, Johannes (2002): Alte Wege und Straßen in Ostfriesland, Leer, S. 54</ref> Nach Regenfälle dürfte diese Zeit noch um einiges höher gelegen haben.
Die heutige Bundesstraße verläuft in weiten Teilen parallel zum [[Alter Postweg]], welcher von Norden weiter in Richtung des Brookmerlandes führte. Er war - wie die allermeisten Straßen Ostfrieslands - lange Zeit unbefestigt, was ihm aufgrund seiner Fahrbahnbeschaffenheit auch den Namen ''Sandweg'' einbrachte. So war es nicht ungewöhnlich, dass man selbst mit einem Pferd gut zwei Stunden bis nach Emden benötigte.<ref>Wiemann, Harm / Engelmann, Johannes (2002): Alte Wege und Straßen in Ostfriesland, Leer, S. 54</ref> Nach Regenfälle dürfte diese Zeit noch um einiges höher gelegen haben.


Geplant wurde die Bundesstraße erst ab 1844/1845.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123</ref> Die Bauarbeiten begannen am 27. September 1847.<ref name=":0" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52</ref> Kurz zuvor entdeckte König Georg V. von Hannover (bekannt als ''Der blinde König''), damals auch Herrscher über Ostfriesland, die Insel Norderney für sich und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.<ref>Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)</ref> Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Uthwerdum.pdf Beschreibung von Georgsheil] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Damit er mitsamt seines Trosses wohlbehalten und ohne unnötige Verzögerung vorankam, wurde die Straße letztlich befestigt. Für diese Zeit sind die Straßennamen ''Chaussee'' und ''Landstraße'' bekannt. Bis zur Befestigung musste die Bundesstraße nach jedem Befahren durch den Königstross neu hergerichtet werden. Die Stadt bemühte sich daher bereits seit 1838 um einen Anschluss an das Landstraßennetz, am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Stadt Norden innerhalb ihrer Grenzen an den Kosten beteiligen musste.<ref name=":0" />
Bereits 1808 - während der [[Französische Besatzungszeit|Französischen Besatzungszeit]] - gab es erste Planungen zum Bau einer ''Chaussee'' von Emden nach Norden, doch wurden diese wegen der horrenden Kosten und der Schwierigkeiten bei der Beschaffung des notwendigen Straßenbaumaterials wieder verworfen.<ref>Wiemann, Harm / Engelmann, Johannes (2002): Alte Wege und Straßen in Ostfriesland, Leer, S. 149</ref> Erst in den 1840er Jahren wurden die alten Pläne wieder aufgegriffen. König Georg V. von Hannover (bekannt als ''Der blinde König''), dadurch seinerzeit auch Herrscher über Ostfriesland, hatte die Insel Norderney für sich entdeckt und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.<ref>Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)</ref> Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt, wo er angeblich Nachricht vom Heil seines neugeborenen Sohnes erfuhr.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Uthwerdum.pdf Beschreibung von Georgsheil] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Planungen kamen 1844 / 1845 zum Abschluss.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref><ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123</ref> Die Bauarbeiten begannen letztlich am 27. September 1847.<ref name=":0" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52</ref>


Bei den Planungen erwog man, die neue Chaussee auf dem [[Alter Postweg|Alten Postweg]] verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass die Wegstrecke zu kurvenreich ist, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der [[Brückstraße]] zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den [[Neuer Weg|Neuen Weg]], der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.<ref name=":0" /> Für den Ausbau der damaligen Bundesstraße 70 um 1970 mussten einige alte historische Bauten dem Stadtbild weichen, so etwa das Haus [[Am Markt 53]], einer Filiale des späteren Supermarktes [[EDEKA Anton Götz|Anton Götz]]. Auch der sogenannte [[Pannkooksboom]], eine 250 Jahre alte Linde an der [[Norddeicher Straße]], wurde dafür gefällt.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 125</ref>
Die Befestigung war Ausfluss dessen, dass die alten Straßen eines Königs nicht würdig seien und jedes Mal wieder neu hergerichtet werden mussten, nachdem sein umfangreicher Tross die Wege gequert hatte. Die [[Stadt Norden]] bemühte sich daher bereits seit 1838 um einen Anschluss an das Landstraßennetz, am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Norden an den Kosten beteiligen musste.<ref name=":0" />


Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten, da es zuvor keine Bundesstraßen gab. Diese hießen bis dahin Reichsstraße. Seit ihrem Ausbau zur Bundesstraße im Jahre 1971 bis zur Umbenennung 1995 trug sie die Kennung 70. Danach bekam sie ihre heute Kennung 72.
Bei den Planungen erwog man, die neue Chaussee auf dem [[Alter Postweg|Alten Postweg]] verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass diese Wegstrecke zu kurvenreich sei, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der [[Brückstraße]] zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den [[Neuer Weg|Neuen Weg]], der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.<ref name=":0" />


Im Jahr 2009 wurde die [[Umgehungsstraße]] fertiggestellt. Dadurch verlor die [[Bahnhofstraße]] ihre Bedeutung als Teil der Bundesstraße und wurde zur [[Landesstraße]] (L27).
Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Die ''Bundesstraßen'' hießen bis dahin ''Reichsstraße''. Seit ihrem Ausbau im Jahre 1971 bis zur Umbenennung 1995 trug sie die Kennung 70. Danach bekam sie ihre heute Kennung 72. Für gewöhnlich nannte man sich jedoch nicht Bundes- oder Reichsstraße, sondern ''Chaussee'' oder ''Landstraße''. Für den Ausbau der (damaligen) Bundesstraße 70 um das Jahr 1970 mussten einige alte historische Bauten dem Stadtbild weichen, so etwa das Haus [[Am Markt 53]], einer Filiale des späteren Supermarktes [[EDEKA Anton Götz|Anton Götz]]. Auch der sogenannte [[Pannkooksboom]], eine 250 Jahre alte Linde an der [[Norddeicher Straße]], wurde dafür gefällt.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 125</ref>
 
Im Jahr 2009 wurde die [[Umgehungsstraße]] fertiggestellt. Dadurch verloren die [[Bahnhofstraße]], der [[Burggraben]], der westliche Teil von [[Am Markt]] und die [[Norddeicher Straße]] ihre Bedeutung als (Teil der) Bundesstraße und wurden zur [[Landesstraße]] (L 27).


==Gebäude und Plätze==
==Gebäude und Plätze==

Version vom 28. Oktober 2021, 16:56 Uhr

Bundesstraße 72

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Basisdaten
Stadtteil/-viertel Süderneuland II u.a.
Erschließungsjahr 1847 - ca. 1849
Namensgebung um 1949
Historische Namen Sandweg

Chaussee

Landstraße

Bundesstraße 70

Die Bundesstraße (B 72) beginnt - auf die Stadt Norden bezogen - in Süderneuland II, im weiteren Verlauf führt sie weiter durch Nadörst, Altendeich, Ekel und Ostlintel bis nach Norddeich. Es ist die einzige Bundesstraße innerhalb der Stadtgrenzen und wird umgangssprachlich auch scherzhaft Ostfriesen-Highway genannt. Ihren Beginn hat die Bundesstraße bei Emstek im Landkreis Cloppenburg.

Geschichte

Herkunft des Namens

Der Name geht aus der straßenrechtlichen Widmung als Bundesstraße hervor. Derartige Straßen stehen im Zuständigkeitsbereich der Bundesbehörden. Nachgeordnete Straßen sind die Landesstraße, die Kreisstraßen und die Gemeindestraßen.

Entwicklung

Anmerkung: Die nachfolgenden Angaben beziehen sich grundsätzlich auf den innerhalb der Stadtgrenze von Norden befindlichen Teil der Bundesstraße.

Die heutige Bundesstraße verläuft in weiten Teilen parallel zum Alter Postweg, welcher von Norden weiter in Richtung des Brookmerlandes führte. Er war - wie die allermeisten Straßen Ostfrieslands - lange Zeit unbefestigt, was ihm aufgrund seiner Fahrbahnbeschaffenheit auch den Namen Sandweg einbrachte. So war es nicht ungewöhnlich, dass man selbst mit einem Pferd gut zwei Stunden bis nach Emden benötigte.[1] Nach Regenfälle dürfte diese Zeit noch um einiges höher gelegen haben.

Bereits 1808 - während der Französischen Besatzungszeit - gab es erste Planungen zum Bau einer Chaussee von Emden nach Norden, doch wurden diese wegen der horrenden Kosten und der Schwierigkeiten bei der Beschaffung des notwendigen Straßenbaumaterials wieder verworfen.[2] Erst in den 1840er Jahren wurden die alten Pläne wieder aufgegriffen. König Georg V. von Hannover (bekannt als Der blinde König), dadurch seinerzeit auch Herrscher über Ostfriesland, hatte die Insel Norderney für sich entdeckt und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.[3] Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt, wo er angeblich Nachricht vom Heil seines neugeborenen Sohnes erfuhr.[4] Die Planungen kamen 1844 / 1845 zum Abschluss.[5][6] Die Bauarbeiten begannen letztlich am 27. September 1847.[6][7]

Die Befestigung war Ausfluss dessen, dass die alten Straßen eines Königs nicht würdig seien und jedes Mal wieder neu hergerichtet werden mussten, nachdem sein umfangreicher Tross die Wege gequert hatte. Die Stadt Norden bemühte sich daher bereits seit 1838 um einen Anschluss an das Landstraßennetz, am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Norden an den Kosten beteiligen musste.[6]

Bei den Planungen erwog man, die neue Chaussee auf dem Alten Postweg verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass diese Wegstrecke zu kurvenreich sei, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der Brückstraße zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den Neuen Weg, der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.[6]

Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Die Bundesstraßen hießen bis dahin Reichsstraße. Seit ihrem Ausbau im Jahre 1971 bis zur Umbenennung 1995 trug sie die Kennung 70. Danach bekam sie ihre heute Kennung 72. Für gewöhnlich nannte man sich jedoch nicht Bundes- oder Reichsstraße, sondern Chaussee oder Landstraße. Für den Ausbau der (damaligen) Bundesstraße 70 um das Jahr 1970 mussten einige alte historische Bauten dem Stadtbild weichen, so etwa das Haus Am Markt 53, einer Filiale des späteren Supermarktes Anton Götz. Auch der sogenannte Pannkooksboom, eine 250 Jahre alte Linde an der Norddeicher Straße, wurde dafür gefällt.[8]

Im Jahr 2009 wurde die Umgehungsstraße fertiggestellt. Dadurch verloren die Bahnhofstraße, der Burggraben, der westliche Teil von Am Markt und die Norddeicher Straße ihre Bedeutung als (Teil der) Bundesstraße und wurden zur Landesstraße (L 27).

Gebäude und Plätze

In der Straße finden sich einige Wohnhäuser und Höfe, eine Pension und ein Multibetrieb in den Geschäftsräumen eines ehemaligen Autohauses (Mercedes-Benz Beninga und Schmehl, später Nebenstelle von Mercedes-Benz Kannegiesser). An der Ecke zum Südring, welche in das Gewerbegebiet Leegemoor führt, befindet sich eine Tankstelle. Erwähnenswert ist auch die Pomologie, die sich auf der westlichen Straßenseite befindet.

Parallel zur Bundesstraße verläuft östlich der Straße der Berumerfehnkanal. Westlich, ebenfalls weitestgehend parallel, verläuft die alte Deichlinie, die bis zur Eindeichung von Süderneuland um 1556 das Land vom Meer trennte. Nahe des Ostermarscher Kreisels befindet sich seit 2016 eine Küstenschutzhalle der Norder Deichacht, in der vor allem leere und gefüllte Sandsäcke sowie Befüllmaschinen nebst entsprechenden Baustoffen gelagert werden.

Eine Besonderheit der Bundesstraße ist die historische Nummerierung der Gebäude. Diese verlaufen nicht auf- bzw. absteigend ihrer Anordnung entlang der Straße, sondern gehen auf historische Gepflogenheiten zurück, nach der Häuser ihre Nummern entsprechend des Zeitpunkts ihrer Bebauung erhielten. Das erste Haus an einer Straße trug so die 1, das zweite die 2 und so weiter. Eine solche Nummerierung findet sich heute bundesweit nur noch sehr vereinzelt, zum Beispiel auf der ostfriesischen Insel Baltrum. Daher wirkt die Nummerierung der Häuser entlang der Bundesstraße teilweise konfus. So folgt beispielsweise auf die Hausnummer 144 die Nummer 156 und darauf wiederum die 140. In Norden findet man dies nur noch hier und am Verschönerungsweg sowie am Leegelandweg, die ebenfalls zu Süderneuland II gehören.

Am 12. April 2021 musste das Wohnhaus mit der Nr. 139 für den Bau der Entwässerung des gegenüberliegenden Grundstück weichen. Hier entstand seit März 2021 ein neuer toom Baumarkt.

Galerie

Einzelnachweise

  1. Wiemann, Harm / Engelmann, Johannes (2002): Alte Wege und Straßen in Ostfriesland, Leer, S. 54
  2. Wiemann, Harm / Engelmann, Johannes (2002): Alte Wege und Straßen in Ostfriesland, Leer, S. 149
  3. Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)
  4. Beschreibung von Georgsheil in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
  5. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123
  7. Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52
  8. Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 125

Siehe auch