Weinhaus: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (4 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
{ | {{Infobox Gebäude | ||
|center=53.59526632708729, 7.203128026765033 | |||
|circles=53.59526632708729, 7.203128026765033 :25 | |||
|zoom=18 | |||
|Entstehungszeit=1804 (vor 1539) | |||
|Erbauer=[[Christoph Daniel Heuen]] | |||
|Bauweise=Hotel | |||
| center = 53.59526632708729, 7.203128026765033 | |Erhaltungszustand=erhalten | ||
| circles = 53.59526632708729, 7.203128026765033 :25 | |Genaue Lage=[[Am Markt]] 38 | ||
| zoom = | 26506 Norden | ||
| | |||
| | |||
}} | }} | ||
Das '''Weinhaus''' ist ein ehemaliges Hotel mit Gasthof am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]]. Nach einer Nutzung durch das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] ging das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1981 in die Nutzung der [[Polizei Norden|Polizei]] über, die bis dato Nutzer ist. Heute trägt ein Hotel in der [[Golfstraße]] ebenfalls diesen Namen, welches sich den guten Namen zu Eigen machte und vom den Nachfolger eines früheren Eigentümers des Weinhauses eröffnet wurde. | |||
Das '''Weinhaus''' ist ein | |||
__TOC__ | __TOC__ | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. Es handelte sich ursprünglich um einen Gulfhof, der in einigen Räumlichkeiten gastwirtschaftlich genutzt wurde. Genannt wurde es erstmals 1539, als Ernst Friedrichs [[von Wicht]] von einem Unfall am Weinhaus (''"ante oenopolium"'') berichtet. Ein Diener von [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] nahm die Zügel eines Pferdes zu kurz, sodass das geführte Tier den Unglücklichen an die Wand des Hauses drängte und ihm den Brustkorb zerdrückte. Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 104ff.</ref> | Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. Es handelte sich ursprünglich um einen Gulfhof, der in einigen Räumlichkeiten gastwirtschaftlich genutzt wurde. Genannt wurde es erstmals 1539, als Ernst Friedrichs [[von Wicht]] von einem Unfall am Weinhaus (''"ante oenopolium"'') berichtet. Ein Diener von [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] nahm die Zügel eines Pferdes zu kurz, sodass das geführte Tier den Unglücklichen an die Wand des Hauses drängte und ihm den Brustkorb zerdrückte. Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 104ff.</ref> | ||
Im Jahre 1568 wird [[Frans Wyntapper]] als Pächter des Weinhauses genannt. Auch er betreibt hier eine Schank- und Gastwirtschaft.<ref name=":1">[https://www.teetied-ostfriesland.de/artikel-und-geschichten/der-weinkeller-des-norder-hotel-zum-weinhaus/ Der Weinkeller des Norder Hotel Zum Weinhaus], abgerufen am 14. April 2021</ref> In der Zeit um 1579 war [[Everwien von Colln]] Pächter des Weinhauses.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 93</ref> 1612 hieß der Pächter [[Thomas Johanßen Krämer]], welcher aus Emden stammte. Am 17. März 1615 verpachteten Kirchenverwalter [[Ulben Hajunga]] und [[Wille Meppen]] mit Zuziehung des Bürgermeisters [[Erhard Lüppena]] sowie [[Ludolph Mannena]] das Weinhaus dem [[Hero Gerritz]] auf vier Jahre. Doch bereits 1618 wird ein [[Wilhelm in dat Winhues]] als Pächter genannt. 1648 hatte der Apotheker [[Johann Rudolf Siltmann (1625)|Johann Rudolf Siltmann]] das Weinhaus gepachtet, 1672 pachtete es ein Mann mit dem Nachnamen Talke.<ref name=":0" /> | |||
Am 30. Januar 1613 | Das Weinhaus belieferte die [[Ludgerikirche]] mit Wein für das Abendmahl.<ref>Bach, Adolf (1943): Deutsche Namenkunde / Band 1: Die deutschen Personennamen, Berlin, S. 415</ref> Auch war es im 16. Jahrhundert Versammlungsort der [[Theelacht]].<ref name=":0" /> Seitdem und - vermutlich noch bis zum Neubau des [[Amtsgericht Norden|Amtsgerichts]] im Jahre 1836 - war es zudem oftmals Räumlichkeit für Zeugenvernehmungen in Gerichtsprozessen des [[Stadtgericht Norden|Stadtgerichts]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 27</ref> | ||
Am 30. Januar 1613 verlieh [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] dem Weinhaus das Privileg, dass alle ''"Kertz-Käuffe und Commissiones, Actus und Verrichtungen"'', wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als hier abgehalten werden sollten.<ref name=":0" /> Dies implizierte auch die öffentlichen Versteigerungen, deren Erlös ab 1630 durch Verordnung von [[Ulrich II. Cirksena]] dem 1567 gegründeten und 1631 nach ihm zum Dank benannten [[Ulrichsgymnasium]] zuteil wurde. Der Begriff ''Kertz-Käuffe'' rührt daher, dass zu Beginn der Versteigerungen eine Kerze angezündet wurde. Die Bietenden konnten solange ein Gebot abgeben, bis die Kerze niedergebrannt war.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 21</ref> Die Auktionen verliefen nach einem festgelegten Muster und - anders als heute - wurde zunächst ein hohes Gebot abgegeben, das immer niedriger angesetzt wurde, bis sich ein Kaufinteressant fand.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 28</ref> Doch nicht nur Güter wurden versteigert, sondern auch Privilegien bzw. Vorrechte. Wichtigste Versteigerung waren die Hafenrechte, die einmal jährlich versteigert wurden. Die Einnahmen aus den Versteigerungen waren wichtiger Teil des städtischen Finanzhaushalts. Für den Eintritt müssten die Teilnehmer ein sogenanntes Stübergeld entrichten, das dem [[Gasthaus|Armenhaus]] zugute kam.<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> | |||
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] (1618-1648) und des [[Siebenjähriger Krieg|Siebenjähriges Krieges]] (1756-1763) diente der Saal des Weinhauses als Unterrichtsraum für Schüler des Gymnasiums. Ferner sollen vor 1751 bis zu 20 minderbemittelte (= wenig vermögende) Kinder in einem Anbau des Weinhauses untergebracht worden sein, was auf einen entsprechenden Erlass von Ulrich II. zurückging, wonach notdürftigen Kindern dort sowohl ein Mittagessen als auch eine Unterkunft gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden sollte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref> Dies war ein auf den Wirt des Weinhaus beschränktes Privileg, der als einziger die Bewirtung der Schüler durchführen durfte. Anderen Kindern, als den notdürftigen, dürfte er nichtsdestotrotz ebenso eine Mahlzeit anbieten. Während er mit der Preisgestaltung und der Essenswahl bei den Notdürftigen eingeschränkt war, konnte er die Speisen sowie die Preisgestaltung bei den sonstigen Kindern weitestgehend frei gestalten, wenngleich Ulrich II. ihm auftrug, einen angemessenen und keineswegs einen überteuerten Preis zu verlangen.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 22</ref> | Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] (1618-1648) und des [[Siebenjähriger Krieg|Siebenjähriges Krieges]] (1756-1763) diente der Saal des Weinhauses als Unterrichtsraum für Schüler des Gymnasiums. Ferner sollen vor 1751 bis zu 20 minderbemittelte (= wenig vermögende) Kinder in einem Anbau des Weinhauses untergebracht worden sein, was auf einen entsprechenden Erlass von Ulrich II. zurückging, wonach notdürftigen Kindern dort sowohl ein Mittagessen als auch eine Unterkunft gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden sollte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref> Dies war ein auf den Wirt des Weinhaus beschränktes Privileg, der als einziger die Bewirtung der Schüler durchführen durfte. Anderen Kindern, als den notdürftigen, dürfte er nichtsdestotrotz ebenso eine Mahlzeit anbieten. Während er mit der Preisgestaltung und der Essenswahl bei den Notdürftigen eingeschränkt war, konnte er die Speisen sowie die Preisgestaltung bei den sonstigen Kindern weitestgehend frei gestalten, wenngleich Ulrich II. ihm auftrug, einen angemessenen und keineswegs einen überteuerten Preis zu verlangen.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 22</ref> | ||
1804 errichtete [[Christoph Daniel Heuen]] als neuer Inhaber einen Neubau an der bisherigen Stelle.<ref name=":3" /><ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 9</ref> Dieser war seit 1779 Pächter und ab 1803 Eigentümer des Weinhauses.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 88</ref><ref name=":2">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Der Kaufpreis betrug 10.600 Gulden.<ref name=":5">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 73</ref> Einige mittelalterliche Gebäudeteile, so etwa der Keller, blieben hierbei erhalten. Das bei den Versteigerungen zu zahlende ''Stübergeld'' ging seitdem in die Kasse des Wirtes, das er für den Verzehr einbehielt.<ref name=":3" /> Das Privileg der Kerzenkäufe konnte sich auch Heuens Sohn Ernst Georg, der seit 1819 der Eigentümer war, bis 1826 bewahren, ehe die hannoversche Regierung die Fortführung dieser Tradition schließlich ablehnte.<ref name=":2" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> | 1804 errichtete [[Christoph Daniel Heuen]] als neuer Inhaber einen Neubau an der bisherigen Stelle.<ref name=":3" /><ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 9</ref> Dieser war seit 1779 Pächter und ab 1803 Eigentümer des Weinhauses.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 88</ref><ref name=":2">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 66</ref> Der Kaufpreis betrug 10.600 Gulden.<ref name=":0" /><ref name=":5">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 73</ref> Einige mittelalterliche Gebäudeteile, so etwa der Keller, blieben hierbei erhalten. Das bei den Versteigerungen zu zahlende ''Stübergeld'' ging seitdem in die Kasse des Wirtes, das er für den Verzehr einbehielt.<ref name=":3" /> Das Privileg der Kerzenkäufe konnte sich auch Heuens Sohn [[Ernst Georg Heun|Ernst Georg]], der seit 1819 der Eigentümer war, bis 1826 bewahren, ehe die hannoversche Regierung die Fortführung dieser Tradition schließlich ablehnte.<ref name=":2" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> | ||
Eine Besonderheit bei den Versteigerungen und Verkäufen jener Zeit im Weinhaus war, dass bei größeren Aktionen eine Tonne, bei kleineren eine halbe Tonne Fassbier spendiert wurde. Außerdem wurden Pfeifen und Tabak geraucht. Der Wirt erhielt jedes Mal 12 Reichstaler zugebilligt und zwar 5 Reichstaler für eine Tonne Bier nebst Pfeifen und Tabak, 2 Reichstaler Entschädigung für das zu liefernde Licht und 5 Reichstaler als Saalmiete. Da natürlich auch sehr viel Bier aus eigener Tasche getrunken wurde, machte der Wirt bei allen größeren Verkäufen eine sehr gutes Geschäft.<ref name=":0" /> | |||
Erneut wurde das Weinhaus im Jahre 1813 im Zusammenhang mit dem ''[[Seebergskrug]]'' in [[Norddeich]] erwähnt. Der Betreiber bot den im Weinhaus und im [[Vossenhus]] logierenden Gästen einen Kutschenservice zu einer Gastwirtschaft an.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 322</ref> Die mit dem Seebergskrug zusammenhängende Werbung gilt als erster Beleg touristischer Werbung für Norddeich. | Erneut wurde das Weinhaus im Jahre 1813 im Zusammenhang mit dem ''[[Seebergskrug]]'' in [[Norddeich]] erwähnt. Der Betreiber bot den im Weinhaus und im [[Vossenhus]] logierenden Gästen einen Kutschenservice zu einer Gastwirtschaft an.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 322</ref> Die mit dem Seebergskrug zusammenhängende Werbung gilt als erster Beleg touristischer Werbung für Norddeich. | ||
Am 1. Mai 1833 erwarb [[Johann Carstens]] aus Emden das Weinhaus. Da Carstens zur 1848 gegründeten [[Bürgerwehr]] gehörte, nutzte diese den Saal im Weinhaus für ihre Zusammenkünfte. Ab 1854 oder 1857 gehörte das Gebäude dem Gastwirt Dippel aus Münden, dessen Witwe es 1898 an den Gastwirt Simmering verkaufte. | Am 1. Mai 1833 erwarb [[Johann Carstens]] aus Emden das Weinhaus. Da Carstens zur 1848 gegründeten [[Bürgerwehr]] gehörte, nutzte diese den Saal im Weinhaus für ihre Zusammenkünfte. Ab 1854 oder 1857 gehörte das Gebäude dem [[Eduard Dippel|Gastwirt Dippel]] aus Münden, dessen Witwe es 1898 an den [[Peter Simmering|Gastwirt Simmering]] aus [[Süderneuland]] verkaufte, der nach eigenem Bekunden bereits viele Jahre erfolgreich als Hotelier auf Norderney tätig gewesen war.<ref name=":0" /> Simmering veräußerte das Weinhaus jedoch noch im selben Jahr an die Gebrüder Schmidt aus Dornum.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 72</ref> Die [[Doornkaat|Brennerei Doornkaat]] unterstützte die neuen Inhaber durch Gewährung von Bürgschaften.<ref>WirtA NW WAN F 20 Nr. 45</ref> So konnten diese das Gebäude 1899 mit einer neuen Fassade versehen.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref> | ||
1903 wurden die von Norderney stammenden Wirtsleute [[Georg Schuchardt|Schuchardt]] und [[Robert Hahn|Hahn]] neue Eigentümer des Hotels.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 13</ref> Zehn Jahre später, im Jahre 1913, verkauften sie es an den Hotelier König, der es nach einigen Jahren seinem [[Peter König|Sohn Peter]] vermachte.<ref name=":5" /> 1919 wurde ein neuer Hotelbetrieb im Weinhaus beantragt und am 8. September des Jahres genehmigt, allerdings bereits kurze Zeit später wegen Unrentabilität wieder aufgegeben.<ref name=":0" /> Kurz zuvor - am 13. Oktober des Jahres - wurde hier noch der [[Heimatverein Norderland]] gegründet.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 7</ref> Der Hotelbetrieb war unrentabel geworden, denn die 1883 erbaute [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole]] wurde 1892 bis zur [[Mole Norddeich]] erweitert, sodass die zahlreichen Inselgäste nicht mehr einen Zwischenhalt in Norden machen mussten.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 125</ref> | |||
Ab dem 1. Januar 1921 zog das [[Finanzamt Norden|Finanzamt]] hier ein, der [[Landkreis Norden]] hatte das Gebäude kurz zuvor erworben und die Aufgaben des Finanzamtes von dem am [[Fräuleinshof]] ansässigen [[Landratsamt]] abgetrennt.<ref name=":3" /><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 12</ref> Die große Norder Steuerbehörde entstand, wie auch in vielen anderen deutschen Städten - darunter Wittmund und Jever - in einem Hotel und um die von den Siegermächten auferlegten Reparationszahlungen eintreiben zu können.<ref name=":6">Ostfriesischer Kurier vom 15. Februar 1964</ref> Die Familie König zog in das benachbarte Gebäude, das im Volksmund auch ''[[Pumphaus]]'' genannt wurde.<ref name=":5" /> Das heutige ''Hotel Weinhaus'' an der [[Golfstraße]] in [[Norddeich]] wurde in den 1970er Jahren von dem [[Alfred Pöttke|Gastwirt Pöttke]] eröffnet.<ref name=":7">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 75f.</ref> Pöttke war der Neffe der letzten Weinhaus-Besitzerin [[Minna Wendelina König]] und ein Enkel des Gastwirts [[Gustav König]]. | |||
1951 übernahm die Landesfinanzverwaltung das Gebäude. Bei Erkundungen im Jahre 2018 wurde noch ein - offenbar übersehener - Stapel von Standardformularen des Finanzamtes in einem der Kellerräume gefunden.<ref name=":1" /> | 1951 übernahm die Landesfinanzverwaltung das Gebäude, hintere Räumlichkeiten wurden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Kirchengemeinde]] genutzt. Bei Erkundungen im Jahre 2018 wurde noch ein - offenbar übersehener - Stapel von Standardformularen des Finanzamtes in einem der Kellerräume gefunden.<ref name=":1" /> Von Anfang an wurden die baulichen Gegebenheiten in dem Gebäude für die Bediensteten des Finanzamtes sowie für Besucher als Zumutung empfunden. Insbesondere die ''halbdunklen Diensträume'' wurden beklagt. Aus Platzmangel war die Behörde bereits seit August 1963 gezwungen, ein weiteres Gebäude an der Westseite des Marktplatzes zu beziehen.<ref name=":6" /> Auch der Sparzwang der letzten Jahrzehnte durch die Wirtschaftskrise und den [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] standen Sanierungsmaßnahmen entgegen, sodass das Gebäude seit den 1920er Jahren praktisch nicht mehr saniert wurde.<ref name=":7" /> | ||
Nachdem das Finanzamt schließlich 1981 in einen Neubau am [[Mühlenweg]] zog, richtete das Land Niedersachsen hier eine Dienststelle (''Kriminalkommissariat Norden'') der Kriminalpolizei ein.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 91</ref> Ein Abriss zugunsten des Schaffens von Parkplätzen im Zuge des Ausbaus der [[Bundesstraße]] wurde trotz des Ansinnens einiger Norder Bürger nicht stattgegeben.<ref name=":6" /> Bis heute ist die [[Polizei Norden]] der Hauptnutzer des Gebäudes, die anderen Räumlichkeiten werden von der [[Ludgerigemeinde Norden|Ludgerigemeinde]] genutzt.<ref name=":4" /> Zur Erinnerung an die frühere Nutzung des Gebäudes wurde 1984 eine Tafel an der südlichen Außenmauer angebracht.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 53</ref> | |||
==Galerie== | ==Galerie== | ||