Süderneuland I

Aus Norder Stadtgeschichte
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Süderneuland I

Wappen
Höhe 0,5 - 3,0 m ü. NN
Fläche 6,055 km²
Einwohner 2.816 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 465 Einwohner/km²

Süderneuland I ist ein Stadtteil von Norden und hat 2.816 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 6,01 km² verteilen.

Namensherkunft

Der Name "Süderneuland" ist ursprünglich der Name eines im 16. Jahrhundert eingedeichten Polders. Bei der Besiedlung wurde dieser Name übernommen. Es ist die Bezeichnung für das südlich der Stadt Norden gelegene Neuland, das durch Eindeichungen der Leybucht entrissen werden konnte (vgl. Westermarscher Neuland). Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich 1602 als "Suider Neuland". Im Jahr 1618 als "Suider Nyelander" und 1634 als "Sueder Newlander Rott". 1645 wird der Ort "Suhder Newlandt" bzw. "Suhder Nijeland" genannt. In einer amtlichen Statistik des Königreichs Hannovers finden sich die Bezeichnungen "Erste Süderneulander Bauernschaft" und "Zweite Süderneulander Bauernschaft". Die heutige Schreibweise ist letztlich seit 1871 belegt, die römischen Ziffern stehen für die erste und zweite Bauernschaft des Süderneulands.

Wappen

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 165
1848 199
1871 229
1885 262
1905 355
Jahr Einwohner
1925 529
1933 744
1939 754
1946 1126
1950 1241
Jahr Einwohner
1956 1336
1961 1425
1970 1694
2016 3021
2020 2816

Geografie

Süderneuland I befindet südlich des Stadtkerns. Die Bodenbeschaffenheit des Ortes ist divers. Im Westen und Süden herrscht der Typus Kleimarsch vor, im Norden und Osten größtenteils Gley-Podsol mit Plaggenauflage, im Südosten Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) bzw. Gley Podsol und im Zentrum Podsol-Gley zu finden.

Im Norden grenzt Süderneuland I an Norden, im Westen an Westermarsch I und teilweise Neuwesteel, im Osten an Süderneuland II und im Süden ebenfalls an Neuwesteel die Nachbargemeinde Osteel.

Gliederung

Süderneuland I unterteilt sich in Addinggaste, Addinggaster Grashaus, Altenbürgerlande, Buschhaus, Deichmühle, Kartoffeldeich, Kiebitznest und Wurzeldeich. Der Zusammenschluss dieser Orte bzw. Höfe zu einer Gemeinde bzw. Bauernschaft erklärt die Grenzen des Ortes.

Geschichte

Mittelalter

Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die Leybucht erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein stattlicher Seehafen bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das Norder Tief als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des Fridericussiels abgeschlossen.

Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch Udo-Focken-Deich oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings Focko Ukena. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach Leegemoor, von dort weiter nach Nadörst und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der Wurzeldeicher Straße sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute Zum Hirtenhaus und Leegemoorweg. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.

1556 folgten dann der nächste Deichbau, dessen Bau als Beginn der Eindeichungen in und um Norden gesehen werden kann. Bis dahin wurden nur vereinzelt Deiche errichtet und dem Meer Land durch Einpolderungen entrissen. Einer der Hauptakteure war die Familie eines Mannes namens "Addo". Gemäß alter ostfriesischer Namensgebung, bei denen Namen oftmals die Endung "-nga" für "aus der Sippe des" steht (Idzinga, Uldinga, ...) , entstand der Name "Addinga" bzw. "Addingga". Den Addingga gehörte das Land der Addinggaste (auch "Addingaster Land(e)" genannt) bereits vor den Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, durch die das Land (zunächst) an das Meer verloren wurde. Nach der Einpolderung erhielt das Land wieder ihren ursprünglichen Namen. Durch das Meerwasser wurde der Boden trotz des Salzgehalts fruchtbarer gemacht als zuvor, was auf die zahlreichen Nebenelemente, die das Meer mit sich brachte, zurückzuführen war. Durch die Bauarbeiten entstand ein großer Teil des heutigen Süderneuland I. Es reichte nun vom Stadtzentrum bis ungefähr zum Pekelheringer Weg.

Nach der Einpolderung der Addinggaste begannen unter Gräfin Anna von Oldenburg 1558/89 die Arbeiten am Wurzeldeich. Dieser verläuft im Wesentlichen entlang der heutigen Straßenzüge Wurzeldeicher Straße und Wurzeldeich. Er reichte vom Udo-Focken-Deich bis zum Osteeler Altendeich in der Nachbargemeinde Osteel. Durch die Fertigstellung dieses Deiches konnte erneut ein sehr großes Stück Land hinzugewonnen werden.

Zwischen 1593 bis 1596 entstand das Addinggaster Neuland, dessen südliche Grenze der Kartoffeldeich darstellt. An diesen Deich erinnert die gleichnamige Straße, die auf der einstigen Deichlinie verläuft.

Neuzeit

Mit dem einsetzenden dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kommt der Deichbau einige Jahrzehnte zum Erliegen. Wie der Großteil Europas leidet auch Ostfriesland unter dem Krieg. Norden und Umgebung werden von Truppen des berüchtigten Peter Ernst von Mansfeld (auch "Mansfelder") genannt, drangsaliert und ausgebeutet. Später kommen noch Brandburger Soldaten hinzu, die teilweise noch schlimmer als die Mansfelder wüteten.

Erst 1677 folgt der Bau eines weiteren Deiches und die damit einhergehende Einpolderung neuen Landes: Der Klein-Süder-Charlottenpolder. Den Überlieferungen nach soll sich auf diesem wiedergewonnenen Land einst das reiche Westeel befunden haben. Ein Jahr darauf wird auch der Groß-Süder-Charlottenpolder eingedeicht. Heute gehören diese Polder zu Neuwesteel.

1715 folgt der Addinggasterpolder, der das Land erstmals wieder nach Westen und nicht nach Süden hin erweitert. Dieser Polder wurde von Regierungsrat (Amtsbezeichnung für hohe Beamte) und Amtsverwalter Kettler und weiteren einflussreichen Bürgern eingedeicht. Kettler war ein reicher und einflussreicher Bürger Nordens, der auch das Haus Wirde und das Kettlerhaus am Marktplatz (heute Mennonitenkirche erbauen ließ. Er war auch der erste Eigentümer des eingedeichten Landes, das eine Größe von 110 Diemat (etwa 76 Hektar) hatte.

Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch zahlreiche weitere Eindeichungen, doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.

Verwaltung

Bildung

Religion

Gesundheit und Soziales

Wirtschaft und Verkehr

Erwähnenswerte Gebäude

Erhaltene Gebäude

Abgebrochene Gebäude

Quellenverzeichnis