Wilhelm Meyer-Degering

Aus Norder Stadtgeschichte
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Undatierte Porträtaufnahme.

Wilhelm Meyer-Degering (* 19. März 1903 in Braunschweig;[1] † nach 1945 vermutlich in Braunschweig) war von 1942 bis 1945 Bürgermeister der Stadt Norden.[2][1] Er war nach Dr. Kurt Eifrig der zweite und letzte, von den Nationalsozialisten eingesetzte Bürgermeister Nordens, die ab 1935 nicht mehr gewählt, sondern von den Machthabern bestimmt wurden.[3]

Leben

Meyer-Degering wurde 1903 als dritter von vier Söhnen eines Pastors in Braunschweig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in Jena und Göttingen. Nach Abschluss des Studiums ging er in den beamteten Staatsdienst und wurde 1924 Referendar und 1928 Assessor. Seitdem war er in Gemeindeverwaltungen tätig, zunächst über fünf Jahre in Braunschweig, danach ein Jahr in Dresden als Stadtassessor. Am 10. April 1935 wurde er durch den Reichsminister des Innern zum Bürgermeister (neben dem Oberbürgermeister) und Stadtkämmerer berufen.[1]

Im Ersten Weltkrieg war Meyer-Degering, damals noch Schüler, als freiwilliger Hilfsarbeiter in einer Munitionsfabrik beschäftigt. Auch während seiner Studienzeit arbeitete er als Werkstudent. Daneben war er im Winter 1923/1924 Mitglied der Reichswehr und als solches gegen kommunistische Gruppierungen in Thüringen eingesetzt. Ende 1939 meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht und beteiligte sich an den Feldzügen gegen die Niederlande, Belgien und Frankreich. Zuletzt war er im Range eines Feldwebels als Gruppenführer einer Maschinengewehr-Kompanie eingesetzt. Für seinen Kriegseinsatz erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse.[1]

Meyer-Degering war bis zu seiner Ernennung zum Norder Bürgermeister als zweiter Bürgermeister der Stadt Emden tätig. Den Emder Oberbürgermeister Carl Renken musste er aufgrund dessen andauerndem Kriegsdienst lange Zeit vertreten.[1] Verschiedene Dokumente legen nahe, dass er - trotz Zugehörigkeit zur NSDAP - kein überzeugter Nationalsozialist war, dennoch keinen Befehl verweigerte und seine Amtspflichten ohne zu hinterfragen durchführte. So befürwortete er die Brandstiftung der Emder Synagoge nicht, stellte sich ihr aber auch nicht entgegen, obwohl er über diese im Vorfeld der Reichspogromnacht informiert wurde. Weiterhin befürwortete er die Entziehung des Sorgerechts von Eltern, die ihre Kinder nicht in die Hitlerjugend schicken wollten, ohne dieser aber als Staatsfeinde oder ähnliches zu melden.

Nach Kriegsende wurde Meyer-Degering von der britischen Militärregierung abgesetzt. Erster Bürgermeister der Nachkriegszeit wurde Dr. Albert Schöneberg, der bereits vor seiner Ersetzung durch Dr. Kurt Eifrig Norder Bürgermeister war.

Privates

Meyer-Degering war seit 1937 mit der Tochter des Norder Bankdirektors Schönbohm verheiratet und hatte mit dieser drei Kinder. Darunter offenbar einen Sohn gleichen Namens (* 1938). Dieser veröffentlichte 1967 eine wissenschaftliche Abhandlung zur geschichtlichen Entwicklung der braunschweigischen Bergrechts vom ausgehenden Mittelalter bis zur Einführung des geltenden Berggesetzes von 1867.[4] Weiterhin war dieser offenbar seit 1949 Mitglied eines Braunschweiger Tennis-Clubs. Es ist somit anzunehmen, dass die Familie Meyer-Degering nach Kriegsende zurück nach Braunschweig zog.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Forster, Hans / Schwickert, Günther (1988): Norden. Eine Kreisstadt unterm Hakenkreuz, Norden, S. 85
  2. Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden
  3. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 35
  4. Nennung des Buchs in openlibrary, abgerufen am 13. Februar 2026

Siehe auch