Norder Fehngesellschaft
Norder Fehngesellschaft | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Gründung | 1790 |
| Auflösung | um 1939 |
| Rechtsform | Kapitalgesellschaft |
| Hauptsitz | unbekannt |
Die Norder Fehngesellschaft war ein Zusammenschluss von Norder Kaufleuten, die den gemeinsamen wirtschaftlichen Zweck verfolgten, Torf in den Hochmoorgebieten rund um das heutige Berumerfehn (damals Norderfehn) abzubauen. Einer der Hauptinitiatoren war der Norder Kaufmann Folkmar Lantzius, nach dem später auch die Lantziusstraße benannt wurde. Gegründet wurde die Gesellschaft um 1790 als "Norder Fehn-Societaet".
Geschichte
Bereits um 1769 gab es Überlegungen zum Bau eines Kanals, um im relativ nahen Hochmoor Torf abzubauen. Bis dahin war die Stadt weitestgehend von Torfimporten aus den Niederlanden und dem Saterland abhängig. Straßen waren zu dieser Zeit kaum vorhanden und wenn, dann kaum oder gar nicht befestigt. Zudem fehlten schlichtweg die Möglichkeiten, größere Lasten auf dem Erdwege zu transportieren. Über Jahrhunderte hinweg wurden in Ostfriesland Waren mit Booten und Kähnen über das weitverzweigte Fluss- und Kanalnetz befördert.
1794 konnte schließlich mit dem Bau des Kanals begonnen werden. Im selben Jahr wurde auch der Ort Norderfehn gegründet. Unklare Eigentumsverhältnisse in den Moor- und Wildengebieten, die zum Teil gerichtlich geklärt werden mussten, ungenaue Grenzen, die Entschädigung der Betroffenen und Verschleppungen von Seiten der Kriegs- und Domänenkammer hatten den Baubeginn immer wieder verzögert.
1796/1797 wurde der erste Torf im Norder Hafen angelandet, in umgekehrter Richtung wurde vor allem Dünger (Seeschlick, Kleierde, Straßenkot und Brennereiabfälle) transportiert. Die Kosten des Kanals betrugen 27.314 Reichsthaler, hinzu kamen Entwässerungsgräben, Brücken, Schleusen, Wege, Torfschiffe, Entschädigungen für Ländereien. Gebaut wurde der Kanal vor allem von Arbeitern aus dem Oldenburger Raum, da die Bürger Halbemonds, durch dessen Gebiet der Kanal in großen Teilen fließt, die entstehende Konkurrenz fürchteten und den Bau zu boykottieren versuchten.
Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Die Norder Fehngesellschaft löste sich daraufhin mit dem einsetzenden Zweiten Weltkrieg auf.
Quellenverzeichnis
- Folkerts, Rudolf (1994): Der Fehnkanal - ein fast vergessener Wasserweg. In: Ostfreesland Kalender für Jedermann, Norden, S. 208
- Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Orsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)
- Historische Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft
- Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)