Deichmühle: Unterschied zwischen den Versionen
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| colspan="2" |[[Datei:Bahnhofstrasse 1 Deichmuehle 11102015.jpg|mini|Die Deichmühle in der Bahnhofstraße - 11. Oktober 2015.|alternativtext=|zentriert]] | | colspan="2" |[[Datei:Bahnhofstrasse 1 Deichmuehle 11102015.jpg|mini|Die Deichmühle in der Bahnhofstraße - 11. Oktober 2015.|alternativtext=|zentriert]] | ||
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Die '''Deichmühle''' (historisch: [[Addinggaste|''Addinggaster'']] ''Teichmühle'')<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 29; ''Teich'' ist hier im Sinne von ''Deich'' zu verstehen</ref> befindet sich im Winkel der heutigen Straßenzüge [[Raiffeisenstraße]] und [[Bahnhofstraße]]. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von [[Süderneuland]], woraus sich ihr Name herleitet. Auch die Raiffeisenstraße trug einst den Namen | Die '''Deichmühle''' (historisch: [[Addinggaste|''Addinggaster'']] ''Teichmühle'')<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 29; ''Teich'' ist hier im Sinne von ''Deich'' zu verstehen</ref> befindet sich im Winkel der heutigen Straßenzüge [[Raiffeisenstraße]] und [[Bahnhofstraße]]. Der Kern dieser einstigen Bockwindmühle stammt noch aus dem Jahr 1593 und fällt damit in die Zeit der Eindeichung von [[Süderneuland]], woraus sich ihr Name herleitet. Auch die Raiffeisenstraße trug einst den Namen ''Deichweg''. Gemeinsam mit der baugleichen [[Frisiamühle]] dominiert die Deichmühle das südliche Stadtbild und ist eines der Wahrzeichen von Norden. Der vierstöckige Galerieholländer, der mit einer Höhe von 28,5 Metern die dritthöchste Mühle Ostfrieslands ist, ist heute noch voll funktionsfähig.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> | ||
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Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von [[Edzard II. Cirksena]] errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Manche Quellen sprechen davon, dass es hier bereits 13. Jahrhundert eine Bockwindmühle gegeben, doch dürfte diese spätestens bei den [[Erste Dionysiusflut|verheerenden Sturmfluten]] im 14. Jahrhundert zerstört worden sein. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hatte, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.<ref>Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.</ref> Edzards Einfluss im [[Süderneuland]] war groß, denn er sicherte sich auch das [[Addinggaster Grashaus]] mit seinen umfassenden Ländereien. Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht gegen den Mühlenzwang klagte, errichtete Edzard II. die Bockwindmühle am heutigen Standort. Auch diese gehörte zwar dem Landesherren, doch wurde sie zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454</ref> 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3178</ref> Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3404</ref> | Als Vorgängerbau der Deichmühle kann eine 1588 von [[Edzard II. Cirksena]] errichtete Mühle gesehen werden, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Manche Quellen sprechen davon, dass es hier bereits 13. Jahrhundert eine Bockwindmühle gegeben, doch dürfte diese spätestens bei den [[Erste Dionysiusflut|verheerenden Sturmfluten]] im 14. Jahrhundert zerstört worden sein. Bei letztgenannter Mühle soll es sich um eine sogenannte Zwangsmühle gehandelt haben. Das bedeutet, dass Edzard II. von seinem Vorrecht als Grundherr Gebrauch gemacht hatte, eine Mühle zu errichten und die umliegenden Bauer dort zu mahlen verpflichtete.<ref>Schreiber, Gretje (1997): Streit um das Land am Meeresrand, in: Ostfriesland Magazin Jg. 1997/12, S. 108-119, hier S. 112f.</ref> Edzards Einfluss im [[Süderneuland]] war groß, denn er sicherte sich auch das [[Addinggaster Grashaus]] mit seinen umfassenden Ländereien. Nachdem Graf Wilhelm zu Inn- und Knyphausen aus Lütetsburg vor dem Reichskammergericht gegen den Mühlenzwang klagte, errichtete Edzard II. die Bockwindmühle am heutigen Standort. Auch diese gehörte zwar dem Landesherren, doch wurde sie zumindest alle sechs Jahre auf Zeit verpachtet.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3161 u. Rep. 6, Nr. 454</ref> 1676 wird ein Erbpachtsvertrag über 20 Reichstaler (Windgeld) aufgesetzt.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3178</ref> Für jede Tonne gemahlenen Getreides wird für den Zubringer eine Gebühr von 6 Stübern fällig.<ref>StAA, Rep. 6, Nr. 3404</ref> | ||
Als sich die ostfriesischen Stände gegen | Als sich die ostfriesischen Stände gegen [[Georg Albrecht Cirksena|Fürst Georg Albrecht]] aus dem Hause [[Cirksena]] zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhoben, kam es zwischen 1724 und 1726 zum sogenannten [[Ostfriesischer Ständekrieg|Ostfriesischen Ständekrieg]] (''Appelle-Krieg''), im Rahmen dessen auch die Deichmühle stark beschädigt wurde, da sie den Cirksena gehörte. Nach Ende des Krieges ging die Mühle schließlich 1734 an einen Privatmann über.<ref>[https://www.ostfriesland.travel/sehenswuerdigkeiten/sehenswuerdigkeit/deichmuehle-norden-norden-norddeich Geschichte der Deichmühle] auf Ostfriesland.travel</ref> | ||
Im Laufe der Zeit wechselte die Mühle immer wieder den Besitzer und verfiel zusehends. Im Jahr 1900 gelangt die Mühle in den Besitz eines Mannes namens Ulferts. Dieser plante bereits einen Neubau, doch verstarb er daraufhin und seine Witwe veräußert die Mühle an [[Weert Meyer]], der bereits zuvor die [[Frisiamühle]] | Im Laufe der Zeit wechselte die Mühle immer wieder den Besitzer und verfiel zusehends. Im Jahr 1900 gelangt die Mühle in den Besitz eines Mannes namens Ulferts. Dieser plante bereits einen Neubau, doch verstarb er daraufhin und seine Witwe veräußert die Mühle an [[Weert Meyer]], der bereits zuvor die [[Frisiamühle]] gepachtet hatte. Sein Pachtvertrag war jedoch ausgelaufen. Durch Meyer wird die Bockwindmühle letztlich abgebrochen und als Galerieholländer wiedererrichtet.<ref>Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Diese Jahreszahl ist auch über dem Eingang der Mühle vermerkt. | ||
Neben der Baufälligkeit war auch der hohe Hafendeich und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft, die nur einen sehr eingeschränkten Betrieb ermöglichten, der Grund für einen Neubau. Bereits die Vorbesitzer plagten sich mit diesen Gegebenheiten. Meyer stellte daraufhin einen Bauantrag, der jedoch aufgrund Bedenken beim Brandschutz abgelehnt wurde: Im Umfeld der Mühle befanden sich mehrere Holzlagerstätten und die Behörden befürchteten, dass ein Galerieholländer zu hoch und damit zu anfällig für Blitzeinschläge sein würde. Nachdem Meyer eine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, erhielt er letztlich doch noch eine Baugenehmigung, wenn auch mit Auflagen (Blitzableiter, Blechdach, eiserne Flügelwelle). Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte errichtete schließlich im Auftrage Meyers die Mühle. Die Bauarbeiten schritten schnell voran und bereits gegen Ende des Jahres 1900 war ein erster Betrieb möglich. 1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.<ref name=":0">[http://www.deichmuehle.de/ Internetseite der Deichmühle], abgerufen am 5. Juli 2021</ref> | Neben der Baufälligkeit war auch der hohe Hafendeich und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft, die nur einen sehr eingeschränkten Betrieb ermöglichten, der Grund für einen Neubau. Bereits die Vorbesitzer plagten sich mit diesen Gegebenheiten. Meyer stellte daraufhin einen Bauantrag, der jedoch aufgrund Bedenken beim Brandschutz abgelehnt wurde: Im Umfeld der Mühle befanden sich mehrere Holzlagerstätten und die Behörden befürchteten, dass ein Galerieholländer zu hoch und damit zu anfällig für Blitzeinschläge sein würde. Nachdem Meyer eine Beschwerde an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, erhielt er letztlich doch noch eine Baugenehmigung, wenn auch mit Auflagen (Blitzableiter, Blechdach, eiserne Flügelwelle). Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte errichtete schließlich im Auftrage Meyers die Mühle. Die Bauarbeiten schritten schnell voran und bereits gegen Ende des Jahres 1900 war ein erster Betrieb möglich. 1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.<ref name=":0">[http://www.deichmuehle.de/ Internetseite der Deichmühle], abgerufen am 5. Juli 2021</ref> | ||
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Mitte der 30er Jahre war ein Teil des Wohn- und des Lagerhauses der Deichmühle an die Firma Wilken Tee aus Aurich verpachtet. Dort wurde Tee gemischt und auch abgepackt. Die Mühle befand sich zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand. Durch Blitzschlag brach ein Flügelteil ab und die Windrose war defekt. Vermutlich konnte Müller Bontjes durch Aufträge für die Heeresverpflegung der Wehrmacht die Mühle wieder Instandsetzen.<ref name=":0" /> | Mitte der 30er Jahre war ein Teil des Wohn- und des Lagerhauses der Deichmühle an die Firma Wilken Tee aus Aurich verpachtet. Dort wurde Tee gemischt und auch abgepackt. Die Mühle befand sich zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand. Durch Blitzschlag brach ein Flügelteil ab und die Windrose war defekt. Vermutlich konnte Müller Bontjes durch Aufträge für die Heeresverpflegung der Wehrmacht die Mühle wieder Instandsetzen.<ref name=":0" /> | ||
1947 bekam die Mühle einen neuen Anstrich, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden. In den 1950er begann sich eine wirtschaftliche Verbesserung einzustellen, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Müller Bontjes beschäftigte einen Take Janssen als Müller, der sein Handwerk gut zu verstehen schien. Dennoch kam man mit der Arbeit kaum nach. Janssen berichtete: "Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief". Ab 1957 pachtete ein M. O. Kalverkamp die Mühle. Unklar ist, ob Bontjes verstarb oder er diese lediglich weiterverpachtete. Kalverkamp investierte ebenso in die Mühle und richtete einen elektrischen Sackaufzug ein. Sein Pachtverhältnis dauerte jedoch nicht lange, bereits in den 1960ern wird die anliegende [[Raiffeisengenossenschaft]] neuer Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. Bis etwa 1968 wurde die Windkraft zum Antrieb der Mühle genutzt und nur bei Windstille auf den Motor zurückgegriffen.<ref name=":0" /> | 1947 bekam die Mühle einen neuen Anstrich, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden. In den 1950er begann sich eine wirtschaftliche Verbesserung einzustellen, die Auftragsbücher waren gut gefüllt. Müller Bontjes beschäftigte einen Take Janssen als Müller, der sein Handwerk gut zu verstehen schien. Dennoch kam man mit der Arbeit kaum nach. Janssen berichtete: "''Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief"''. Ab 1957 pachtete ein M. O. Kalverkamp die Mühle. Unklar ist, ob Bontjes verstarb oder er diese lediglich weiterverpachtete. Kalverkamp investierte ebenso in die Mühle und richtete einen elektrischen Sackaufzug ein. Sein Pachtverhältnis dauerte jedoch nicht lange, bereits in den 1960ern wird die anliegende [[Raiffeisengenossenschaft]] neuer Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktionsanlagen (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins. Die Mühle wird nun vor allem zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. In den Nebengebäuden wurde Düngemittel gelagert. Bis etwa 1968 wurde die Windkraft zum Antrieb der Mühle genutzt und nur bei Windstille auf den Motor zurückgegriffen.<ref name=":0" /> | ||
Nach Ende der gewerblichen Nutzung gelangt die Mühle in den Besitz der Familie Wagener aus Papenburg. Maria Anna Wagener ließ sodann eine eine alte, baufällige Flügelrute erneuert. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Instandsetzungsmaßnahmen, so wurde auch der Oberbau durch einen niederländischen Mühlenbauer erneuert. Die Kappe wurde letztmalig 2007 erneuert und die Mühle ist weiterhin voll funktionsfähig. Gegen Ende der 1970er kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die letztlich eine Verbreiterung der Bahnhofstraße durchsetzte und das vordere Grundstück der Windmühle dadurch massiv verkleinerte.<ref name=":0" /> Ein großer Vorhof war für Mühlen üblich und spätestens ab dem 4. Dezember 1834 sogar gesetzlich vorgeschrieben, damit die Pferde vorbeifahrender Kutschen nicht durch den Flügelschlag scheuten. Der Abstand zur Straße musste mindestens 50 Ruthen (altes Längenmaß; 1 Ruthe = 3,89 Meter) betragen.<ref>[http://www.muehlenland-niedersachsen.de/fileadmin/Muehlenland/Downloads/M%C3%BChlst._51-11.pdf ''Ochtersumer Turmholländer 100 Jahre alt''], abgerufen am 18. August 2021</ref> | Nach Ende der gewerblichen Nutzung gelangt die Mühle in den Besitz der Familie Wagener aus Papenburg. Maria Anna Wagener ließ sodann eine eine alte, baufällige Flügelrute erneuert. In den folgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Instandsetzungsmaßnahmen, so wurde auch der Oberbau durch einen niederländischen Mühlenbauer erneuert. Die Kappe wurde letztmalig 2007 erneuert und die Mühle ist weiterhin voll funktionsfähig. Gegen Ende der 1970er kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit der Straßenverkehrsbehörde, die letztlich eine Verbreiterung der Bahnhofstraße durchsetzte und das vordere Grundstück der Windmühle dadurch massiv verkleinerte.<ref name=":0" /> Ein großer Vorhof war für Mühlen üblich und spätestens ab dem 4. Dezember 1834 sogar gesetzlich vorgeschrieben, damit die Pferde vorbeifahrender Kutschen nicht durch den Flügelschlag scheuten. Der Abstand zur Straße musste mindestens 50 Ruthen (altes Längenmaß; 1 Ruthe = 3,89 Meter) betragen.<ref>[http://www.muehlenland-niedersachsen.de/fileadmin/Muehlenland/Downloads/M%C3%BChlst._51-11.pdf ''Ochtersumer Turmholländer 100 Jahre alt''], abgerufen am 18. August 2021</ref> | ||