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==Kloster Marienthal==
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|Entstehungszeit=vor 1198
| Title = Kloster Marienthal
|Erbauer=Benediktinerorden
| Text = Gebäude in Norden
|Bauweise=Kloster
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|Erhaltungszustand=1557 abgebrochen
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[[Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469142) MZ.jpg|mini|Luftaufnahme des [[Kreis-Altersheim|Kreis-Altersheims]]. Gut erkennbar sind die alten Klosterwege und -anlagen (1970).]]
! colspan="2" |Basisdaten
Das '''Kloster Marienthal''' (lateinisch: ''Vallis sanctae Mariae'') war ein vom katholischen Benediktinerorden (Zisterzienser) am damaligen Stadtrand gegründetes Kloster. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Er war Abt des Klosters Feldwirth bei Appingedam (Niederlande), welches als Mutterkloster der ostfriesischen Benediktinerklöster gilt. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden.
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|Entstehungszeit
Das Kloster war der Heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil ''-t(h)al'' geht auf die im Vergleich zur Kernstadt Norden, die auf dem höchsten Punkt der [[Norder Geestinsel]] errichtet wurde, leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück. 1255 wurde im Kloster der sogenannte [[Norder Vertrag]] unterzeichnet, der oftmals fälschlicherweise als Gründungsvertrag bzw. -datum der [[Stadt Norden]] angesehen wird. Diese ist jedoch wesentlich älter. In Abgrenzung zum jüngeren [[Kloster Norden]] wurde Marienthal auch ''Olde Kloster'', also ''Altes Kloster'', genannt.
|12. Jahrhundert
__TOC__
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==Geschichte==
|Erbauer
Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, zu dessen Bistum Norden zu dieser Zeit zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref name=":4">Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref> [[Gretje Schreiber]] geht in ihren Vermutungen noch weiter zurück und verlegt die Gründung in das Jahr 793.<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170</ref>
|Benediktinerorden
 
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Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von [[Ubbo Emmius]] soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.<ref name=":0" /> Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.<ref name=":1">Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> An diese alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname [[Am Zingel]]. Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen wurden.<ref name=":0" /> Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzte Form in die romanische Zeit datiert.<ref name=":4" />
|Bauweise
 
|Kloster
Am 21. April 1255 schloss das Emsigerland (historische Bezeichnung für die Stadt Emden und ihre Umgebung) mit der Stadt Bremen im Kloster den sogenannten [[Norder Vertrag]], ein Abkommen zur Wahrung des Friedens und der Sicherung der Handelswege. Der Vertragstext, der auch Sühnemaßnahmen für bestimmte Straftaten vorsah, wurde hier von den Vertragsparteien unterzeichnet und besiegelt. Obgleich der Vertrag für die Stadt Norden an sich eher wenig Bedeutung hatte, gilt er als herausragendes Dokument der Norder Stadtgeschichte, denn hier werden die Stadt und das Kloster erstmals gesichert urkundlich erwähnt. Aus diesem Grund wird das Jahr 1255 heute im Allgemeinen - wenn auch fälschlicherweise - als das Gründungsjahr der [[Stadt Norden]] angesehen.
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[[Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469141) MZ.jpg|mini|Eine weitere Luftaufnahme.]]
|Erhaltungszustand
Dass das Dokument im Kloster Marienthal unterzeichnet wurde, liegt darin begründet, dass dieses einen überaus guten Ruf als Vermittler genoss und als vornehmstes und wohlhabendstes Kloster im Umkreis galt.<ref>Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8</ref> Zudem war es neutral gelegenen und war mit keiner der beiden Vertragsparteien verbunden. Schon 14 Jahre später, am 25. Juli 1269, kam es zu einer Erneuerung des Vertrags, diesmal im benachbarten [[Kloster Norden|Dominikanerkloster]] am [[Fräuleinshof]], das erst wenige Jahre zuvor gegründet wurde.<ref>Friedlaender, Ernst: Ostfriesisches Urkundenbuch Bd. 1, Emden 1874-76, Urkunde Nr. 26 und 28</ref>
|1555 abgebrochen
 
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Abt in Marienthal war in dieser Zeit ein gewisser ''Winandus''. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: ''S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden''.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.</ref> Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des [[Norderland|Norderlandes]] blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref name=":1" /> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.<ref name=":0" /> Erlangt wurde der Wohlstand des Klosters vor allem durch Zuwendungen der zahlreichen Edelfamilien, die sich durch Schenkungen vor bzw. nach ihrem Tod wahrscheinlich ihr Seelenheil für begangene Sünden erkaufen wollten.<ref name=":02">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Theda_Graefin_v_Ostfr.pdf Deeters, Walter (1997): Biographie der Theda Ukena], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Mehrere Güter und Höfe, so etwa der [[Armenplatz]] und das [[Westerlooger Grashaus]] sicherten dem Kloster ein gutes Auskommen und unterstützten es bei seinen wohltätigen Einsätzen. Aber auch außerhalb der heutigen Stadtgrenzen verfügte das Kloster über Ländereien, so etwa bei 50 Hektar bei Wolthusen, das heute zu Emden gehört. Es entstammte einer testamentarischen Schenkung [[Theda Ukena|Gräfin Thedas]].<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 106</ref>
|Genaue Lage
|[[Am Zingel]] 18
26506 Norden
|}
Das '''Kloster Marienthal''' war ein vom katholischen Benediktinerorden gegründetes Kloster in Norden. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden. Das Kloster war der heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil "-t(h)al" geht auf die im Vergleich zu Kernstadt Norden leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück.


Im Kloster Marienthal wurde 1255 der [[Norder Vertrag]] unterzeichnet, der oftmals (fälschlicherweise) als Gründungsvertrag der Stadt Norden angesehen wird.
Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der [[Erste Dionysiusflut|Ersten Dionysiusflut]] heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie]], der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Es wurde daraufhin 1350 und erneut um 1400 grundlegend - auch mit finanzieller Unterstützung des Papstes<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 171</ref> - umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit besser Herr zu werden.<ref name=":1" /><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 65</ref> Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten vor allem über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden. Der Neubau der Klosterkirche wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Er war vermutlich breiter als sein Vorgänger. Möglicherweise stand ihre Errichtung in Zusammenhang mit den [[Cirksena|Cirksenas]], die dort ihr Erbbegräbnis einrichteten.<ref name=":5">Dolle, Josef (2012): Marienthal. In: Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, Bielefeld, S. 1033ff.</ref>
[[Datei:Am Zingel Kloster Marienthal Statue Maria 02 12 2012.jpg|mini|Statue der Heiligen Maria auf dem Gelände des Altenwohnheims.]]
1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.<ref name=":2">Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.</ref>


==Geschichte==
1529 wurde das Kloster im Zuge der seit 1527 in Norden Einzug haltenden Reformation säkularisiert, verlor also seine Bedeutung als solches und wurde ''verweltlicht''.<ref name=":2" /> 1531 fiel [[Balthasar von Esens]] in Norden ein. Seine Truppen zerstörten eine Vielzahl an Gebäuden in Norden, so zum Beispiel die [[Andreaskirche]] und das [[Altes Rathaus|Alte Rathaus]]. Auch plünderte er das Kloster und zerstörte dabei die Grablege der mit ihm verfeindeten [[Cirksena|Cirksenas]].<ref name=":2" /> In diesem Jahr lebten noch ein Mönch und eine Nonne in Marienthal, die wohl dem Kloster Thedinga in Leer unterstellt waren. Die anderen Mönche und Nonnen, von denen es 1530 noch rund 120 gegeben haben soll, zogen zuvor größtenteils in andere Klöster, etwa das Kloster Selward bei Groningen.<ref name=":1" />
Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Ordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, da Norden zu dieser Zeit dem Bistum Bremen zugeordnet war.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann. Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref>Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref>
[[Datei:Ludgerikirche Chorgestühl Kloster Marienthal.jpg|mini|Das ehemalige Gestühl des Klosters steht nun im Hochchor der [[Ludgerikirche]].]]
Der letzte Abt in Norden war [[Gerardus Synellius]]. Er wurde 1512 in sein Amt eingeführt und war am 1. Januar 1527 anlässlich der [[Norder Disputation]] der einzige Geistliche, der den ''alten Glauben'' und die katholische Kirche verteidigte. Doch stand er allein dar, die Reformation setzte sich durch. Seitdem ist Norden weitestgehend evangelisch geprägt. Synellius verließ das Kloster Marienthal vermutlich noch im gleichen Jahr, blieb aber bis zu seinem Tode im Jahre 1552 in Norden, weshalb davon ausgegangen wird, dass er keine weiteren Widerstandsbestrebungen gegen die Reformation vorbrachte.<ref name=":03">Tielke, Martin: Gerardus Synellius. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaft, Aurich</ref>


Nach der Gründung des [[Dominikanerkloster|Dominikanerklosters]] am [[Fräuleinshof]] im Jahr 1264 wurde das Kloster Marienthal auch als "altes Kloster" bzw. "Olde Cloester" bezeichnet. Es gehörte zu einem Klosterverband, dessen Gründung womöglich auf den Heiligen Sankt Hatebrand zurückgeht, weshalb Eggerik Beninga zu der Annahme kam, dass auch das Kloster Marienthal von diesem gegründet wurde. Die erste gesicherte Erwähnung findet sich in einem [[Norder Vertrag|Vertrag aus dem Jahre 1255]]. Dieses Jahr wird im Allgemeinen auch (fälschlicherweise) als das Gründungsjahr Nordens angesehen, wobei es sich eigentlich nur um die erste, gesicherte Erwähnung handelt. Abt war zu dieser Zeit ein gewisser Winandus. Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Konvents spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des Norderlandes blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.<ref>Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.[1] Die Benediktiner ließen ihre Niederlassung mit einer Mauer einfrieden. Der nördliche Teil der Umzingelung ist erhalten geblieben und noch heute heißt die westliche Straße Am Zingel.
1548 ließ Gräfin [[Anna von Oldenburg]], damals Herrscherin über Ostfriesland, die Familiengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche zu Emden anlegen und die Gebeine der in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.<ref>Friedländer, Ernst (1875): Anna, Gräfin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468f.</ref> Ab 1555 diente das ehemalige Torflagerhaus (''Torfhaus'') sowie das Brauhaus des Klosters als erster Sitz des [[Armenverband Norden|Armenverbandes Norden]]. Das Torfhaus war damit direkter Vorläufer des als ''[[Gasthaus]]'' bezeichneten Armenhauses.<ref>Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.</ref><ref name=":8">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 97</ref> Im selben Jahr verließen die letzten fünf Klosterinsassen, ''Pater Vinzens'' und vier Nonnen, selbiges.<ref name=":8" /><ref name=":6">Cremer, Ufke (1995): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 21</ref>


Von 1347 bis 1353 wütete in Europa die Pest, der geschätzte 25 Millionen Menschen – ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung – zum Opfer fielen. Die Seuche hatte Ostfriesland über Utrecht erreicht, sich über die Hafenstädte ausgebreitet und die Bevölkerung dezimiert.[6] Davon waren auch die Klöster betroffen. Laut mittelalterlichen Berichten wurden etwa im Kloster Langen 50 Personen von der Seuche getötet. Auch Marienthal wurde nach Angaben des Chronisten Eggerik Beninga von der Seuche heimgesucht. Um ihr Herr zu werden, bauten die Bewohner Marienthals nach damaligem Verständnis über die Ausbreitung von Krankheiten einige Gebäude völlig neu auf.[5]
1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau von Befestigungsanlagen, insbesondere eines sogenannten ''Zwingers'', in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie jene im Kloster Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. Dadurch sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur (Rückzugsort der Mönche) vermieden werden.<ref name=":4" /> Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur.<ref name=":5" /> Es liegt nahe, dass die Schriften in die Niederlanden geschafft wurden, da Ostfriesland lange Zeit kulturell und sprachlich eher mit den Niederlanden als mit Deutschland bzw. dem losen Staatenverbund, das es seinerzeit war, verwandt war.


1420 nahm das Kloster Benediktinermönche aus Kloster Marienkamp und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken auf, nachdem die dortigen Konvente in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.[7]
Mit der Auflösung des Klosters gingen somit weite Teile der Ausstattung verloren. [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] eignete sich einen Großteil der Besitztümer an. 1530 ließ er sich sämtliche ''Vasa sacra'', silberne und vergoldete Kelche, Patenen, Monstranzen, Abendmahlskannen und weitere wertvolle Gegenstände aus sämtlichen ostfriesischen Klöstern aushändigen und verkaufte diese anschließend. Erhalten blieb wohl nur das Chorgestühl des Klosters, es befindet sich heute an den beiden Seiten des [[Ludgerikirche#Hochchor|Hochchores]] der [[Ludgerikirche]] und entstand 1481. Nach der Reformation wurde es in die Ludgerikirche verbracht, musste aber vor dem Einbau verkürzt werden. Die dabei übrig gebliebenen Sitze befinden sich im Chorumgang. Die östlichen Seitenwangen sind an der nördlichen Stuhlreihe mit der Kreuzigung Jesu verziert; an der südlichen Stuhlreihe ist die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria zu sehen. Die Handknäufe zwischen den Stuhlreihen zeigen pflanzliche Motive und einen Menschenkopf.<ref>Ruge, Reinhard (2000): Die Ludgerikirche zu Norden. Norden, S. 15f.</ref>


Das Kloster genoss hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Seit dem 15. Jahrhundert bis zur Säkularisation des Klosters 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie Cirksena als Hauskloster. Sie hatte dort – wie auch andere vornehme Geschlechter des Norderlandes – von 1464 bis 1548 ihre Grablege und brachten in Marienthal ihre unverheirateten Töchter unter. Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Rat und enger Vertrauter des Geschlechts.[7] So unterschrieb beispielsweise Abt Poppo am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der Edzard Cirksena die Herrschaft über das Norderland übernahm. Abermals tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der Wibet von Stedesdorf zugunsten von Ulrich auf Esens verzichtet.[5]
Das Klostergelände wurde nachfolgend einer Hauptnutzung zur Förderung der Armenwohlfahrt zugeführt. Das [[Gasthaus]] blieb über Jahrhunderte ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Armenhilfe. In der dazugehörigen [[Gasthausschule]] (später [[Zingelschule]]) wurden Generationen das Lesen und Schreiben beigebracht. Seit dem Abbruch der Schule und der weiter nördlich gelegenen [[Heimstätten]] wird das Gelände nur noch für die Altenpflege genutzt. Eine hier bis 1966 errichtete Seniorenwohnanlage trägt in Erinnerung an das alte Kloster den Namen [[Wohnanlage Marienthal]], auch ein Denkmal, eine Statue der Heiligen Maria, findet sich hier. Das ehemalige [[Kreis-Altersheim]] wurde 1975 für die Erweiterung dieser Wohnanlage abgebrochen.


Diese besondere Stellung des Klosters Marienthal war mit Beginn der Reformation, die um 1527 in Norden einzog, abrupt beendet. Gerardus Synellius war der letzte Abt. Er wurde 1512 in sein Amt eingeführt und war am 1. Januar 1527 bei der Norder Disputation der einzige Geistliche, der den alten Glauben verteidigte. Synellius verließ das Kloster Marienthal vermutlich noch im gleichen Jahr, blieb aber bis zu seinem Tode im Jahre 1552 in Norden, hat sich also offenbar der Reformation nicht weiter widersetzt. Noch 1542 führte er im Auftrag der Gräfin Anna eine Mission bei Graf Johann II. aus.[5] Ubbo Emmius nannte ihn einen Mann von höchster Gelehrsamkeit und eine Zierde Frieslands. Dieses Urteil wird durch sein einziges überlieferte Werk bestätigt, ein 1525 erschienenes lateinisches Gebets- und Andachtsbuch. Synellius verfasste es in klassischer Gedichtform in der Tradition der Devotio moderna und widmete es dem Emder Propst Hicco von Dornum.[7]
==Beschreibung==
[[Datei:Kloster Marienthal möglicher Aufbau Idealplan.png|mini|Idealtypischer Aufbau eines Zisterzienserklosters. So oder so ähnlich wird auch das Kloster Marienthal aufgebaut worden sein.]]
Zum Kloster gehörten Wohnstätten, ein Torflagerhaus, ein Brauhaus, einen Schlafsaal, eine [[Gasthausschule|Schule]], eine Küche, einen Speisesaal eine umfangreiche Bibliothek und Gebetsräume. Insbesondere für die Fastenzeit wichtig war zudem ein eigener Fischteich, in dem Fische gezüchtet wurden.<ref name=":7" /> Der genaue Aufbau des Klosters lässt sich mangels Unterlagen nicht mehr nachvollziehen.


Mit dem Tode Edzard I. und seiner Beisetzung in der Abtei endet die Funktion Marienthals als Haus- und Familienkloster der Cirksena. 1530 sollen noch 120 Insassen in Marienthal gelebt haben, von denen die Priorin und viele andere Konventsmitglieder in dieser Zeit in das noch katholische Groningen zogen und dort im Kloster Selwerd Aufnahme fanden.[5]
Der idealtypische Aufbau eines Zisterzienserklosters wird auf dem nebenstehenden Bild veranschaulicht. Es ist denkbar, dass auch das Kloster Marienthal in dieser oder zumindest einer ähnlichen Weise aufgebaut war.


1531 plünderte Balthasar von Esens das Kloster und zerstörte die Grablege der Cirksena. Das Kloster bestand jedoch noch bis etwa 1555.[7] In diesem Jahr lebten noch ein Mönch und eine Nonne in Marienthal, die sich dem Kloster Thedinga unterstellt fühlten.[5] 1548 ließ Gräfin Anna die Herrengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche in Emden anlegen und die in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.
* 1 - Mönchschor: Bereich für die Mönche während des Gottesdienstes. Hier befand sich auch das Chorgestühl, das heute in der [[Ludgerikirche]] zu finden ist.
* 2 - Sanktuarium: Der heilige Raum der Kirche. Hier befanden sich der Altar und die besonderen liturgischen Gegenstände für den Gottesdienst.
* 3 - Konversenchor: Bereich für die Nichtgeistlichen, die sogenannten Konversen.
* 4 - Sakristei: Hier wurden wichtige liturgische Gegenstände und Gewänder aufbewahrt.
* 5 - Kreuzgang: Er bildete neben dem Kreuzhof das Kernstück des Klosters. Er diente der Erschließung der einzelnen Räume oder als Raum für liturgische Gänge.
* 6 - Kreuzhof: Der Innenhof des Klosters. Hier befand sich auch ein Brunnen für die Wasserversorgung.
* 7 - Kapitelsaal: Versammlungs- und Verwaltungsraum des Klosters. Hier wurde auch Recht gesprochen.
* 8 - Herrendormitorium: Schlafsaal der Mönche.
* 9 - Damendormitorium: Schlafsaal der Nonnen.
* 10 - Abstellraum.
* 11 - Kalefaktorium: Der einzige beheizte Raum im Kloster (Wärmeraum). Beheizt wurde er durch eine Unterbodenheizung, die sogenannte ''Hypocaust''. Im Boden befanden sich große Löcher, durch die die Wärme aufsteigen konnte.
* 12 - Refektorium: Speisesaal der Mönche und Nonnen.
* 13 - Küche.
* 14 - Konversenrefektorium: Speisesaal für die Nichtgeistlichen (z.B. Mittellose, die im Kloster eine Armenspeisung erhielten).
* 15 - Bibliothek.


Im Zuge der Reformation wurde das Kloster Marienthal säkularisiert. 1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau des Zwingers in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie in Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. So sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur vermieden werden.[2]
==Bedeutung für die Stadt==
Das Kloster genoss ein sehr hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Von 1464 bis 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie [[Cirksena]] als ''Hauskloster''. Als solches bezeichnet man Klöster, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen. Zudem hatte sie dort, wie auch andere vornehme Geschlechter und [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsfamilien]] des [[Norderland|Norderlandes]], von 1464 bis 1548 ihre Grablege (Familiengruft) und brachte ihre unverheirateten Töchter hier unter.<ref name=":3" /> Auch [[Hima Idzinga|Hima]], die letzte aus dem Geschlecht der [[Idzinga]], lebte dort kinderlos bis zu ihrem Tod im Jahre 1439. Das einst mächtigste Geschlecht des Norderlandes erlosch daraufhin.


Auf dem Areal des Klosters entstand ein Armen- oder Gasthaus. Dieses wurde mit einem Teil der Einkünfte des ehemaligen Klosters ausgestattet. Andere Einnahmen flossen an die Vorgängerinstitution des heutigen Ulrichsgymnasiums. Der Flächenbesitz fiel an das ostfriesische Fürstenhaus und ist heute noch größtenteils in den staatlichen Domänen wiederzufinden. Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur.[7] Heute steht an der Stelle des Klosters ein Altenheim der Arbeiterwohlfahrt.  
Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Berater und enge Vertraute dieses Häuptlingsgeschlechts.<ref name=":2" /> So unterschrieb beispielsweise ''Abt Poppo'' am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der [[Edzard II. Cirksena|Edzard II.]] die Herrschaft über das [[Norderland]] übernahm. Ein weiteres Mal tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der ''Wibet von Stedesdorf'' zugunsten von [[Ulrich Cirksena]] auf Esens verzichtet.<ref name=":1" />


Während des Mittelalters war Marienthal das Hauskloster der Cirksena, die dort von 1464 bis 1548 ihre Grablege hatten. Als Hauskloster bezeichnet man solche, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen.
Das Kloster war zudem einer der größten Grundeigentümer der Stadt und verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch ''Klosterland'' oder ''Kirchenland'' genannt wurden. Dazu kamen vier Bauernhöfe (Vorwerke), die dem Kloster gehörten. Diese konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der [[Lintelermarsch]]. Vorwerke des Klosters waren zum Beispiel die Höfe in [[Osterloog]] und [[Westerloog]] sowie der [[Hof Armenplatz|Armenplaats]]. Durch diesen sehr umfangreichen Besitz, der sich vor allem auch aus Schenkungen zusammensetzte und dem Kloster sehr hohe Einnahmen (1530: Mehr als 3.000 Gulden), grenzten sich die handwerklich und landwirtschaftlich tätigen Benediktiner deutlich von den [[Kloster Norden|Dominikanern]] ab. Die Dominikaner galten als reiner Prediger- und Bettlerorden, der sich ausschließlich aus Spenden finanzieren (sollte).<ref name=":3">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Norden, S. 9ff.</ref> Insgesamt umfassten die sich im (ehemaligen) Klosterbesitz befindlichen Ländereien noch im Jahre 1613 eine Fläche von mindestens 1109,5 [[Diemat]], was ungefähr 628 Hektar entspricht.<ref name=":5" /><ref name=":6" />


Nach der Reformation bestand das Kloster noch bis 1555. Die Gründe dafür sind nicht zweifelsfrei geklärt, vermutlich weil sich immer mehr Ostfriesen von der katholischen ab- und der evangelischen Kirche zuwandten.
Darüber hinaus scheint das Kloster einen regen, regionalen und überregionalen Handel betrieben zu haben. So erscheint das Kloster gegen Ende des 15. Jahrhunderts als Eigentümer mehrerer Schiffe und Ladungen im Schiffsregister des [[Norder Hafen|Norder Hafens]].<ref name=":7">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 33</ref>
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==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Dominikanerkloster]]
*[[Dominikanerkloster]]
*[[Heimstätten]]


[[Kategorie:Klöster im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Gebäude in Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]
[[Kategorie:Norden (Stadtteil)]]