Hotel Reichshof

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1606 (1785)
Erbauer unbekannt
Bauweise Hotel
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Neuer Weg 53

26506 Norden

Das Hotel Reichshof (Romantik Hotel Reichshof; kurz: Reichshof;) ist ein Hotel gehobenen Standards mit Sitz am südlichen Neuen Weg. Es ist das vermutlich am längsten als solches betriebene Hotel im Stadtgebiet und blickt auf eine ähnlich lange Geschichte wie das Weinhaus zurück. Bis etwa 1975 befand sich im heutigen großen Festsaal ein 1918 eingerichtetes Kino (Norder Lichtspiele).

Geschichte

Erstmalig erwähnt wird ein Hotel am Standort des heutigen Reichshofes im Jahr 1606 als Brauerei Rode Peerd.[1] Über hundert Jahre später, im Jahre 1710, wird das Gebäude als Ausspannwirtschaft beschrieben. So bezeichnete man Gastwirtschaften entlang von Reiserouten, wo die Pferde aus- bzw. abgespannt wurden und die Reiter bzw. Reisenden einkehren konnten.[1][2]

1784 wird hier unmittelbar anliegend das erste Spritzenhaus der Stadt errichtet und am 15. Juli des Jahres eingeweiht.[3] Ein Jahr später wird der südliche (rechte) Teil des Gebäudes Gasthof Zum Zeichen des Bremer Schlüssel genannt.[4] Zum Gasthof gehören ein Brau- und Malzhaus sowie eine Brennerei und eine Zichorienfabrik, die kaffeeähnliche Getränke produzierte. In dieser Zeit wurde wohl auch der Bau eines Anbaus vorangetrieben, dem sogenannten Mittelhaus (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Gaststätte).[2] Ende des 18. Jahrhunderts taucht für den Gasthof noch die Bezeichnung Zum Zeichen des Schwarzen Pferdes auf, als Eigentümer wird ein Uve Siemons Uven genannt.[2][4] 1806 wird das angrenzende Spritzenhaus wieder abgerissen und an der Dammstraße neu errichtet.[3]

1875 wird der Reichshof als Garbe's Hotel erwähnt, betrieben vom Namensgeber Carl Garbe, der zuvor die Gastwirtschaft im Vossenhus betrieb. Nach der Erweiterung der Bahnstrecke bis zum Fähranleger ab 1892 pachtete Garbe die dortige Bahnhofsgaststätte und verkaufte sein Hotel am Neuen Weg schließlich an Hayo Folkerts , der es ab 1900 als Hotel Frisia weiterführt.[4] 1906 wird das Hotel an Wilhelm Bay verkauft, der das östliche (hintere) Grundstück erwirbt und hier einen Saal mit Bühne errichtet.[5]

Im Jahre 1918 erwirbt Hans Röhr das Anwesen, welcher in dem Saal ein Kino (Norder Lichtspiele) einrichtet. Um 1920/1921, erfolgt eine Umbenennung in den bis heute geläufigen Namen Hotel Reichshof, zu dieser Zeit ist Karl Zicke Hoteleigentümer. Es wird nachfolgend noch zwei mal verpachtet.[2][5]

Am 19. September 1956 erwerben Willi Franke und seine Ehefrau Martha Franke den Reichshof mit seinen damals 20 Betten und einer Restauranträumlichkeit. Das Ehepaar sorgt von da an für eine kontinuierliche Qualität und einen guten Ruf. 1975 übergeben sie die Hotelgeschäfte in die Hände ihres Sohnes Hans-Jürgen Franke und Dorothea Franke. Mit gutem Geschmack und viel Fleiß bauen sie den guten Namen des Hauses weiter über die Grenzen Ostfrieslands aus.[2] Der Kinosaal wird zu dieser Zeit nicht mehr als solcher genutzt.[5]

Im Jahr 1984 erfolgt der Umbau des ehemaligen Kinosaals im hinteren Teil des Gebäudes zu einem großen Festsaal, der bis heute als solcher genutzt wird. Die Bühne mitsamt Vorhang lässt bis heute auf seine Nutzung als Kino zurück schließen. 1991 bis 1993 wird der Hotelbereich durch neun weitere Zimmer im kleinen und großen Gästehaus erweitert. 2001 entsteht der Wellnessbereichs Meer und Moor, zudem wird der Hotelbereich um fünf weitere Zimmer erweitert.[2]

2004 wird die ehemalige Kornkammer der Firma Doornkaat umgebaut, die sich nördlich des Hauptgebäudes befindet. Heute verbindet die Lohne Hooge Thun die beiden Gebäude. Es entstehen neben 16 Zimmern ein separater Frühstücksraum, eine Rezeption und eine gemütliche Hausbar.[2]

 
Bild des Brandes am 12. Dezember 2005.

Am 12. Dezember 2005 kommt es zu einem Brand im Restaurantbereich. Durch schnelles Eingreifen der um 2:28 Uhr alarmierten Norder Feuerwehr kann der Brandschaden auf den Restaurantbereich begrenzt werden. Nach dreimonatigen Renovierungsarbeiten kann das Restaurant im Frühjahr 2006 wieder öffnen.[2] Familie Franke zeigt sich den Einsatzkräften später durch eine Spende an die Feuerwehr dankbar.

In 2007 wird der Parkbereich um Flächen der ehemaligen Holzhandlung Wieben an der Brückstraße 6 erweitert. Hier wird auch eine alte Lagerhalle der Firma zu einer gemütlich-rustikalen Scheune hergerichtet. Eine Holzbrücke verbindet diesen Bereich mit der Doornkaatlohne und dem Hotel. Ein Jahr später wird der Wellnessbereich durch eine eigene Rezeption und Behandlungsräume erweitert. Zudem tritt das Hotel dem Verbund der sogenannten Romantik Hotels bei. Im Frühjahr 2009 eröffnet der Reichshof das Schlossparkcafé Lütetsburg am Schlosspark in Lütetsburg. 2010 wird die Küche des Restaurants erweitert. Es entsteht ein Wintergarten sowie - durch Ankauf eines südlichen Nebengebäudes - die Bar-Lounge Wolbergs sowie zwei Wellness-Lofts.[2]

Seit 2012 stehen Martina Haver-Franke und Björn Haver dem Familienbetrieb vor und führen die Geschicke des Hauses in 3. Generation fort. Unter ihrer Leitung wird das Restaurant bis 2017 weiter umgebaut und fortan unter dem Namen Heimisch betrieben. Anfang 2018 endet eine mehrjährige Umbau- und Renovierungsphase. Während dieser Zeit wurde der Großteil aller Zimmer saniert und modernisiert.[2]

Beschreibung

Das Hotel umfasst 55 Zimmer, Junior-Suiten und Lofts. Zum Hotelangebot gehört auch ein Meer & Moor Spa-Bereich. Auf mehreren Ebenen spiegeln sich dabei Ostfriesland und die Nordsee in den verschiedenen Saunen, Ruhebereichen sowie dem Indoor-Schwimmbad wider. Zwei großzügige Lofts laden zur Entspannung ein.[2]

Das zum Hotel gehörende Restaurant Heimisch sorgt für das leibliche Wohl der Gäste. Auch hotelfremde Besucher können hier essen.[2]

Trivia

Bei der Weihnachtsflut von 1717 sollen die Fluten so hoch gestanden haben, dass man in Höhe des heutigen Hotels mit dem Boot fahren konnte.[6]

Der Reichshof ist einer der wichtigsten Veranstaltungs- und Versammlungsorte der Stadt. Viele traditionsreiche Vereine und andere Körperschaften nutzen oder nutzten die Räumlichkeiten des Reichshof für ihre Zusammenkünfte, so etwa die Leegemoorgesellschaft oder die Feuerwehr Norden. Der große Festsaal ist zudem der große Veranstaltungssaal im Stadtgebiet und in der Fläche noch größer als der des Haus des Gastes.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 101
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Geschichte des Reichshof auf der hoteleigenen Seite, abgerufen am 7. April 2021
  3. 3,0 3,1 Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Norden, abgerufen am 7. April 2021
  4. 4,0 4,1 4,2 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128
  5. 5,0 5,1 5,2 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 129
  6. Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 72

Quellenverzeichnis

Siehe auch