Leybuchtpolder

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Leybuchtpolder ist ein Stadtteil von Norden und hat 276 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 15,07 km² verteilen.

Leybuchtpolder

Wappen
Höhe 1,0 - 1,5 m ü. NN
Fläche 15,068 km²
Einwohner 276 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 18 Einwohner/km²

Im Norden grenzt Neuwesteel an Westermarsch I, im Osten an Süderneuland I, im Westen an Leybuchtpolder und im Süden an die Norder Nachbargemeinde Osteel.

Namensherkunft

Der Name geht zurück auf das historische Dorf Westeel, welches sich im Bereich des heutigen Neuwesteels befunden hat und nach schweren Sturmfluten im 14. Jahrhundert aufgegeben werden musste. Nach der Neugründung am 11. Juli 1934 wurde der Ort zunächst Süderpolder genannt, bekam im Herbst 1939 jedoch zur Erinnerung an das untergegangene Westeel seinen heutigen Namen. Der Name "Süderpolder" erklärt sich aus der südlich der Stadt Norden gelegenen Lage, ähnlich wie bei Süderneuland. "Westeel" bedeutet übersetzt "West-Teil" und kann damit als Pendant zur Nachbargemeinde Osteel ("Ost-Teil") verstanden werden.

Wappen

Das Wappen des Ortes zeigt einen einen roten Spaten und einen darunter befindlichen Fluss bzw. Wasserlauf auf weißem Grund. Es handelt sich um ein sogenanntes "redendes Wappen", also ein Wappen, das die Ortsgeschichte bildlich veranschaulicht. In früheren Jahren wurden Deiche mit Muskelkraft und Spaten erbaut, worauf neben der Wasserlinie auch der Spaten im Neuwesteeler Wappen hinweisen.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 142
1848 211
1871 205
1885 180
1905 187
Jahr Einwohner
1925 204
1933 209
1939 422
1946 638
1950 664
Jahr Einwohner
1956 436
1961 409
1970 421
2016 337
2020 276

Geografie

Neuwesteel liegt etwa 6 Kilometer südwestlich von Norden. Die Gegend ist von fruchtbarem Marschboden geprägt. Das Land, auf dem sich Neuwesteel befindet, wurde vom 16. Jahrhundert an bis 1929 neu bzw. wieder durch die Schaffung von Poldern eingedeicht.

Geschichte

Mittelalter

Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils lag das 1373 bei der sogenannten Ersten Dionysiusflut untergegangene Dorf Westeel. Die Sturmflut war eine der verheerendsten an der Nordseeküste und richtete zahlreiche Verwüstungen in Ostfriesland an. Die Leybucht erreichte durch die Flut ihre größte Ausdehnung, die Fluten drangen bis in den Stadtkern von Norden vor. Das 14. Jahrhundert ging als das Jahr der schlimmsten Flutkatastrophen in die Geschichte Ostfrieslands ein.

Westeel war ein vermögendes Marktdorf und der Hauptsitz der Häuptlingsfamilie Manninga, die zu dieser Zeit eine der mächtigsten Familien Ostfrieslands war und auch über Besitztümer in Bargebur in Pewsum (Krummhörn) und der Norder Nachbargemeinde Lütetsburg verfügte. Die Lütetsburg selbst gehörte zu diesem Zeitpunkt auch den Manninga. Der Wohlstand Westeels wird in den Geschichtsbüchern als bemerkenswert beschrieben, was wohl auf den äußerst fruchtbaren Marschboden und der dadurch üppigen Erträge zurückzuführen sein dürfte. So soll es fünf Goldschmiede in Westeel gegeben haben, die dort ein gutes Einkommen erzielen konnten.

Beim Pflügen kommen am westlichen Rand des Dorfes Osteel gelegentlich Mauersteine zutage, die als Hinweis auf das untergegangene Dorf gedeutet werden. Dessen Zentrum soll in der Nähe eines ehemals "Kerkenriede" genannten Wasserlaufs bei der Warft von Hohebeer gelegen haben. Weitere Steinfunde, Mauerreste bis in 1 km westlich bzw. nordwestlicher Richtung davon, deuten auf weitere Steinhäuser hin. In diesem Gebiet verzeichnen die Archäologen sieben Warften, die Westeel zugerechnet werden. Westeel ist nach seinem Untergang weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl es ein florierendes Dorf gewesen sein soll, in dem es fünf Goldschmiede ein gutes Einkommen fanden.

Die erste Dionysiusflut am 8./9. Oktober 1373 leitete den Untergang Westeels ein. Durch die "Kleine Eiszeit" brachen vielerorts die Erträge der Landwirtschaft ein und bereits die Zweite Marcellusflut in 1362 hatte das Land schwer getroffen. Dazu kam eine verheerende Pestepidemie in den Jahren um 1350 - 1360. Die überlebenden Menschen waren finanziell wie körperlich geschwächt und nicht mehr in der Lage, die Deiche zu unterhalten. Die Fluten von 1375 und 1377 zerstörten das Land weiter, so dass es letztlich den Fluten überlassen und ausgedeicht werden musste. Auch viele Jahre nach der Aufgabe Westeels soll man die Kirchenruine noch in den Fluten gesehen haben. Deren Steine kamen letztlich ab 1387 beim Bau der durch einen Brand schwer beschädigten Marienhafer Kirche zur Verwendung.

Neuzeit

Das Gebiet südlich von Norden wurde ab 1556 nach und nach wieder der Leybucht entrissen und es entstand bis 1593 der Stadtteil Süderneuland I. Ein Großteil des heutigen Neuwesteeler Gebiets wurde ab 1678 mit der Schaffung von Wester-Charlottenpolder und Groß-Südercharlottenpolder gewonnen. Weiteres Land kam 1769 mit der Landgewinnung durch den Leysanderpolder, 1781 mit dem Schulenburgerpolder und 1804 mit dem Teltingspolder hinzu. In den Jahren 1928 bis 1929 wurde letztlich der letzte Teil - insgesamt 600 Hektar - des heutigen Neuwesteels (Leypolder) eingedeicht. All dieses neu eingedeichte Gebiet wurde ab 1930 besiedelt und am 11. Juli 1934 zunächst "Süderpolder" genannt, Neuwesteel wurde ein Ortsteil dieser Gemeinde. Im Herbst 1939 wurde die Gemeinde schließlich zur Erinnerung an Westeel in Neuwesteel umbenannt.

Eng mit der Gründung Neuwesteels verbunden war die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie. Neuwesteel wurde als erste geschlossene Bauernsiedlung im nationalsozialistischen Deutschland angepriesen und zum Aushängeschild der Nationalsozialisten. Zu den Gründungsfeierlichkeiten marschierten mehrere Abteilungen der SA und der SS auf und jedes Gebäude wurde mit Hakenkreuzfahnen beflaggt. Der Reichsbauernführer und Ernährungsminister Walther Darré pries in seiner Festrede die Gründung des Ortes als großen Erfolg der NS-Ideologie an und dass der Nationalsozialismus zurecht "Blut und Rasse in den Mittelpunkt des weltanschaulichen Kampfes gestellt habe". So sei es der Wille Adolf Hitlers, dass die Deutschen wieder eine enge Verbindung zu ihrem Heimatboden eingehen, wie es die Germanen hatten. Dementsprechend wurden die Herdfeuer der Bauernhöfe und -häuser entsprechend eines alten germanischen Brauches entzündet. Die dafür benötigten Fackeln wurde dazu in Osteel entzündet und herbeigebracht. Träger des Siedlungsprojekts "Süderpolder" war das 1922 gegründete Wohnungsbauunternehmen Niedersächsische Heimstätte (N.S.H.), das als "Organ der staatlichen Wohnungspolitik" viele Siedlungs- und Wohnungsbauprojekte verantwortlichte. 1934 gingen dort über 400 Anträge williger Siedler ein. Da in der Planung lediglich 30 Bauernhöfe, sieben Landarbeiterhäuser und vier Handwerkerstätten vorgesehen waren, überstieg der Zahl der Bewerber die vorgesehenen Möglichkeiten bei Weitem.

Die Höfe wurden entlang der Hauptstraße, dem Königsweg, gebaut. Die dazugehörigen Ländereien befanden sich direkt hinter an die Gebäude angrenzend. Diese Bauform nennt sich "Hufensiedlung", wobei mit "Hufe" eine alte Flächeneinheit für ein Stück Land genannt wird, welches im gemeinschaftlichen Eigentümer mehrerer Personen gehört (Allmende) und jemandem zur Bewirtschaftung überlassen wurden.

Den Zweiten Weltkrieg überstand Neuwesteel unbeschadet. Während des Krieges befand sich das Kriegsgefangenenlager AK Nr. 5615 im Ort. In der Holzbaracke waren 25 bis 40 französische Kriegsgefangene untergebracht, die auf den Höfen in der Umgebung arbeiten mussten.

Nach dem Krieg erlebte Neuwesteel durch Aufnahme zahlreicher Vertriebener aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, sodass die Einwohnerzahl 1946 bei 643 lag, von denen mehr als ein Drittel (221 Personen) Vertrieben bzw. Flüchtlinge waren. 1950 stieg die Einwohnerzahl um 1 auf 644, der Anteil an Vertriebenen lag jedoch immer noch 208 Personen.

Um dem wachsenden Wohnbedarf zu begegnen, wurde 1956 eine weitere Siedlung gelegt, die sich auf den Schulweg und den Westeeler Weg konzentriert. Sie wurde 1993 durch Ausweisung neuer Bauflächen erheblich erweitert. Der Westeeler Weg ist jedoch weiterhin durch Bauten aus den 1950er Jahren geprägt.

Zu Beginn war Neuwesteel eine eigenständige Gemeinde und wurde 1965 Gliedgemeinde der Samtgemeinde Leybucht. Diese wurde im Zuge der niedersächsischen Kommunalreform am 1. Juli 1972 nach Norden eingemeindet. Als eingemeindeter Stadtteil hat Neuwesteel einen Ortsvorsteher, der die Belange der Einwohner gegenüber dem Rat und der Verwaltung der Stadt Norden vertritt.

Am Leybuchtsiel entstand 2007 eine Paddel und Pedal-Station die sowohl von Einheimischen wie von Gästen gern angesteuert wird.

Im Jahre 2009 wurden Neuwesteel und Leybuchtpolder im Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. So wurde beispielsweise der stark beschädigte Schulweg erneuert und 2016 mit einer Teerdecke versehen.

Verwaltung

Neuwesteel steht ein ehrenamtlicher Ortsvorsteher vor, der den Ort und seine Interessen gegenüber dem Rat und der Verwaltung vertritt. Als der Ort noch eine eigenständige Gemeinde war, standen ein Bürgermeister und ein Gemeindedirektor an der Spitze der Verwaltung.

Bildung

Die Neuwesteeler Schule wurde nach kurzer Bauzeit zu Ostern im Jahre 1935 eröffnet. Bemerkenswert ist, dass die Schule von den Einwohner selbst erbaut wurde. Von Anfang an war es Teil der Ortsplanung, eine Schule zu errichten. Die Schule umfasste nur eine Klasse und hatte 1935 insgesamt 47 Schüler. Wie früher üblich, wurde der Unterhalt der Schule durch die Verpachtung von Land gesichert, sogenanntem Schulland. Es umfasste im Falle der Neuwesteeler Schule zwei Hektar Land. Die Schule wurde 1971 geschlossen, die Schüler wurden der Grundschule Süderneuland bzw. den weiterführenden Schulen in Norden zugewiesen. Das Schulgebäude existiert noch heute. Es befindet sich im Königsweg 22 und wird von seinem Privateigentümer als Wohnhaus genutzt.

Religion

Aufgrund des absolutistischen Machtanspruchs der Nationalsozialisten, denen die Kirche ein Dorn im Auge war, waren religiöse Gebäude nicht Teil der Siedlungsplanung. Die Gläubigen mussten zunächst ganz nach Norden, um eine Kirche ihrer Konfession besuchen zu können. Ab 1952 wurde Neuwesteel Teil der evangelischen Kirchengemeinde Leybuchtpolder. Katholiken mussten weiterhin nach Norden ausweichen.

Gesundheit und Soziales

Es ist nicht bekannt, ob Neuwesteel ebenfalls dem Armenverband Norden zugerechnet wurde, wie dies z.B. bei Westermarsch I und II der Fall ist. Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich seit jeher in Norden.

Wirtschaft und Verkehr

Die praktisch einzigen Erwerbszweige Neuwesteels sind die Landwirtschaft und der Fremdenverkehr. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt jedoch gleichzeitig stetig ab. Gab es 1949 noch 72 Höfe, waren es 1960 noch 69 und 1971 sogar nur noch 45. Seit den 2010er Jahren gibt es sogar nur noch 21 Höfe in Neuwesteel.

In den Anfangsjahren waren auch eine Reihe Handwerksbetriebe im Ort, darunter Schmiede, Schuster, Bäcker sowie eine Tankstelle mit angeschlossenem Taxibetrieb. Das letzte Lebensmittelgeschäft schloss 2008, es befand sich am Königsweg 23a, ungefähr gegenüber der alten Schule.

Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten sank zunächst von 14 (1950) auf 11 (1961), stieg dann aber wieder deutlich auf 19 (1970) an. Handwerksbetriebe hatten 1950 mit fast 29 % und 1961 mit gut 27 % daran Anteil. Die Summe der Erwerbspersonen verminderte sich von 389 (1950), über 236 (1961) auf 183 (1970). Dagegen erhöhte sich die Quote der Auspendler stetig von fast 7 %, über 17 % auf annähernd 37 %. 1961 betrug der Anteil der Einpendler 18 %.

Die noch bestehenden Höfe betreiben vorwiegend Milchviehwirtschaft und Kartoffelanbau, der in dem äußerst fruchtbaren Marschboden von Neuwesteel sehr gute Erträge bringt. Viele Höfe verkaufen ihre Waren in kleinen Hofläden direkt an die Verbraucher und bzw. oder bieten "Ferien auf dem Bauernhof" für Touristen an.

Neuwesteel verfügt auch über einen Campingplatz, welcher sich am Ende des Fährweg in unmittelbarer Lage zum Norder Tief befindet. Hier befindet sich auch ein Haus mit Ferienappartements das zum Hotel Reichshof gehört. Anliegend befindet sich ein kleiner Fähranleger, von dem aus man als Fußgänger oder Fahrradfahrer mit einer Kurbelpünte das Norder Tief zum Lorenzweg überqueren kann.

Sehenswürdigkeiten

Quellenverzeichnis