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Ab 1843 wurde Norderney auch von Emden und Leer aus mit großen Dampfschiffen angefahren. Die von [[Norddeich]] ablegenden Schiffe waren bis dato reine Segelschiffe, die wenig komfortabel und daher völlig ungeeignet für die betuchten Herrschaften waren, die Norderney zu besuchen planten. Zudem waren die Segelschiffe von geeigneten Witterungsverhältnissen abhängig.
Ab 1843 wurde Norderney auch von Emden und Leer aus mit großen Dampfschiffen angefahren. Die von [[Norddeich]] ablegenden Schiffe waren bis dato reine Segelschiffe, die wenig komfortabel und daher völlig ungeeignet für die betuchten Herrschaften waren, die Norderney zu besuchen planten. Zudem waren die Segelschiffe von geeigneten Witterungsverhältnissen abhängig.


Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte ''Schlenge''. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten namhafte Persönlichkeiten wie der Norder Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]], der Brauereibesitzer [[Hermann ten Doornkaat Koolman]], der Zichorienfabrikant [[Enno Oldewurtel]] sowie der wohlhabende Kaufmann und Großgrundbesitzer [[Sicco Theodor van Hülst]].<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 160</ref>
Im Juni 1871 beschlossen 23 Bürger aus Norden und Norderney, die ''Dampfschiffsrhederei Norden'' zu gründen, um einen regulären Schiffsverkehr mit geeigneten Schiffen zu gewährleisten. 1872 wurde das erste Dampfschiff in Dienst gestellt. Als Anleger diente eine befestigte Landungsbrücke, die sogenannte ''Schlenge''. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten namhafte Persönlichkeiten wie der Norder Bürgermeister [[Johann Taaks|Johann Hillern Taaks]], der Brauereibesitzer [[Hermann ten Doornkaat Koolman]], der Zichorienfabrikant [[Enno Oldewurtel]], der Humanmediziner [[Ernst Kruse|Dr. Ernst Kruse]] sowie der wohlhabende Kaufmann und Großgrundbesitzer [[Sicco Theodor van Hülst]].<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 160</ref><ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Christian_Carl_Kruse Wikipedia-Artikel zu Ernst Christian Carl Kruse], abgerufen am 31. Juli 2024</ref>


Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit''. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom [[Alter Bahnhof Norden|Norder Bahnhof]] zum Fähranleger, da die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.<ref name=":1" />
Aufgrund anfänglicher Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schiffsverkehrs, insbesondere durch strenge Winter und einer damit einhergehenden Vereisung der Fahrrinnen, kam Unmut bei den Norderneyern auf. Diese gründeten daraufhin im Jahr 1893 die ''Norderneyer Dampfschiffsrhederei Einigkeit''. Nach einem scharfen Konkurrenzkampf entschieden sich beide Unternehmen zu einer Zusammenarbeit. Probleme bereitete auch der Transport der Fährgäste vom [[Alter Bahnhof Norden|Norder Bahnhof]] zum Fähranleger, da die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] bis 1893 nur bis nach Norden reichte und erst danach bis nach Norddeich ausgebaut wurde. Zuvor mussten die Fahrgäste aufgrund der wenigen Verbindungen oftmals nach der langen Zugreise in einem der zahlreichen Norder Gasthäuser übernachten. Nach dem Ausbau der Bahnstrecke setzte die Reederei dann ausrangierte Linienwagen ein, die von einer Speditionsfirma in Bremen angekauft wurden.<ref name=":1" />
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1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" />
1923 trat [[Carl Stegmann (1881)|Carl Stegmann]] in den Aufsichtsrat ein, wechselte 1929 in den Vorstand, dessen Vorsitzender er über drei Jahrzehnte blieb, um dann 1960 wieder in den Aufsichtsrat einzutreten, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Nach seinem Tode wurde auf Juist die ''Carl-Stegmann-Straße'' nach ihm benannt. Bis heute ist der Name Stegmann untrennbar mit der Frisia verbunden. 1928 nahm die Reederei ihren letzten Dampfer in Betrieb. Die 600 PS starke Frisia I mit einer Kapazität von 800 Personen avancierte zum Flaggschiff der Reederei, bis es 1966 auf einer Abwrackwerft endete. Ab 1929 wurden schließlich nur noch motorbetrieben Schiffe eingesetzt. Geordert wurden diese regelmäßig bei der Papenburger Meyer-Werft. In den Folgejahren kamen immer mehr Passagiere mit Kraftfahrzeugen nach [[Norddeich]], weshalb die Reederei 1930 ihre erste Großgarage erbaute. 1934 folgte eine weitere Hallengarage, die bald darauf auf 300 Stellplätze ausgebaut wurde.<ref name=":0" />


Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" />[[Datei:Norddeich Reederei Frisia Schiff Boot um 1930 01.JPG|mini|242x242px|Ein Kapitän der Reederei begrüßt ankommende Passagiere an Bord seines Schiffes (um 1930).]]1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am Molenkopf. 1969 erweiterte sie ihr Angebotsspektrum um den Luftverkehr. Hierfür errichtete sie einen [[Flugplatz]] am [[Westerlooger Strohweg]]. Ein Jahr später wurde das Tochterunternehmen ''Frisia Luftverkehrs GmbH'' gegründet, die den Flugplatz und -verkehr seitdem betreibt. 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet. Die Fahrzeuge mussten nun nicht mehr per Kran auf die Schiffe gehievt werden, sondern konnte die Fähren direkt befahren.<ref name=":0" />
Bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] verfügte die Reederei über drei Raddampfer, zwei Fahrgastschiffe und drei Frachtschiffe. Zu Kriegszeiten wurden die drei Raddampfer (Frisia IV, VIII und IX) sowie eines der Frachtschiffe (Frisia X) von der Kriegsmarine beschlagnahmt und als Minenräumschiffe genutzt; sie gingen teilweise verloren. Nach Kriegsende übernahmen die Briten kurzzeitig den Inselverkehr, bis die Reederei im Spätsommer 1945 wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte. Die Briten waren es, die erstmals auch Kraftfahrzeuge statt nur Personen und Waren auf die Inseln transportierten. Bei vielen Besuchern und Insulaner stieg dadurch das Interesse, auch ihr eigenes Kraftfahrzeug mit auf die Inseln zu nehmen. Insbesondere mit dem verstärkt aufkommenden Kraftfahrzeugverkehrs infolge des Wirtschaftswunders wurde der Handlungsdruck auf die Reederei schließlich so groß, dass man 1962 die erste kombinierte Personen-Autofähre in Dienst stellte. In der frühen Nachkriegszeit setzte man die Frisia V auch für den Fischfang ein, da die Versorgung der Bevölkerung sich, wie schon zu Zeiten beider Weltkriege, als sehr schwierig erwies.<ref name=":2" />
 
1946 kehrte [[Walter Stegmann]] in die Firma zurück, nachdem er 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde und Kriegsdienst, zuletzt in Wilhelmshaven, leisten musste.<ref name=":3">[https://bibliothek.ostfriesischelandschaft.de/wp-content/uploads/sites/3/dateiarchiv/2776/Stegmann-Walter.pdf Biografie von Walter Stegmann] in der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft, abgerufen am 5. Juni 2026</ref>
 
1949 wurde durch sein Wirken der massive Juister Schiffsanleger mit Gleisen zum Festland gebaut, die die hölzerne Anlage von 1894 ersetzte. Erste Autofährenanlegebrücken in Norderney und Norddeich entstanden 1953. 1957 wurde der zunehmende Güterverkehr nach Juist auf Paletten und Behälter umgestellt; 1958 auch der nach Norderney. 1958 musste die Gleisbrücke nach Juist bei starkem Verkehr erneuert werden.<ref name=":3" />[[Datei:Norddeich Reederei Frisia Schiff Boot um 1930 01.JPG|mini|242x242px|Ein Kapitän der Reederei begrüßt ankommende Passagiere an Bord seines Schiffes (um 1930).]]1960 baute die Reederei das neue Verwaltungsgebäude am [[Molenkopf]]. Im gleichen Jahr übernahm Walter Stegmann nach dem Rückzug seines Vaters den Alleinvorstand der Frisia-Reederei. Er stellte nun mit [[Wilhelm Groebler]] erstmals einen Diplomingenieur an, der fortan für die Konstruktionen verantwortlich war; acht weitere Schiffe wurden bis 1975 gebaut. 1962 begann der fahrplanmäßige Autoverkehr nach Norderney. Ab 1971 lief der Passagier- wie der Fahrverkehr über selbstkonstruierte Schiffsbrücken.<ref name=":3" /> 1972 wurde dann auch in Norddeich und auf Norderney die Fahrzeugrampe errichtet.<ref name=":0" /> 1975 gab es ein neues Betriebswerkstattgebäude.<ref name=":3" />
 
Gegen internen Widerstand stieg Stegmann 1969 mit einer fünfzigprozentigen Beteiligung in den Flugverkehr ein. Ab 1970 betrieb die Reederei als Alleingesellschafterin die [[Frisia Luftverkehr GmbH|''Frisia Luftverkehr GmbH'']], ab 1971 mit drei eigenen Maschinen (zwei vier- und einer sechssitzigen) einen Regelflugbetrieb betrieb sowie Sonderflüge anbot. Das Aktienkapital war von 1 Millionen RM (1935) auf 2,5 Millionen DM (1969) gewachsen. Die Personenbeförderung z.B. nach Norderney entwickelte sich von 243.413 im Jahre 1950 auf 818.996 im Jahre 1970.<ref name=":3" />


Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren.
Im Laufe der 1980er Jahre ließ die Reederei die gesamte Flotte erneuern oder umbauen und Mitte der 1990er Jahre abermals modernisieren. Mit der Frisia IV stellte das Unternehmen im April 2002 erstmals eine Doppelendfähre in Dienst. Diese brauchte im Hafen nicht mehr zu wenden und konnte in beide Richtungen fahren.
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Datei:Norddeich Frisia Kutter unbekanntes Datum 01.jpg|Unbekanntes Datum.
Datei:Norddeich Frisia Kutter unbekanntes Datum 01.jpg|Unbekanntes Datum.
Datei:Frisia um 1920 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1920.
Datei:Frisia um 1920 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1920.
Datei:Norddeich um 1925.jpg|Ein ablegendes Schiff der Reederei, vermutlich in der Zeit um 1925.
Datei:Frisia I um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Frisia I um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Frisia II um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.
Datei:Frisia II um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930.