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Das ostfriesische Plattdeutsch ist, im Vergleich zum Niederdeutschen überhaupt, welches seit langer Zeit in vielen norddeutschen (und nordniederländischen) Regionen von der jeweiligen Dachsprache verdrängt wird, noch in einem verhältnismäßig lebendigen Zustand. Es existiert eine reiche Literatur in ostfriesischem Platt. Speziell das Norder Platt ist dabei erkennbar unterrepräsentiert. Dies ist wichtig zu wissen, da ein Großteil der regionalen Literatur von Autoren aus dem Raum Leer stammt und daher möglicherweise ein falsches Bild vermitteln kann. Es existiert bisher keine zusammenhängende Darstellung aller Besonderheiten des Norder Platt.
Das ostfriesische Plattdeutsch ist, im Vergleich zum Niederdeutschen überhaupt, welches seit langer Zeit in vielen norddeutschen (und nordniederländischen) Regionen von der jeweiligen Dachsprache verdrängt wird, noch in einem verhältnismäßig lebendigen Zustand. Es existiert eine reiche Literatur in ostfriesischem Platt. Speziell das Norder Platt ist dabei erkennbar unterrepräsentiert. Dies ist wichtig zu wissen, da ein Großteil der regionalen Literatur von Autoren aus dem Raum Leer stammt und daher möglicherweise ein falsches Bild vermitteln kann. Es existiert bisher keine zusammenhängende Darstellung aller Besonderheiten des Norder Platt.


Autoren, die im Norder Platt (im weiteren Sinne) schreiben oder geschrieben haben:
Autoren, die unter anderem im Norder Platt (im weiteren Sinne) schreiben oder geschrieben haben:


*Arend Dreesen (* 1883 in Norden, + 1928 in Norden)
*Wilfriede Aden-Bakker (* 1943 im Harlingerland, + 2017 in Norden)
*Ludwig Kimme (* 1907 in Grieth, + 1984 in Norden)
*Frerich Hokema (* 1897 in Norden, + 1984)
*Rudolf Bielefeld (* 1867, + 1933)
*Rudolf Bielefeld (* 1867, + 1933)
*Fooke Hoissen Müller (* 1798 in Aurich, + 1856 in Berlin)
*Christof Wehking (* 1924 in Norden, + 2004 in Malente))
*Marieluise Stolper (* 1947 auf Juist)
*Else Bontjes (* um 1950 in Osteel)
*Else Bontjes (* um 1950 in Osteel)
*Jan (Johann) Meiners (* 1908 in Bant, + 1998 in Visquard)
*Wilfriede Aden-Bakker (* 1943 im Harlingerland, + 2017 in Norden)
*Edzard Conring (* 1928, + 2012)
*Edzard Conring (* 1928, + 2012)
*[[Arend Dreesen]] (* 1883 in Norden, + 1928 in Norden)
*August Dreesen
*Willrath Dreesen
*Gitta Franken
*Fooke Hoissen Müller (* 1798 in Aurich, + 1856 in Berlin)
*[[Frerich Hokema]] (* 1897 in Norden, + 1984)
*Frank Jakobs (Norden), veröffentlicht u. a. Hörbeiträge beim Norddeutschen Rundfunk
*Frank Jakobs (Norden), veröffentlicht u. a. Hörbeiträge beim Norddeutschen Rundfunk
*[[Ludwig Kimme]] (* 1907 in Grieth, + 1984 in Norden)
*Jan (Johann) Meiners (* 1908 in Bant, + 1998 in Visquard)
*Johann Rabenstein (Großheide)
*Johann Rabenstein (Großheide)
*Marieluise Stolper (* 1947 auf Juist)
*Christof Wehking (* 1924 in Norden, + 2004 in Malente)


==Besondere Merkmale des Norder Platt==
==Besondere Merkmale des Norder Platt==
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* Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
* Die Überlänge in der Konjugation tritt nördlich der Leybuchtlinie meist nicht auf.
*Sonderfall: ''Arvt'' (Erbse), ostfrieslandweit einheitliche Schreibweise, aber im Norder Platt gesprochen wie ''*Aart'', im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert als ''*Aarv''.
*Sonderfall: ''Arvt'' (Erbse), ostfrieslandweit einheitliche Schreibweise, aber im Norder Platt gesprochen wie ''*Aart'', im Gegensatz dazu im südlichen Ostfriesland realisiert als ''*Aarv''.
*Starke Verschleifung von Verben (A. Dreesen: "Mu'ji" statt "Mutten ji"), Dentalpräteritum ggf. unrealisiert (A. Dreesen: "Denn wickel Oma sück uut höer Däkens")
*In- und auslautendes -d- oft unrealisiert (allgemeines Merkmal des Plattdeutschen, im Norder Platt sehr ausgeprägt): A. Dreesen: "boll" statt "bold"; "up Bea" statt "up't Bedd"


====2. Betrifft Aussprache und Schreibweise====
====2. Betrifft Aussprache und Schreibweise====
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====3. Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik====
====3. Betrifft Aussprache, Schreibweise und Grammatik====
'''Lautung einiger Formen des Präteritums''': freet, geev, kweem, leeg, nehm, seeg, seet, weer (in anderen Gebieten meist mit kurzem -a- realisiert)
'''Lautung einiger Formen des Präteritums''': freet, geev, kweem (neben keem), leeg, nehm, seeg, seet, weer (neben was) (in anderen Gebieten meist mit kurzem -a- realisiert)


(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)
(fressen, geben, kommen, legen/liegen, nehmen, sagen, sitzen, sein)
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Müssen: '''moten''' (he moot), statt in vielen anderen Varianten möten oder mutten
Müssen: '''moten''' (he moot), statt in vielen anderen Varianten möten oder mutten


Sollen: sölen/sallen?
Sollen: sölen/sallen/'''sullen'''? Bei A. Dreesen: "se sull", "wat sull' wi"
[[Datei:Platt Plural.png|mini|Flugblatt einer Theatergruppe aus Rechtsupweg, ganz unten der Hinweis "Anfangen don't wi immer..." im charakteristischen Sonderplural auf -nt. Das angehängte -t wird intuitiv als ungewöhnlich empfunden und daher mit Apostroph vom regulär gebeugten Verb abgetrennt.]]
[[Datei:Platt Plural.png|mini|Flugblatt einer Theatergruppe aus Rechtsupweg, ganz unten der Hinweis "Anfangen don't wi immer..." im charakteristischen Sonderplural auf -nt. Das angehängte -t wird intuitiv als ungewöhnlich empfunden und daher mit Apostroph vom regulär gebeugten Verb abgetrennt.]]
'''Einheitsplural auf ''-nt'' bei einigen Verbstämmen:'''
'''Einheitsplural auf ''-nt'' bei einigen Verbstämmen:'''