Johannes Ligarius

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Johannes Ligarius (* 1529 in Nesse, † 21. Januar 1596 in Norden) war viele Jahre Pastor in der Norder Ludgerikirche. Er war einer der Hauptverantwortlichen für die Entladung des Konfliktes zwischen den Anhängern der lutheranischen und der reformierten Glaubensrichtung, da er den Gottesdienst nach ausschließlich lutheranischer Art durchzuführen pflegte.

Leben

Nach Besuch der Lateinschule in Emden studierte er

seit 1547 mit finanzieller Unterstützung aus Emder bzw. ostfriesischen Kirchen- und Landesmitteln in Wittenberg. Er rühmte sich, ein Schüler Melanchthons zu sein. Nachhaltiger geprägt wurde er dort allerdings entscheidend durch David Chyträus (1531-1600). Dieser lehrte von 1548 bis 1550 als Magister in Wittenberg. Mit diesem entschiedenen Gnesiolutheraner (das sind Theologen, die in den innerprotestantischen Lehrstreitigkeiten zwischen dem Interim <1548> und der Konkordienformel <1577> Luthers Erbe gegen Aufweichungen und Überfremdungen bewahren wollten, vgl. TRE 13, S. 512), der 1550 an das Pädagogikum in Rostock berufen wurde und 1561 Professor an der dortigen Universität, verband ihn eine bleibende Freundschaft. 1556 kehrte Ligarius nach Ostfriesland zurück, als es vergebliche Bemühungen gab, auch Melanchthon hierher zu berufen. Ligarius hielt sich zunächst noch ohne Amt bei dem aus Alst in Flandern stammenden lutherischen Prediger Martin Faber (1513-1588) in Hage auf. Dieser unterhielt enge Kontakte mit dem Hamburger Superintendenten Joachim Westphal (1510-1574), der auch Gnesiolutheraner war. Ende 1556 oder Anfang 1557 erhielt Ligarius einen Ruf nach Uphusen. Von dort aus besuchte er zwei Sommer lang den Coetus im nahen Emden. Im Sommer 1559 starb sein reformierter Kollege in Norden, Martin Micron. Dessen Stelle nahm er an. Berufungen durch den König von Dänemark und von der Stadt Hamburg lehnte er in dieser Zeit ab. Am 12. Juli 1563 hielt er vor dem Coetus eine Disputation über die lutherische Abendmahlslehre. Als die Merchant Adventurers von Antwerpen am 23. Mai 1564 nach Emden kamen, wurde Ligarius noch im gleichen Monat amtsenthoben. Ende 1564 verließ er Norden und wurde Prediger in Wolthusen durch Eger Howerda. Im Herbst 1566 wurde Ligarius nach Antwerpen berufen. Am 2. September 1566 hatten die Lutheraner an drei Stellen in der Stadt die Erlaubnis erhalten, Gottesdienst zu halten. Nun kamen in Antwerpen im Jahre 1566 zusammen die Theologen Johannes Vorstius, Magister Cyriacus Spangenberg, Licentiat Herrmann Hamelmann, Magister Martinus Wolfius, Magister Joachim Hartmann und Magister Flacius Illyricus, um hier die theologischen Dinge zu ordnen. Die Erbsündenlehre des Flacius lehnte er jedoch ab. Nach Vertreibung durch Margarethe von Parma aus Antwerpen ergriffen die Reformierten den bewaffneten Widerstand, die Lutheraner hofften durch die Universität Rostock auf eine Sonderregelung. Am 7. April hieß es aber für sie, die Stadt zu verlassen oder römisch zu werden. Daraufhin zogen die Lutheraner am 10. April 1567 ab, Ligarius folgte am 27. April und zog nach Wolthusen. Aber die Stelle war besetzt, auch gab es für ihn keine vergleichbare Stelle in Ostfriesland. Daraufhin zog er 1567 oder 1568 wieder in die Gegend von Woerden. Etwa ab Sommer 1568 bis Anfang 1569 wirkte er als Feldprediger bei Wilhelm von Oranien, zuletzt in Frankreich bis zur Auflösung von dessen Truppe. Danach zog er dann 1569 als Pastor in seine Geburtsgemeinde Nesse. Hier erlebte er die Sturmflut am Allerheiligentag, dem 1. November 1570, der im benachbarten Harlingerland allein 796 Menschen zum Opfer fielen. Kaum drei Jahre später erhielt er einen Ruf nach Woerden auf die dritte Stelle, aber auch dieser verschloß er sich. Nach dem Tode Gräfin Annas, Ende 1575, suchte Menso Alting, den Coetus reformiert zu gestalten und forderte Johannes Ligarius, Martin Faber und andere auf, die Unterschrift dafür zu leisten. Dem folgten diese aber nicht. Im Sommer 1577 wurde Ligarius zum Hofprediger von Ostfriesland durch Graf Edzard II. berufen. Damit wurde Ligarius der führende Theologe des Luthertums in Ostfriesland, als dieses hier mit dem Calvinismus rang. Am 25. November 1579 fand das erste Religionsgespräch in Berum statt, auf das sich beide Parteien gründlich vorbereitet hatten. Von reformierter Seite erschienen nur Menso Alting aus Emden und Wicherus Millesius aus Hinte, während dazu von lutherischer Seite die Theologen Martin Faber aus Hage, Johannes Antwerpiensis aus Norden, Bernhard Bloccius aus Woquard und der Hofprediger Johannes Ligarius erschienen. Von Graf Edzard II. wurde am Anfang eine christliche Vergleichung und eine Formula concordia gewünscht. Die Theologen gehen von beiden Seiten darauf ein, allerdings macht Martin Faber schon darauf aufmerksam, daß es gewöhnlich danach ärger wird als es vorher war, und kann deshalb auch nicht viel Gutes dazu sagen. Das Gespräch kam über Anfänge nicht hinaus. Darum waren noch einmal Schriften vom Abendmahl vorzulegen. Der Wechsel der Schriften erfolgte um Weihnachten 1579. Der Coetus beschloß, den 20. Januar 1580 vorzuschlagen, und zwar in Emden. Das stieß auf Mißtrauen des Grafen, er war empört darüber. Im Februar 1580 wurde die Concordienformel fertig, die der württembergische Hofprediger Lucas Osiander in Ostfriesland eingeführt wissen wollte. Daraufhin begann Ligarius vom 17. Februar bis zum 23. März auf der Grundlage seiner Isagoge Lehrgespräche mit den Reformierten in Emden. Man einigte sich weitgehend, aber was eigentlich der Inhalt der Einigung war, bleibt verborgen. Die Isagoge wurde aber von Osiander als nicht ausreichend empfunden und nochmals die Konkordienformel vorgeschlagen. In Jemgum gab es 1583 ein Verfahren gegen Hermann van Jemgum. Der Coetus setzte ihn ab, obwohl die Gemeinde ihm vergab. Graf Edzard II. hob daraufhin am 3. Juli 1583 den Coetus auf, aber zwei neue Coeten wurden gebildet. Da Ligarius nunmehr in Ungnade fiel, wurde er 1585 als Hofprediger entlassen. Magister Gottfried Heshusius, der Sohn des Tilemann Heshusius, kam an seine Stelle. Gegen Widerstand wurde Ligarius nun zum Pastor und Superintendenten in Woerden 1587 berufen. Hier gab er das Woerdensche Gesangbuch 1589 heraus, das bis 1745 in Gebrauch blieb, auch einen Erwachsenenkatechismus („Het Christendom“). Er schrieb hier auch „Dat cleine Corpus doctrinae“, das ebenfalls in der Amsterdamer Gemeinde gebraucht wurde. Schließlich wurde Ligarius auch hier vor den Hof von Holland geladen und gegen Ende 1591 nach fünf Jahren aus Woerden vertrieben. Nunmehr geht er nach Emden zurück und wird 1592 Prediger der dortigen Gemeinde. Hier verfaßte er zwei Schriften, die beide als verloren gelten müssen, eine Evangelienpostille und einen Kommentar zu dem 9. bis 11. Kapitel des Römerbriefes. Unter Verwendung von Formularen wie für die Taufe, das Abendmahl, die Trauung und den Krankenbesuch, die von Ligarius stammten, wurde 1593 in Marienhafe den lutherischen Predigern Ostfrieslands eine Kirchenordnung vorgelegt. Im gleichen Jahr erschienen, wahrscheinlich von Ligarius verfaßt, zwei Darstellungen zur lutherischen Reformationsgeschichte. Nach dem politischen Sieg der Reformierten in Emden am 18. März 1595 wurde Ligarius vertrieben und starb am 21. Januar 1596 in Norden.

Quellenverzeichnis

Siehe auch