Neuwesteel
Neuwesteel | |
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| Höhe | 1,0 - 1,5 m ü. NN |
| Fläche | 15,068 km² |
| Einwohner | 276 (30.06.2020) |
| Eingemeindung | 1. Juli 1972 |
| Bevölkerungsdichte | 18 Einwohner/km² |
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Neuwesteel ist ein Stadtteil von Norden und hat 276 Einwohner (Stand: 30.06.2020), die sich auf einer Fläche von rund 15,07 km² verteilen.
Im Norden grenzt Neuwesteel an Westermarsch I, im Osten an Süderneuland I, im Westen an Leybuchtpolder und im Süden an die Norder Nachbargemeinde Osteel.
Namensherkunft
Der Name geht zurück auf das historische Dorf Westeel, welches sich im Bereich des heutigen Neuwesteels befunden hat und nach schweren Sturmfluten im 14. Jahrhundert aufgegeben werden musste. Nach der Neugründung am 11. Juli 1934 wurde der Ort zunächst Süderpolder genannt, bekam im Herbst 1939 jedoch zur Erinnerung an das untergegangene Westeel seinen heutigen Namen. Der Name "Süderpolder" erklärt sich aus der südlich der Stadt Norden gelegenen Lage, ähnlich wie bei Süderneuland.
Bevölkerungsentwicklung
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Geografie
Neuwesteel liegt etwa 6 Kilometer südwestlich von Norden. Die Gegend ist von fruchtbarem Marschboden geprägt. Das Land wurde zwischen 1928 und 1929 neu bzw. wieder eingedeicht (siehe auch: Polder).
Geschichte
Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils lag das 1373 bei der sogenannten Ersten Dionysiusflut untergegangene Dorf Westeel. Die Sturmflut war eine der verheerendsten an der Nordseeküste und richtete zahlreiche Verwüstungen in Ostfriesland an. Die Leybucht erreichte durch die Flut ihre größte Ausdehnung, die Fluten drangen bis in den Stadtkern von Norden vor. Das 14. Jahrhundert ging als das Jahr der schlimmsten Flutkatastrophen in die Geschichte Ostfrieslands ein.
Westeel war ein vermögendes Marktdorf und der Hauptsitz der Häuptlingsfamilie Manninga, die zu dieser Zeit eine der mächtigsten Familien Ostfrieslands war und auch über Besitztümer in Bargebur in Pewsum (Krummhörn) und der Norder Nachbargemeinde Lütetsburg verfügte. Die Lütetsburg selbst gehörte zu diesem Zeitpunkt auch den Manninga. Der Wohlstand Westeels wird in den Geschichtsbüchern als bemerkenswert beschrieben, was wohl auf den äußerst fruchtbaren Marschboden und der dadurch üppigen Erträge zurückzuführen sein dürfte. So soll es fünf Goldschmiede in Westeel gegeben haben, die dort ein gutes Einkommen erzielen konnten.
Beim Pflügen kommen am westlichen Rand des Dorfes Osteel gelegentlich Mauersteine zutage, die als Hinweis auf das untergegangene Dorf gedeutet werden. Dessen Zentrum soll in der Nähe eines ehemals "Kerkenriede" genannten Wasserlaufs bei der Warft von Hohebeer gelegen haben. Insgesamt bestand Westeel wahrscheinlich aus sieben Warften, auf denen ein Großteil der Gebäude errichtet wurden.
Die erste Dionysiusflut am 8./9. Oktober 1373 leitete den Untergang Westeels ein. Durch die "Kleine Eiszeit" brachen vielerorts die Erträge der Landwirtschaft ein und bereits die Zweite Marcellusflut in 1362 hatte das Land schwer getroffen. Dazu kam eine verheerende Pestepidemie in den Jahren um 1350 - 1360. Die überlebenden Menschen waren finanziell wie körperlich geschwächt und nicht mehr in der Lage, die Deiche zu unterhalten. Die Fluten von 1375 und 1377 zerstörten das Land weiter, so dass es letztlich den Fluten überlassen und ausgedeicht werden musste. Auch viele Jahre nach der Aufgabe Westeels soll man die Kirchenruine noch in den Fluten gesehen haben. Deren Steine kamen letztlich ab 1387 beim Bau der durch einen Brand schwer beschädigten Marienhafer Kirche zur Verwendung.
Das Gebiet südlich von Norden wurde ab 1556 nach und nach wieder der Leybucht entrissen und es entstand bis 1593 der Stadtteil Süderneuland I. Ein Großteil des heutigen Neuwesteels wurde ab 1678 mit der Schaffung von Wester-Charlottenpolder und Groß-Südercharlottenpolder gewonnen. Weiteres Land kamen 1769 mit der Landgewinnung durch den Leysanderpolder, 1781 mit dem Schulenburgerpolder und 1804 mit dem Teltingspolder hinzu. In den Jahren 1928 bis 1929 wurde letztlich der letzte Teil - insgesamt 600 Hektar - des heutigen Neuwesteels (Leypolder) eingedeicht und der Ort in 1934 als "Süderpolder" neu gegründet.
Eng mit der Gründung Neuwesteels verbunden war die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie. Neuwesteel wurde als erste geschlossene Bauernsiedlung im nationalsozialistischen Deutschland angepriesen und zum Aushängeschild der Nationalsozialisten. Zu den Gründungsfeierlichkeiten marschierten mehrere Abteilungen der SA und der SS auf und jedes Gebäude wurde mit Hakenkreuzfahnen beflaggt. Der Reichsbauernführer und Ernährungsminister Walther Darré pries in seiner Festrede die Gründung des Ortes als großen Erfolg der NS-Ideologie an und dass der Nationalsozialismus zurecht "Blut und Rasse in den Mittelpunkt des weltanschaulichen Kampfes gestellt habe". So sei es der Wille Adolf Hitlers, dass die Deutschen wieder eine enge Verbindung zu ihrem Heimatboden eingehen, wie es die Germanen hatten. Dementsprechend wurden die Herdfeuer der Bauernhöfe und -häuser entsprechend eines alten germanischen Brauches entzündet. Die dafür benötigten Fackeln wurde dazu in Osteel entzündet und herbeigebracht.
Träger des Siedlungsprojekts "Süderpolder" war das 1922 gegründete Wohnungsbauunternehmen Niedersächsische Heimstätte (N.S.H.), das als "Organ der staatlichen Wohnungspolitik" viele Siedlungs- und Wohnungsbauprojekte verantwortlichte. 1934 gingen dort über 400 Anträge williger Siedler ein. Da in der Planung lediglich 30 Bauernhöfe, sieben Landarbeiterhäuser und vier Handwerkerstätten vorgesehen waren, überstieg der Zahl der Bewerber die Möglichkeiten bei Weitem.
Dieser Zahl standen in der Planung lediglich 30 Bauernhöfe, sieben Landarbeiterhäuser und vier Handwerker-Werkstätten gegenüber. Von Anfang an gehörte auch eine Schule zur geplanten Siedlung. Sie war einklassig und wurde von den Neuwesteelern (zumeist Jungbauern aus ländlichen Gegenden Ostfrieslands) in Eigenleistung errichtet. Dem Unterhalt der Schule, die Ostern 1935 mit 47 Schülern eröffnet wurde, diente das Pachtgeld aus zwei Hektar sogenanntem Schulland. Bis 1971 war die Schule in Betrieb. Danach wurden die Neuwesteeler Kinder in Norden und Süderneuland unterrichtet.[5]
Ursprünglich war Neuwesteel als Reihendorf (genauer als „Hufensiedlung“[6]) angelegt. Die Bauernhäuser der ersten Siedlergeneration, die jeweils von ihren Ländereien („Hufen“) umgeben sind, säumen die Hauptstraße, die sich hufeisenförmig durch das Dorf zieht. Von ehemals 34 Höfen wurden 2019 noch 21 bewirtschaftet. 1956 entstand eine weitere Siedlung, die von Einfamilienhäusern geprägt ist. Sie wurde 1993 durch Ausweisung neuen Baulandes erheblich erweitert. In den Anfangsjahren waren auch eine Reihe Handwerksbetriebe im Ort, darunter Schmiede, Schuster, Bäcker sowie eine Tankstelle mit angeschlossenem Taxibetrieb. Sie haben inzwischen aufgegeben. Das letzte Neuwesteeler Lebensmittelgeschäft schloss 2008 seine Pforten.[7]
1965 wurde Neuwesteel Gliedgemeinde der Samtgemeinde Leybucht. Diese wurde im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform 1972 nach Norden eingemeindet. Als eingemeindeter Stadtteil hat Neuwesteel bis zum heutigen Tag einen Ortsvorsteher, der die Belange der rund 340 Einwohner[8] gegenüber der Stadt Norden vertritt.
Nachdem Westeel um 1373 in den Fluten versank, wurde ab 1430 die Leybucht Stück für Stück wieder eingedeicht. 1934 war es dann soweit: direkt an der Küste, zwischen Norden/Norddeich und Greetsiel wurde das Dorf Neu-Westeel gegründet. In der ersten Zeit war Neuwesteel eine selbständige Gemeinde, dann wurde sie mit Leybuchtpolder und Westermarsch zusammengelegt zur Samtgemeinde Leybucht. Seit 1972 ist Neuwesteel ein Ortsteil der Stadt Norden. Angelegt wurde Neuwesteel ursprünglich als Reihendorf, d.h. die Bauernhöfe liegen entlang der Durchgangsstraße, die sich wie ein Hufeisen durchs Dorf zieht. Jeder Hof wird von seinen Länderein (durchweg fruchtbarer Marschboden) umgeben. Von den ehemals 34 Höfen werden heute noch 21 bewirtschaftet. Es wird Milchwirtschaft, Geflügelmast oder Ackerbau betrieben. Der Kartoffelanbau nimmt einen grossen Raum ein. Viele Höfe haben in den letzten Jahren einen kleinen Hofladen angegliedert oder bieten "Urlaub auf dem Bauernhof" an.. Ab 1956 entstand eine Siedlung, die ab 1993 durch neu ausgewiesenes Bauland erweitert wurde. Dadurch hat sich wieder eine jüngere Generation angesiedelt. Zur Zeit leben etwa 350 Einwohner in dem ca. 1500 ha großen Gebiet (incl. Polder). Ein Lebensmittelgeschäft hat bis 2008 dem "Zahn der Zeit" standgehalten. Schuster, Bäcker, Schmiede, Tankstelle mit Taxibetrieb, Gaststätte - diese Gewerbebetriebe gehören schon seit Langem der Vergangenheit an. Am Leybuchtsiel entstand 2007 eine "Paddel und Pedal-Station" die sowohl von Einheimischen wie von Gästen gern angesteuert wird. Im Jahre 2009 wurden Neuwesteel und Leybuchtpolder im Dorferneuerungsprogramm aufgenommen und die Planungen für eine erneuerte Infrastruktur laufen auf Hochtouren.
Mittelalter
Am westlichen Rand Osteels wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Mauersteine beim Pflügen gefunden, die als Überreste des 1374 untergegangenen Westeels gedeutet werden. Bei der Warf von Hohebeer, in der Nähe eines ehemals "Kerkenriede" genannten Wasserlaufs, wird das Zentrum des Dorfes lokalisiert. Weitere Steinfunde, Mauerreste bis in 1 km westlich-nordwestlicher Richtung davon, deuten auf weitere Steinhäuser hin. In diesem vermutlich Westeeler Gebiet verzeichnen die Archäologen sieben Warften. Westeel ist nach seinem Untergang weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl es ein florierendes Dorf gewesen sein soll, in dem es fünf Goldschmiede ein gutes Einkommen fanden.
Überreste der Kirche von Westeel wurden ab 1387 als Baumaterial beim Wiederaufbau der brandzerstörten Marienhafer Kirche verwendet.
Neuzeit
In Neuwesteel befand sich das Kriegsgefangenenlager AK Nr. 5615. In der Holzbaracke waren 25 bis 40 französische Kriegsgefangene untergebracht, die auf den Höfen in der Umgebung arbeiten mussten.
Auch Neuwesteel erlebte nach dem Krieg durch Aufnahme zahlreicher Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, sodass die Einwohnerzahl 1946 bei 643 lag, von denen mehr als ein Drittel (221 Personen) Vertrieben bzw. Flüchtlinge waren. 1950 stieg die Einwohnerzahl um 1 auf 644, der Anteil an Vertriebenen lag jedoch immer noch 208 Personen.
Verwaltung
Bildung
Religion
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft und Verkehr
Die praktisch einzigen Erwerbszweige Neuwesteels sind die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt jedoch gleichzeitig stetig ab. Gab es 1949 noch 72 Höfe, waren es 1960 noch 69 und 1971 sogar nur noch 45. Seit den 2010er Jahren gibt es sogar nur noch 21 Höfe in Neuwesteel.
Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten sank zunächst von 14 (1950) auf 11 (1961), stieg dann aber wieder deutlich auf 19 (1970) an. Handwerksbetriebe hatten 1950 mit fast 29% und 1961 mit gut 27% daran Anteil. Die Summe der Erwerbspersonen verminderte sich von 389 (1950), über 236 (1961) auf 183 (1970). Dagegen erhöhte sich die Quote der Auspendler stetig von fast 7%, über 17% auf annähernd 37%. 1961 betrug der Anteil der Einpendler 18%.
Die noch bestehenden Höfe betreiben vorwiegend Milchviehwirtschaft und Kartoffelanbau, der in dem äußerst fruchtbaren Marschboden von Neuwesteel sehr gute Erträge bringt. Viele Höfe verkaufen ihre Waren in kleinen Hofläden direkt an die Verbraucher und bieten "Ferien auf dem Bauernhof" für Touristen an.
Erwähnenswerte Gebäude
Erhaltene Gebäude
Sehenswürdigkeiten
Quellenverzeichnis
- Beschreibung von Neuwesteel in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Beschreibung von Osteel in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft
- Norden.de: Einwohnerzahl nach Ortsteilen
- Norden.de: Ortsteile der Stadt Norden
- Neuwesteel.de: Internetauftritt des Stadtteils

