Die Frisiamühle (historisch auch: Ahtens Mühle, Schmertmanns Mühle, Voss'sche Mühle,, Müntinga'sche Mühle und Gnurremühle bekannt) befindet sich auf dem Gelände des Norder Tors. Es handelt sich um einen etwa 30 Meter hohen Galerieholländer. Gemeinsam mit der baugleichen Deichmühle dominiert die Frisiamühle das südliche Stadtbild und ist eines der Wahrzeichen von Norden. Bis zu seiner teilweisen Versiegelung lag die Mühle unmittelbar am Ufer des Fehnkanals, der hier in das Norder Tief mündete.
Frisiamühle | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | 1700 (1733) | |||||||
| Erbauer | Haye Uden | |||||||
| Bauweise | Galerieholländer | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | In der Gnurre 40
26506 Norden | |||||||
Geschichte
Die Geschichte der Mühle beginnt am 31. Januar 1700, als Fürst Georg Albrecht aus dem Hause Cirksena, Fürst von Ostfriesland, dem Norder Haye Uden gegen eine jährliche Zahlung von 24 Reichstalern die Konzession zum Bau und Betreiben einer Pelde- und Gerstenmühle erteilt.[1] In früheren Jahren war die Zulassung einer Mühle vom Landesherren zu erteilen, da diesem das Privileg zum Errichten und Betreiben einer Windmühle oblag. Man bezeichnete dies auch als Mühlenzwang. Als Pelden bezeichnet man den Vorgang des Schälens von Roggen oder Gerste.
1733 brennt die Mühle, zu der Zeit im Besitz von Johann Schmertmann, ab und wird daraufhin (vermutlich) als Galerieholländer wieder aufgebaut.[2] 1743 erweitert Fürst Carl Edzard das Peldeprivileg auf das Anlegen eines Mahlganges.[3]
Irgendwann zwischen 1861 und 1863 brennt die Mühle durch Blitzschlag erneut ab, wird jedoch kurz darauf wieder aufgebaut.[4] Schon am 13. August 1886 brennt sie wieder und muss neu errichtet werden.[5] Für diese Zeit trägt sie den Namen Voss'sche Mühle. Ein Augenzeuge des Brandes wird der damalige Norder Bürgermeister Johannes Adalbert König, der gerade erst sein Amt angetreten hat. Beeindruckt von diesem Ereignis und der Ungeordnetheit der Löschmaßnahmen beschließt er die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr unter Führung des angesehenen Jan ten Doornkaat Koolman III.[6]
Spätestens ab 1906 verfügt die Mühle nun endlich über einen Blitzableiter und ist bei der Mühlenbrand-Societät für Ostfriesland und Harlingerland (Brandversicherung für Mühlen) mit einer Versicherungssumme von 27.700 Goldmark versichert, das dazugehörige Wohnhaus mit weiteren 3.333 Goldmark.[7]
Im Jahr 1929 wird die Mühle bis auf den steinernen Unterbau abgebrochen, nachdem der Eigentümer in eine finanzielle Notlage geriet. 1934 erwirbt daraufhin Albert Johann Weerda jun den Mühlenstumpf und baut diesen 1935 zu Kornlagerzwecken um. Fortan ist die Mühle auch als Kornhaus Weerda bekannt. Mitte der fünfziger Jahre baut Weerda an der Ostseite des Steinstumpfes ein großes Packhaus, das jedoch schon 1986 wieder abgerissen wird.[8]
Ab 1984 setzte sich der Förderverein Norder Windmühlen für den Wiederaufbau der Mühle ein. Dem Verein gelang es, den vollständigen Oberbau wieder herzurichten. Die Mühle ist bis heute theoretisch funktionsfähig, verfügt jedoch über kein Mahlwerk. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und Mitgliederschwund musste sich der Verein im Jahr 2019 auflösen.[9]
Seit 2011 befindet sich ein kleiner Kunst- und Handwerksladen im vorderen, unteren Teil der Mühle (Wallys Schatzkästchen), der restliche Teil wird weitestgehend von einer Dauerausstellung über das tradtionelle Backhandwerk eingenommen. Im Obergeschoss befindet sich sogar eine historische Backstube. Noch bis in die 2000er Jahre war hier ein Muschel- und Schneckenmuseum ansässig, das gut 850 Exemplare aus allen Weltmeeren präsentierte.[10]
Trivia
Ab etwa 1794 bis nach dem Zweiten Weltkrieg verläuft der Berumerfehnkanal um die Mühle.
Einzelnachweise
- ↑ StAA, Rep. 37, Nr. 1426
- ↑ StAA, Rep. 4, B IV i, Nr. 271 c u. Rep. 4, B IV i, Nr. 271 f
- ↑ StAA, Rep. 5, Nr. 919
- ↑ Beschreibung der Frisiamühle auf Waymarking.com
- ↑ StAA, Dep. 71, Nr. 9, S. 25
- ↑ Archiv der Feuerwehr Norden, abgerufen am 25. Februar 2021
- ↑ Auszug aus dem Register von 1906 der Mühlenbrand-Societät für Ostfriesland und Harlingerland
- ↑ Schweling, Thorsten (1993): Die Geschichte der Norder Gnurremühle, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 30. Oktober 1993, Nr. 10, S. 37ff.
- ↑ Online-Artikel der Ostfriesischen Zeitung vom 25. Februar 2019
- ↑ Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 97
