Gräfliches Haus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Geschichte==
==Geschichte==


Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584 - 1638) aus dem Hause Wasa, Witwe des [[Edzard II. Cirksena]].<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>
Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584 - 1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]], durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die [[Cirksena|Cirksenas]] in den europäischen Hochadel aufstiegen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>


1665 wurde das Gebäude von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />
1665 wurde das Gebäude von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />


1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]]. 1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie ''von Closter'' erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem [[Stadtrat|Ratsherren]] aus der niederländisch-ostfriesischen Familie ''Thoden van Felsen'', denen seit 1793 auch das [[Haus Vienna]] gehörte.<ref name=":1" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav aus Leer).<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref>
1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]].<ref name=":0" /><ref name=":1" />


Von 1859 bis zur Fertigstellung des [[Postamt|Postamtes]] im Jahre 1908 diente linke Teil des Gebäudes als solches.<ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9</ref> Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass heute nur noch der rechte übrig ist, in dem sich von 1861 bis 1922 der [[Soltau Kurier Norden]] und seit der Trennung nur noch die Druckerei von [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Unmittelbar nach Beginn des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] brachte der Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied ''Die Wacht am Rhein''.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14</ref>
1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie ''von Closter'' erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte [[Gasthof Jerusalem]].<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44</ref> Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt [[Ocke Meewes Verwer]] für 4.700 Reichstaler in Gold. Auf dessen Antrag hin wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.<ref name=":3" />


Bis heute ist das Gebäude Sitz von ''Otto G. Soltau''. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref>
Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem [[Stadtrat|Ratsherren]] aus der niederländisch-ostfriesischen Familie ''Thoden van Felsen'', denen seit 1793 auch das [[Haus Vienna]] gehörte.<ref name=":1" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav, ursprünglich wohnhaft in Leer).<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref> Von 1859 bis zur Fertigstellung des [[Postamt|Postamts]] im Jahre 1908 diente linke Teil des Gebäudes als solches.<ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9</ref>
 
Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der [[Soltau Kurier Norden]] und seit der Trennung nur noch die Druckerei von [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref>


== Beschreibung ==
== Beschreibung ==
Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm ist nichts mehr vorhanden.
Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm ist nichts mehr vorhanden.
== Trivia ==
Unmittelbar nach Beginn des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] brachte der Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied ''Die Wacht am Rhein''.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14</ref>


==Galerie==
==Galerie==

Version vom 15. September 2021, 19:29 Uhr

Gräfliches Haus

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Basisdaten
Entstehungszeit 16. Jahrhundert
Erbauer Katharina von Schweden
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 6

26506 Norden

Aufnahme vom 6. April 2003.

Das (Hoch-)Gräfliche Haus wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von Edzard Ferdinand Cirksena erhalten, der hier als Graf von Norden residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma Otto G. Soltau GmbH.

Geschichte

Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor Dr. Caspar Alteneich.[1] Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584 - 1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von Graf Edzard II., durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die Cirksenas in den europäischen Hochadel aufstiegen.[2]

1665 wurde das Gebäude von Edzard Ferdinand, dem dritten Sohn von Ulrich II. Cirksena bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als Graf von Norden in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das Ekeler Torenhus.[1]

1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn Friedrich Ulrich fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des Alten Rathauses.[1][2]

1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie von Closter erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch Kloster genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.[1][2] Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte Gasthof Jerusalem.[3] Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt Ocke Meewes Verwer für 4.700 Reichstaler in Gold. Auf dessen Antrag hin wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.[3]

Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem Ratsherren aus der niederländisch-ostfriesischen Familie Thoden van Felsen, denen seit 1793 auch das Haus Vienna gehörte.[2][4] 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav, ursprünglich wohnhaft in Leer).[5] Von 1859 bis zur Fertigstellung des Postamts im Jahre 1908 diente linke Teil des Gebäudes als solches.[5][6]

Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der Soltau Kurier Norden und seit der Trennung nur noch die Druckerei von Otto G. Soltau befindet.[7] Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender Radio Nordseewelle ansässig.[8]

Beschreibung

Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm ist nichts mehr vorhanden.

Trivia

Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkriegs brachte der Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied Die Wacht am Rhein.[9]

Galerie

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191
  3. 3,0 3,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44
  4. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38
  5. 5,0 5,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192
  6. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9
  7. Internetseite des Soltau Kurier Norden, abgerufen am 12. März 2021
  8. Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, abgerufen am 8. Mai 2021
  9. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14

Siehe auch